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Leselupe.de > Humor und Satire
Bald mal, irgendwann
Eingestellt am 18. 12. 2017 19:45


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anbas
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Bald mal, irgendwann

Wenn ich heute das tue,
was ich sonst auf morgen verschieben w├╝rde,
w├╝sste ich morgen vielleicht nicht,
was ich tun soll.


Ich bin ein begnadeter Aufschieber. Lange war mir nicht klar, dass dies eine besondere F├Ąhigkeit ist. Hielt mich stattdessen f├╝r faul, chaotisch, depressiv und phlegmatisch. Dass dahinter ein wahres Talent steckt, wurde mir erst w├Ąhrend der jahrelangen Gespr├Ąche mit meinem Therapeuten bewusst.

In dem t├Ąglichen Kampf ums Aufschieben von Dingen, die eigentlich erledigt werden m├╝ssten, gehe ich gut strukturiert vor. Immer wieder fertige ich neue To-Do-Listen an oder nehme mir zumindest vor, solche zu schreiben. Gut, das Umsetzen zieht sich dann etwas hin ÔÇô aber genau dieses Spannungsverh├Ąltnis zwischen Planung und Umsetzung macht ja die wahre Kunst des Aufschiebens aus. Neulich gelang es mir, diese Fertigkeit noch etwas weiter zu optimieren. Da setzte ich auf meine neue Liste, nur einen einzigen Punkt: To-Do-Liste schreiben!
Neben handgeschriebenen Listen und Notizen setze ich auch die moderne Technik ein. So lasse ich mich von meinem PC per Outlook zuverl├Ąssig an das Blumengie├čen und die anstehenden Geburtstagsgr├╝├če erinnern. Dank der M├Âglichkeit, sich per einfachen Mausklick, in ein paar Minuten, Stunden oder Tagen erneut daran erinnern zu lassen, bleibe ich mir treu ÔÇô ich kann das n├Ąmlich tagelang durchhalten und immer wieder auf "In einer Stunde noch mal erinnern" klicken. Schlie├člich lasse ich mir doch von einer Maschine nicht sagen, was ich wann zu tun habe.
Einige meiner Pflanzen sind daher schon recht kross geworden. Aber Blumenschmuck wird sowieso ├╝berbewertet. Jene Gew├Ąchse aber, die wirklich hart im Nehmen sind und meinen Umgang mit ihnen ├╝berleben, haben bei mir eine gl├╝ckliche Zukunft vor sich.
Was die Geburtstagsgr├╝├če betrifft, so rechnet in meinem pers├Ânlichen Umfeld sowieso kaum noch jemand damit, dass einer meiner Gl├╝ckw├╝nsche rechtzeitig ankommt. Umso gr├Â├čer ist dann nat├╝rlich die Freude, wenn doch mal eine Geburtstagskarte p├╝nktlich eintrifft.
F├╝r absolut wichtige Dinge habe ich mir angew├Âhnt, kleine Notizzettel zu schreiben. Diese lege ich dann auf den Fu├čboden vor die Wohnungst├╝r oder die Toilette. Da stolpere ich dann regelrecht ├╝ber die Erinnerung. Doch dank meines Talentes kann ich mich an solche Zettel recht schnell gew├Âhnen, so dass ich nach einiger Zeit v├Âllig entspannt ├╝ber sie hinweg schreite.

Leider kann nicht jeder mit meiner Begabung umgehen. So hat mich meine letzte Beziehung wegen eines simplen Umzugskartons verlassen. In ihm befanden sich ein paar B├╝cher, die von mir zwecks geplanten Flohmarktverkaufs aussortiert worden waren. Mein Keller ist ├╝brigens voll mit Dingen, die ich irgendwann mal auf dem Flohmarkt verkaufen m├Âchte. Ich hatte den Karton in die T├╝r zwischen Schlafzimmer und Flur gestellt, damit ich auch wirklich daran denke, ihn nach unten zu bringen. Dort stand er dann einige Monate ÔÇô man h├Ątte sich an ihn gew├Âhnen k├Ânnen. Ich jedenfalls tat es. Meine damalige Freundin nicht. Sie st├╝rzte eines Nachts ├╝ber ihn, als sie auf dem Weg zur Toilette war. Die Platzwunde musste im Krankenhaus gen├Ąht werden. Als sie bei ihrer R├╝ckkehr den Karton erblickte, den ich inzwischen ganz nah an die Wohnungst├╝r gestellt hatte, um ihn bei meinem n├Ąchsten Gang aus der Wohnung ganz bestimmt mit in den Keller zu nehmen, drehte sie sich sofort um, ging und kam nicht wieder.
Bei ihrem ├╝berst├╝rzten Auszug hatte sie leider ein paar Sachen bei mir liegen gelassen und mich darum gebeten, ihr diese per Post nachzuschicken. Da mir klar war, dass ich einen geh├Ârigen Anteil am Scheitern unserer Beziehung hatte, wollte ich ihr diesen Wunsch selbstverst├Ąndlich erf├╝llen. Das Paket ist auch schon gepackt. Nun steht es bereits seit ein paar Wochen auf dem Karton, den ich damals gleich in den Keller bringen wollte.

