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Leselupe.de > Ungereimtes
Aufzeichnungen zu einem Abschied
Eingestellt am 01. 04. 2011 20:41


Autor
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Moritz Mei├čner
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2011

Werke: 8
Kommentare: 7
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Aufzeichnungen zu einem Abschied

Der Kaffee war schwarz
den ich trank
genau wie der Anzug
den ich trug.
Du hattest Wasser
sagtest, ich solle mehr auf mich achten
weniger Kaffee trinken
mehr Sport treiben
aufh├Âren zu rauchen.
Ich kaufte ein P├Ąckchen Zigaretten
und sah dich grinsen.

Ich mochte deinen dunkelblauen Rock
und sagte es dir.
Du warst verlegen
trankst langsam dein Wasser
fuhrst dir mit den Fingern durchs Haar
schulterlang war es.
Ich sah deinen Fingern zu
wie sie hindurch glitten
als w├╝rden sie es
zum ersten Mal tun.

Wir sahen die Menschen
die durch das Terminal gingen.
Genervte Eltern, tobende Kinder
P├Ąrchen, die Abschied voneinander nahmen
Gesch├Ąftsm├Ąnner im Stress
Urlauber in Hawaii-Hemden.
Wir beobachteten sie
wie sie sich auswichen
und ihren zugewiesenen Routen folgten
zu ihrem
f├╝r uns unbekannten Ziel.
Wir spielten dieses Spiel
versuchten zu erraten
wer sie sind
wohin sie wollen
und warum.
Du bekamst einen Anruf
und hast ihn ignoriert.

Du hast mir von diesem Jungen erz├Ąhlt
den du vor einigen Tagen
wiedergesehen hast.
Du bist mit ihm ausgegangen
vor einigen Jahren
elf oder so.
F├╝nfzehn waren wir damals
er war viel ├Ąlter als du
und ich war eifers├╝chtig auf ihn.
Gesagt hab ich dir das nie.
Du hast gel├Ąchelt und dich gefragt
was du damals an ihm fandest.
Ich sagte, du seist halt verliebt gewesen
und wolltest es nicht zugeben.
Dann hast du geschmollt
f├╝r Sekunden.
Ich lachte und blickte auf den Boden
Dein Koffer stand
zwischen deinen Beinen.

Im November w├Ąrst du zur├╝ck
hast du gesagt
und mich gefragt
wie lange ich in Japan bleiben w├╝rde.
Etwa drei Monate
meinte ich
im November w├Ąre ich auch wieder da.
Wir verabredeten uns
zum Essen
im November.
Ich w├╝rde kochen
vermutlich italienisch.

Du hast mich
nach der Uhrzeit gefragt
bevor du zur Toilette
verschwunden bist.
Ich blickte zur Rolltreppe
auf die Beine
eines blonden M├Ądchens
h├Ârte den Durchsagen zu
die einige Landungen
bekanntgaben.
Dein Flug ging
eine halbe Stunde fr├╝her
als meiner.
Als du wiederkamst
brachen wir auf.

Der Weg war kurz
und die Trennung unvermeidlich.
Wir sahen uns an
sagten nichts
ich nahm dich in den Arm
und dieser gro├če Mann
hielt die kleine Frau
w├Ąhrend um uns
die Ameisen
durch ihren gl├Ąsernen Bau hetzten.
Ein Abschied
wie wir ihn oft erlebten.
Viel Spa├č
hast du mir gew├╝nscht
und ich dir
das Gleiche.
Dann gingen wir auseinander.
Ich sah meiner besten Freundin nach
aber sie drehte sich nicht um
das war deine Art.

Ich sa├č im Flieger
verschwand in der Nacht
lie├č mich von ihr
verschlucken.
Ob du an mich dachtest
in diesem Moment
als du ebenfalls verschwandest
im Nichts jener Stunden?

Im Hotel schlief ich sofort
die n├Ąchtliche Finsternis
ging weiter
in meinem Kopf.
Der Morgen
fiel in meine gerade ge├Âffneten Augen.
Unf├Ąhig, etwas zu tun
sah ich fern
sah die Bilder und versuchte
zu begreifen
was sie zeigten
und was sie bedeuteten.
Ich trank Kaffee
starrte in die schwarze Fl├╝ssigkeit
das Nichts tat sich vor mir auf
und ich
suchte dich darin.
Vergebens.

Der November war einsam

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 209
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Hallo Moritz,

ein lyrischer Text, der sich Zeit nimmt, seinen Charakter zu entwickeln, nicht hetzt, seine Struktur hat. Ich habe ihn gern gelesen.
Die Form allerdings gefiele mir in kurzen Flie├čtextabschnitten noch besser.

LG Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 860
Kommentare: 6461
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Hallo Moritz,

der Text k├Ânnte auch gut in Kurzprosa stehen. Ich vermute, dass Elke das mit ihrer Anregung zum Fliesstext auch meinte.

Nicht, dass er keine lyrischen Momente h├Ątte. Gef├Ąllt mir, auch wenn ich in der Lyrik selbst zu k├╝rzeren Texten tendiere.

lG

Herbert
__________________
┬ę herberth - all rights reserved

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Moritz Mei├čner
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Feb 2011

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Kommentare: 7
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hallo elke und herbert,

danke f├╝r eure hinweise, ich freue mich ├╝ber das interesse. es stimmt, ich k├Ânnte mir den text auch gut in prosaform vorstellen. allerdings war er von anfang an in dieser kurzen, fast fragmentarischen form geplant. es gibt sicher stellen, die weniger lyrisch sind, aber das habe ich aber in kauf genommen.

liebe gr├╝├če
moritz

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orlando
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Moritz,
mir gef├Ąllt dein Gedicht, das mich formal an Frank Geerk erinnert, einen Lyriker, den ich sehr sch├Ątze.
Die bed├Ąchtige, ausf├╝hrliche Art, in der du Empfindungen schilderst, k├Ânnte man auf ihre Verdichtung ├╝berpr├╝fen.- Eigentlich stellt sich mir diese Frage aber gar nicht.
Denn du schreibst nichts ├ťberfl├╝ssiges, sondern beleuchtest eine Ann├Ąherung und deren Facetten. Das Kippen einer spontanen Zuneigung ├╝ber die Klippen zum offenen Meer.

Form und Inhalt schmiegen sich ineinander, Endungen etc. sind nicht dem Zufall ├╝berlassen worden: der Text klingt. - Nat├╝rlich sprengt das Gedicht schon durch seine L├Ąnge den gew├Âhnlichen Forenrahmen; wer sich dennoch die M├╝he machen wird, mehrfach darin zu lesen, muss zweifellos erkennen, dass es sich hierbei um etwas Gutes, wirklich Gutes handelt.
Danke sch├Ân.

orlando

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