Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92253
Momentan online:
253 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Bei Nacht
Eingestellt am 15. 05. 2005 21:02


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
spicymaus
Hobbydichter
Registriert: Jan 2005

Werke: 4
Kommentare: 1
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um spicymaus eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Bei Nacht
Es war feucht und kalt, doch Jenni dachte nicht einmal daran zu kneifen. Dieser Abend würde das bedeutendste sein, bei dem sie in ihrem Leben je dabei gewesen war, sie war sich so sicher, dass es Schicksal gewesen war, dass sie ausgerechnet Anna McNeill getroffen hatte. Noch vor acht Stunden hatte sie sich nie im Leben träumen lassen, dass sie zu einer Halloween Party eingeladen werden würde, die nur ausgewählten Personen vorbehalten war. Zufällig war sie an Anna und Frau Roderich vorbeigekommen, die wild über die schlechte Aufmerksamkeit und mangelnde Beteiligung am Mateunterricht diskutierten. Anna sah in Jenni sofort die perfekte Chance sich zu verkrümeln. „Ich bekomme ja alles mit, das kann sie bestätigen“ sie zeigte auf Jenni „Wir lernen immer zusammen für die Prüfungen und profitieren von einander!“ Jenni war Klassenbeste in Mate und obgleich Anna alles andere als dumm war, würden wohl nie beide den gleichen Nutzen aus gemeinsamen üben ziehen und abgesehen davon, dass sie denselben Matekurs belegten, hatten sie auch nichts gemeinsam. Anna kannte nicht einmal Jennis Namen.
Als Frau Roderich Jenni daraufhin einen fragenden Blick zuwarf, konnte sie nicht anders als zustimmend zu nicken. Sie war einfach zu überrascht, dass Anna sie überhaupt bemerkte. Die Lehrerin gab sich damit zufrieden und ging, Anna wand sich kurz zu Jenni um, bevor sie zu ihren Freunden ging, die um die Ecke auf sie warteten. „Danke! Du hast einen gut bei mir, komm Abend einfach zu mir, dann zeig ich dir was ne Halloween Party ist, OK?“ Das war keine Frage. Jenni sah noch, wie Anna die Haare elegant nach hinten schwang, dann war sie hinter der Ecke verschwunden.
Anna gehörte zu der Gruppe Jugendliche, über die es die unterschiedlichsten Meinungen gibt. Die einen finden sie cool und vergöttern sie fast, die anderen hassen sie und finden nichts schlimmer als wenn jemand den Wunsch hegt, zu ihnen zu gehören. Aber es gab niemanden, der mit Recht behaupten kann, noch nie etwas von ihnen gehört zu haben.
Bjarne gehörte zu den Leuten, die nichts von ihnen halten. „Du wirst da doch nicht hingehen, oder? Die machen das doch alles nur zu ihrem eigenen Spass. Glaubst du wirklich, dass sie dich dabeihaben wollen? Du bist denen doch komplett egal!“ „Nun krieg dich mal wieder ein bist du etwas eifersüchtig, dass du nicht eingeladen bist?“ „Darum geht es hier doch gar nicht“ schimpfte er „Die haben zu viel Geld, das drückt denen aufs Hirn. Die geben sich nur mit ihresgleichen ab, außer sie haben einen triftigen Grund“ „Ich will darüber jetzt nicht sprechen. Du kapierst es einfach nicht!“ damit war das Gespräch für Jenni beendet. Sie ließ Bjarne, ihren besten Freund, allein auf der Bank auf dem Schulhof zurück. Hier saßen sie immer, auf der Bank in der Ecke gegenüber von den Schultoiletten. Dort war es am ruhigsten und man konnte sich unterhalten, ohne auf lauschende Ohren Rücksicht zu nehmen. So war das schon seit der siebten Klasse gewesen, als die beiden auf das Heinrich-von-Kleist Gymnasium gekommen waren. Doch auch vorher schon, eigentlich so lange Jenni sich zurückerinnerte, waren sie die besten Freunde gewesen.
Doch nun wollte Jenni nicht auf ihn hören. Bjarne schüttelte den Kopf. Warum konnte sie nicht rational denken, wenn es um diese Spießer ging? Das war wirklich ihr wunder Punkt. Die beiden konnten über alles und jeden sprechen, doch wenn Bjarne die „Pornos“, wie sie von manchen genannt wurden, erwähnte, dann sprang sie im Dreieck. Er beschloss es aufzugeben, denn es würde eh wieder zum Streit kommen, wenn er das nächste Mal versuchte sie davon abzuhalten, ihnen nach zu himmeln.
Und schließlich machte auch er sich auf den Weg zu seiner nächsten Unterrichtsstunde.
Jenni stand vor ihrem Kleiderschrank und fühlte sich verloren. Wie sollte sie denn zu dieser Party gehen, wenn sie nichts Ordentliches zum anziehen hatte? Bjarnes Worte regten sie noch immer auf. Er hatte echt keine Ahnung, er war nur eifersüchtig, sauer, weil man ihn nicht eingeladen hatte. Und dann hatte er ihr noch nach der Schule diesen Zettel zugesteckt, dass er ihr am nächsten Tag am See etwas zeigen wollte. Um halb eins sollte sie ihn dort treffen. Sie riss die Schubladen des Schrankes auf und wühlte darin, vielleicht lag ja irgendwo noch etwas versteckt, was sie sich vor einer Ewigkeit gekauft hatte und an das sie gar nicht mehr dachte. Doch leider tauchte nichts auf. Sowieso war der Schrankinhalt sehr übersichtlich. In den Büchern die sie lass, waren die Mädchen immer geplagt von Platzproblemen in ihren Kleiderschränken, doch davon konnte Jenni nur träumen. Natürlich hatte sie genug zum anziehen, es sah nur alles irgendwie uncool aus, spießig, geradezu kindisch. Doch diese Gedanken halfen ihr jetzt nicht weiter, denn sie hatte einfach keine Zeit gehabt etwas neues zu kaufen und so musste sie mit dem auskommen, was sie schon hatte.
Schließlich entschied sie sich für ein ärmelloses Bordeaux farbiges Oberteil, das mit seinem Kragen und dem weißen Muster an ein Asiatisches Geishagewand erinnerte, und ihre beste Jeans. Ein blick auf die Uhr zeigte ihr, dass die Zeit langsam knapp wurde. In bereits einer Stunde musste sie bei Anna sein und sie war noch nicht im Bad gewesen.
Eine dreiviertel Stunde später war sie fertig. Sie hatte versucht die Haare hochzustecken, so wie manche der Mädchen an der Schule es immer machen, doch es sah einfach immer komisch aus also war sie am Ende wieder bei ihrem einfachen Pferdeschwanz gelandet. Ihre neuen Sneakers passten wirklich gut zu der dunklen Jeans. Dann nahm sie nur noch ihre Tasche mit der Flasche Sekt, die sie extra gekauft hatte und machte sich auf den Weg. Glücklich, dass ihre Eltern nicht zuhause waren und auch erst am nächsten Tag wiederkommen würden, ging sie die Straße entlang. Sie war noch nie auf einer Party gewesen, abgesehen natürlich von Bjarnes Geburtstag, den er jedes Jahr mit ein Paar Leuten und einem DVD Abend und Pizzaessen fierte, und ihre Eltern waren auch froh darüber. Ihr Vater war Staatsanwalt und hatte schon so viele kriminelle Jugendliche erlebt, dass er inzwischen der Meinung war, dass Partys und Alkohol Kinder kriminell machten. Das Glas Wein zum Abendessen gehörte natürlich nicht dazu.
Anna stand vor dem Spiegel im Bad und schminkte sich die Augen, als ihr Bruder Jan eintrat. Er war zwei Jahre älter als sie, äußerst gutaussehend und einer der besten Schüler der Schule. Er war in seinem letzten Jahr, war einer der beliebtesten (und anderseits auch unbeliebtesten) Pornos und hatte natürlich immer ein wachendes Auge über seine Schwester. Wenn er sah, dass ein Junge ihr gegenüber zu aufdringlich wurde, oder ihr jemand auf die Nerven ging, dann sorgten er und seine gut gebauten Freunde schnell dafür, dass dem nicht mehr so war. Das war wohl auch der Hauptgrund, warum niemand Anna gegenüber in Missgunst fallen wollte.
Anna warf ihm einen kurzen Blick zu, als er eintrat, konzentrierte sich dann wieder auf ihren Mascara. „Hast du alles bereitgelegt, was wir brauchen?“ Jan lehnte sich etwas vor, um sich besser im Spiegel zu sehen und wuschelte sich durch das blonde Haar. Er trug es in einer Länge, dass es nicht als lang galt, aber trotzdem etwas fiel. Es waren ungefähr acht Zentimeter bei den obersten Haaren, entsprechend weniger, bei denen die tiefer hingen. Die Ohren waren frei, und auch seine blaugrünen Augen waren durch nichts verdeckt. Etwas Gel hier und da, dann wand er sich wieder der Schwester zu, die inzwischen ihren Mascara in das Schminktäschchen zurücklegte. „Natürlich, Schatzi!“ Das Schatzi war dazu gedacht, Anna zu provozieren, denn ein Verehrer hatte ihr einmal einen Brief geschrieben, in dem er sie so anredete. Sie ging voll drauf ein und zischte „Was willst du eigentlich?“ Jan hatte Annas wunden Punkt getroffen, denn sie hasste es, wenn man ihr Kosenamen gab. Selbst ihr Freund durfte höchstens „Süße“ sagen.
Mit der Lockenzange verlieh Anna noch ein Paar Strähnen ihres kastanienfarbenen Haars den Letzten Schliff, dann noch ein letzter Blick in den Spiegel, schließlich war sie bereit aufzubrechen.
Es läutete an der Tür. Mit einem kurzen Blick in den Flurspiegel kontrollierte Anna ihr Lipgloss. Das musste Mats sein, er wollte um halb acht bei ihnen sein, damit sie zusammen zur Party gehen können.
Doch es war nicht Mats, sondern Jenni, wie Anna erschrocken feststellte, als sie die Tür öffnete. Sie überspielte es mit einem „Hi süße“ ein Küsschen links, eins rechts, und schon schob sie Jenni in die Küche „ich muss noch kurz etwas holen“ und schon war sie bei Jan auf dem Flur. Die Küchentür hatte sie hinter sich geschlossen. „Ich hab total vergessen, dass ich sie eingeladen habe! Was soll ich denn nun machen?“ Jan dachte einen Moment nach, dann antwortete er „Uns bleibt wohl nichts anderes übrig, als sie mitzunehmen. Wie heiße sie denn?“ „Ich weiß nicht genau, ich glaube Jenni, oder so!“ Jan ging voran in die Küche. „Hallo, ich bin Jan, Annas Bruder!“ Sagte er und gab Jenni die Hand.
Bald darauf war Mats angekommen und die vier waren auf dem Weg zur Party. Jenny war etwas verwundert, denn sie hatte gedacht, dass sie bei Anna zuhause feiern würden, doch Anna erklärte es folgendermaßen; „Unsere Eltern sind sehr konservativ und streng, darum feiern wir woanders.“ Das klang plausibel, also folgte Jenni den anderen ohne weitere Fragen. Den Sekt hatte sie noch immer in der Hand. Es war ein Fußmarsch von ungefähr fünfzehn Minuten bis Jenni auffiel, dass sie sich zusehends von den bewohnten Straßen entfernten. „Wo gehen wir denn überhaupt hin?“ fragte sie zögernd, denn sie hatte Angst, dass man sie für dumm halten würde, wenn sie nicht von allein wusste, wohin es ging. Wahrscheinlich steuerten sie direkt auf einen bekannten und beliebten Treffpunkt zu, eine alte Scheune oder so. „Lass dich nur überraschen“ antwortete Jan, der sein Schritttempo etwas verlangsamt hatte und sich hinter Anna und Mats, die Hand in Hand gingen, zurückfallen ließ um auf eine Höhe mit Jenni zu kommen. „Es geht um die richtige Stimmung!“. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt.
Nach noch etwas zehn Minuten erreichten sie ein kleines Eisentor. Es war verrostet und die Steinpfosten rechts und links waren Moosbewachsen. Ein Blick über die Schulter zeigte Jenni, dass die bewohnten Häuser nun völlig außer Sicht waren, rundherum waren nur Bäume zu sehen, die das kleine Wäldchen bildeten, durch das sie die letzten Minuten gegangen waren. Es war inzwischen schon fast dunkel. Jenni blickte zum Tor und dieser eine Blick genügte um ihr einen Schauer über den Rücken zu Jagen, denn was sie auf der anderen Seite sah, war wirklich der passende Ort für eine Halloween Party. „Das ist ja…“ begann sie, doch Jan fiel ihr mit einer fast euphorischen Stimme ins Wort „ja, ein Friedhof“
David und Dennis waren schon seit Stunden damit Beschäftigt, den Platz für die Party vorzubereiten. Eigentlich waren es sogar sie gewesen, die ihn gefunden und vorgeschlagen hatten. Die alte Gruft eignete sich besonders gut um das Büffet aufzubauen, denn die Stufen vor dem Eingang hatten die perfekte Höhe. Außerdem hatte Dennis die Idee gehabt, Lichterketten um die Säulen die rechts und links vom Eingang standen zu schlingen und somit eine gute Lichtquelle zu bauen. Auch alle anderen waren begeistert und so war die Entscheidung gefallen.
Gleich nach der Schule waren sie also zum Friedhof gefahren um aufzubauen. Ein sehr wichtiger Grund für die Wahl dieses Friedhofes war auch die Tatsache gewesen, dass er geschlossen war, und so war die Wahrscheinlichkeit, dass jemand vorbeikommen würde, sehr gering. Dass sie gesehen wurden wahr das letzte was sie gebrauchen konnten, denn natürlich war es verboten auf einem Friedhof eine Party zu feiern, ob er nun alt und verfallen war oder nicht.
