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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART (L)
A Sonettle
Eingestellt am 29. 11. 2008 19:22


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Walther
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A Sonettle


I hao dr heit a klois Sonettle gschrieba.
`s war neidich, hao i geschdig bei mr deegt.
Die letschta Woch hao i di ed reacht pflegt.
Koi Gosch voll gschwätzt, still be i täglang blieba.

Vor lautr schwer Schaffa hot sich nix mei gregt,
Em Trubl ond em Chaos semmr bloß trieba
Am morga uffstao, gruppa, nemme lieba:
Ens Bett semmr neigflackt, ’s Licht aus ond schao gsägt.

Du hoschd ed gschempfd, doch i hao’s grad no gfühlt,
Du dengschd, der hot am End mi schoa vrlassa,
Weil d'Liab isch daot ond schao abgekühlt.

Komm, laß mi di an deiner Hifta fassa,
Di kissa, d’Hoar, die werded etzt zrwühlt:
Du kommsch mr ed drvo, sell keht dr bassa!

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 29. 11. 2008 19:22
Version vom 29. 11. 2008 20:24
Version vom 30. 11. 2008 10:38

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Walther
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Ins Hochdeutsch übertragen:

Dir hab ich heute ein Sonett geschreiben.
Weil’s nötig war. Erst gestern dran gedacht,
Die Woche war ich wirklich ungeschlacht,
Kein Wort hab ich gesagt, bin still geblieben.

Vor lauter Arbeit hab ich einfach zugemacht.
Im Trubel, Chaos sind wir bloß getrieben,
Nur Aufstehn, Kampf: Wie soll man da noch lieben?
Ins Bett gefallen, schnarchend durch die Nacht.

Geschimpft, das hast Du nicht: Ich hab’s gefühlt:
Du denkst, vergessen hat er mich, verlassen,
Die Liebe ist, vergangen, abgekühlt.

Komm, laß Dich an der Hüfte fassen,
Dich küssen. Ja, die Haare sind zerwühlt,
Na und? Bleib stehn, das könnte Dir so passen!

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Crimson Conjuror
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A Sonettle

Mein Gott, Walther!

Du bischd jô a reachter Schwôb! Wenn i dees au noo gwießt hett’! Nô hett’ i no ganz anders midd’r gschwätzt!
Jetz’ aber erschd a’môl zu dei’m Sonettle (aab’r fei ’uf „Schriffddeidsch”, gell?)

Auch wenn die Verkleinerung fester Teil schwäbischer Mentalität ist, trifft deine Umschreibung „A Sonettle” hier wörtlich zu. Es ist kein „14+1-zyklisches”, sondern ein „1-zyklisches”. Zwei Quartette, zwei Terzette, in den Reimschemata – abba – baab – cdc – dcd.

In den Übergängen zwischen den Strophen findet stets eine klangliche Abwechslung im Endreim statt: a zu b, b zu c und c zu d. Und würde man die beiden Terzette zusammenfassen, hätte man sogar ein cd-cd-cd. Das alles klingt sehr harmonisch, gefällt mir!

Vers 5 und 8 leiten mit einem Daktylus ein, Vers 11 mit einem Trochäus, nachdem Vers 10 mit zwei Daktylen schloss (korrekter Plural lt. Wörterbuch) und Vers 6 mit 1 Daktylus. All das und vereinzelte Verwendung hochdeutscher Wörter (11: Feuer, 12: deiner, 13: Haar) erzeugt etwas Unruhe beim Lesen sowie beim Vortragen, vor allem in Mundart (dô brichsch’ d’r d’Zong’ a’!) Da aber „Feuer” neben „abgekühlt” steht (beides hochdeutsch), sehe ich das als Formfreiheit an.

