Liebe wirena, deine Gedanken zu "Tiefgang" freuen mich sehr. Mit der "Innenseite" meine ich die zarte Stelle am Handgelenk, an der sich der eigene Puls unmittelbar ertasten lässt. Im Gedicht ist dort aber "dein Puls" spürbar; d.h. der andere ist mir so nah, dass ich seinen Herzschlag an der Stelle meines eigenen empfinde. Das ist die Kernaussage des Textes:"Tiefgang " handelt von einer Nähe, die tief in uns hineinreicht, ohne unser Getrenntsein (siehe getrennte Boote) aufheben zu können. Man kann auch innerhalb seines Schutzes d.h. im eigenen abgeschlossenen Leben, das einen bewahrt und auch fernhält, untergehen. Das Wasser ist nicht nur eine trennende Fläche, es trägt beide Boote, ein geteiltes Erlebnis, das für jeden eine eigene Gestalt behält. Der Schluss verschiebt die Handlungsmacht. Zu Beginn tun die beiden etwas; am Ende ist die Strömung die handelnde Kraft.D.h. Die Nähe bleibt wirklich, kann nur nicht alles überwinden. Der Titel "Tiefgang" bezieht sich auf die Tiefe, mit der das Boot ins Wasser reicht, auf die Tiefe einer Liebesempfindung und zusätzlich klingt auch die Möglichkeit des Untergehens an. D.h. Sich tief auf einen Menschen einzulassen, bedeutet auch ,die eigenen Sicherheit aufs Spiel zu setzen.
In der Hoffnung, dass nun der Text etwas klarer wird, grüßt ich herzlich
Chandrika