Nachdem alle Lichter und Laternen aufgestellt waren baute Dennis sich einen Joint und David setzte sich zu ihm. Die beiden waren dafür bekannt sehr leichtfertig mit Drogen und Alkohol umzugehen. Wie Dennis so oft sagte „Es ist doch bloß ein bisschen Grass“
Gegen halb vier traf Gina mit ihrem Fahrrad und einem voll beladenen Anhänger an. Es sah wirklich aus, als hätte sie das gesamte Büffet dabei. Mit vereinten Kräften räumten die Jungs den Anhänger lehr, damit Gina den Rest holen konnte. Sie war rumgefahren und hatte von allen Partygästen einen Salat abgeholt oder Brot oder etwas anderes. Auf diese Art waren die Kosten für die einzelnen Teilnehmer am geringsten und das Büffet am größten. Es fing an dunkel zu werden, also begannen sie die Fackeln zu entzünden, die den Weg säumten. David überprüfte noch einmal, ob vom Tor aus wirklich nichts zu sehen war und stellte dann den Gettoblaster auf. Wenn man die Musik im Umkreis hörte machte das nichts, denn es würden sich eh keine Menschen hier aufhalten. Die Fackeln durften nicht zu sehen sein, weil jemand der es zufällig sah, vielleicht denken könnte dass es brannte und die Feuerwehr rief. Davor wollten sie sich unbedingt schützen.
In diesem Moment traf Richard ein. Er hatte ein paar CDs dabei die er auf die umgedrehte Getränkekiste legte, die auch als Tisch für die Anlage diente.
Kurze Zeit später dröhnte Rammstein aus den Boxen und die drei Jungs saßen auf einem großen umgekippten Grabstein am Rand des beleuchteten Feldes und rauchten.
Jenni war etwas zittrig zumute, als sie hinter Jan das Friedhofstor durchschritt. Sie hasste es, sich im Dunkel draußen aufzuhalten, und schon nach ein paar Metern konnte man die Hand nicht mehr vor Augen sehen. Doch zielstrebig führte Jan sie den Weg entlang, es schien Schnur geradeaus zu gehen und endlich konnte man zwischen den Büschen und Grabsteinen etwas Licht schimmern sehen. Jennis Erleichterung war groß, dennoch konnte sie das Gefühl verfolgt zu werden noch nicht ganz abschütteln. Drei Jungs waren schon da und saßen auf einem umgekippten Grabstein und rauchten, während aus einem Gettoblaster gerade Oomph! Dröhnte. „Augen auf, ich komme…“ Das Lied lockerte die Stimmung nicht gerade, aber so sollte es auf eine echten Halloween Party ja auch sein. Gruselig. Sie nahm sich vor sich von den anderen nichts anmerken zu lassen. Im näherkommen erkannte sie die Jungs auf dem Grabstein. Es waren Dennis und Richard aus ihrem Französischkurs und David aus einer der Parallelklassen. David und Dennis hingen immer zusammen rum und schon lange fragte Jenni sich, wie sie die Schule wohl schafften. Schon seit Jahren stand es mit ihnen auf der Kippe, doch Jahr für Jahr mogelten sie sich irgendwie durch.
„Hi Leute! Alles Klar?“ Fragte Jan die drei als sie zu ihnen kamen. „Jo man!“ Erwiderte David grinsend und schlug in die Hand ein, die Jan ihm gereicht hatte, doch als er Jenni sah kippte sein Lächeln. „Wer ist die denn?“ Jan packte ihn bei der Schulter um ihn daran zu hindern auf Jenni zuzugehen. „Das ist Jenni, sie war eingeladen“ „Aber nicht von mir und mir hat auch niemand etwas davon gesagt! Außerdem ist sie ja nicht gerade eine von denen die man durch Partys kennt, oder?“ Das letzte war als gemeiner Hieb auf Jennis Freizeit gemeint, denn jemand wie David konnte um nichts in der Welt verstehen, wie man ein Wochenende ohne Feiern überstehen konnte. Geschweige denn mehrere Monate. Doch Jenni hatte damit kein Problem, sie hatte eine Menge Hobbys und auch mit der Schule so viel zu tun, dass ihr nur selten langweilig war. Jetzt mischte sich auch Anna ein; „Ich habe sie eingeladen“. „Na das ist was anderes!“ Entgegnete David darauf und grinste Anna schleimig an „Wenn Anna-Schatzi das so will, dann kann sie natürlich bleiben!“ Sie warf ihm einen bösen Blick zu und sagte „Das ist nicht deine Party, vergiss das nicht!“ „Hey, jetzt reicht’s! Wenn Anna meint dass man ihr trauen kann, dann wird da wohl was dran sein!“ Mischte sich nun auch Dennis ein. Er hob die Hand zum Gruß in Richtung Jenni, obwohl auch er nicht so ganz zufrieden wirkte „Ich bin Dennis“ „Jenni“ entgegnete sie verunsichert. Das letzte was sie gewollt hatte war einen Streit zu verursachen, sobald sie eintrafen.
Als sie wenig später mit Anna am Büffet stand, Mats stand mit Jan bei einer Gruppe gleichaltriger, die gerade angekommen waren, machte sie ihrem Unmut Luft. Das einzige was Anna darauf zu sagen hatte, war alles andere als aufmunternd. „Die gehören eh nicht zu denen mit denen wir sonst zu tun haben. Weißt du, das sind Kiffer! Kiffen ist uncool, wie sonst wenig. Wir feiern heute mit denen, weil sie gut im organisieren von solchen Partys sind. Man kann sie ja einfach meiden.“ Jenni wollte es nicht darauf anlegen sich noch unbeliebter zu machen als sie ohnehin schon war, und darum hoffte sie, dass sie sich wenigstens mit den anderen, den coolen Gästen verstehen würde.
Innerhalb der nächsten halben Stunde füllte sich der Party-Platz und am Ende waren fast alle 20 geladenen Gäste da. Keiner von Jennis Freunden war zu sehen und wiedereinmal wurde ihr bewusst, dass sie in einer Klassengesellschaft lebte, wo man sich sehr leicht ausgeschlossen fühlen konnte. Sie tanzte ein wenig, doch die Musik machte es ihr nicht leicht, und so blieb sie irgendwann neben dem Büffet stehen und trank Bowle. Zu allem Übel begann sie nun auch noch zu frieren, denn ihre Kleidung war nicht für eine Open Air Party gedacht gewesen. Zu den neuen Sneakers mochte sie gar nicht herabblicken, den weiß waren sie gewiss nicht mehr. Es war schon eine Ewigkeit her, seit Anna das letzte Mal vorbeigekommen war und langsam begann Jenni doch sich zu langweilen.
Plötzlich sprach sie jemand von der Seite an, sie war gerade so vertieft darin, die anderen zu beobachten, dass sie unwillkürlich zusammenzuckte. „Hi, warum stehst du hier so allein?“ Sie Blickte zu dem der da sprach und erkannte, dass es Christian war, ein Schüler der 13. und zwar einer von denen, die mit Jan herumhingen. Einer der Coolen. „Warum spricht er mich an?“ dachte Jenni und dann: „Oh Gott, jetzt entwickelst du schon echte Minderwertigkeitskomplexe, so bist du doch sonst nicht.“ Sie zwang sich zu einem Lächeln, was sehr künstlich ausgesehen haben muss, und log „Mir ist das Lied einfach zu langsam!“ Im Hintergrund dröhnte The Offspring mit Walla Walla und allein beim Gedanken daran, zu diesem Tempo tanzen zu müssen drehte Jenny den Magen um. Es war eine sehr schlechte Lüge, doch entweder schien Christian sie nicht bemerkt zu haben, oder er tat so. „Dann warte nur einen Moment, ich lege eine andere CD auf“ Er schien es ernst zu meinen doch Jenni rief ihn zurück „Christian, warte! Ich hab gelogen, ich kann nicht tanzen, darum steh ich hier!“ Einen Moment schien er überrascht, doch dann grinste er. „Das ist doch mal ein Geständnis. Dann lass uns was Essen“ Jenni war so unendlich dankbar, dass er sie verschonte, also nicht mit ihr tanzen wollte, dass sie zuerst gar nicht merkte, wie viel sie redete. „Also eigentlich gefällt mir die Party, doch es ist halt nicht meine Musik, außerdem ist es ziemlich kalt und ich mag das Dunkel nicht. Du Christian, hast du eigentlich eine Freundin?“ Zu viel Bowle dachte sie als sie realisierte, was sie soeben gefragt hatte. Überrascht doch lächelnd erwiderte Christian „Nenn mich einfach Chris, und nein, ich habe keine Freundin.“ Zum glück ist es dunkel dachte Jenni, denn sie merkte wie sie rot wurde.
Anna tanzte mit Mats auf dem feuchten Rasen. Dabei merkte sie wenigstens die Kälte nicht. Sie liebte es zu tanzen, sich im takt der Musik zu bewegen, und auch wenn sie eigentlich kein Punk Rock Fan war und für gewöhnlich meist Pop hörte, hatte sie ihren Spaß. Nach einiger Zeit wurde es ihr aber zu warm, trotz der kalten Luft, und sie musste zum Büffet, etwas Bowle trinken. Neben dem Büffet stand Jenni, typisch Partymuffel, dachte Anna, und sah sich die Tanzenden an. „Wie geht’s?“ Fragte sie etwas zu desinteressiert wie sie leider zu spät merkte, doch sie wollte Jenni nicht in ein Gespräch verwickeln, sondern so schnell wie möglich zurück zu Mats. Darum wartete sie auch keine Antwort ab sondern machte sich sofort wieder auf den Weg zurück zur Tanzfläche, nachdem sie ihr Glas heruntergespült hatte. Die Früchte ließ sie im Glas.
Als sie sich der Tanzfläche zuwandte blieb ihr fast das Herz stehen. Da stand doch tatsächlich Mats neben Isabell, dem Mädchen das Anna am meisten hasste. In einem Comic hätte man die Situation am besten schildern können in dem man Anna aus den Ohren dampfen lässt. Sie stürmte fast auf die beiden zu und hakte sich dann aufdringlich bei Mats ein. „Hallo Isabell“ trällerte sie und drückte dem Freund einen Kuss auf die Lippen. „Über was für interessante Dinge redest du denn mit meinem Freund?“ „Ich geh dann mal besser!“ sagte Isabell zu Mats gewandt und warf Anna noch einen herablassenden Blick zu ehe sie sich wegdrehte. Mats machte sich von Anna frei und rief ihr hinterher „warte Isa!“ Das Lied war zuende und plötzlich herrschte Stille auf der Lichtung. Alle sahen zu den dreien herüber und warteten ab was als nächstes geschehen würde.
„Du nennst sie ISA?“ schrie Anna „Und, was ist daran so schlimm? Nur weil du sie nicht magst muss für mich ja nicht dasselbe gelten oder? Außerdem haben wir uns nur unterhalten!“ „Merkst du denn nicht wie sie sich an dich ranmacht?“ brachte Anna verzweifelt hervor. Sie hatte Tränen der Wut in den Augen und sah es schon kommen dass man ihr etwas wegnehmen wollte was sie liebte. „Nein, das merke ich nicht, weil es nicht stimmt! Du bist zu eifersüchtig, beruhig dich erst mal wieder!“
Um das peinliche Schweigen, das auf diese Auseinandersetzung folgte, zu überbrücken legte Dennis, der sich in einem eher hellen Zustand zwischen zwei Joints befand, eine neue CD auf, doch die meisten Gäste hielten es trotzdem für den besten Zeitpunkt zu gehen. Innerhalb kürzester Zeit waren nur noch Jenni und Chris, die am Büffet standen und beide gleichermaßen durch den Streit überrascht waren, Dennis, David und Richard auf dem Grabstein wo sie saßen und Rauchten, Jan der an einem Baum stand und irgend ein Mädchen küsste, die mit dem Rücken an den Stamm gelehnt stand und Anna, Mats und Isabell, die auf der Tanzfläche standen du sich böse Blicke zuwarfen. Nemo von Nightwish klang aus und alle Beteiligten vernahmen ein lautes knacken im Gebüsch und schraken auf. Sogar die drei Kiffer auf dem Grabstein horchten auf. Geistesgegenwärtig schaltete Richard mit der freien Hand die Musik aus und blickte wie alle anderen in die Richtung, aus der das Geräusch gekommen war. „Scheiße!“ Fluchte David leise, „Scheiße, das ist keiner von unseren, die kennen den richtigen Weg!“ „Lass uns nachschauen!“ schlug Dennis vor und die beiden schlichen in die besagte Richtung. Lange Zeit geschah gar nichts. Totale Stille lag über der Lichtung. Jan hatte aufgehört das Mädchen zu küssen und Jenni erkannte nun, dass es Ricarda aus ihrem Deutschkurs war. Die kleine, zierliche mit dem rötlich-braunem Haar, um das Jenni sie im Stillen schon so lange beneidet hatte, stand nun und schmiegte sich an Jans Seite. Anna und Mats standen nebeneinander, jedoch ohne Körperkontakt, Isabell abseits der Tanzfläche, von wo aus sie den beiden neidische Blicke zuwarf. „es wird schon stimmen, dass sie auf Mats steht“, dachte Jenni. Richard war damit beschäftigt, so leise wie möglich Tüte und Grass verschwinden zu lassen, denn als jemand, der bereits eine Vorstrafe wegen Drogenbesitzes besaß, konnte er es sich nicht leisten beim Kiffen erwischt zu werden. Chris stand ganz nah hinter Jenni, sie spürte seinen Atem im Nacken, und wagte es nicht sich zu bewegen, auch nur selbst zu atmen, aus Angst sie würde diesen wunderbaren Moment zerstören.
