Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5563
Themen:   95510
Momentan online:
647 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
Allein
Eingestellt am 16. 03. 2015 13:10


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Kirschbl├╝te
Hobbydichter
Registriert: Mar 2015

Werke: 5
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Kirschbl├╝te eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Meine Augen verfolgen den kleinen Fisch vor mir im Aquarium.

Runde f├╝r Runde zieht er um sein kleines Refugium. Immer wieder, Tag f├╝r Tag, Woche f├╝r Woche, Monat f├╝r Monat tut er immer das Gleiche ÔÇô und doch scheint es ihn nicht zu st├Âren.
Er ist zufrieden mit dem was er hat. Manchmal beneide ich ihn, er hat es leicht. Und manchmal frage ich mich, was er wohl von uns Menschen dachte.

Von uns Menschen, die oberfl├Ąchlich, profitgeil, st├Ąndig gestresst und ignorant sind,
von uns Menschen, die die eigene Welt zerst├Âren,
von uns Menschen die lieben und hassen,
von uns Menschen, die andere Menschen t├Âten.

Runde f├╝r Runde zieht er um sein kleines Refugium. Immer wieder, Tag f├╝r Tag, Woche f├╝r Woche, Monat f├╝r Monat tut er immer das Gleiche ÔÇô und doch scheint es ihn nicht zu st├Âren.
Er ist zufrieden mit dem was er hat. Manchmal beneide ich ihn, er hat es leicht. Und manchmal frage ich mich, was er wohl von uns Menschen dachte.

Den R├╝cksichtslosen und Egoisten,
den Narzissten,
den Arroganten und Bekannten,
den Sportlern,
den Politikern und Kritikern,
den Chaoten,
den Neuroten und Naiven,
den Depressiven,
den Workaholics und Fanatisten,
den Kriminellen,
den M├Ârdern und Dieben.

Runde f├╝r Runde zieht er um sein kleines Refugium. Immer wieder, Tag f├╝r Tag, Woche f├╝r Woche, Monat f├╝r Monat tut er immer das Gleiche ÔÇô und doch scheint es ihn nicht zu st├Âren.
Er ist zufrieden mit dem was er hat. Manchmal beneide ich ihn, er hat es leicht. Und manchmal frage ich mich, was er wohl von uns Menschen dachte.

Von denen die hoffen und lieben und trotzdem entt├Ąuscht werden,
von denen die nichts tun und trotzdem alles bekommen,
von denen die alles tun und trotzdem nichts bekommen,
von denen die k├Ąmpfen und trotzdem verlieren,
von denen die alles haben und sich trotzdem beschweren,
von denen die lachen, obwohl sie weinen wollen,
von denen die schreien, aber ungeh├Ârt bleiben,
von denen die dumm sind und denken, sie w├╝ssten alles,
von denen die klug sind und von jedem ignoriert werden.

Runde f├╝r Runde zieht er um sein kleines Refugium. Immer wieder, Tag f├╝r Tag, Woche f├╝r Woche, Monat f├╝r Monat tut er immer das Gleiche ÔÇô und doch scheint es ihn nicht zu st├Âren.
Er ist zufrieden mit dem was er hat. Manchmal beneide ich ihn, er hat es leicht. Und manchmal frage ich mich, was er wohl von uns Menschen dachte.

Was er wohl dachte, wenn er uns von seiner kleinen Welt aus beobachtete?
Ob er uns auch beneidete? Oder war er froh, in seiner eigenen kleinen Welt zu sein?
Allein.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


aligaga
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2014

Werke: 78
Kommentare: 4735
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um aligaga eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo @Kirschbl├╝te,

zun├Ąchst mal: willkommen im Club!

Und dann gleich zu Sache: Besonders lyrisch finde ich diesen Text nicht, und auch das Experimentelle geht mir ab - Anaphern sind keine Neuerfindungen, die erst ausprobiert werden m├╝ssten, sondern g├Ąngige Praxis.

