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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
"Weihnachtsgeschichte"
Eingestellt am 23. 09. 2006 23:35


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Stefan
AutorenanwÀrter
Registriert: Sep 2006

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Hedwig, die Weihnachtsgans ( MĂ€rchen )

Auf einem großen Bauernhof, irgendwo im hohen Norden, lebte einst eine schneeweiße Gans mit Namen Hedwig. Sie lebte nicht allein auf dem Bauernhof, sonst wĂ€re es dort bestimmt zu langweilig gewesen.
Nein, Hedwig lebte dort zusammen mit drei HĂŒhnern, einem farbenprĂ€chtigen Hahn, fĂŒnf Schafen einem klapprigen, alten Zugpferd und der HaushĂŒndin Lolita, einer rassigen Spanierin aus dem Stamme der Cockerspaniels.
NatĂŒrlich gab es dort auch Menschen, nĂ€mlich den Bauern Heinrich und seine immer lachende Frau Gisela, die Magd Hilde, die alle Tiere fĂŒttern musste und von Hedwig besonders geliebt wurde wegen ihrer beiden strohblonden Zöpfe, nach denen Hedwig hin und wieder im Spiel schnappen durfte.
Hedwig, die Gans war von allen Tieren auf dem Hof das allerschönste. Gerade mal der Hahn Nero konnte mit seinen vielen Farben versuchen, es mit ihrem Schneeweiß aufzunehmen. Und man konnte wohl auch annehmen, dass Hedwig so weiß und elegant, sicher auch die Untugenden vieler weißer und eleganter Damen besaß: die Eitelkeit und die HochnĂ€sigkeit.
Mitnichten. Hedwig war das liebenswerteste Geschöpf, das ein Bauernhof im hohen Norden beherbergen kann.
Immer hilfsbereit und freundlich, jederzeit gut gelaunt und immer bereit, dem Kummer anderer zuzuhören.
Und Zuhören gehört ja gerade nicht zu den Eigenschaften, die man einer schnatternden Gans zutraut.
Hedwig war sich nicht einmal zu schade, im Sommer auf den Eiern der Henne Kalpurnia zu brĂŒten, als diese sich den linken FlĂŒgel gebrochen hatte.
Alle liebten Hedwig und Hedwig liebte alle, und alles wĂ€re genauso friedlich weitergegangen, wĂ€re da nicht das Weihnachtsfest nĂ€her gerĂŒckt.
Die gutmĂŒtige Hedwig fasste es als besondere Ehre auf und freute sich riesig, als sie zufĂ€llig vernahm, dass sie in diesem Jahr die Weihnachtsgans werden sollte. Wie schön musste es sein, am heiligen Abend mit einer roten Schleife dekoriert, den schönsten Platz unter dem Weihnachtsbaum einzunehmen.
Voller Stolz erzĂ€hlte sie das bevorstehende Ereignis der HĂŒndin Lolita, dann dem Hahn Nero und schließlich der Henne Kalpurnia. Aber seltsam, keiner freute sich mit ihr.
Ja, immer wenn sie ihr bevorstehendes GlĂŒck mit jemandem teilen wollte, drehte sich der schweigend ab und sah traurig zu Boden.
Hedwig bekam langsam das GefĂŒhl, alle waren traurig und vielleicht sogar eifersĂŒchtig, nicht selbst als Weihnachtsgans den heiligen Abend mit den Menschen verbringen zu dĂŒrfen.
Und es wurde still und stiller auf dem Hof und Hedwig wurde von Tag zu Tag trauriger. Gönnte ihr denn keiner die Ehre, eine richtige Weihnachtsgans zu werden?
Als Heinrich eines Tages mit einem scharfen Beil zum Schleifstein am Wassertrog ging, da war es soweit.
Traurig, aber entschlossen machte sich Hedwig zu dem alten Klepper auf, dem Wallach Sebastian.
„Sebastian\" flĂŒsterte die Gans kaum hörbar, „ich habe lange nachgedacht und bin zu einem Entschluss gekommen: Wenn auf diesem Hof keiner mehr mit mir reden will, weil ich offenbar zu unwĂŒrdig bin am heiligen Abend die Weihnachtsgans zu sein, dann verzichte ich lieber auf die hohe Ehre.
Euer aller Freundschaft ist mehr Wert als aller Ruhm der Wel.\"
Und wĂ€hrend sie Heinrich draußen auf dem Hof laut nach ihr rufen hörte, trat sie noch dichter an Sebastian heran und seufzte mit einer TrĂ€ne im Auge:
„Du, Sebastian, du bist hier der Älteste, nur dir gebĂŒhrt die Ehre, die Weihnachtsgans zu sein. Geh hinaus zu Heinrich, er wird sicher nichts dagegen haben.\"
Sebastian schaute die Gans zweifelnd und voller Unglauben an: „Hedwig,\" rief er dann in Panik, „Hedwig, solltest du wirklich nicht wissen, was es heißt, eine Weihnachtsgans zu sein?
Wir alle sind schon seit Tagen traurig, weil wir dich alle vermissen werden. Keiner konnte mehr froh werden mit dem Gedanken, dich als Weihnachtsgans auf dem Tisch von Heinrich und Gisela zu sehen!\"
Jetzt war es Hedwig, die unglĂ€ubig schaute und es kostete Sebastian nicht wenig MĂŒhe, der armen Gans die volle Wahrheit zu erklĂ€ren.
Und langsam begriff Hedwig.
Trotzdem begann sie wieder leise zu lĂ€cheln. „Wie schön, „ rief sie, „dann habt ihr mich alle wirklich lieb, denn sonst wĂŒrde euch mein bevorstehender Tod nicht so traurig machen.\" Und mit beseeltem LĂ€cheln eilte sie Heinrich entgegen.
Als sie aber die wild entschlossenen Augen Heinrichs sah und das scharfe Beil in seiner Hand erkannte, da bekam sie es gehörig mit der Angst zu tun und laut schnatternd rannte sie vor dem Menschen davon.
Und immer schneller rannte sie und immer schneller bis sie den Boden unter den FĂŒĂŸen verlor und plötzlich in der Luft war.
Richtig, erst jetzt wurde ihr bewusst, dass sie ja ein Vogel war und fliegen konnte. Heinrich guckte ganz verdutzt, aber alle Freunde Hedwig, sogar die Magd Hilde riefen ihr zu: „Flieg weg, flieg weit weg, liebe Hedwig, flieg solange du kannst!\"
Und unter dem Jubel der Hofbewohner verschwand Hedwig am sĂŒdlichen Firmament.