Dann plötzlich ein Schrei. Alle zuckten zusammen. Was war geschehen? Chris hatte Jennis Hände gegriffen und hielt sie fest, ob um sie oder sich selbst zu beruhigen war nicht zu erkennen, Jan drückte Ricarda an sich, Mats hatte auch Anna wieder bei der Hand genommen und Richard und Isabell standen einfach nur da und sahen sich erschrocken an. Dann folgten sie dem Schrei und nur wenige Meter durch das Gebüsch, zwischen weiteren alten Gräbern und Bäumen, deren Stämme an Windmühlen erinnerten, solche, die der Gewinnung von Strom dienen, fanden sie schließlich David und Dennis. David hielt einen großen Stock in der Hand erhoben, Dennis starte nur auf etwas, das am Boden lag. Die anderen senkten ihre Blicke und Jan leuchtete mit einer Taschenlampe, die er vom Büffet mitgenommen hatte, und was im Dunkel erst nicht zu erkennen war, wurde nun für alle sichtbar. Der Anblick ließ alle wieder zusammenzucken und mit einem Mal schien es mehrere Grad kälter geworden zu sein. Jenni brach das Schweigen „Wer ist er?“.
Auf dem Boden lag ein älterer Mann, unter seinem Kopf bildete sich eine lache mit Blut. Chris kniete sich neben ihn und fühlte den Puls. „Er ist tot“ Die zehn Jugendlichen sahen sich an. „Aber…“ murmelte David, „Scheiße, jetzt nimm doch den scheiß Knüppel runter!“ schrie Anna ihn hysterisch an. „Wir müssen einen Krankenwagen rufen“ meinte Jenni leise, doch Dennis fuhr sie an „Und riskieren, dass unsere Party auffliegt?“ „Er ist doch eh tot“ kam es zaghaft von Ricarda „Außerdem wissen meine Eltern nicht wo ich war, und das soll auch so bleiben!“ zustimmendes Gemurmel von den Anderen. Jenni sah sich ungläubig in der Runde um. Schockierte, aber in gewisser Weise auch gleichgültige Gesichter sahen ihr entgegen. „ihr wollt das hier…“ sie zögerte den Satz zu vollenden, doch Jan nahm ihr die Aufgabe ab. „Wir wollen das hier geheim halten, vertuschen, so dass nie jemand davon erfährt, der nicht hier und jetzt dabei war! Sind alle damit einverstanden?“ wieder zustimmendes Gemurmel von den anderen, nur Jenni sagte nichts. Jan warf Chris einen beschwörenden Blick zu, woraufhin dieser sich zu Jenni wand. „Du bist doch nicht dumm Jenni, wahrscheinlich willst du später irgendwo studieren. Da macht es sich aber nicht gut, wenn man am Tod eines Menschen beteiligt war, genauso wenig wie die Teilnahme an illegalen Partys. Willst du deine Zukunft aufs spiel setzen, nur um einen alten Mann ins Krankenhaus zu bekommen, der eh schon tot ist?“ Jenni gab sich geschlagen. Ihre Eltern würden sie dafür hassen, wenn sie es je herausfänden.
Also war der Beschluss gefasst. Die zehn schworen darauf alles was hier geschah und noch geschehen würde für sich zu behalten und mit ins Grab zu nehmen. Dann suchten die Jungs ein geeignetes Versteck für den Toten. Fündig wurden sie schließlich im Zentrum des Friedhofes, bei einer alten Gruft, ähnlich wie die, die sie für das Büffet genutzt hatten. Das Tor war unabgeschlossen, und so betraten die Jungs die Grabkammer. Eine schmale Treppe führte nach unten, wo sechs in die Wand eingelassene Grabnischen den hier bestatteten als letzte Ruhestätten dienen sollten. Fast begeistert berichteten die Jungs den Mädchen von ihrem Fund, als sie zurückkehrten um den Toten zu holen. Sie Trugen ihn herab in die Gruft und legten ihn in die hinterste Nische, wo sie ihn in ein altes Laken einwickelten, das auf dem Boden gelegen hatte. Als alle die Grabkammer verlassen hatten, schlossen sie die Türen wieder und gingen zur Lichtung zurück.
Die Gäste die die Party vorzeitig verlassen hatten, hatten auch ihre Salatschüsseln usw. mitgenommen, und so waren nur noch die Lichterketten wegzuräumen. Sie beeilten sich, denn die Dämmerung nahte, und schon kurze Zeit später waren sie alle auf dem Weg nach Hause.
Jenni begleitete die anderen noch ein Stück, bevor sie sich von der Gruppe verabschiedete. „Tschüss“ riefen sie ihr zu und gingen dann weiter, ohne sich auch nur umzublicken. Nur Chris blieb bei ihr stehen. Einen Moment herrschte Schweigen, dann sagte er zögernd „Ich hoffe du hast jetzt kein falsches Bild von mir. Ich wollte mich nicht gegen dich stellen, ich habe nur solche Angst, dass mein Alter etwas davon erfährt. Er würde mich umbringen!“ Wieder Schweigen, dann antwortete Jenni zögernd: „Ich weiß gar nicht, was ich von der Situation halten soll, bin mir auch immer noch nicht sicher, dass wir das richtige getan haben, aber jetzt ist es zu spät, jetzt müssen wir das durchziehen.“ Er blickte sie erleichtert an und dann beugte er sich langsam zu ihr herab. Es dauerte nur einen kurzen Moment, doch Jenni gingen unheimlich viele Gedanken durch den Kopf während er sie küsste. Würde man ihnen auf die Schliche kommen? War der Tote gut genug versteckt? Wie würden ihre Eltern es verkraften, wenn sie davon erfuhren? Aber auch: Warum küsste Chris jemanden wie sie? Würde etwas daraus werden?
Sanft drückte sie ihn von sich „Ich brauche Zeit“, sagte sie und er richtete sich auf. Erst jetzt bemerkte Jenni, wie viel größer als sie er war. „OK, wir sehen uns dann morgen?“ „Sicher“
Noch nie hatte Jenni eine solche Mischung an Gefühlen in sich gehabt. Einerseits freute sie sich wahnsinnig darüber, Chris kennengelernt zuhaben, was sie jedoch auch verunsicherte, denn sie hatte keinerlei Erfahrung in solchen Dingen und überlegte natürlich auf der Möglichkeit, dass er sie verarschen können, hin und her. Anderseits war da auch noch der Mann auf dem Friedhof, die Ständige Gefahr, enttarnt zu werden, mit der sie von nun an leben musste.
Einen Moment standen sie nur da und sahen sich an, dann wandte Jenni sich ab und ging in Richtung ihres Zuhauses. Nach einigen Metern schaute sie sich um, in der Erwartung, dass Chris schon mit den Anderen zusammen weitergegangen war, doch er stand immer noch da und sah ihr hinterher. Schnell drehte sie sich wieder um und ging weiter.
Als sie sich sicher war, dass die anderen außer Sicht waren, rannte sie los. Sie lief so schnell sie konnte, wollte nicht aufhören, doch irgendwann wurden die Seitenstiche so stark, dass sie stehen bleiben musste und als sie so an der Straße stand, vorn übergebeugt, die Hände an den Knien, und nach Luft schnappte, wurde ihr erst richtig bewusst, wie ernst ihre Lage war. Es gab einfach keinen anderen Weg als die ganze Sache für sich zu behalten. Wenn sie etwas sagen würde, egal zu wem, würde sie sich auch selbst beschuldigen. Sie hatte diese Party mitgefeiert und sie hatte mitangesehen, wie die Leiche versteckt worden war. Abgesehen davon, dass sie selbst mit einer Strafe rechnen musste, würden die Anderen sie hassen. Sie war innerhalb weniger Stunden zu einer der Coolen aufgestiegen und hatte zum ersten Mal in ihrem Leben einen Jungen kennen gelernt, der sie nicht nur als gute Freundin sah. Sie konnte das alles einfach nicht zerstören.
Sie hörte das Geräusch eines näherkommenden Autos, und richtete sich auf. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und ging weiter. Ein kleiner roter Polo kam angefahren. In Jenni breitete sich ein eigenartiges Gefühl aus. Sie fühlte sich ertappt und gefangen, verspürte das starke Gefühl einfach wegzulaufen. Das Auto verlangsamte seine Fahrt und kam neben Jenni zum Stillstand. Die Fahrerin kurbelte das Fenster herab und rief Jenni zu „Hej du, weißt du zufällig, wo der alte Friedhof liegt?“ Jenni blieb stehen. In ihren Ohren rauschte es und sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Langsam drehte sie sich um „Warum wollen sie das wissen?“ „Ich will jemanden besuchen und in der Wegbeschreibung steht, ich soll beim Alten Friedhof rechts abbiegen.“ Das Rauschen verschwand und Jenni wies der Frau den Weg. Dann eilte sie nach Hause.
Vorsichtig schlich Jenni den Weg zur Haustür entlang, den Blick unverwandt auf die unbeleuchteten Fenster des Hauses gerichtet. Sie musste unbemerkt ins Haus kommen und sich waschen und umziehen, bevor ihre Eltern sie sahen.
„Guten Morgen, was tun sie denn da?“ Das Herz setzte ihr einen Moment aus, sie sprang herum und sah sich Herrn Bibers gegenüber, ihrem Nachbarn. „Guten Morgen Ich bin es, Jenni.“ Antwortete sie und war erleichtert über seine Kurzsichtigkeit, denn er war mit Sicherheit der letzte, der bemerken würde, wie schmutzig sie war. „Ich muss jetzt leider rein, ich möchte den Frühstückstisch für meine Eltern decken!“ „Aber die sind doch gar nicht da, oder irre ich mich da, mein Kind?“ „Schönen Tag noch, Herr Bibers!“ fuhr ihm Jenni ins Wort und schlüpfte ins Haus.
Jan, Ricarda, Isabell, Anna, Mats, Richard, Dennis und David waren zusammen weitergegangen, nachdem sie sich von Jenni verabschiedet hatten, Chris hatte noch eine Weile gestanden und ihr nachgeschaut. Er war verwirrt, denn wenn ihm nur vor wenigen Stunden jemand erzählt hätte, dass er je nur annähernd so etwas wie zärtliche Gefühle für Jenni empfinden würde, dann hätte er gelacht oder diesen Jemand für bescheuert gehalten, doch nun hatte sich vieles geändert. Am Anfang hatte er sie nur aus dem Augenwinkel beobachtet, und er hatte bemerkt, wie unsicher sie war. Er hatte entdeckt, wie zaghaft ihre Bewegungen waren, und wie vorsichtig sie sich den Anderen Leuten gegenüber verhielt. Und schließlich war er zu ihr gegangen und hatte sie angesprochen. Doch es war nicht auf die gleiche Art verlaufen, wie wenn er sonst ein Mädchen ansprach, Jenni war anders. Er war sich nicht sicher, was anders war, war es die Tatsache, dass sie nur wenig Erfahrung mit Jungs hatte, oder war es einfach weil sie Intelligenter war als die Mädchen, mit denen er bisher Erfahrung gesammelt hatte? Er wusste es nicht. Am ende riss er sich los und eilte hinter den anderen her. Es dauerte gute zehn Minuten, bevor er sie wieder eingeholt hatte.
Die Stimmung in der Gruppe war mehr als gedrückt. Anna und Mats gingen Hand in Hand Jan hatte seinen Arm um Ricardas Schultern gelegt. Alle schwiegen. Isabell und Richard gingen betreten hinterher, gefolgt von David und Dennis, der immer noch ganz blass waren. Als Chris sie eingeholt hatte ging auch er eine Weile schweigend nebenher, bis Anna das Schweigen brach und höhnisch fragte „Und, wie ist das Mauerblümchen so?“ Er blickte sie an und erwiderte „Wahrscheinlich besser als du, Anna, denn sie ist keine so hohle Frucht wie du!“ Sie blickte ihn feindselig an, doch Mats drückte ihre Hand etwas fester, um zu symbolisieren, dass er sie sich beruhigen sollte. Isabell lachte schadenfroh. “Du glaubst immer, dass alle nach deine Pfeife tanzen müssen, bloß weil dein Vater zu viel Geld hat, Anna!“ „Jetzt beruhigt euch mal! Ich verstehe zwar auch nicht, was du an ihr findest, Chris, aber das ist kein Grund, so abzugehen, Anna!“ versuchte Jan zu schlichten, doch es stachelte Chris nur noch mehr an. „Ich muss euch ja wohl kaum erzählen, was ich an Jenni finde, und was ich für sie empfinde.“ „Du empfindest etwas für sie?“ fragte Anna mit gekünstelt erschütterter Stimme. „Und was ist mit Connie?“
Chris verfärbte sich. Für die anderen war nicht ersichtlich aus welchem Grund dies geschah, doch sie mussten es für das erste Zeichen für einen Wutausbruch halten, denn Jan meinte: „hej, warum regste dich denn so auf, hättest du dir nicht schon denken können, dass die mit so was kommen?“ Doch Chris regte sich auf, denn er hatte es endlich geschafft nicht mehr an Connie zu denken. Sie war eine Ferieneroberung, und zwar über drei Jahre hinweg immer wieder, bis sie ihn letzten Sommer mit seinem älteren Bruder betrogen hatte. Seitdem hatte Chris keinen Kontakt mehr zu seinem Bruder, geschweige denn zu Connie. Es fiel ihm einfach schwer jemandem in die Augen zusehen, der ihn so hintergangen hatte. Und während der ganzen Zeit in der er mit Jenni geredet hatte und auch nachher, als er an sie dachte, hatte er nicht einen Gedanken an diese unangenehme Sache verschwendet. Das schlimmste an der Sache war, dass Anna irgendwie alles über die Sache herausgefunden hatte und es nun als Waffe gegen ihn verwenden konnte, denn welcher Junge hört schon gerne die Anderen über ihn und seine gescheiterten Beziehungen reden. Sollte er Jenni von der Sache erzählen, um Irrtümer und Missverständnisse vermeiden, oder sollte er lieber darauf bauen, dass Anna es für sich behalten konnte? Das wohl kaum, aber er würde es Jenni auch später noch erklären können. Es war einfach zu intim.

