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Leselupe.de > Gereimtes
Abschiedsleiden
Eingestellt am 30. 09. 2009 20:20


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Walther
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Abschiedsleiden


Ist es ihr Haar, das durch den Lindenbaum
Sich mit den fr├╝hen Nebelschwaden windet?
Ist sie es, die sich in dem Wind befindet,
Der mich ber├╝hrt, als w├Ąr er mehr als Traum,

Als k├Ânnte ich ihn greifen, streift er mich:
Ich will mich in ihn h├╝llen, will verstehen,
Will mit den k├╝hlen Nebeln weiter gehen.
Es ist die Feuchte, Nacht verschattet sich,

Auf meinen Wangen, meiner wunden Haut.
Erst gestern habe ich sie angeschaut,
Sie war ganz w├Ąchsern, voller Abschiedsleiden.

Mir ist so schwer geworden: Was vertraut
Erscheint, strebt fort; bevor der Morgen graut,
Wird alles, was ich will und bin, verscheiden.

__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Version vom 30. 09. 2009 20:20

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Benedikt Behnke
Guest
Registriert: Not Yet

Hi!

Sehr geiles Gedicht, sehr toll, emotionsstark!
Mich st├Ârt nur "verschattet sich", weil ich mir nicht so richtig Feuchtigkeit vorstellen kann, die sich verschattet ... vielleicht besser: "Es ist die Feuchte, denn sie bettet sich / Auf meine Wangen" oder "Es ist die Feuchte, so unweigerlich / Auf meinen Wangen" oder kA ... ist auch nicht so schlecht, nur ein wenig komisch, aber gut ... und das in einem sonst perfekten Gedicht! Hallelujah! ^^

Weiterhin frohes Schaffen! ;D

Gru├č
Bene

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wirena
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Ich las gerne und verstand. - meinte ich - doch irgendwo f├╝hlte ich ein Loch, ein Bruch - etwas stimmte nicht, obwohl alles gut, klar war. Wollte echt verstehen k├Ânnen und las wieder. Nicht mehr lyrisch sondern wach und aufmerksam - und bemerkte:

Eindr├╝cklich der Wechsel von 4Zeilern zu 3Zeilern - vom du zum ich - die Feuchte verschattet sich im Nebel im Gegensatz zum klaren Wasser - kann ich verstehen - wenn auch nicht auf Anhieb :-) Herzlichen Dank dem Gedichte- und dem Kommentareschreiber!
lg wirena
__________________
Das Innere oder Innerliche ist um so wirklicher, als ich es mir immer wieder erobern muss.
"Was ich selbst erlebt habe, ist nur dann wahr, wenn es als verwandelter Vorgang wiederkehrt. Hans Bender, geb. 01.07.1919

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Vera-Lena
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Lieber Walther,

gleich doppelt belegt ist der Titel, denn (ich nehme mal an, dass es sich um zwei Ehepartner handelt) Du beschreibst sein Abschiedsleiden und ihr Abschiedsleiden.

Sehr gelungen, wie ihr "Wenigerwerden" von dem Mann empfunden wird innerhalb der Nebel und es Windes. Der Wusch, zu verstehen, warum der Andere jetzt gehen muss, kommt gut heraus. Das pers├Ânliche Leiden ├╝ber den Tod des Anderen wird angenehm zur├╝ckhaltend geschildert mit den "Verschatteten Wangen" und der "wunden Haut".

Die Schlusszeile steht dem f├╝r mein Empfinden inhaltlich etwas entt├Ąuschend gegen├╝ber.

"Wird alles, was ich will und bin verscheiden."

Niemals ist ein Mensch derjenige, der er ist, durch einen anderen Menschen. Gerade deswegen wachsen Menschen aneinander, weil sie aus sich selbst stark und klar werden m├╝ssen. Und wenn der Partner ins Jenseits geht, fehlt etwas, aber es fehlt nicht das, was man aus sich sebst herausgearbeitet hat, der zu sein, der man jetzt ist.

Vielleicht ginge es so:

Wird alles, was ich mit dir will, verscheiden.

immer vorausgesetzt nat├╝rlich, dass Du in dieser Sache mit mir einer Meinung bist.

Ansonsten habe ich nichts zu meckern. Es ist ein sehr gelungenes Sonett zum Thema "Abschied".

Liebe Gr├╝├če
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Walther
Routinierter Autor
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Lb. wirena,

in der Tat hat der Hinweis von Benedikt mir den n├Âtigen Gedanken eingegeben, den Vers S2Z4 zu verbessern. Danke f├╝r Deinen Eintrag.

LG W.

Lb. Vera-Lena,

Deine ├ťberlegungen sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Vielleicht ist der letzte Vers zu stark auf den pers├Ânlichen Schmerz des Verlassenen, der nicht mehr aus noch ein wei├č, bezogen. Daher habe ich auch diese sehr starke Verlustformulierung gew├Ąhlt gehabt. Ich habe das aus diesem ├╝berm├Ąchtigen Schmerz des LyrIchs betrachtet. Schmerz und Trauer machen gerne "ungerecht". Das habe ich in den Vers fassen wollen.

Nat├╝rlich ist Deine Formulierung "richtiger". Die Frage ist, ob sie aus der Sicht des frisch Trauernden "wahrer" ist, also den urspr├╝nglichen Empfindungen gleich nach dem Eintritt des Verlusts entspricht.

Ich kann das nicht wirklich letztlich beurteilen, da ich bisher diesen ultimativen Schmerz nicht habe erleben m├╝ssen, dem Himmel sei Dank. Meine Formulierung gibt die Beobachtung und die Gespr├Ąche mit Menschen wieder, die eine solche Erfahrung erlebt haben. Die Trauer war zu anfangs so extrem, wie ich sie formuliert habe, und dann, zum Gl├╝ck, Deiner Einsch├Ątzung zu weichen.

Daher f├Ąllt es mir gerade schwer, eine Entscheidung zu Deinem Vorschlag zu treffen, dessen Berechtigung ich aber sehr wohl sehe.

Danke und lieber Gru├č

W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Leider habe ich mich verklickt, Walther,

das sollte ne 10 geben. (Mir gef├Ąllt das Gedicht ganz au├čerodentlich):

quote:
Es ist die Feuchte, Nacht verschattet sich,

Auf meinen Wangen, meiner wunden Haut.
Erst gestern habe ich sie angeschaut,
Sie war ganz w├Ąchsern, voller Abschiedsleiden.

Es ist dir gelungen, ein eher schwieriges Thema in wunderbare und sensible Sprache zu kleiden, ohne ein einziges Mal in ├ťbertreibung (Kitsch?) zu geraten.

Sehr, sehr sch├Ân.
Heidrun

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