Aber noch ist die Geschichte Hedwigs nicht zu Ende: Denn solange die schneeweiße Gans durch den Raum und die Zeit flog und wo immer sie landete, nirgends schien es ihr ausreichend sicher und weit genug entfernt zu sein, um doch noch von Heinrich und seinem Beil erreicht zu werden.
An einem Abend, der von auffallendem Sternenlicht beschienen war, landete sie erschöpft in einem Stall. Nur ein Esel und eine Ochse fanden sich darin, keine HĂŒhner, keine Schafe und auch kein Sebastian. Aber Hedwig war zu mĂŒde. „Hier bleibe ich,\" seufzte sie, und sank zu Boden. „Selbst auf die Gefahr hin, dass Heinrich mich noch erreicht.\"
Aber kein Heinrich tauchte auf. Zwar kamen spĂ€ter noch ein Mann und eine Frau, und noch spĂ€ter ein ganz kleiner Mensch dazu, der in ein Holzgestell gelegt wurde, aber es herrschte eine wohltuende Stimmung voll Friede und Freude. Hedwig wurde endlich wieder die ruhige, weiße und weise Weihnachtsgans. Zusammen mit dem netten Ochsen und dem freundlichen Esel durfte Hedwig das neugeborene Kind bewachen und keiner wĂŒrde ihr hier ein Leid antun.
Wir ihr sicher alle schon vermutet habt, war Hedwig im Stall zu Bethlehem gelandet und stand dort hinter Maria, Josef und dem Christkind: Der Ochse, der Esel und die Weihnachtsgans.

Wie, ihr vermisst die Gans auf allen Bildern und den schönen Holzkrippen, die den Stall von Bethlehem darstellen? Das ist kein Wunder, denn schließlich soll Heinrich ja nicht erfahren, wo Hedwig jetzt steckt. Aber wenn ihr ganz genau hinseht und ganz genau nachlest, sitzt da zwischen dem Ochsen und dem Esel etwas schneeweißes, glĂŒckliches:
Hedwig, die Weihnachtsgans.

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Der Kluge lernt aus den Fehlern der Anderen, der Dumme nicht mal aus den eigenen.

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Ralph Ronneberger
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Hallo Stefan,

erst mal herzlich willkommen auf der Leselupe.
Als Einstieg hast du hier eine Geschichte - nein - ein MĂ€rchen prĂ€sentiert, von dem ich (beim Titel) schon befĂŒrchtet hatte, es könne sich um einen Abklatsch der berĂŒhmten Weihnachtsgans Auguste handeln. Zum GlĂŒck ist das nicht der Fall. Ich fand das MĂ€rchen hĂŒbsch und hĂ€tte - von ein paar leicht auszubĂŒgelnden FlĂŒchtigkeitsfehlern abgesehen - nix zu meckern.
Leider bist du in der falschen Rubrik gelandet. Das kann vorkommen. Ich schiebe deinen Text hinĂŒber zu den MĂ€rchen. Ich denke, dort wird man dich und dein kleines Werk willkommen heißen.

Gruß Ralph
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flammarion
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ein

sehr nettes mĂ€rchen. gut geeignet fĂŒr kinder.
lg
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Old Icke

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