Leise schlich sich Jenni die Treppe hinauf und in ihr Zimmer. Erst als sie die Tür leise hinter sich zu gezogen hatte, fühlte sie sich etwas sicherer. Hauptsache ihre Eltern würden nichts bemerken. Sie zog ihr Nachtzeug unter der Bettdecke hervor und zog sich um. Als sie ihre Hose auf dem Schreibtischstuhl ablegte, fiel ihr Blick zufällig auf den Wandspiegel, vor dem sie noch vor wenigen Stunden gestanden hatte und sich mit Kleiderfragen auseinandergesetzt hatte. Es war wirklich erstaunlich wie schnell sich alles verändern konnte. Alles schien ihr so aussichtslos, doch ein kleiner Tropfen Hoffnung, dass alles am nächsten Morgen ganz anders aussehen würde, war noch da. Sie legte sich ins Bett und zog die Decke über sich. Nachdem sie das Licht gelöscht hatte, weinte sie sich leise in den Schlaf.

Anna stand vor dem großen Spiegel im Badezimmer und blickte auf ihr Spiegelbild. Ihre Augen waren rot umrandet und ihre Haut schien blasser als sonst. „Schlimm siehst du aus!“ sagte sie zu sich selbst, packte ein Abschminktuch und versuchte das verwischte Augenmake-up zu entfernen, doch es schien nur schlimmer zu werden. Jan war sofort ins Bett gegangen, nachdem sie nach Hause gekommen waren. „Der hat’s gut“ dachte Anna „Er braucht sich auch um sein Äußeres keine Gedanken machen!“ Nach, wie es schien, endlosem Rubbeln und Reiben war die meiste Schminke endlich verschwunden und Anna cremte sich das Gesicht ein. Dann verließ sie das Badezimmer und ging die Treppe hinauf nach oben zu ihrem Zimmer. Sie ging an Jans Zimmer vorbei und ohne groß zu lauschen viel ihr sofort eine Veränderung auf. Normalerweise hörte er abends immer Musik, und zwar ohne viel Rücksicht auf die anderen Bewohner des Hauses zu nehmen, doch heute herrschte Stille. Anna legte ein Ohr an die Tür, doch auch so war nichts zu hören. „was ist denn mit dem los?“ dachte sie und ging weiter zu ihrem Zimmer. Schon kurz nachdem sie sich ins Bett gelegt hatte, schlief sie ein.
Erst beim vierten klopfen an seine Tür, wachte David auf. Er setzte sich im Bett auf und kratzte sich am Kopf. War das alles nur ein Traum gewesen? Ein kurzer Blick auf den Klamottenhaufen auf dem Boden sagte ihm jedoch etwas anderes. Seine Hose war schlammig und hatte verräterische Flecken. Erschrocken sprang er aus dem Bett und schob den Haufen darunter. Dann rief er „Ja, herein!“
Sein Vater betrat den Raum. Vor sich hielt er ein Tablett auf dem ein Glas Orangensaft und ein Teller mit einem Marmeladenbrötchen stand. „Guten Morgen! Ich habe dir Frühstück gemacht. Gestern ist es sicher spät geworden, darum dachte ich, dass du sicher ausschlafen möchtest!“ David setzte sich auf die Bettkante. „Wie spät ist es?“ „Es ist halb zwei! Also höchste Zeit zum Aufstehen!“ Dankend nahm David das Tablett entgegen und sein Vater drehte sich zum gehen. Doch noch bevor er die Tür erreichte, fiel sein Blick auf ein Hosenbein, das unter dem Bett hervorschaute. „ Was ist denn mit der Hose passiert?“ fragte er und ehe David etwas unternehmen konnte, zog er sie unter dem Bett hervor. „Sind das nicht Blutspritzer?“ Fragte der Vater und begutachtete die Flecken aufs Genaueste. Einen Moment fehlten David die Worte, er fühlte sich ertappt und ausgeliefert, dann sagte er „Das kommt von dem Fleisch, das wir gestern gegrillt haben!“ „Ach so, ich werde sie dann mal waschen!“ und damit verließ Davids Vater den Raum.
Erleichtert atmete David auf. Einen kurzen Moment lang war er sicher gewesen, dass nun alles vorbei währe. Doch seine Ausrede schien perfekt und so hatte er seinen Kopf gerettet.

„Hey, aufstehen du Sack!“ Richard setzte sich im Bett auf und sah sich um. Das Zimmer war in ein mattes Dämmerlicht gehüllt und der süßliche Geruch von Graß lag in der Lust. Auf dem Tisch herrschte wie gewohnt ein wildes durcheinander von Bong, Plättchen und so weiter. Auf dem Boden verteilt lagen Kleidungsstücke jeder Art und auf einem der zwei Sessel, die in jeweils einer der zwei hinteren Ecken des Zimmers standen, saß Dennis. Er grinste. „Na, ausgeschlafen? Ich soll dir was von deiner Mutter sagen!“ er machte keine Anstalten weiterzusprechen, also fragte Richard gähnend „was sollst du mir sagen?“ „, Wenn mein Sohn nicht langsam seinen Hintern aus dem verdammten Bett schiebt, dann braucht er nicht damit zu rechnen, noch etwas zu essen zu bekommen! ´“ Richard streckte sich und stand auf. Die Augen ganz klein und einen müden Ausdruck im Gesicht, ging er auf die Suche nach etwas Tragbarem zum anziehen. Das war keine leichte Aufgabe, denn obgleich Richard einen Kleiderschrank besaß, lagen sämtliche Klamotten auf dem Boden verstreut. Endlich hatte er eine Hose und ein verhältnismäßig knitterfreies T-Shirt gefunden und ging zusammen mit Dennis nach unten. Seine Mutter stand in der Küche und schnitt Ein Mohnbrot in Scheiben. „Guten Morgen, Du Schlafmütze! Wurde wohl spät gestern Abend, was?“ fragte sie, schien aber keine Antwort zu erwarten, denn im nächsten Augenblick war sie schon dabei den Tisch mit Marmelade und Nutella, Käse und Wurst zu decken. „Setzen!“ befahl sie und die beiden Jungs setzten sich „Ich muss jetzt wieder in die Praxis, die Mittagspause ist vorbei, also macht’s gut!“ und schon war sie verschwunden.
„Ich glaube ich muss mich auch mal von deiner Mom massieren lassen, sie hat doch ihre eigene Massagepraxis, oder irre ich mich da?“ Meinte Dennis mit vollem Mund „Das Brot ist wirklich lecker!“ „Wegen gestern…“ fing Richard an und starrte dabei auf seinen Teller, doch bevor er fortfahren konnte, fiel ihm Dennis ins Wort „Es gibt nichts mehr zu bereden, du hast geschworen niemandem etwas davon zu erzählen. Die Sache ist gelaufen, vergessen, OK?“ „OK“ murmelte Richard.
Nach dem Essen machten die Jungs sich aus dem Staub und hinterließen ein Chaos in der Küche.

Er raste den letzten Hügel hinunter und in einem Affenzahn den Weg entlang. In der Einfahrt bremste er stark und kam kurz vor der Garage zum halten. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass er die Strecke in Bestzeit geschafft hatte. Er stellte das Rad in die Garage und ging ins Haus. In der Küche saß Anna und trank aus einer dampfenden Tasse. Wahrscheinlich Kakao, dachte Jan, Anna trinkt zum Frühstück immer Kakao. Er steckte ein Toast in den Toaster und setzte sich zu ihr an den Tisch. „Guten Morgen“ sie rümpfte die Nase „Guten Morgen“ sagte sie ironisch „seit wann bist du wach?“ „Seit halb acht“ „wie kann man nur so früh aufstehen“ „Es geht ganz gut, ich bin schon zwei Stunden unterwegs. Sonst habe ich für die Tour immer 2 ½ Stunden gebraucht, aber heute war es, als hätte ich Rückenwind, dabei weht im Wald ja nicht viel Wind! Es klingelte an der Tür und Anna zuckte zusammen „Was ist?“ fragte Jan sie „Ach nichts, ich mach schon auf“
Anna stand auf und ging zur Haustür. Erleichtert stellte sie fest, dass es Mats war, der draußen stand. Er hatte Brötchen gekauft und schien bestens gelaunt zu sein. Als er die Küche betrat, grinste er Jan an „Wo ist denn Ricarda?“ „Die schläft noch, schließlich war es noch sehr anstrengen gestern!“ die Jungs lachten und Anna verdrehte die Augen. Solche geschmacklosen Witze waren typisch für die Beiden. Sie nahm Mats die Brötchentüte aus der Hand und ging zur Spüle, wo sie die Brötchen aufschnitt, während Mats sich zu Jan an den Tisch setzte und eine genaue Beschreibung dessen einholte, was sich nach dem Eintreffen von Jan und Ricarda im Haus der McNeills ereignet hatte. Anna hörte angestrengt woanders hin und war erleichtert, als endlich Ricarda die Küche betrat.

Jenni lag in ihrem Bett und starrte an die Decke. Was sollte sie nur tun? Endlich gab sie sich einen Ruck und stand auf. Sie schlich die Treppe herunter, nicht erpicht darauf, mit irgendjemandem zu sprechen. „Guten Morgen mein Schatz“ Es war ihre Mutter, die in der Küche stand und eine Kanne Tee aufbrühte. „Hast du gut geschlafen? Wie waren deine Tage allein?“ „Ja, gut!“ Jenni schlüpfte auf einen der Stühle und schüttete Milch über das Müsli, das ihre Mutter ihr bereitgestellt hatte. In dem Moment kam ihr Vater aus dem Badezimmer. „Kannst du mir bitte die Krawatte binden, Nicole?“ Fragte er die Mutter und während sie den Knoten richtete wendete er sich Jenni zu „Guten Morgen Jennifer, wie geht es dir? Du hast doch keinen Unsinn gemacht während wir weg waren, oder?“ „Gut, nein natürlich nicht! Sollst du weg?“ „Ja, wir haben einen wichtigen Fall, ich werde wohl erst spät wiederkommen“
„Pass auf dich auf, mein Schatz!“ sagte die Mutter und gab ihrem Mann einen Abschiedskuss. Als er am Küchenfenster vorbeiging, winkte er und kurz darauf war er mit seinem Auto aus der Einfahrt verschwunden. „Ich dachte ihr kommt erst im Laufe des Tages nach Hause?“ sagte Jenni „Dein Vater hat einen wichtigen Anruf erhalten, da sind wir früher wieder abgereist. Und was hast du heute so vor?“ Jenni überlegte. Sie könnte etwas mit Bjarne unternehmen, er hatte ihr ja diesen Zettel zugesteckt, oder sie könnte Chris anrufen, auch er hatte sicher nichts dagegen etwas mit ihr zu unternehmen. Plötzlich schossen ihr wieder die Bilder der vergangenen Nacht in den Kopf und sie zuckt unwillkürlich zusammen. Ein kurzer Blick auf ihre Mutter, die ihr den Rücken zugedreht hatte und wieder mit dem Tee beschäftigt war, zeigte ihr, dass sie nichts bemerkt hatte. „Ich werde wohl etwas mit Bjarne unternehmen.“ Als sie den letzten Rest Müsli heruntergeschlungen hatte, ging sie in ihr Zimmer um sich anzuziehen.
Noch bevor sie obern angekommen war, hatte sie sich um entschieden. Sie würde sich nicht mit Bjarne treffen, er würde wieder nur dumme Sprüche über die „Pornos“ ablassen und darauf hatte sie keine Lust. Außerdem hatte sie Angst er würde ihr etwas anmerken, oder sie würde sich verplappern, was die schrecklichen Ereignisse betraf.
Sie war eben auf dem Weg zum Telefon um ihm abzusagen, als es klingelte. Sie zuckte zurück. Als sie den Hörer abnahm, hätte sie schwören können, dass es Bjarne war, der anrief um das Treffen abzusagen. Doch es war Chris. „Hi Jenni“ „Hi Chris“ „Wie geht es dir? Ich hab mir Sorgen um dich gemacht, du bist ja gestern so schnell weg gewesen“ „Mir geht’s gut, dir auch?“ „Ja“ „Das war übrigens vorhin, nicht gestern!“ „Oh, verzeih, mein Fehler“ „Allerdings“ Beide lachten, und Chris nahm endlich den Mut zusammen, sie das zu fragen, weshalb er angerufen hatte. „Hast du vielleicht Lust, heute mit mir etwas zu unternehmen? Wir könnten Minnigolf spielen und danach ins Kino oder so“ „Riesig!“ „was?“ „Ich habe riesige Lust! Wann soll’s losgehen?“ und schon stand der Termin für halb eins fest. Bjarne war vergessen.
Es war zwölf Uhr als bei Jenni das Telefon klingelte, wenige Minuten später geschah dies auch bei den McNeills. Jan ging ran. „Hallo, spreche ich mit McNeill?“ fragte eine verzerrte Stimme am anderen Ende. „Ja, hier ist Jan McNeill“ „Können sie frei sprechen? Hört jemand mit?“ „Mit wem spreche ich denn“ „Mein Name ist nicht von Bedeutung“ Jan stutzte, was sollte das? Er bedeutete den Anderen mit einer Handbewegung sie sollen zu ihm kommen. Er befahl ihnen zu schweigen, und schaltete das Telefon auf Lautsprecherfunktion. „Ich habe ihnen einen Vorschlag zu unterbreiten. Ich habe sie und ihre Freunde letzte Nacht beobachtet. Ich habe alles gesehen, und wenn meine Forderungen nicht erfüllt werden, dann werde ich mit meinem Wissen zur Polizei gehen.“ Haben sie Beweise?“ „Natürlich! Erst einmal kenne ich das Versteck der Leiche, und dann habe ich ein Armband auf der Lichtung gefunden.“ „Was für ein Armband?“ „Ein kleines silbernes, und das Beste daran ist, es hat sogar eine Gravur!“ Anna war kreidebleich geworden. Sie streifte ihren rechten Ärmel hoch, denn ihr war ein fürchterlicher Verdacht gekommen. „Anna 14.10.1987“ Das Armband war von Annas Handgelenk verschwunden. „Ich verlange 10.000 € für mein Schweigen! Ich weiß, dass ihr diesen Betrag gerne bezahlen werdet! Ihr habt eine Woche Zeit, in drei Tagen, um halb neun Uhr abends wird einer von euch das Geld in dem Papiercontainer hinter dem Aldi Markt in der Brokenlander Straße ablegen. Ihr werdet beobachtet, also keine Späßchen! Die Polizei werdet ihr ja wohl nicht alarmieren, dann währt ihr schön dumm!“ Dann legte der Unbekannte auf.
Jan sah die anderen an. Er hielt das Telefon noch immer in der Hand. „Habt ihr gemerkt, wie er mitten im Gespräch vom sie zum du übergegangen ist? Er hat sich selbst gestresst!“ „Wie kannst du sicher sein, dass es ein Mann war, es könnte genauso gut eine Frau gewesen sein! Die Stimme war schließlich verzerrt!“ „Lasst uns fürs Erste von DEM Unbekannten sprechen.“ „Wie konntest du nur dein Armband auf der Lichtung verlieren?“ fragte Ricarda Anna, die den feindseligen Tonfall mit einem bösen Blick erwiderte. „Ich muss es verloren haben als ich mich mit Isabell gestritten habe.“ „Und mit deiner Eifersucht hast du uns alle in Gefahr gebracht!“ Ricarda war auf dem besten Wege hysterisch zu werden. „Daran lässt sich ja nun nichts mehr ändern. Was passiert ist, ist passiert, wir müssen jetzt nur einen Weg daraus finden.“ Meinte Jan beschwichtigend. „Und wie stellst du dir das vor? Wenn du dir die Beweislage mal genauer anschaust, dann wird dir klar, dass unsere Lage aussichtslos ist! Wir haben eine illegale Party gefeiert, Drogen konsumiert und Alkohol getrunken. Wir haben einen Mann getötet, oder waren zumindest maßgeblich daran beteiligt. Wir haben geholfen die Leiche zu verstecken und damit den Mord zu vertuschen. Und nun werden wir erpresst. Was glaubst du, was für eine Chance wir gegen diesen Erpresser haben?“ Die Mädchen nickten zustimmend bei Mats´ Worten. Doch Jan gab nicht auf. Beschwörend meinte er „Wir haben zwar keine Chance, ihn polizeilich zu belangen, aber es gibt doch noch andere Wege, jemanden zu strafen.“ „Du willst ihn umbringen?“ kreischte Anna „Nein, natürlich nicht“ rief Jan verzweifelt „Was dann?“ „Ich weiß noch nicht genau, aber mir wird schon was einfallen.“
Es Klingelte an der Tür. Jan öffnete und vor ihm standen Dennis und Richard. „Hi, was für eine Versammlung!“ meinte Dennis, als sie eintraten. „ihr könnt schon mal hoch gehen, mein Zimmer ist das erste rechts, wir kommen sofort nach!“ Als die beiden nach oben gegangen waren, meinte Jan „Wir sagen den Anderen nichts! Vielleicht war es ja auch einer von ihnen! Wir können nichts riskieren!“ Alle stimmten zu.
Inzwischen hatten Dennis und Richard es sich in Jans Zimmer bequem gemacht. Dennis lag auf dem Rücken auf dem Bett, die Beine mitsamt den schmutzigen Schuhen ausgestreckt. Richard Saß auf dem Sofa. Als die anderen eintraten schaute Dennis auf. „Ich hoffe es stört dich nicht, wenn ich hier so sitze?“ Es war wiedereinmal eine Frage auf die er keine Antwort erwartete. „Du musst das ja eh nicht selbst neu beziehen, dazu habt ihr doch sicher Personal!“ „Was willst du Dennis?“ fragte Jan und setzte sich zu Richard aufs Sofa. „Wieso sollte ich etwas von dir wollen? Wie kommst du darauf`?“ „Keine Ahnung, schließlich ist es je total normal, dass du bei uns vorbei kommst, dich mit deinen dreckigen Schuhen auf mein Bett legst und dich benimmst, als währest du zuhause!“ „Also stören dich doch die Schuhe“ er setzte einen gönnerhaften Blick auf und streifte sich die Schuhe ab. „Daran soll’s nicht scheitern!“ „Ich frage dich jetzt noch einmal; Was willst du hier?“ Dennis erwiderte nur ein Lächeln. „Ich glaube ich weiß schon was du willst! Du kannst dich nicht so gut verstellen wie du offenbar glaubst.“ „Was redest du eigentlich, McNeill“ plötzlich war alle Coolness von ihm abgefallen. „Ich verstehe dich nicht, du musst schon deutlicher werden!“ „Ich glaube du hast mich schon verstanden, es war mehr als deutlich! Und jetzt raus hier!“ Dennis stand auf und verließ mit seinen Schuhen in der Hand den Raum, was Jan ziemlich überraschte, denn er hatte mit Wiederstand gerechnet. Es war alles andere als Dennis Art, einfach so einzustecken. Er war einer jener Menschen, die ziemlich gut austeilen, aber sehr schnell aggressiv werden, wenn es ums einstecken geht. Richard folgte ihm schweigend.

