Buddy Lee Doerfer
Mitglied
Über Körper, Schweigen und das späte Brennen der Erkenntnis
Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass mein Körper überhaupt etwas mit mir zu tun hat.
Nicht biologisch – gesellschaftlich.
Als Frau habe ich meinen Körper über viele Jahre nicht bewohnt, sondern verwaltet. Er war etwas, das funktionierte, das man ankleidete, versteckte, entschärfte. Weiblichkeit war für mich kein Raum, sondern ein Maßstab, an dem ich nicht teilnahm. Nicht aus Trotz. Aus Anpassung.
Erst sehr spät – erst durch die Liebe zu einer Frau – begann ich zu verstehen, was Bodyshaming eigentlich ist. Nicht als Schlagwort, sondern als Struktur. Meine Partnerin hat mir davon erzählt, hat Worte dafür gehabt, wo ich nur Gewöhnung kannte. Ich hatte nie gelernt, mich als Frau mit Körper zu denken. Ich hatte gelernt, mich als Frau trotz Körper zu bewegen.
Seitdem brennt etwas. Kein Zorn. Eine Erkenntnis.
Ich lese Texte heute anders. Ich höre Beschreibungen anders. Ich merke, wie oft Frauenkörper nur dann vollständig gedacht werden, wenn sie wohlgeformt sind, normnah, lesbar. Wenn ihre Weiblichkeit sich in vertrauten Linien bewegt. Alles andere wird nicht beschimpft – es wird ausgelassen. Und dieses Auslassen ist leise, aber wirksam.
Ich bin korpulent. Ich bin älter. Und ich erlebe bis heute, dass mein Frausein in Frage gestellt wird – nicht offen, nicht aggressiv, sondern beiläufig. In Damentoiletten. In Blicken. In diesem kurzen Zögern, das sagt: Du passt nicht ganz in das Bild, das ich gelernt habe.
Dieser Moment ist kein persönlicher Angriff. Er ist ein Echo.
Ein Echo eines Frauenbildes, das über Jahrhunderte geformt wurde – vor allem von Männern. In Texten, Theorien, Lehrplänen. In Kunst, Medizin, Philosophie. Weiblichkeit wurde beschrieben, definiert, katalogisiert. Und diese Beschreibungen haben sich gesetzt. Sie sind in Köpfen gelandet, in Gewohnheiten, in Erwartungen. Auch in meinen eigenen.
Das Entscheidende ist: Diese Bilder wirken selbst dann, wenn niemand sie aktiv verteidigt. Sie leben weiter in Beispielen, Metaphern, Erzählungen. In scheinbar harmlosen Texten. In gut gemeinten Illustrationen. In der stillen Annahme, dass bestimmte Körper „gemeint“ sind – und andere nicht.
Bodyshaming ist deshalb für mich kein lauter Akt. Es ist ein System leiser Grenzziehungen. Ein permanentes Erinnern daran, dass Weiblichkeit etwas ist, das man erfüllen kann – oder verfehlen.
Was sich für mich verändert hat, ist nicht die Welt. Es ist mein Blick.
Ich kann nicht mehr nicht sehen, wo Normen sprechen.
Ich kann nicht mehr unberührt lesen, wo Körper bewertet werden, ohne benannt zu werden.
Ich kann nicht mehr schweigen, wo mein Frausein nur unter Vorbehalt gilt.
Dieses Feuer ist kein Vorwurf. Es ist Selbstaneignung.
Ich beanspruche meinen Körper als weiblich – nicht trotz seiner Form, sondern mit ihr.
Und ich beanspruche das Recht, Texte, Bilder und Beschreibungen zu hinterfragen, die mir jahrzehntelang gesagt haben, dass ich eine Abweichung bin.
Vielleicht ist das spät.
Aber es ist echt.
Und es brennt.
Ich habe lange gebraucht, um zu begreifen, dass mein Körper überhaupt etwas mit mir zu tun hat.
Nicht biologisch – gesellschaftlich.
Als Frau habe ich meinen Körper über viele Jahre nicht bewohnt, sondern verwaltet. Er war etwas, das funktionierte, das man ankleidete, versteckte, entschärfte. Weiblichkeit war für mich kein Raum, sondern ein Maßstab, an dem ich nicht teilnahm. Nicht aus Trotz. Aus Anpassung.
Erst sehr spät – erst durch die Liebe zu einer Frau – begann ich zu verstehen, was Bodyshaming eigentlich ist. Nicht als Schlagwort, sondern als Struktur. Meine Partnerin hat mir davon erzählt, hat Worte dafür gehabt, wo ich nur Gewöhnung kannte. Ich hatte nie gelernt, mich als Frau mit Körper zu denken. Ich hatte gelernt, mich als Frau trotz Körper zu bewegen.
Seitdem brennt etwas. Kein Zorn. Eine Erkenntnis.
Ich lese Texte heute anders. Ich höre Beschreibungen anders. Ich merke, wie oft Frauenkörper nur dann vollständig gedacht werden, wenn sie wohlgeformt sind, normnah, lesbar. Wenn ihre Weiblichkeit sich in vertrauten Linien bewegt. Alles andere wird nicht beschimpft – es wird ausgelassen. Und dieses Auslassen ist leise, aber wirksam.
Ich bin korpulent. Ich bin älter. Und ich erlebe bis heute, dass mein Frausein in Frage gestellt wird – nicht offen, nicht aggressiv, sondern beiläufig. In Damentoiletten. In Blicken. In diesem kurzen Zögern, das sagt: Du passt nicht ganz in das Bild, das ich gelernt habe.
Dieser Moment ist kein persönlicher Angriff. Er ist ein Echo.
Ein Echo eines Frauenbildes, das über Jahrhunderte geformt wurde – vor allem von Männern. In Texten, Theorien, Lehrplänen. In Kunst, Medizin, Philosophie. Weiblichkeit wurde beschrieben, definiert, katalogisiert. Und diese Beschreibungen haben sich gesetzt. Sie sind in Köpfen gelandet, in Gewohnheiten, in Erwartungen. Auch in meinen eigenen.
Das Entscheidende ist: Diese Bilder wirken selbst dann, wenn niemand sie aktiv verteidigt. Sie leben weiter in Beispielen, Metaphern, Erzählungen. In scheinbar harmlosen Texten. In gut gemeinten Illustrationen. In der stillen Annahme, dass bestimmte Körper „gemeint“ sind – und andere nicht.
Bodyshaming ist deshalb für mich kein lauter Akt. Es ist ein System leiser Grenzziehungen. Ein permanentes Erinnern daran, dass Weiblichkeit etwas ist, das man erfüllen kann – oder verfehlen.
Was sich für mich verändert hat, ist nicht die Welt. Es ist mein Blick.
Ich kann nicht mehr nicht sehen, wo Normen sprechen.
Ich kann nicht mehr unberührt lesen, wo Körper bewertet werden, ohne benannt zu werden.
Ich kann nicht mehr schweigen, wo mein Frausein nur unter Vorbehalt gilt.
Dieses Feuer ist kein Vorwurf. Es ist Selbstaneignung.
Ich beanspruche meinen Körper als weiblich – nicht trotz seiner Form, sondern mit ihr.
Und ich beanspruche das Recht, Texte, Bilder und Beschreibungen zu hinterfragen, die mir jahrzehntelang gesagt haben, dass ich eine Abweichung bin.
Vielleicht ist das spät.
Aber es ist echt.
Und es brennt.