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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Aufrechter Stolz
Eingestellt am 19. 05. 2003 18:01


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AndiKrato
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2003

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Kommentare: 3
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Nun, was mag dem jungen Mann in seinem schicken BMW Z3 so durch den Kopf gehen? Es ist sieben Uhr morgens, es regnet und die Sonne versucht schon ein klein wenig, die Oberhand zu gewinnen. Die Scheibenwischer verursachen dieses bekannte und wohlvertraute Klicken. Der Motor sĂ€uselt bei etwa 750 Umdrehungen vor sich hin. Stau. Wie immer um diese Zeit reiht sich ein Auto an das Andere und alle warten darauf, dass sich die beiden Fahrspuren der Bundesstrasse vereinen und diesen Strom an Fahrzeugen kanalisieren. „Das Venturi-Prinzip“ fĂ€hrt es mir noch durch den Kopf. Je enger der Durchmesser eines Röhrchens, desto schneller bewegen sich die Teilchen durch dieses hindurch.

Neben mir auf der anderen Fahrspur steht er, sieht mich an und ich sehe ein kleines Zucken in seinen Mundwinkeln. Er ist etwa 30 Jahre alt, braungebrannt mit durchgestyltem Haar. Jung, dynamisch, „erfolgreich“, einer von der Sorte Gewinnertyp. Die roten Sportledersitze seines schwarz glĂ€nzenden Z3 lassen den Wald dahinter trotz des Regens so grĂŒn wie an einem sonnigen SpĂ€tsommernachmittag erscheinen. Immer wieder habe ich im RĂŒckspiegel gesehen, wie er sich mein Auto ansah. Jetzt, da er nun neben sich die vollkommene russische Schönheit desselben hat, wĂŒrdigt er diese natĂŒrlich keines Blickes. Nur ein kleiner Wink durch sein vielsagendes Grinsen fĂŒr mich. Im Radio beginnt der Nachrichtensprecher erneut sein monotones Werk und ich schalte schnell ab, um nichts von den leidenden Menschen im Irak erfahren zu mĂŒssen. Ich atme tief ein und betrachte das Amaturenbrett meines Autos. „LADA NIVA 4x4“ steht da in Großbuchstaben. Meine Gedanken beginnen sich mit dem Takt der Scheibenwischer zu vermischen und in weiter Ferne sehe ein Montage-Fliessband. Ein Arbeiter steckt gerade ein Rad an einen Niva, wĂ€hrend LĂ€rm und Staub ihn umringt. Er ist etwa 50 Jahre alt, von krĂ€ftiger Statur, hat schwarze, glatt gelegte Haare und seine Wangen leuchten rot. Was mag er fĂŒr ein Leben fĂŒhren? Ist er froh, hier Arbeit gefunden zu haben? Kann er von seinem Lohn leben oder hat er wie viele Andere in diesem riesigen Land schon Monate keinen mehr bekommen? Nachdem er die Radmuttern mit lautem Knarren angezogen hat, dreht er sich um und ich kann ihm in die Augen sehen. Traurig und doch voller Stolz blickt er durch mich hindurch. Er geht zu einer Palette, um einen neuen Reifen zu holen. Wird er sich je eines dieser Allradfahrzeuge leisten können? Vermutlich nicht. Wahrscheinlich fĂ€hrt er einen mĂŒhsam gepflegten 19 Jahre alten 1200er, der ihm weit mehr bedeutet als ein Ferrari dem Durchschnittsdeutschen. Und doch ist er stolz auf das was er tut, stolz auf dieses Werk und die Autos, welche sich zwar nicht mit einem westlichen Modell messen lassen können, die aber seit fast 30 Jahren jeden Winkel seines großen, schönen Vaterlandes erreichen und wo High-Tech einfach versagen muß. Dieses Auto kann Unmengen an Geschichten erzĂ€hlen. Vom einsamen Soldaten hoch oben im Dach Sibiriens bis zum engagierten ParteifunktionĂ€r. Leise flucht er vor sich hin. Verflucht diesen Putin, Gorbatschow und all die Verbrecher, die sein Land an die Kapitalisten verkaufen.
Im vergangenen Sommer durfte er genau so einen Lada Niva fĂŒr ein Wochenende mit nach Hause nehmen. Er hatte drei Monate hintereinander im Rekord gearbeitet. Zwölf Stunden jeden Tag mit je fĂŒnfzehn Minuten Pause. Freilich, mehr Geld können Sie ihm nicht geben. Sie haben ja selber nichts. Aber sein Stolz war ihm Lohn genug, als er damit bei seiner Familie auf den Hof fuhr.

Hinter mir hupte es. Viel zu tief war ich in Gedanken versunken. Der Z3 ist lÀngst nicht mehr neben mir. Stattdessen steht da ein Audi.

Nein, sie werden es nie verstehen.