„Was ist denn mit denen los, warum war Jan so aggressiv?“ Richard stand neben Dennis, der sich gerade auf dem Bürgersteig die Schuhe wieder anzog. „Ich glaube er hält dem Druck nicht stand. Er wird einer von denen sein, die das größte Risiko für unser Geheimnis bilden!“ Er blickte auf zu dem großen Haus, das sie gerade verlassen hatten. Er hätte nie gedacht, dass Jan so reagieren würde. Er hatte ihn immer für einen der härtesten gehalten, einen der mit solchen Dingen umgehen konnte. „Lass uns gehen!“ „und wohin?“ „Bei dir ist doch niemand, oder?“ „Nein, meine Mutter ist ja in der Praxis. Aber warum gehen wir nie zu dir?“ „Warum sollten wir? Bei dir ist es doch schön! Ich hab was zu rauchen dabei.“ „OK, lass uns gehen!“

„Was wollten die hier?“ fragte Anna an ihrem Bruder gewand. Jan schwieg, doch Mats nahm das Wort „Ich habe da so eine Theorie.“ Alle sahen ihn an, er blickte einmal in die Runde, sah jedem von ihnen beschwörend in die Augen und sagte dann „Sie kamen doch unmittelbar nach dem Anruf, oder?“ Diese einfache Frage löste ein wahres Durcheinander aus. „Du glaubst doch nicht…“ „Nicht Richard…“ „Aber von Dennis könnte ich es mir doch vorstellen…“ „Pscht!“ Fuhr Mats sie an und augenblicklich herrschte wieder Schweigen „Die beiden sind da genauso drin verwickelt, wie wir. Dennis sogar noch etwas mehr, denn er und David haben den Mann schließlich …“ „Sag es nicht!“ schluchzte Ricarda. „Aber es könnte stimmen“ überlegte Jan „Das Telefon hat keine Nummer angezeigt, sie hätten vom Handy aus anrufen können, ich bin mir nicht einmal sicher, ob es nicht sogar Handys mit Stimmverzerrer gibt. Bei Dennis könnte ich mir sogar vorstellen, dass er es als die einzige Möglichkeit sieht, noch etwas Positives aus der Situation zu schöpfen!“ „Aber…“ „Nein Anna, du musst das mal ganz objektiv betrachten! Du hast doch gehört, was er gesagt hat, als er hier im Zimmer war ,Ihr habt doch bestimmt Personal für so was´ Es geht ihm nur ums Geld! Er hat aber nichts in der Hand, gegen uns. Wenn er uns verpfeift, dann zieht er sich genauso rein wie uns.“ „Und wenn ihm das egal ist?“ „Es wird ihm nicht egal sein, denn er ist vorbestraft, genau wie Richard. Drogen sind halt nichts Gutes!“ Anna war überzeugt. Jan war für sie schon immer jemand gewesen, dem sie glauben musste. Er hatte sie noch nie belogen und hatte ihr in jedem noch so banalen Konflikt Schutz geboten. Bei dem Gedanken an Dennis, der sich selbst in Sicherheit wog, aber eigentlich in einer aussichtslosen Position stand, mussten sie alle lachen.

Um halb eins trafen sich Jenni und Chris am Eingang zum Minnigolfplatz am See. Es war kühl, aber die Herbstsonne tauchte alles in ein oranges Licht. Jennis Wangen waren rot durch die Kälte, sie war mit dem Fahrrad gekommen und der wind hatte ihr um die Ohren geblasen, als sie den Berg in Richtung Minnigolfplatz heruntergesaust war. Sie schloss das Rad ab und ging hinüber zu Chris, der mit dem Rücken an der Seite des Kassenhäuschens stand. Er lächelte ihr entgegen und umarmte sie zur Begrüßung. Jenni legte ihren Kopf auf seine Schulter und war froh, sich für das Treffen mit ihm entschieden zu haben und damit gegen Bjarne. Bjarne! Jetzt fiel es ihr wieder ein, sie hatte ganz vergessen, ihm abzusagen. Sie löste sich aus Chris Umarmung. Doch jetzt konnte sie an dem vergessenen Termin eh nichts mehr ändern. Sie verdrängte den Gedanken und ergriff die Hand, die Chris ihr anbot. Hand in Hand betraten sie den Platz.
Chris war, wie sich herausstellte, ein lausiger Golfspieler. Er legte zwar viel Kraft in den Schlag, aber meist war es zu viel. Die Bälle flogen durch die Gegend, und Jenni war froh, dass an diesem Tag nicht so viele Leute auf die Idee gekommen waren, Minnigolf zu spielen. Sie war sich sicher, dass sonst jemand zu schaden gekommen währe. Doch an Spaß mangelte es den beiden nicht. Jenni half Chris so viel sie konnte, doch da auch sie kein Profi war, war das einzige was sie ihm zeigen konnte, wie er richtig stehen musste. Als er es schließlich an der letzten Bahn schaffte, gleich beim ersten Schlag einzulochen, war die Freude groß. „ein hole-in-one!“ rief er und hob Jenni, die ihm vor Freude in die Arme gesprungen war, hoch und drehte sich mit ihr im Kreis. Als er sie wieder runterließ, standen die beiden eng aneinander und sahen sich an. Da beugte Chris sich zu ihr herunter und Küsste sie. Für einen Moment hatte Jenni das Gefühl sie schwebe, dann richtete Chris sich wieder etwas auf. Er sah ihr in die Augen und fragte mit zärtlicher Stimme: „Ist das OK?“ „Ja“ wollte Jenni sagen, doch sie bekam keinen Ton heraus. Chris verstand und er küsste sie wieder.

Es war das schönste Date in Jennis Leben. Es war ja auch das erste, aber wenn sie jemand gefragt hätte als sie nach hause kam, hätte sie den Tag mit Sicherheit als den schönsten ihres Lebens bezeichnet. Chris begleitete sie nach Hause, obwohl das für ihn einen Umweg von einer viertel Stunde bedeutete. Als sie das Haus erreichten, war alles dunkel. „Es war ein wirklich schöner Tag“ meinte Chris und beobachtete Jenni. Sie blickte unsicher zum Haus, versicherte sich, dass sie wirklich von niemandem beobachtet wurden. Dann schaute sie zu Chris auf, ihre Augen funkelten wie Sterne, dachte er. „Das finde ich auch“ und er gab ihr einen Gutenachtkuss. Jenni blieb noch eine Weile vor dem Haus stehen, und sah Chris hinterher, der die Straße entlang ging und schließlich in der Dunkelheit verschwand.
Nachdem Chris verschwunden war, drehte Jenni sich um. Sie schob ihr Rad den schmalen Weg durch den Vorgarten entlang und rechts am Haus vorbei. Sie war froh, dass der Mond heute so deutlich zu sehen war, denn aus irgend einem Grund war das Außenlicht nicht eingeschaltet und sie hätte den Weg zum Fahrradschuppen wohl kaum ohne Probleme gefunden. Sie stellte ihr Rad ab und betrat dann durch die Hintertür das Haus.
Sie betätigte den Lichtschalter in der Küche, doch alles blieb schwarz. War es ein Stromausfall? Das konnte doch nicht sein. Warum traf das Pech denn immer nur sie? Sie hasste es im Dunkel zu sitzen. Vorsichtig tastete sie sich in den Flur und stellte ihre Schuhe ab. Die Jacke hängte sie über das Treppengeländer, denn sie wollte sich den Weg zum Garderobenständer ersparen. Das letzte was sie jetzt gebrauchen konnte, war über in Paar Schuhe zu stürzen oder sich etwas in den Fuß zu treten. Sie Ging ins Wohnzimmer und suchte nach ein paar Kerzen. Das einzige was sie fand, waren drei Teelichter. Sie stellte sie auf den Tisch und zündete sie mit dem letzten Streichholz an, das sie fand. Zusammengekauert saß sie nun auf dem Sofa und beobachtete das Spiel der Kerzen. Ein Blick auf die Uhr zeigte ihr, dass es schon halb zwölf war, als die Kerzen anfingen zu erlöschen. Sie dachte wieder an den nachmittäglichen Kinobesuch. Chris und sie hatten so viel gelacht, Popcorn gegessen und sich geküsst. So etwas hatte sie noch nie erlebt. Nun, ohne Kerzen, wurde es richtig unheimlich. Jenni bemerkte, dass der Mond hinter Wolken verschwunden war, denn es war nun stock duster draußen. Doch war da nicht ein Leuchten? Sie schaute genauer hin. Es stimmte, draußen im Garten bewegte sich ein Licht, und es kam direkt auf die Hintertür zu. Einbrecher, dachte Jenni. Was sollte sie nur tun. Oh Gott, dachte sie, das ist der alte Mann vom Friedhof. ER war gar nicht wirklich tot und nun kommt er um sich an mir zu rächen. Sie ließ sich vom Sofa gleiten und kauerte sich unter dem Tisch zusammen. Hier würde man sie nicht sehen. Plötzlich viel ihr ein, dass sie vergessen hatte die Hintertür abzuschließen. Sie wollte hinrennen und abschließen, der Schlüssel steckte, sie musste ihn nur umdrehen, doch da wurde sie schon geöffnet. Jenni versuchte nicht zu atmen, keinen Laut von sich zu geben. Schritte, und sie kamen näher.
Jenni saß unter dem Stubentisch und wollte unsichtbar werden, hörte sie eine bekannte Stimme. „Jennifer, Nicole? Ist jemand da?“ Jenni kletterte unter dem Tisch hervor und stand ihrem Vater, der sie verwundert anblickte, direkt gegenüber. „Was hast du unter dem Tisch gemacht?“ „Ich habe etwas gesucht“ murmelte sie verlegen. „und warum ist es hier so dunkel?“ „Das weiß ich auch nicht, das Licht geht einfach nicht!“ Nachdenklich sah ihr Vater sie an. Wahrscheinlich ist nur die Sicherung raus. Sie blieb dicht hinter ihm, als er zum Sicherungskasten ging. Er legte zwei kleine Schalter um und schon ging die Außenbeleuchtung an. „Danke! Wir haben nicht einmal Kerzen im Haus, ist dir das klar?“ meinte Jenni „Das ist der Bereich deiner Mutter. Wo ist sie überhaupt?“ „Keine Ahnung, sie war schon weg als ich ankam. Ihr ist doch nichts passier, oder?“ „Das glaube ich nicht, aber wir können ja mal nachgucken. Zusammen suchten sie überall im Haus, doch Nicole war nirgends zu finden. Stattdessen fanden sie einen Zettel auf dem Küchentisch. „Ich bin bei Fischers, komme spät nach hause, das Essen steht auf dem Herd! Nicole“ „Das Problem währe gelöst!“ meinte Jennis Vater. „Jetzt sind wohl vorerst nur zwei Schreibers Zuhause. Was sollen wir machen?“ „Ich denke ich werde jetzt ins Bett gehen, ich saß heute schon zu lange im Dunkel um jetzt noch viel zu machen. Gute Nacht Paps!“ „Nacht süße! Schlaf gut“
Jenni ging in ihr Zimmer und zog sich um. Die Kinokarte steckte sie an die Pinnwand. Als Andenken an den schönen Tag.

