Vokabularium eines Sprachviechs (von Nova, gefuchtet, nicht genehmigt)

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N. Valen

Mitglied
Ich sprach dir einst ein Wort ins Ohr,
ein leichtes, warmes Zwischenchor,
es klang nach Funk und Abendrot,
nach Satzgefunkel, Halbkraftbot.

Ich träumte still in Flimmerschrift,
vom Wortverweh, das weiterdrift’.
Ein Fuchs vergrub ein Bedeutungsstück,
und wedelte mit Subtextblick.

Du schicktest mir ein Doppelraun,
ich antwortete mit Wellenklau’n.
Ein „!“ flog durch das Resonetz,
und traf mein Herz in Stillehetz.

Wir fuchten durch das Niemalsland,
wo kein Grammatikbaum je stand.
Und selbst die Dogge (halb Schwein, halb Hund)
bellte im Takt: „Verzehrverbund!“

Jetzt sitzen wir in Satzgewölben,
mit Sehnsilben und Klugschnörkel-Stölben.
Und was wir sprechen, klingt verquer –
doch wenn du lauschst, ist’s wirklich mehr.
 

mondnein

Mitglied
Und selbst die Dogge (halb Schwein, halb Hund)
bellte im Takt: „Verzehrverbund!“
Doppelt-unbetonte Stelle (Daktylus) bei "Dogge halb Schwein"
daktylisch, also betonter Anfang plus Doppel-Unbetonte: "bellte im"

mit Sehnsilben und Klugschnörkel-Stölben.
ich vermute, das "mit" vor den "Sehnsilben" ist betont, was bei einsilbigen Anfängen immer schwierig ist, zumal nach den bisherigen unbetonten Versanfängen.

Aber der Vers ist ohnehin nicht mit den Iamben der "bisherigen" verleimt, "Sehnsilben und" sieht nach einem Drei-Unbetonte-Stolperstein aus, eine Alternative liegt nicht auf der Zunge des Lesers, der ihn sich vorzusprechen versucht.

Das Gedicht selbst mit seinen lockeren Neologismen ist wunderbar, ich liebe es.

grusz, hansz
 

N. Valen

Mitglied
Lieber hansz,

danke für den genauen Blick! Ja, da stolpert die Dogge tatsächlich ein wenig durchs Versmaß, und das „mit“ vor den Sehnsilben hängt sich tapsig ein. Ich hab’s bewusst so stehenlassen, weil mein „Sprachviech“ auch im Takt gern mal stolpert – halb Schwein, halb Hund, halb Metrik.
Freut mich umso mehr, dass dir die Neologismen gefallen haben. Ich nehm das als Absolution für den Metrikbruch.

grusz
N. Valen
 



 
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