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Gabriel
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo AndiKrato!

Schön finde ich den Gegensatz zwischen dem Z3-Fahrer und dem russischen Fließbandarbeiter.
Wenn ich es richtig interpretiere, ist dein ErzĂ€hler selbst ein Russe. Jedenfalls scheint er die GefĂŒhle eines Russen gut zu kennen. Wenn er sich aber so gut mit den russischen Gegebenheiten auskennt, warum stellt er sich dann diese Fragen? Was fĂŒr ein Leben der Arbeiter wohl fĂŒhrt? Ob er von seinem Lohn leben kann? MĂŒsste er nicht auch wissen, was ein solcher Arbeiter verdient?

Ich habe dir noch ein paar Bemerkungen in den Text eingefĂŒgt. Vielleicht kannst du etwas damit anfangen.

Gruß, Gabriel

Nun, was mag dem jungen Mann in seinem schicken BMW Z3 so durch den Kopf gehen? Es ist sieben Uhr morgens, es regnet und aber die Sonne versucht schon ein klein wenig, die Oberhand zu gewinnen. Die Scheibenwischer verursachen dieses bekannte und wohlvertraute Das ist zu viel des Guten. Bekannt oder wohlvertraut, nicht beides zusammen Klicken. Der Motor sĂ€uselt bei etwa 750 Umdrehungen vor sich hin. Stau. Wie immer um diese Zeit Punkt / Der Stau setzt schon voraus, dass sich Auto an Auto reiht. reiht sich ein Auto an das Andere und alle warten darauf, dass sich die beiden Fahrspuren der Bundesstrasse vereinen und diesen Strom an Fahrzeugen kanalisieren. „Das Venturi-Prinzip“ fĂ€hrt es mir noch durch den Kopf. Je enger der Durchmesser eines Röhrchens, desto schneller bewegen sich die Teilchen durch dieses hindurch.

Neben mir auf der anderen Fahrspur steht er, sieht mich an und ich sehe ein kleines Zucken in seinen Mundwinkeln. Er ist etwa 30 Jahre alt, braungebrannt mit durchgestyltem Haar. Jung, dynamisch, „erfolgreich“, einer von der Sorte Gewinnertyp. Die roten Sportledersitze seines schwarz glĂ€nzenden Z3 lassen den Wald dahinter trotz des Regens so grĂŒn wie an einem sonnigen SpĂ€tsommernachmittag erscheinen. Wenn es regnet, hat er das Verdeck zu. In einem Z3 mit geschlossenem Verdeck aber siehst du kaum etwas von den roten Sitzen! Jedenfalls nicht so viel, dass du es zu einem Vergleich mit dem Wald dahinter heranziehen kannst Immer wieder habe ich im RĂŒckspiegel gesehen, wie er sich mein Auto ansah. Jetzt, da er nun neben sich die vollkommene russische Schönheit desselben hat, wĂŒrdigt er diese natĂŒrlich keines Blickes. Nur ein kleiner Wink durch sein vielsagendes Grinsen fĂŒr mich. Im Radio beginnt der Nachrichtensprecher erneut sein monotones Werk und ich schalte schnell ab, um nichts von den leidenden Menschen im Irak erfahren zu mĂŒssen. Ich atme tief ein und betrachte das Amaturenbrett meines Autos. „LADA NIVA 4x4“ steht da in Großbuchstaben. Meine Gedanken beginnen sich mit dem Takt der Scheibenwischer zu vermischen und in weiter Ferne sehe ich ein Montage-Fliessband. Hm .. Gedanken, die sich mit dem Takt der Wischer vermischen – das ergibt kein Bild. Vielleicht, die sich dem Takt anpassen 
 Ein Arbeiter steckt gerade ein Rad an einen Niva, wĂ€hrend LĂ€rm und Staub ihn umringten. Er ist etwa 50 Jahre alt, von krĂ€ftiger Statur, hat schwarze, glatt gelegte Haare und seine Wangen leuchten rot. Was mag er fĂŒr ein Leben fĂŒhren? Ist er froh, hier Arbeit gefunden zu haben? Kann er von seinem Lohn leben oder hat er wie viele Andere in diesem riesigen Land schon Monate keinen mehr bekommen? Nachdem er die Radmuttern mit lautem Knarren angezogen hat, dreht er sich um und ich kann ihm in die Augen sehen. Traurig und doch voller Stolz blickt er durch mich hindurch. Er geht zu einer Palette, um einen neuen Reifen zu holen. Wird er sich je eines dieser Allradfahrzeuge leisten können? Vermutlich nicht. Wahrscheinlich fĂ€hrt er einen mĂŒhsam gepflegten 19 Jahre alten 1200er, der ihm weit mehr bedeutet als ein Ferrari dem Durchschnittsdeutschen. Und doch ist er stolz auf das was er tut, stolz auf dieses Werk und die Autos, welche sich zwar nicht mit einem westlichen Modell messen lassen können, die aber seit fast 30 Jahren jeden Winkel seines großen, schönen Vaterlandes erreichen und wo High-Tech einfach versagen muß. das ‚und’ an der Stelle verstehe ich nicht. Worauf bezieht es sich? Dieses Auto kann Unmengen an Geschichten erzĂ€hlen. Vom einsamen Soldaten hoch oben im Dach Sibiriens bis zum engagierten ParteifunktionĂ€r. Leise flucht er vor sich hin. Verflucht diesen Putin, Gorbatschow und all die Verbrecher, die sein Land an die Kapitalisten verkaufen.
Im vergangenen Sommer durfte er genau so einen Lada Niva fĂŒr ein Wochenende mit nach Hause nehmen. Er hatte drei Monate hintereinander im Rekord gearbeitet. meintest du Akkord? Zwölf Stunden jeden Tag mit je fĂŒnfzehn Minuten Pause. Freilich, mehr Geld können Sie ihm nicht geben. Sie haben ja selber nichts. Aber sein Stolz war ihm Lohn genug, als er damit bei seiner Familie auf den Hof fuhr.