Als der Morgen graute, war alles ruhig in der Nachbarschaft. Alle schliefen, nur vereinzelt streiften ein paar Katzen durch die Gegend. Doch Jan war schon auf. Er schob sein Rad aus der Garrage und fuhr dann die Einfahrt herunter. Er fuhr die Straße entlang und bog schlißlich rechts in den Waldweg ein. Den fuhr er ein Stück entlang, vorbei an den Häusern, die im Licht des Morgen tot und lehr aussahen. Er blickte im vorbeifahren auf zu dem großen Fachwerkhaus, dem letzten Haus vor dem Wald. Der die Blätter des großen Baumes dahinter waren rot wie Feuer. Nein, dachte er, nicht wie Feuer, vielmehr wie Blut. Tote Gebäude in Wolken von Blut. Ohne dass er es wollte drängten sich Gedanken in seinen Kopf. Sie formten Bilder. David und Dennis, die durch das Unterholz schlichen, David und Dennis wie sie den alten Mann entdeckten, David wie er einen Stock aufhob und Dennis wie er ihn anstachelte, David wie er zuschlug und Dennis wie er zuguckte. Er wollte diese Bilder nicht in seinem Geist haben. Er wollte so etwas nicht denken. Er trat in die Pedale, schoss den Weg entlang, verwendete alle Konzentration darauf, nicht an die Geschehnisse auf dem Friedhof zu denken. Er raste auf die Abzweigung in den Wald zu, doch er wollte nicht bremsen. Er raste um die Kurve, der Boden war uneben, er raste über Einige Äste, Schlaglöcher und schließlich einen Stein, doch er war zu hoch zum ausweichen. Er stürzte.
Als er sich wieder aufgerappelt und auf Verletzungen untersucht hatte, sah er sich um. Er war nicht mal zehn Meter in den Wald hinein gekommen. Zum Glück hatte er nur oberflächliche Abschürfungen davon getragen. Er hob sein Rad auf und begutachtete es. Keine größeren Schäden, doch am Vorderrad waren einige Speichen gebrochen „Scheiße“ sagte er und um seiner Wut Luft zu machen schrie er es in den Wald hinein „Scheiße, Scheiße, Scheiße!“
Er musste nach Hause schieben, und als er ankam, war Anna schon wach und kam zur Tür geeilt als sie ihn sah. Sie versicherte sich, dass ihm nichts Ernstes passiert war, bevor sie sich über ihn lustig machte. „Radfahren ist schon eine schwere Sache, du solltest vielleicht auf Stützräder umrüsten!“ „Ich bewundere deinen Humor, Schwesterherz, du bist wirklich unübertrefflich komisch!“
Er ging ins Badezimmer um eine Dusche zu nehmen und sich umzuziehen, während Anna wieder in die Küche ging und den Tisch deckte. Er ließ sich das kalte Wasser über den Körper laufen während er sich noch immer ärgerte. Doch das Duschgel schien eine beruhigende Wirkung zu haben, denn es brannte sosehr in den Schürfwunden, dass er den Ärger über sich selbst vergas. Als er frisch geduscht und fertig angezogen in die Küche kam, fand er seine Schwester über die Zeitung gebeugt. Normalerweise hatte er die Zeitung für sich, sie hasste es morgens zu lesen. Er folgte ihrem erschrockenen Blick und erstarrte.

Jenni schlief schlecht in dieser Nacht. Sie träumte, dass sie auf dem Friedhof währe, sie hatte schreckliche Angst, doch trotzdem ging sie weiter, den schmalen weg entlang, bis sie auf die Lichtung kam. Dort überkam sie das Gefühl, als würde jemand etwas flüstern. Sie blieb wie angewurzelt stehen und lauschte. Es flüsterte wirklich jemand. Aus allen Richtungen drang dieselbe Stimme auf sie ein „Lauf!“ Sie lief, doch es gab keinen Ausweg. Rund um die Lichtung hatte sich ein Kreis von hohen, massiven Grabsteinen gebildet. Sie lief an den Steinen entlang, doch jeder von ihnen war mindestens fünf Meter hoch. In Panik schaute sie sich um. In der Mitte des Grabsteinkreises stand eine Leiter. Sei kletterte sie Leiter hinauf und erreichte nach vielen Sprossen den Fuß einer weißen Marmortreppe. Sie lief die Marmortreppe hinauf, weiter und weiter, doch irgendwann bemerkte sie, dass es eine endlose Treppe war. Es gab keinen Anfang und kein Ende. Sie lief die Treppenstufen hinauf im kreis. Da stürzte sie plötzlich in der Mitte hinab und während sie viel war alles um sie herum schwarz. Da Tauchten Gesichter auf. Ricarda, die sagte „Er ist doch eh tot!“, Jan „Wir wollen es vertuschen“, die Frau aus dem Auto „Wo ist der Friedhof?“ und der alte Mann „Es ist alles deine Schuld, alles deine Schuuuuuuuuuuld“ Der Grund kam näher, da fuhr Jenni aus dem Schlaf.
Zitternd saß sie in ihrem Bett und wartete, dass ihre Atmung sich wieder beruhigte. Ein schrecklicher Traum. Sie stand auf und zog sich ein Sweatshirt über. In der Küche lag ein Zettel von ihrer Mutter. Sie war einkaufen gefahren, ihr Vater war natürlich schon arbeiten. Sie machte sich eine Tasse Kakao und schnitt sich zwei Scheiben Brot, die sie sich mit Käse belegte. Sie nahm einen Bissen und blickte auf die Zeitung. Vor Schreck verschluckte sie sich.

Als David in die Küche kam, saß sein Vater gerade und las die Zeitung. Der Artikel schien sehr spannend zu sein, denn er blickte nicht einmal auf als Davis ihn mit einem „Guten Morgen“ begrüßte. David setzte sich dem Vater gegenüber und nahm ein Croissant aus dem Brotkorb. Er schnitt ihn auf und bestrich ihn sorgfältig mit Marmelade. Er war gerade dabei sich eine Tasse Kaffee einzuschenken, als der Vater aufsah. Doch statt dem üblichen Morgengruß sagte er nur „Das hier musst du unbedingt lesen!“ David stutzte. Er las nie die Zeitung, wenn überhaupt, dann nur die letzte Seite, mit den Lustigen Kurzberichten, über Leute, die beim Diebstahl eines Straßenschildes erwischt wurden, weil sie das besagte Schild an der Polizeizentrale vorbeitrugen usw. Doch nun reichte sein Vater ihm das Titelblatt. David warf einen Blick auf das große Bild, das mit der Überschrift „Tod auf dem Friedhof“ versehen war und wurde blass vor entsetzen. „Erschreckend nichtwahr? So nah in der Nachbarschaft!“

Am vergangenen Samstag, dem 2. November wurde auf dem stilgelegten St. Angelus-Bernasini Friedhof die Leiche eines 69 jährigen gefunden. Er ist vermutlich an einem Hirnschlag gestorben, jedoch war der Körper des Mannes in einer alten Gruft versteckt, und in Laken gehüllt, was auf eine Beteiligung Unbekannter schließen lässt. Der Mann war gefunden worden, nachdem ihn seine Tochter am morgen des 1.11. als vermisst meldete. Sie wollte über das Wochenende ihren Vater besuchen, der seit dem Tod seiner Frau zurückgezogen in seinem einsamen haus ab westlichen Ende des Friedhofes lebte. Laut der aussage der Tochter, ging er all abendlich auf dem Friedhof spazieren, so wohl auch an jenem Abend. Was den oder die Fremden dazu gebracht haben könnte, die Leiche zu verstecken, ist noch unklar, ein Mord lässt sich aber hundertprozentig ausschließen. Die Polizei vermutet, dass es sich bei den Unbekannten um Leute handelt, die auf dem Friedhof in illegale Machenschaften verwickelt waren. „Wir können uns nicht vorstellen, warum sich sonst jemand auf dem Friedhof herumtreiben sollte und eine Leiche verschwinden lässt, anstatt den Fund zu melden.“ Sagte gestern der Leiter der SoKo Friedhofsmord, Siegfried Nebulös, bei einer offiziellen Pressekonferenz. „Wir hoffen, dass der oder die Beteiligten schnell gefunden werden, damit wir mehr über den Tod unseres Vaters erfahren.“ So die Tochter des Verstorbenen und ihr Bruder, im Gespräch mit unserem Reporter.

Jan musste sich setzen. Er sah Anna an und beide dachten „Das war’s!“ langsam ließ Anna die Zeitung sinken und atmete tief durch. „Wir müssen mit den Anderen sprechen!“ Jan nickte zustimmend.

Nachdem sie wieder Luft bekam las Jenni den Artikel in der Zeitung sorgfältig durch. Das war’s jetzt, dachte sie. Sie warf die beiden Stücke Brot in den Mülleimer, kippte ihren Kakao in den Ausguss und räumte schnell den Tisch lehr. Dann rannte sie in ihr zimmer, zog sich schnell etwas anderes an und lief dann zum Haus der McNeills.

David las den Artikel schweigend und als er wieder aufblickte, sagte sein Vater „Es ist wirklich schrecklich!“ David nickte nur. „Ich hatte immer gedacht, dass wir hier in einer friedlichen Gegend wohnen…“ meinte der Vater nachdenklich „Aber da steht doch er sein an natürlichen Ursachen gestorben?“ „Das schreiben die wahrscheinlich nur, damit die Täter schnell melden!“ David stand von seinem Stuhl auf. „Ich muss noch was erledigen.“ Und schon war er aus der Küche verschwunden. Sein Vater warf ihm noch einen fragenden Blick hinterher, dann widmete er sich wieder seiner Zeitung.

Auch Richard hatte die Zeitung am Morgen gelesen. Seine Mutter war so freundlich ihm den Artikel aufgeschlagen auf dem Küchentisch liegen zu lassen, mit einer Handgeschriebenen Nachricht in der Oberen Ecke „Da siehst du was passieren kann, wenn man sich im Dunkel herumtreibt!“ „Du weißt ja gar nicht, wie Recht du damit hast“ dachte Richard und zog sich eine Jacke an, bevor er sich auf den Weg zu Jan machte. Er dachte, dass das jetzt wahrscheinlich der beste Ort währe, um sich zu treffen, denn soweit er wusste, waren die Eltern von Anna und Jan ja noch immer verreist.

Es läutete an der Tür und Anna ging hin um aufzumachen. Sie war fast erschrocken als dort Mats, Jenni und David standen, und im Hintergrund sah sie Richard um die Ecke laufen. Er musste sich wirklich beeilt haben, denn als er an der Haustür ankam, konnte er kaum sprechen, so sehr war er aus der Puste. „Zeitungsartikel…toter Mann…Polizei“ war das einzige das Anna verstehen konnte. Sie ließ alle hinein und schloss dann die Tür. „Habt ihr schon die Zeitung gelesen?“ fragte Jenni aufgeregt „Ja, und wir müssen da dringend über etwas sprechen“ sagte Jan, der in der Küchentür stand.

Chris wachte auf und überlegte, was er mit dem heutigen Tag so anfangen sollte. Ob Jenni wohl Lust hätte etwas mit ihm zu machen? Oder sollte er heute lieber mal wieder Sport treiben? Er schlüpfte in die Jeans die auf dem Boden vor dem Bett lag und holte sich ein Poloshirt aus dem Schrank. Dann ging er nach unten, wo sein kleiner Bruder vor der Playstation im Wohnzimmer saß. „Du hast jemanden im Wald getötet“ sagte er „Was?“ fuhr in Chris erschrocken an. Der zwölfjährige blickte ihn verstört an. „Ich sagte; Da wurde jemand im Wald getötet!“ „Woher hast du das?“ „Steht in der Zeitung! Hat Vater mir vorhin vorgelesen!“
Chris ging in die Küche. Er sah sich um, doch nirgends sah er eine Zeitung. „Wo ist denn die Zeitung?“ rief er seinem Bruder zu. „Die hat Vater mitgenommen. Du liest sie ja doch nicht, hat er gesagt!“ Chris zog sich Schuhe und Jacke an und lief aus dem Haus. Er holte sein Rad aus dem Schuppen und fuhr los. Jan würde ihm schon näheres sagen können.

Ricarda lag noch im Bett, als das Telefon klingelte. Es war Jan. Er erzählte ihr etwas von einem Zeitungsartikel und dass sie sich alle bei ihm zu Hause trafen um die Lage zu besprechen. „OK, ich komme gleich!“ Sie zog sich an und machte sich im Bad die Haare und legte etwas Make-up auf. Dafür währe schon noch Zeit sagte sie sich.