Meintest du in Vers 12 Ein- oder Mehrzahl? Vermutlich letzteres...
„Komm, lass mi di an deirer Hüfte fassa,” (Singular)
„Komm, lass mi di an deine Hüfta fassa” (Plural)

Ich stoße im täglichen Umfeld immer wieder auf endemische (scheinbar nur regional - nirgendwo sonst - existierende), schwäbische Wörter: was heißt „gruppa”? Weiter verwendest du unterschiedliche Apostrophe. Und „Am morga” schreibt man groß.

Dein Werk ist ein gutes Beispiel dafür, wie „sprachbequem” man im Ländle ist, und dass wir wahre Meister darin sind, eine Fülle von Informationen in „wenigste” Wörter zu packen: „’s Licht aus ond schao gsägt.” würde auf Hochdeutsch heißen: „machten das Licht aus und schliefen sofort ein (elf Silben im Ggs. zu fünf).” Ähnlich wie bei „doch i hao’s grad no gfühlt,”

Aber aus der Sprache geht auch eindeutig hervor, dass es eine lyrische Bitte um Vergebung zwischen zwei Leuten ist, die bereits alle Hochs und Tiefs miteinander durchgestanden haben. Somit bleiben solche Unreinheiten, wenn schon bemerkt, unkommentiert (vom Partner, ist ja kein Kritiker).

Dein (sehr persönliches) Gedicht zeigt, dass du nicht nur saumäßig sprachgewandt bist, sondern auch saumäßig aufmerksam und sensibel gegenüber deinen nächsten Angehörigen, auch wenn das nicht immer wahrgenommen wird: „der hôt di v’rgessa, ’etz ben i v’rlassa,” Die letzte Strophe zeigt allerdings ganz klar, wie’s um die Liebe tatsächlich steht! Sie ist unbescholten.

Und das alles in urschwäbischer Art präsentiert – wia oi’m d’ Gosch halt gwachsa isch!
Heilig’s Herzegle vo’ Biberach! Sauguat!

D’r Markus vo’ Reitleng’

__________________
Fühle dich frei und kühn! Sei unvorsichtig, sei rücksichtslos! Sei ein Löwe! Sei ein Seeräuber, wenn du schreibst! - Brenda Ueland, Ritterin

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Walther
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Lb. Crimson,

danke für Deinen Eintrag. Schwäbisch ist eine interessante "Sprache", und viele schwäbische Sonette gibt es nicht. Da dachte ich, vrsuchschs halt.

Zum Metrum:

quote:
I hao dr heit a klois Sonettle gschrieba.
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`s war neidich, hao i geschdig bei mr deegt.
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Die letschta Woch hao i di ed reacht pflegt.
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Du dengschd, der hot am End mi schoa vrlassa,
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Weil d'Liab isch daot ond schao abgekühlt.
xXxXxXxXxX

Komm, laß mi di an deiner Hüfta fassa,
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Di küssa, d’Hoar, die werded etzt zrwühlt:
xXxXxXxXxX
Du kommsch mr ed drvo, sell keht dr passa!
xXxXxXxXxXx

Ich habe also nochmals nachgearbeitet. Jetzt sollte das Metrum besser passen.

Vielen Dank für Deine Bemühungen und ein herzliches Grüß Gott nach RT!

Scheenr Obed

W.
__________________
Walther
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Crimson Conjuror
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A Sonettle

Vielen Dank für deinen schwäbischen Beitrag! Mit dem Verlust einer Sprache, und sei es ein Dialekt, geht der Verlust eines Teils der Kultur einher. Wir sollten diesen Schatz bewahren und an unsere Kinder selbst weitergeben, denn selbst in SWR kommt nicht so viel Schwäbisch wie Schwizerdütsch in DRS/ SF.

Die Überarbeitung hat sich gelohnt. Aber wann tut's das nicht, wenn’s nicht gerade eine „Verschlimmbesserung” ist?

Und nochmals vielen Dank dafür, mit deiner erstaunlichen Energie meinen umfangreichen Kommentar trotz Bergen von Arbeit noch nachträglich kommentiert zu haben!

Adele!
Markus

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