Hinter mir hupte es. Viel zu tief war ich in Gedanken versunken. Der Z3 ist lÀngst nicht mehr neben mir. Stattdessen steht da ein Audi.

Nein, sie werden es nie verstehen.

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Rote Socke
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Andi,

das sind interessante Überlegungen in diesem Stau bei miesem Wetter.
In der Form könntest Du vielleicht noch ein wenig feilen. Gabriel hat wie immer gute Tips geliefert.
Am Anfang dachte ich, dass der Z3 Fahrer sich diese Gedanken macht. Ich wĂŒrde also ein wenig frĂŒher die genaue Sachlage schildern.
Aber wie gesagt, der Text-Inhalt ist recht interessant und ich habe das gerne gelesen.

Gruss
Socke

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AndiKrato
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2003

Werke: 1
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Hallo Gabriel,
Hallo Socke,

vielen Dank fĂŒr Eure Kritik. ZunĂ€chst einmal möchte ich vorausschicken, daß dies mein erstes "Werk" ist, welches ich öffentlich zugĂ€nglich gemacht habe. Erst vor relativ kurzer Zeit habe ich mit dem Schreiben angefangen und freue mich sehr ĂŒber diese Möglichkeit. Denn es ist eine große Hilfe zu wissen, wo man steht. Und ich weiß, daß mein Schreibstil noch großer Verbesserungen bedarf.

Nein, Gabriel. Der ErzĂ€hler selbst ist kein Russe. Dies wird aus dem Text allerdings nicht deutlich. Diese Geschichte spielt sich in Deutschland ab und der Fahrer des Lada möchte mit seinem Auto nicht nur zeigen, daß es weitaus wichtigere Dinge im Leben als das Image und Geld gibt. Vielmehr ist er jemand, der sich fĂŒr das Leben und die Menschen Russlands interessiert. Jemand, der selbst nicht unbedingt dort gewesen sein muß, jedoch von ErzĂ€hlungen und Geschichten aus diesem Land begeistert ist (z.B. die Filme/BĂŒcher von Gerd Ruge).

Deine Korrekturen im Text finde ich wirklich sehr gut und ich stelle mir schon die Frage, ob mir diese Dinge je selbst auffallen werden.

Der Schnitzer mit dem Verdeck ist ziemlich grob.
Ebenso die Verwechslung von "Rekord" und "Akkord".

Ich werde den Text fĂŒr mich ĂŒberarbeiten.

Danke!

Andi

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
Kommentare: 289
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Hallo Andi

Aller Anfang ist schwer. Mit einiger Übung können kĂŒnftige Texte von dir richtig gut werden. Gabriel hat dir nĂŒtzliche Hinweise gegeben, wie du diesen Text verbessern kannst. Dein Stil jedenfalls gefĂ€llt mir.

Was du schreibst ist ein innerer Monolog. Der Fahrer des Lada lĂ€sst seine Gedanken schweifen. Es gibt kein Ereignis, keine ĂŒberraschende Wende, keine Tempo-VerĂ€nderung, keine Pointe am Schluss; kein Kriterium also, das den Text zu einer klassischen Kurzgeschichte machen wĂŒrde. Mit deinem EinverstĂ€ndnis wĂŒrde ich den Text gerne nach "ErzĂ€hlungen" verschieben.


LG - itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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AndiKrato
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2003

Werke: 1
Kommentare: 3
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Hallo itsme,

vielen Dank fĂŒr Deine mutmachenden Worte.

NatĂŒrlich bin ich damit einverstanden, wenn Du den Beitrag verschiebst.

Danke!

Andi

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