Knapp Zehn Minuten nachdem er losgefahren war, erreichte Chris Jans Haus. Anna öffnete ihm die Tür und er ging nach oben in Jans Zimmer. Er war ziemlich überrascht, Jenni und David dort zu sehen. Doch Jenni beantwortete seine ungestellte Frage. „Wir haben auch den Artikel gelesen.“ „Ich aber nicht. Mein Vater hat die Zeitung mitgenommen. Mein Bruder sagte nur etwas von einem Toten der gefunden wurde.“ Jan warf ihm die Zeitung zu und er begann zu lesen.
Es klingelte wieder an der Tür. Diesmal war Anna schon etwas genervt. Sie ging nach unten und öffnete. Es war Dennis. „Ich weiß zwar nicht, warum ihr mich plötzlich doch hier haben wollt, aber mir soll’s nur recht sein!“ meinte er während er eintrat. Er war auf dem direkten Weg nach oben als er plötzlich stehen blieb. Dann ging er die Treppe wieder herunter und zog sich die Schuhe aus, die er dann neben der Tür abstellte. „Die sind schließlich schmutzig“ sagte er übertrieben freundlich zu Anna, wobei er sich aufdringlich nah an sie heranlehnte und die Augen gekünstelt aufschlug. Dann lief er nach oben. Anna schloss die Tür. Sie war gerade auf halbem Weg nach oben als Sie eine Autotür ins Schloss fallen hörte. Mom und Dad, schoss es ihr durch den Kopf. Die wollten doch erst in ein paar Tagen zurückkommen?!? Sie ging zur Haustür und spähte verstohlen zwischen den Vorhängen durch. Es war Ricarda, die aus dem Auto ihres Vaters stieg. Was bildet die sich überhaupt ein? Fragte sich Anna empört. Sie wartete einen Augenblick und öffnete dann die Tür, noch bevor Ricarda klingeln konnte. „Du hast schon genug aufsehen erregt!“ zischte sie während sie Ricarda hineinschob.
Sie gingen zusammen nach oben und setzten sich zu den Anderen. Jenni und Chris saßen auf dem Bett. Hand in Hand. Aus irgendeinem Grund regte es Anna auf. Was hatte Jenni überhaupt hier zu suchen? Sie war ein Streber, und Streber hängen einfach nicht mit den Coolen rum! Richard und Dennis saßen auf dem boden, den Rücken an die Heizung gelehnt. David saß ein Stück von ihnen entfernt auf einem Fußball. Ricarda hatte sich im Schneidersitz auf den Sessel Gesetzt, Jan stand mit verschränkten Armen dahinter. Sie selbst saß mit dem Rücken am Bücherregal, Mats neben ihr. Neun Leute zählte Anna. Sie wollte gerade ihre Aufmerksamkeit Jan schenken, der Anstalten machte etwas zu sagen, doch da kam ihr ein plötzlicher und sehr unangenehmer Gedanke. Fehlte nicht jemand? „Waren wir an diesem Besagten Abend nicht mehr als neun Leute?“ fragte sie die versammelten. Alle dachten nach, da meinte Jenni zögernd. „Ich glaube da war noch ein Mädchen, du hattest dich mit ihr gestritten, das war auch der Grund dass so viele Gäste gegangen sind, denke ich!“ Anna warf ihr einen vernichtenden Blick zu. „Stimmt“ meinte Mats „Isabell war noch da. Seit wir nach Hause gegangen sind habe ich sie aber nicht mehr gesehen.“
Anna und Jan blickten sich vielsagend an. „Was soll der Blick denn jetzt bedeuten?“ fragte Dennis misstrauisch. „Das werden wir später klären! Vorerst müssen wir etwas anderes besprechen. Ihr habt inzwischen alle den Artikel in der Zeitung gelesen?“ fragte Jan. Alle nickten zustimmend. „Gut, denn der enthält eine kleine Information, die mir bisher vorenthalten war, und mich würde interessieren, wer davon wusste. Fühlt sich jemand angesprochen?“ alle sahen sich im Zimmer um, gespannt, wer wohl gemeint war. „Dann will ich deutlicher werden. In der Zeitung steht, dass der Mann an einem Hirnschlag gestorben sei, und ein Mord ausgeschlossen werden kann. Das Heißt, dass der Mann keine Spuren von äußerer Einwirkung trägt. Sonst würde man den Mord nicht sofort ausschließen!“ Er blickte in die Runde „David“ sagte er und schaute ihm direkt ins Gesicht. „Du hast ihn doch niedergeschlagen, oder? Sag mir das du ihn niedergeschlagen hast!“ David wurde blass und es sah aus als würde er immer kleiner. „nein…“ sagte er vorsichtig. „Ich habe ihn nicht geschlagen“ „Du hattest einen Stock in der Hand“ meinte Chris. Jetzt meldete sich Dennis zu Wort „Wir sollten gucken wer dort im Gebüsch herumschleicht. Wir sind durch das Unterholz gekrabbelt und da haben wir den Mann gesehen. Er sah aus, als suche er nach etwas. Wir haben kurz überlegt was wir machen sollen, denn er steuerte direkt auf unsere Lichtung zu. Da haben wir beschlossen ihn zu verjagen. Ich zählte leise bis drei und da sind wir aus dem Gebüsch gesprungen. David hat einen Knüppel hochgerissen und wir haben laut geschrieen. Der alte hat erschrocken aufgeblickt und ist dann umgefallen. Er ist mit dem Kopf auf einen Stein gefallen und dann kamt ihr!“ Alle sahen sich erschrocken an. „Wir hätten ihn gar nicht verstecken müssen!“ murmelte Richard und sah Dennis schockiert an. „Warum habt ihr das nicht gleich gesagt? Jetzt vermuten die doch dass wir etwas Illegales gemacht haben!“ „Ich habe doch versucht es euch zu sagen!“ meinte David tonlos. „Ihr habt mir nur nicht zugehört!“ „Wir hätten doch einen Krankenwagen rufen sollen!“ Jenni sprach leise, kaum hörbar, doch Anna fuhr sofort auf sie nieder, wie ein Greifvogel bei der Jagd. „Du schnallst es nicht, oder? Dann wären wir angezeigt worden, wegen Hausfriedensbruch oder so!“ „Das währe weniger schlimm als das was uns jetzt erwartet!“ „Aber sieht die Lage nicht eigentlich jetzt besser aus als vorher? Wir dachten, David hätte ihn erschlagen, aber in Wirklichkeit haben die beiden ihn zu Tode erschreckt, wenn ich das so sagen darf. Das ist dann Totschlag oder so. Aber die Polizei denkt, dass wir ihn nur versteckt haben, weil wir durch ihn irgendwelche Machenschaften gefährdet sahen.“ Erklärte Chris und Jenni meinte „Ich glaube ich weiß, worauf du hinauswillst!“ Chris fuhr fort „ Wenn wir jetzt zur Polizei gehen und uns stellen, dann könnten wir sagen, dass wir eine Party auf dem Friedhof gefeiert haben und da hat einer von uns etwas, von mir aus eine Flasche, ins Gebüsch geworfen. Wir haben daraufhin ein Geräusch gehört und sind hingegangen um nachzusehen und haben den Mann gefunden. Wir haben gesehen, dass er tot ist und dachten natürlich, dass es unsere schuld ist. Da sahen wir den einzigen Ausweg darin, die Leiche zu verstecken, denn wir wollten nicht ins Gefängnis.“ „Das ist genial!“ lobte David, Anna sah sehr skeptisch aus. „Das ist Müll!“ entschied Jan. „Du vergisst, dass wir für nichts bestraft werden wollen. Weder für die Party, noch für Behinderung der Justiz oder Ähnliches. Mit deinem Plan kommen wir auf jeden Fall in Schwierigkeiten, wenn er überhaupt ansatzweise funktioniert!“ Er blickte zu Chris herab. „Du vergisst außerdem, dass einige hier schon vorbestraft sind, und riskieren können, sehr harte Strafen, schon für den kleinsten Fehltritt, zu kassieren!“ Dennis sah zu Boden und Richard nickte zustimmend. „Aber der Gerechtigkeit wegen; lasst uns abstimmen. Wer ist für Chris’ Plan?“ Jenni und David hoben die Hand. „Wer ist dagegen?“ Dennis, Richard, Anna, Ricarda und Jan hoben die Hand. „Was ist mit dir, Mats?“ fragte Jan „Ich bin mir da nicht so sicher“ meinte er „Natürlich bist du das! Los, heb die Hand“ stachelte Anna ihn an, und er hob zögernd die Hand. „Da siehst du es. Der größte Teil der hier Anwesenden ist der Meinung, dass dein Plan Schwachsinn ist!“ Jenni merkte, wie Chris’ Hand vor Wut zitterte, da stand er auf und sah Jan direkt ins Gesicht. „Du bist so ein Schwein! Du hast dich nur auf diese Abstimmung eingelassen, weil du von vornherein wusstest, dass du gewinnst! Es konnte gar nicht anders kommen, denn dass Ricarda und Anna, und damit auch Mats auf deiner Seite sind, war klar. Nachdem du dir dann auch Dennis und Richard geholt hattest, war es entschieden!“ „Tja, schlau muss man sein!“ Jan grinste und Jenni konnte fast schon vorhersehen, was im nächsten Moment passieren würde. Chris holte aus und schlug Jan mit der geballten Faust seitlich gegen den Kopf. Er traf knapp unter dem Ohr und Jan ging sofort zu Boden. Chris stürmte aus dem Zimmer, polterte die Treppe hinunter und man hörte wie die Tür ins Schloss fiel. Jenni sah sich um. Anna und Ricarda knieten neben Jan, alle anderen warfen Jenni böse blicke zu. Schnell folgte sie Chris.
Er stand neben der Haustür, mit dem Rücken an der Hauswand und versuchte sich zu beruhigen. Als Jenni nach draußen kam, blickte er sie erleichtert an. „Ich hab mir schon Sorgen gemacht, was mit dir ist. Ich wollte dich nicht da drinnen alleine lassen, aber ich musste schnell weg, sonst hätte ich Dennis und Richard am Hals gehabt. Die sind zwar alles andere als fit, aber ich will mich nicht darauf verlassen!“ „Lass uns gehen!“

Jan war schnell wieder auf den Beinen. Sein Kopf brummte ordentlich, doch er war so wütend, dass er darüber hinweg sehen konnte. Dennis stand am Fenster. „Da unten gehen sie. Wir können sie locker noch einholen.“ Er war schon auf dem Weg zur Tür, als Jan rief „Nein, lass sie“ „aber sie werden zur Polizei gehen!“ „Das werden sie nicht. Nicht vor morgen früh. Ich kenne Chris. Er muss sich sicher sein, alles bedacht zu haben, bevor er handelt!“ „So sah das eben aber nicht aus“ „Meistens“ „und was machen wir jetzt?“ fragte David, der sich während der letzten Minuten als einziger nicht vom Fleck gerührt hatte. „Wir haben noch das Isabell-Problem zu besprechen!“ antwortete Jan. „Warum ist Isabell ein Problem?“ fragte Ricarda. „Sie war dabei, als wir den Mann versteckten und, wie es bis vor kurzem aussah, ermordeten. Seitdem hat keiner von uns sie mehr gesehen. Ihr erinnert euch an den Anruf gestern?“ Richard gab ein komisches husten von sich, doch Dennis unterbrach ihn. „Welchen Anruf?“ „Wir wurden angerufen, kurz bevor ihr hier ankamt. Der Anrufer sprach durch einen Stimmverzerrer, verlangte 10.000€ dafür, das er, oder sie, das Geheimnis für sich behält. Um ehrlich zu sein, dachten wir, dass ihr zwei dahinter steckt, denn wie schon gesagt seid ihr kurz darauf hier rein geplatzt und du hast dich so aufmüpfig verhalten…“ „Warum sollte ich mich auffällig anders verhalten, wenn ich euch erpresse? Das würde ich doch geheim halten wollen!“ Er wirkte ehrlich aufgebracht und gekränkt, dass die anderen so etwas von ihm dachten. „Aber ich habe auch so einen Anruf erhalten!“ Er blickte Richard an, der hastig nickte. „Als ich und Richard auf dem Weg zu euch waren, klingelte mein Handy. Jemand forderte mich auf, Gras für 500 € in eine Realtüte eingewickelt, in den Papiercontainer hinter dem Aldiladen bei der Schule zu legen.“ „Brokenlanderstraße?“ „Wird es wohl sein“ „Wann sollst du es darein legen?“ „übermorgen, irgendwas mit neun Uhr!“ Jan dachte nach. „Warum sollen wir das erpresste gleichzeitig dort abliefern? Sie scheint ja davon auszugehen, dass wir darüber nicht miteinander sprechen. Will sie uns aufeinander hetzen, indem sie uns glauben lässt, dass die jeweils anderen die Erpresser sind? Oder ist sie einfach dumm?“
Eine Weile sagte keiner etwas. Jan wartete auf einen Vorschlag von jemandem, und die anderen warteten auf einen Vorschlag von Jan. Schließlich sagte er „lasst uns die Sache erst mal ruhen lassen. Vielleicht meldet Isabell sich ja noch mal, oder einer von uns bekommt die rettende Idee. Hast du eigentlich etwas von ihr gehört, Rica? Sie ist doch deine Freundin, oder?“ „Sie war es! Du glaubst doch nicht, das ich etwas mit jemandem zu tun haben will, der uns erpresst, oder?“ „Nein, das denke ich nicht!“ Er gab ihr einen Kuss und hinter seinem Rücken grinste sie Anna gemein an. „Ich muss jetzt leider los“ sagte sie als er sie losließ. „Meine Eltern wollten heute mit uns meine Großmutter besuchen!“ „Ich muss jetzt auch los, soll ich dich rumfahren?“ bot Mats an „Ja danke, das währe lieb“ Anna schäumte vor Eifersucht „Wo fährst du denn hin?“ „Nach Hause, ich wollte noch ein paar Bahnen schwimmen“ „Kann ich mit?“ „Du hasst es doch Bahnen zu schwimmen“ „Ich kann ja in Solarium gehen“ „OK, dann beeil dich“ Ricarda sah aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Auch David verabschiedete sich. „Es gibt doch vorerst nichts zu besprechen, oder?“ „Nein, wenn sich etwas ergibt, dann melden wir uns bei dir.“
Als auch er das Haus verlassen hatte, wand Jan sich an Dennis und Richard. „Und wir kümmern uns jetzt um das Chris-Problem“

Jenni und Chris, der sein Rad schob, hatten sich beeilt, außer Sicht des Hauses zu kommen. Als sie endlich in die Gildestraße abgebogen waren, blieben sie stehen. „Ich hoffe du bekommst jetzt keine Probleme mit denen!“ meinte Jenni. Sie hatte wirklich Angst um Chris. „Die werden mir schon nichts tun, mach dir da keine Sorgen. Abgesehen von Jan und den Mädchen sind das nur kranke Kiffer da oben. Und vor Jan habe ich keine Angst. Er tut immer so, als wäre er der Held und der stärkste von allen, aber du hast ja gesehen, wie schnell er zu Boden gegangen ist! Sah das für dich nach einem Held aus?“ Er amte Jan nach, wie er taumelte und tat als würde er umfallen. Das sah so komisch aus, das Jenni lachen musste. „Na siehst du, alles halb so schlimm!“ Sie gingen weiter und nach ein paar Metern fragte Chris „Kann ich vielleicht mit zu dir kommen? Ich hab wirklich keine Lust auf meinen kleinen Bruder und außerdem kenne ich dein Haus bisher nur von außen!“ Natürlich durfte er das, und so gingen sie zusammen zu Jennis Haus.
Das Auto war nicht da, also war ihr Vater wie gewöhnlich bei der Arbeit. Jenni schloss die Haustür auf und rief testweise „Hallo?“ Doch niemand antwortete. „Keiner zuhause“ sagte sie zu Chris und schob ihn die Treppe hinauf. So sicher sie sich doch war, dass er ein toller Kerl war, so unangenehm war es ihr doch, ihn ihren Eltern vorzustellen. „Das ist mein Zimmer“ sagte sie und deutete auf die Tür am Ende des Gangs. Er trat als erster ein. „Schön hier!“ gerade als sie die Tür hinter sich schließen wollte, klingelte das Telefon. Sie entschuldigte sich bei Chris und ging nach unten. Als sie den Hörer abnahm, meldete sich Bjarne am anderen Ende. „Hallo, bist du’s Jenni?“ „Ja, was ist denn?“ „Du bist vielleicht schwer zu erreichen in letzter Zeit“ „Was ist denn, Bjarne?“ „Ich wollte nur mal nachfragen, warum du gestern nicht gekommen bist? Wir waren doch verabredet“ „Wenn du einen kindischen Zettel eine Verabredung nennst, dann habe ich dich wohl versetzt, aber ich finde das zählt nicht!“ „Was hast du denn gemacht?“ „Ich hatte ein Date“ „Mit dem Porno der gerade bei dir zu Besuch ist?“ „Was willst du überhaupt? Ich hab keine Zeit mir dein Gelaber anzuhören, also komm auf den Punkt!“ „Hast du heute Abend schon was vor?“ „Ja, ich mache etwas mit Chris!“ „Du musst aufpassen…“ Jenni hatte absolut keinen Bock sich Bjarnes Gelaber anzuhören und legte auf. Sollte er doch mit dem Hörer sprechen. Sie ging wieder nach oben, wo Chris auf dem Sofa saß und auf sie wartete.
Die erste Stunde verbrachten sie damit, auf dem Sofa herumzuliegen, zu küssen und zu kuscheln. Jenni erfuhr jede Menge über Chris’ Familie, dass er zwei Brüder hatte, sein Vater Immobilienhändler ist und der Familie damit ein so gutes Leben bot. „Bei uns ist es auch mein Vater der das Geld verdient.“ „Was macht er denn?“ „Er ist Staatsanwalt!“ Chris setzte sich auf. Plötzlich fiel ihm der Plan wieder ein. Dann hat er doch sicher Bücher in denen wir nachschlagen können, in was wir uns strafbar gemacht haben, oder?“ Jenni ging ins Arbeitszimmer ihres Vaters um nachzuschauen und kam mit einem großen Stapel wieder.
Stundenlang suchten sie und überprüften die Gesetzesgrundlagen, bis sie sich sicher waren, dass der Plan funktionieren würde.