Wer uns, wie du hier, gleich zu Beginn mit der Moralkeule in der Hand anspringt, muss damit rechnen, dass er Kontra bekommt. Nicht jeder Leser mag es, wenn er per "wir" und "uns" in Sippenhaft f├╝r etwas genommen wird, wof├╝r er sich nicht verantwortlich f├╝hlt. "Wir" sind hier n├Ąmlich - bis auf @ali, der gaga und ein bekennender B├Âsewicht ist - zuv├Ârderst und allesamt Gutmenschen.

Doch zur├╝ck zum Text! ├äu├čerlich: Die Zeiten stimmen nicht alle. Das Ende der Anapher m├╝sste entweder im Pr├Ąsens oder im Konjunktiv I stehen, die Frages├Ątze am Ende des St├╝ckerls im Pr├Ąsens.

Inhaltlich: Der Guppy ├╝bersieht geflissentlich, dass er sein "Refugium" nicht selbst beherrscht, sondern dem guten Willen und der Sorgfalt eines Menschen verdankt, der es eingerichtet hat und unterh├Ąlt. B├Âswillig k├Ânnte man auch einen Kerker erkennen, der den im Amazonas Geborenen einsperrt, sein Betrachter der Gef├Ąngnisw├Ąrter, der ihn nach Manier eines Pharis├Ąers als Reflektor f├╝r all das Negative nutzt, das er im Rest der Menschheit erkennen will.

Gewagt ist die These, der Fisch sei zufrieden mit seinem Schicksal. Er hat doch gar keine Alternative! Er bekam lebensl├Ąnglich, mit einer Begnadigung ist kaum zu rechen. Au├čer, er hie├če Nemo (nach dem Siegeszug des gleichnamigen Films verendeten Hundertausende von Aquarienfischchen in den ├Ârtlichen Kanalisationen ...).

Augenzwinkernder Tipp: Beim Beitritt in ein Literaturforum nicht sofort ├╝ber die gesamte Menschheit herfallen. So schlecht ist sie n├Ąmlich gar nicht. Schlie├člich gibt's ja noch die Kinder, die Kunst, die Liebe und den Suff.

Gru├č

aligaga



Bearbeiten/Löschen    


Kirschbl├╝te
Hobbydichter
Registriert: Mar 2015

Werke: 5
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Kirschbl├╝te eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo @aligaga

Danke f├╝r die Tips
Ich wei├č, dass es vielleicht nicht der allerbeste Einstieg ist, aber manchmal ├╝berkommt mich meine zynische Seite - wie in diesem Text.Hahaha (Nat├╝rlich bin ich nicht immer so und sehe mich selbst nicht als Moralapostel oder sonst was )
Klar sind manche Sachen vielleicht etwas ├╝berspitzt dargestellt, das wei├č ich selbst und ich wollte keineswegs jemand bestimmten damit angreifen

Nat├╝rlich wei├č ich, dass die Menschheit gar nicht sooo schlecht ist, wie ich sie hier beschreibe, aber du kannst auch nicht abstreiten, dass in unserer Gesellschaft einiges falsch l├Ąuft.
Ich denke, jeder von uns ist mal egoistisch, ignorant oder sonst was, das ist doch eigentlich ziemlich menschlich. Ich schlie├če mich hier schlie├člich auch selbst nicht aus.
Nur weil ich hier die guten Seiten der Menschheit nicht beschreibe, hei├čt es nat├╝rlich nicht, dass sie nicht existieren.

Und der Fisch- naja - stellt sich die Frage, ob er sich dessen ├╝berhaupt bewusst ist, dass er von den Menschen abh├Ąngig ist? Immerhin haben Fische eine relativ kurze Aufmerksamkeitsspanne (nicht alle, aber die meisten) und werden sich dessen wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst, was au├čerhalb ihres Aquariums los ist.

LG

Kirschbl├╝te

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 657
Kommentare: 4227
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
zitat aus star wars 1

was f├╝r ein netter schutzraum
dieses aquarium
menschengemacht
k├╝nstlich
in der natur aber gilt

es gibt immer
einen gr├Â├čeren fisch
der den kleineren
und einen noch gr├Â├čeren
der den kleineren
und immer noch einen gr├Â├čeren
der den kleineren
und so weiter immer noch einen gr├Â├čeren
der den kleineren

fri├čt


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


1 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung