wie jedes jahr

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ich sitz auf meiner nebelbank
lass lang die füße baumeln
und lieb wie letzten sonnentrank
im herbst das blättertaumeln

in weiße schwaden eingehüllt
durchstreif ich berg und wälder
sind vorratskammern vollgefüllt
bedeck ich leere felder

bestäub mit reif das gras als frost
leg die natur zur ruhe
nun sucht im kerzenschein ihr trost
nach decken in der truhe

sie geben wärme die ich nahm
und es vollzieht die planung
wie jedes jahr sich - seht: ich kam
ich bin die winterahnung





.nov_2025
 
Zuletzt bearbeitet:

Ubertas

Mitglied
Liebe Fee,
wie gut, dass die liebe Maren vorhin den Sternenbalken betätigt hat! Sonst wäre mir dein wundervolles Gedicht aus unerklärlichen Gründen entwischt. Termin beim Glaser steht:D!
Dein Gedicht hat einen so ruhigen, stillen, ja andächtigen Ton, sich zurücklehnend, was sich auch in deiner Wortwahl ausdrückt:

ich sitz auf meiner nebelbank
lass lang die füße baumeln
Das gefällt mir außerordentlich gut. Hervorragend gewählt ist auch die Perspektive. Es spricht nicht irgendjemand über seine "Winterahnung", nein, die Winterahnung spricht selbst.
Dir ist ein so trefflicher Aufbau hin zur wahren Winterahnung gelungen, erst erscheint sie leichtfüßig aber in vollem Besitz ihrer Kraft:
und lieb wie letzten sonnentrank
im herbst das blättertaumeln
Man wird förmlich beim Lesen eingehüllt in die traumgleiche Stimmung
in weiße schwaden eingehüllt
durchstreif ich berg und wälder
sind vorratskammern vollgefüllt
bedeck ich leere felder
Die Winterahnung vollführt die Verwandlung.

Erst in der dritten Strophe tritt der Mensch in diese Ahnung ein, der sich nun "Trost" sucht im Kerzenschein und ein Teil des Wandels wird. Wie wunderbar sich die Winterahnung in der letzten Strophe mit einem "seht: ich kam" an die Menschen wendet. Leise, aber in ganzer Größe.
Wer bei diesem Gedicht nicht ins Träumen und Sinnen gerät, hat womöglich "keine Ahnung";).

Restlos begeisterte und liebe Grüße sendet dir
ubertas
 



 
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