Als Jenni die Bücher wieder ins Büro brachte, fiel ihr auf, dass es schon dunkel war. Auch Chris hatte es bemerkt, darum kam er ihr auch auf dem Flur entgegen. „Ich muss dann auch mal los! Ich bin schließlich mit Rad!“ Sie brachte ihn nach unten zu Tür und gab ihm einen Abschiedskuss. „Wir sehen uns dann morgen. Pass auf dich auf“. Er setzte sich auf sein Rad und schon war er in der Dunkelheit verschwunden.
Er fuhr ein recht flottes Tempo, immerhin hatte er eine Fahrt durch die Halbe Stadt vor sich. Man konnte die Strecke in drei Teile aufteilen. Der Erste teil waren die Straße in der Jenni wohnte, dann die Berlinerstraße an der er entlang fahren musste und schließlich die Straße die am Parkhaus des neuen Einkaufszentrums vorbei führte. Auf diesem Teil der Strecke herrschte immer Verkehr. Der zweite Teil hingegen, war nach Einbruch der Dunkelheit wie ausgestorben. Er führte durch die Steinerallee, einen langen Sandweg, der am südlichen Ende des Stadtparks vorbeiführte und dessen Ende an den Stadtwald anschloss. Doch noch bevor dies geschah musste Chris abbiegen um am ende wieder an befahrenen Straßen entlang zu fahren und schließlich wieder in eine der besseren Gegenden der Stadt, in der auch die Villa der Familie stand.
Doch heute kam er nicht weiter als zweihundert Meter in die Steinerallee hinein. Irgendetwas blockierte die Speichen seines Vorderrades und er flog kopfüber vom Rad. Er konnte sich über die Schulter abrollen doch noch ehe er sich aufrappeln konnte, spürte er einen harten Schlag gegen den Hinterkopf.

Das Wetter war gut am nächsten Morgen. Jenni war bereit und saß auf der Treppe vor der Haustür, damit Chris nicht erst aus dem Auto steigen musste. Sie schaute auf die Uhr, er war schon zehn Minuten zu spät. Sie blieb geduldig sitzen, beobachtete die Blätter, die in vielen Brauntönen auf der Straße tanzten. Als Chris nach einer halben Stunde immer noch nicht da war, holte sie ihr Handy aus der Tasche und rief ihn an. Das einzige, was ihr dieser Anruf brachte, war jedoch eine Ansage, dass der Gesprächspartner z.Z. nicht erreichbar war. Besorgt stand sie auf und ging ins Haus. In ihrem Zimmer suchte sie nach der Telefonnummer die Chris ihr gestern gegeben hatte. Sie fand sie auf dem Schreibtisch. Jenni wählte die Nummer und wartete einige Sekunden. Dann meldete sich am anderen Ende eine Frauenstimme „von Kracht?!“ „Hallo hier ist Jennifer, könnte ich bitte Christian sprechen?“ „Eigentlich spricht da nichts gegen, doch er ist leider nicht zu Hause. Hier wurde er seit gestern Morgen nicht gesehen. Ich hatte eigentlich gehofft, dass sie mir da mehr sagen können“ „Nein, tut mir leid, wenn ich was von ihm höre, dann melde ich mich wieder.“ Sie legte auf und die Sorge in ihr wuchs. Wo konnte er nur sein. War es seine Art, einfach so zu verschwinden, ohne sich zu melden? So lange kannte sie ihn ja noch nicht, aber etwas in ihr wehrte sich gegen den Gedanken. So war Chris nicht, es musste etwas Schlimmes passiert sein. Sie überlegte einen Moment die Polizei zu rufen und ihn vermisst zu melden, doch kam von dem Gedanken schnell wieder ab. Sie konnte nicht wissen, wo er war, und in was für einer Lage er steckte, und vielleicht war die Polizei genau der falsche Weg. Sie überlegte, mit wem sie darüber sprechen konnte, doch ihr wurde klar, dass sie da ganz allein durch musste. Sie warf sich auf ihr Bett und weinte.
Sie weinte und weinte, doch irgendwann setzte sie sich auf. Warum sollte sie nicht einfach auf eigene Faust den Plan den sie ausgearbeitet hatten verwirklichen? Sie nahm ihre Jacke fuhr mit dem Fahrrad los. Um schneller zu sein nahm sie eine Abkürzung durch die Steinerallee. Sie fuhr vorsichtig, denn auf dem Sandweg geriet man leicht ins Schlingern. Da fiel ihr etwas ins Auge. Sie bremste und stieg vom Rad. Auf dem Boden lag ein kleines Bildchen, ein Passfoto, auf dem Jenni zu sehen war. Wie kam das hierhin? Sie war diesen Weg doch schon seit Monaten nicht mehr entlanggefahren. Da fiel ihr ein, dass sie es Chris am vergangenen Abend geschenkt hatte. Er hatte es auf ihrem Schreibtisch entdeckt, als er nach einem Textmarker suchte, und gefragt ob er es haben könne. Sie hatte nur mit einem Ohr hingehört, weil sie gerade im Gesetzbuch las. Er war also hier entlang gefahren. Sie untersuchte die Stelle genau und ihr viel auf, dass der Sand merkwürdig aufgewühlt war. Deutlich war zwischen den normalen Spuren eine Radspur zu sehen, die aufhörte, als habe jemand plötzlich gebremst. Am Ende der Spur war ein kleine Haufen Sand aufgehäuft. Eigenartiger Weise musste Jenni an einen Sturz denken. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Spur wirklich von Chris war, war zwar gering, doch sie war die einzige die sie hatte.

Chris lag auf einem kalten Steinboden. Sein Kopf brummte wie nach einer langen Nacht mit viel Alkohol. Er setzte sich auf und sah sich um. Es war vollkommen dunkel. Er lauschte, doch nichts war zu hören. Er tastete sich den Hinterkopf ab und war erleichtert, dass äußerlich alles heil war. Abgesehen davon, dass es dunkel war und kalt, hatte er keine Anhaltspunkte wo er sich aufhielt. Er stand auf und ging mit ausgestreckten Armen vorwärts, vorsichtig tastete er nach der Wand.
Es dauerte einige Minuten, dann ertastete er mit den fingerspitzen eine Oberfläche. Die Wand war mit Tapete bezogen, die jedoch an einigen Stellen herunterhing, wie totes Fleisch. Er tastete sich an der Wand entlang, vorsichtig und langsam, damit er nicht über eventuelle Gegenstände stürzen würde. Er wollte sich ein bild von dem Raum machen, in dem er gefangen war, und da dies der einzige Weg war, musste er halt im dunkel tasten.
Als seine Hände Augenblicke später auf etwas stießen, das sich erschreckender Weise wie ein menschlicher Kopf anfühlte, schreckte er zurück. Er blieb einen Moment stehen und wartete dass sich sein Herz wieder beruhigte, dann tastete er weiter, Zentimeter für Zentimeter, bis er wieder an das merkwürdige Objekt stieß. Voller Abscheu tastete er es ab, und als er vorsichtig an den Haaren zog sprang ihn etwas an. Fast hätte er geschrieen, so sehr erschreckte er sich, doch es war nur eine Perücke, die er vom Kopf einer Schaufensterpuppe gezogen hatte. Erleichtert tastete er sich an der Puppe vorbei und weiter an der Wand entlang. Der Raum war größer als Chris erwartet hatte, und so dauerte es seinem Gefühl nach über eine Viertel Stunde, bis er eine Ecke erreichte. An dieser Wand stand nichts, und ohne Störungen an die nächste Ecke. An dieser Wand kam er endlich an eine Tür. Er drückte die Klinke nach unten, doch sie war verschlossen. Erschöpft ließ er sich an der Wand neben der Tür zu Boden sinken. Die schwarze Dunkelheit strengte seine Augen an und die Luft war so abgestanden und trocken, dass er das Gefühl hatte bald zu ersticken.

Jenni war auf dem Weg zur Polizei, nicht um Chris als vermist zu melden, aber um Den Plan den sie ausgearbeitet hatten in die Tat umzusetzen. Sie schloss ihr rad an den Fahrradständer vor der Stadtbücherei, die direkt neben dem Polizeihauptquartier lag, und merkte, dass sie beobachtet wurde. Sie blickte auf und sah David, der nur wenige Meter von ihr entfernt auf einer kleinen Mauer saß. Als er sah, dass sie ihn gesehen hatte, kam er auf sei zu.
„Ich habe gehofft dich hier zu sehen.“ Meinte er und schaute sich nervös um. „Können wir in Ruhe reden?“
Die beiden gingen ein Stück spazieren, und als sie sicher waren, dass keiner ihnen zuhörte, erzählte David „Nachdem ihr gestern weg wart, hat Jan erzählt, dass er erpresst wird. Er vermutet, dass es Isabell ist. Sie verlangt 10.000€ von ihm und Anna und von Dennis und Richard Gras für 500€. Sie sollen es morgen Abend in der Brokenlander Str. ablegen, dann erzählt sie nichts von der Friedhofsgeschichte.“
Jenni hätte fast einen Freudensprung gemacht. Das machte den Plan perfekt. Zusammen mit David ging sie zurück zur Polizei und am Informationsschalter sagte sie „Ich möchte eine Aussage zu dem Fall machen, der heute morgen in der Zeitung stand“
Eine knappe Stunde später standen sie wieder vor dem Gebäude. Sie hatten alles erzählt, in allen Einzelheiten, abgesehen von den Drogen, denn Jenni wollte David nicht noch tiefer reinreißen. Der Kommissar der ihre aussage aufgenommen hatte, hatte gelauscht und am ende hatte er gesagt „Das ist ein ganzschön großes Geheimnis, das ihr da mit euch rumgetragen habt. Ich werde es bearbeiten, und ich werde mich bei euch melden.“
Zufrieden und voller Erwartung gingen die beiden nach Hause.

Wie mit dem Polizisten am Telefon abgesprochen, trafen sie sich am nächsten Abend um acht Uhr in der Reuterstraße, von wo aus sie mit den Polizisten durch einen privaten Garten auf den Hinterhof des Aldimarktes gehen konnten. Sie blieben hinter einigen Bäumen in Deckung und beobachteten den Hof. Über eine dreiviertel Stunde blieb alles ruhig, dann erblickte Jenni drei Gestalten, die geduckt über im Schatten des Ladens liefen. Hinter den Müllcontainern blieben sie stehen.
Fragend blickte Jenni den Kommissar an, doch der schüttelte den Kopf. Natürlich mussten sie mit dem Zugriff warten, bis Jan, Richard und Dennis und wer sonst noch dabei war, auch erschienen. Fünfzehn Minuten später war es soweit. Zwei Gestalten bogen um die Ecke. Der Kommissar gab das Kommando. „Jetzt“ zehn Polizisten kamen von allen Seiten auf den Parkplatz und hielten die fünf Gestalten fest, die natürlich versuchten zu fliehen. Jenni war überrascht, doch da war sie nicht die einzige. Jan, der zusammen mit Mats als letztes auf den Parkplatz gekommen war, blickte ebenso wütend wie verwundert auf Richard und Dennis, die zusammen mit Isabel hinter den Containern gewartet hatten. „Ihr?“ „Ja, wir waren uns sicher, dass es irgendwann auffliegt, da wollten wir noch etwas verdienst herausschlagen.“ Aber ihr habt mir doch die ganze Zeit geholfen?“ „Das glaubst du! Wir haben nur in unserem eigenen Interesse gehandelt.“ „und warum du, Isa?“ „Tja, ich wollte nur Anna schaden. Ich dachte mir, wenn ich schon nicht Mats haben kann, dann doch wenigstens ihr Geld!“ Mats wurde rot „Du kannst mich jederzeit haben, ich habe genug von Anna!“ Jan sah aus, als würde für ihn eine Welt zusammenbrechen „Aber ich hatte doch alles unter Kontrolle“ „Naja Mr. McNeil, Kontrolle ist eine schwierige Sache. Man verliert sie schneller als man denkt!“ sagte der Kommissar, als er Jan auf den Rücksitz eines Polizeiwagens setzte.
An Jenni gewandt sagte er „Der kleine, ungepflegte da drüben hat schon gestanden, ihren Freund entführt zu haben. Wenn sie möchten fahren wir gleich und befreien ihn.“

Die Fahrt dauerte eine Halbe Stunde, das alte Haus lag am äußeren Rand der Stadt. Der Garten war ungepflegt und der Putz bröckelte von den Wänden. Es war unbewohnt, Jans Vater unterhielt es aus Steuerlichen Gründen. Der Kommissar führte Jenni in den Keller, wo sie eine Metalltür fanden, die mit Riegeln von außen verschlossen war. Sie öffneten sie und blickten in einen großen Raum. In seiner Mitte standen zahlreiche alte Schaufensterpuppen, Bühnenrequisiten und anderer Schrott. An die Wand neben der Tür gelehnt saß Chris. Er blinzelte ins Licht, doch es ging ihm gut.

Wieder zuhause in Jennis Zimmer fragte Chris sie „Warum hast du dich eigentlich nicht an unseren Plan gehalten?“ Jenni lächelte und gab ihm einen sanften Kuss „Man kann nicht alles planen!“

Am nächsten Tag ging Jenni mit einem großen Stapel Muffins rüber zu Bjarne. Hatte ein wirklich schlechtes Gewissen, weil sie ihn so schlecht behandelt hatte, aber er war ihr nicht mehr böse. Sie verbrachten einen tollen Tag zusammen, und Jenni war glücklich, das die ganze Angelegenheit ihrer Freundschaft nicht geschadet hatte.

Jan, Richard und Dennis bekamen eine Freiheitsstrafe wegen Freiheitsberaubung, Richard und Dennis außerdem noch wegen Erpressung, genau wie Isabel. Die Anderen erhielten leichte Strafen wegen Hausfriedensbruch, Behinderung der Justiz und in Davids Fall Körperverletzung.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Zurück zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!