In manchen Bereichen gelang es mir inzwischen, meine Aufschieber-Qualit├Ąten regelrecht zu perfektionieren. So habe ich seit rund zehn Jahren keine Fenster mehr geputzt. Demn├Ąchst ÔÇô also in etwa zwei bis drei Jahren ÔÇô stehen hier im Haus sowieso Modernisierungsma├čnahmen an, es sollen auch neue Fenster eingebaut werden. Warum sollte ich also jetzt mit dem Putzen noch anfangen? Diesen Punkt werde ich daher k├╝nftig gar nicht mehr auf die To-Do-Listen setzen.

Nat├╝rlich bin ich nicht der einzige Aufschieber. Es gibt viele von uns. Manche von ihnen sind wesentlich besser als ich. Sie spielen in einer v├Âllig anderen Liga und sind die wahren Stars unter den Aufschiebern. So bekam ich neulich Post von einer Freundin, die bez├╝glich des Aufschiebens eine absolute Meisterin ist. Ihren Perfektionsgrad und den souver├Ąnen Umgang damit werde ich wohl nie erreichen. In dem gro├čen Briefumschlag, den sie mir zuschickte, befand sich ein kleiner Stapel an Geburtstags- und Weihnachtskarten. Lediglich eine davon war beschrieben. Auf ihr stand nur: "Dies sind die Geburtstags- und Weihnachtsgr├╝├če, die ich Dir in den letzten Jahren schicken wollte."

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

Version vom 18. 12. 2017 19:45

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Hagen
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Hallo Anbas,
nicht nur Du bist ein gro├čer 'Aufschieber', ich ma├če mir an, Dich um L├Ąngen zu schlagen.
So habe ich dem Teufel bereits vor etlichen Jahren meine Seele verschrieben; - allerdings mit der Option, sie gelegentlich wieder auszul├Âsen. Das schiebe ich schon seit Jahren vor mir her.
Ebenso wie den l├Ąngst f├Ąlligen Friseurbesuch. Es soll n├Ąmlich irgendwo ein Autorenteam geben, die den Leuten was vorlesen, wenn die beim Friseur rumsitzen. Ich halte das f├╝r eine gute Idee und warte bis diese Leute auch mal nach Bremen (Deutschlands heimliche Hauptstadt) kommen.

Allerdings bin ich nicht damit einverstanden, wie Du Deine Ex-Freundin behandelst!
Als bekennender Macho frage ich mich immer, wie die M├Ądels es schaffen, dass die M├Ąnner sich bei jeder Gelegenheit 'Schuldig f├╝hlen.'
Die Damen reden dauernd, aber in gewissen, entscheidenden Punkten sagen sie nichts und die M├Ąnner m├╝ssen das Richtige 'erahnen'. Dabei kann man(n) nur was falsch machen und ist wieder derjenige, der sich schuldig f├╝hlt.
Ich bitte Dich, Deine Ex-Freundin hatte in den Monaten, in denen der Karton auf dem Flur stand, Zeit genug zu verinnerlichen, dass sie mit einem Aufschieber zusammen ist.
Wenn sie dann ├╝ber den Karton auf die Fresse f├Ąllt, ist das ganz alleine ihr Problem!
Wenn sie deswegen abhaut, hat sie l├Ąngst ein neues Nest gefunden und schiebt diesen Vorfall vor!
Perfide, wie die M├Ądels leider sind, gelingt es ihr auch noch, Dich in Bewegung zu setzen. (Irgendwas per Post nachschicken)
Soll sie es sich doch abholen!
Sie hat es vergessen, sie hat f├╝r ihren Fehler gerade zu stehen!
Ruf' sie am besten an und sag' ihr das. Dabei gib ihr ein (f├╝r sie ung├╝nstiges) Zeitfenster vor, widrigenfalls entsorgst Du die Sachen.
Das solltest du aber nicht aufschieben, denn es ist etwas ungl├╝cklich, wenn Deine neue Beziehung einen vergessenen BH (in Deinem Bett) findet.

SO, das war's eigentlich, was ich Dir zu Deinem ansonsten ausgezeichneten Text sagen wollte; - aber wahrscheinlich wird diese Mail von den Redakteusen der Leselupe gel├Âscht.

Ich w├╝nsche Dir auf alle F├Ąlle frohe Weihnachten und so, ich muss jetzt endlich mal einen Baum kaufen, aber das kann ich noch aufschieben, denn ich habe geh├Ârt, dass es Weihnachtsb├Ąume nach dem Fest billiger gibt.

Herzlichst
yours Hagen

Wir lesen uns!

______________________________________
Manche M├Ąnner bem├╝hen sich lebenslang,
das Wesen einer Frau zu verstehen.
Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen
zum Beispiel der Relativit├Ątstheorie.

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anbas
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Lieber Hagen,

es gibt Kommentare, die solle man pr├Ąmieren - Deiner geh├Ârt dazu!

Herzlichen Dank, liebe Gr├╝├če und ebenfalls sch├Âne Feiertage!

Andreas
__________________
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