(Zahl bitte einfügen)

Auch dieses Meer schickt den Wellenteppich: Woosh-woosh. Vorne dran hängt der Fransen-Schaum.
Du tauchst rotlackierte Nägel in Sand. 10 Stück in cherry-red. Feuchter Sand. Ziehst den Bauch ein, dass keiner was sagen kann.
24 Leute gehen vorbei, bis einer kommt, der was gleichschaut.
24 Schirche, Alte, schlecht gestylt oder fett. Gehen hin und her übern Strand.
Irgendwo im Krieg sind heute schon (Zahl bitte einfügen) draufgegangen. Sie stecken keine Füße in Sand. Sie werden Sand. Werden Staub. Woosh-woosh.
Eine Libelle! Hockt sich hin zu deinen Zehen in Rot. Schwarze Libelle. Den Bauch lass besser eingezogen. Damit keiner sagen kann, du schaust nix gleich.
Da vorn. Graben sich Kinder im Sand ein. Komplett. Nur der Kopf schaut noch raus. Nur Spaß! Für die beiden ist es nur Spaß. Andere sind jetzt nur noch Staub. Du ziehst den Bauch ein. Irgendwo im Krieg sind schon (Zahl bitte einfügen) verhungert. Woosh-woosh.
Eine Möwe! Spaziert unter den Strandliegen umher. Findet ein Fressen dort. Fliegt auf den Sonnenschirm. Ein Heer aus Schirmen am Strand. Die Möwe schaut runter auf: Menschen unter Schirmen. Frisst ihr gefundenes Fressen.
(Zahl bitte einfügen) fressen nix mehr. (Zahl bitte einfügen) haben nix mehr gefunden.
Die rotlackierten Nägel sollten den Bauch einziehen! Woosh-woosh.
Das kleine Mädchen will nicht ins Wasser. Die dicke Mama lacht und sagt: Komm!
Hinter Schleierwolken ist die Sonne eine blasse CD. Der Sommersoundtrack läuft nicht mehr richtig. Für (Zahl bitte einfügen) läuft er nie wieder. (Zahl bitte einfügen) laufen nie wieder. Nie wieder Füße im Sand…

Der Horizont wird krass dunkelblau. Woosh-woosh. Etwas fliegt über den Strand und es stört.
BRUMM-BRUMM!
„Ich glaube, das ist eine ___“, sagt der Mann. Er ist sich nicht sicher.
BRUMM-BRUMM: So laut und bedrohlich.
Damit wir den Krieg nicht vergessen!
(Zahl bitte einfügen) vergessen ihn nie mehr, sicher nicht.
17 Leute gehen vorbei. Bis einer kommt, der okay ausschaut. 17.
Rote Nägel im Sand. Blutrote Nägel.

Und du willst jetzt was Ewiges, Großes schreiben. Was man in 100 Jahren noch lesen wird und verstehen wird man. Und man wird mit dir im Sand gelegen haben wollen an deiner Seite. Wo heute kaum jemand liegt.
Schreib was vom Wind. Der dir frisch ins Herz greift und in die salzigen Locken. Vom Sonnenstrahl, der in deine Augen hineingeht und: Von sandnassen Händen mit Stift auf Papier. Und von den (Zahl bitte einfügen), für die es keine Sonne mehr gibt. Und die Möwe schaut auf dich herab. Und die Libelle schaut zu dir herauf.
Du flüsterst Worte ins Badetuch, bevor du sie zeichnest. Während du auf dem Bauch liegst. Den du eingezogen hältst. Und rote Nägel. Und ein Föhn wie ein Federstreich. Und ein Licht wie ein Honigtopf. Und (Zahl bitte einfügen), die nicht mehr sind.

Und Du willst die fette füllige Frau umarmen, wie sie so aus den Wellen steigt. So ganz ohne Bauch einziehen. Woosh-woosh. Und das Kind willst du herzen, das den Bruder im Sand eingräbt. Haha und hihi! Aber:
BRUMM-BRUMM obendrüber.
Und der Mann sagt:
Oh ja!
Das ist eine F-16!
Weil: Der Mann kennt sich aus.
Und in 100 Jahren werden sie sagen:
Oh nein!
Aber (Zahl bitte einfügen) werden dann nicht mehr sein.

Handgeschrieben am 09. 09. 2025, am Strand von Caorle​
 
Hallo Dichter Erdling,
gruselig schöner Text. Auch ich denke ständig an des Geschehen in der Welt. Besonders in der Ukraine. Vom Gaza Streifen hört man ja nichts mehr. Was die Sache nicht besser macht. Immer, wenn mir irgendwas nicht passt, habe ich ein schlechtes Gewissen, weil das Lappalien sind, wohingegen sie dort im Schützengraben liegen. Habe letztens eine Sendung über ein Hilfsprojekt für Soldaten mit fehlenden Gliedmaßen gesehen. Mit deutschen Mitteln errichtet. Ein ganz junger Kerl-Keine Beine, nur noch einen Arm.
Wie gesagt. Gut geschrieben. In den Friedensverhandlung keinerlei Fortschritte zu erkennen.
Gruß Friedricshhainerin
 



 
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