Anonym
Gast
Träumen ist erlaubt
Wenn sie sentimental wird, hat sie Kopfkino. Sie liegt in seinen Armen. Ihr Kopf ruht auf seiner kuschelig weichen, behaarten Brust. Sie hört seinen Herzschlag und spürt seine Wärme. Sie könnte ewig so liegen bleiben und mit ihm unendlich viel über all die Jahre ohne ihn schweigen. Nachdem sie sich ausgeschwiegen hat, verspürt sie Durst. Sie nimmt einen großen Schluck aus ihrem Weinglas. Zwei rubinrote Weintropfen, die zwei dunklen Perlen gleichen, fallen von ihren Lippen auf ihren Bauch, versammeln sich in ein schmales Rinnsal und fließen kitzelnd in die Vertiefung ihres Bauchnabels. Er fährt langsam mit seinen Fingern über ihre Haut. Ein Hitzeschauer erfasst ihren ganzen Körper. Er folgt mit seiner Zunge dem Tropfenverlauf. Sie erschauert und spürt Schmetterlinge im Bauch. Er leitet das Bächlein mit seiner Zunge zart durch die flache Wiese ihres Unterleibes weiter. Sie schnappt nach Luft und stöhnt. Ihr Kopfkino ist beängstigend realistisch.
Es ist schon so lange her, dass sie sich nicht mehr sicher ist, ob das irgendwann mal real war. Man verdrängt vieles im Laufe der Jahre. Man vergisst nichts. Es ist ein Vierteljahrhundert her. Sie bemüht sich, die Details ihrer ersten Begegnung zu rekonstruieren. Sie bekommt das Puzzle nicht zusammen. Alles ging rasend schnell. Ihrem Flüchtigen: „Wer ist das?“ folgte das Fatale „Das ist er!“ Diesem Kurzschluss folgte ein ganz banaler Chaos. Ein Klassiker.
Das Kopfkino spielt sich gnadenlos weiter ab. Sie küsst ihn. Sie küsst ihn unwahrscheinlich gern. Sie ist ihm völlig ausgeliefert. Seine Zunge sorgt für ihre weiteren Schwindeleinheiten. Sie genießt es unverschämt. Das sanfte Eindringen seiner Finger bringt sie zum Höhepunkt. Ihr Körper entspannt sich für einen kurzen Moment.
Sie hat ihre Gedanken nicht mehr unter Kontrolle. Sie verwöhnt ihn sanft jedoch unnachgiebig. Sein Körper spannt sich an. Er stöhnt auf.
Das Verlangen nach einander steigt über das Maß hinaus und ist nicht länger zu zügeln. Ihre Körper sind aufgeheizt. Ihre Gesten sind einladend. Er dringt in sie hinein, wird langsam aufdringlicher. Sie kommt ihm im gleichen Rhythmus entgegen.
Irgendwo im Hintergrund spielt Musik. Sheryl Crow singt ihr aus der Seele: „You´re my favorite mistake ... .“ Die Musik spielt immer lauter. Sie wird wach, ärgert sich über diesen Klingelton und schaltet den Wecker aus. Sie fährt mit der Hand über ihr graues Haar. Ihre Wangen erröten leicht und ein sanftes Lächeln berührt ihre Lippen.