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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Besser spät als nie
Eingestellt am 15. 12. 2017 16:39


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Ariane Winter-Schieszl
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2016

Werke: 6
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Fast geräuschlos glitt der letzte Nachtzug aus der Halle. Der Bahnsteig war leer, bis auf einen einzelnen Mann. Er hatte sich eine Zigarette angezündet und starrte dem Zug nach, dessen rote Schlusslichter rasch kleiner wurden. Es war Anfang Oktober und die Nächte wurden allmählich kühler. Christian schloss seine Jacke. Die Zigarette schmeckte ihm nicht. Mit einem tiefen Seufzer wandte er sich zum Gehen. Die leere Bahnhofshalle spiegelte das Gefühl, welches tief in seinen Eingeweiden anfing zu brennen. Sein Bauch und sein Herz rebellierten und schrien: „Es war ein Fehler sie gehen zu lassen. Ohne Caro schaffst du das hier nie. Warum hast du sie nicht aufgehalten?“ Wieder zu Hause, legte er sich in sein Bett und versuchte zu schlafen, was ihm nicht so recht gelingen wollte. Caro war Christians beste Freundin. Seit fünf Jahren war sie tagtäglich seine engste Vertraute, sie arbeiteten in der gleichen Firma und sie verbrachten – als die ewigen Singles- die Wochenenden gemeinsam. Denn wer kannte nicht den alten Spruch „Gemeinsam ist man weniger Einsam“. Es war fast wie eine Beziehung, nur ohne Sex und ohne Verpflichtungen. Christian hasste Verpflichtungen. In jeder seiner bisherigen Beziehungen musste er sich so verbiegen – weil es irgendwie dazu gehörte – dass er nach der letzten gescheiterten beschloss, dass er sowas nicht mehr wollte. Nein, er war kein Kostverächter, unverbindlicher Sex war durchaus in Ordnung, aber zu mehr reichte es nicht. Mit Caro hatte er genau die Art von Beziehung die ihm vorschwebte, er konnte mit ihr alles teilen und trotzdem war er nicht gebunden! Er hätte auch an diesem bequemen Arrangement nichts geändert, bis Caro vor zwei Monaten mit einem Jobangebot in Hamburg um die Ecke kam. Sie wollte einfach eine Veränderung und Christian, als ihr bester Freund, war es ihr schuldig ihre Entscheidung mitzutragen. Heute war sie nach Hamburg gefahren und ließ ihn allein in München zurück. Die erste Woche ohne Caro war fast um und es ging mit großen Schritten auf das Wochenende zu. Christian saß an seinem Schreibtisch im Büro und überlegte was er wohl alles machen sollte. Er nahm sein Handy und schrieb eine SMS an Julia eine alte Bekannte: „Hallo Julia, hast du Lust am Samstag mit mir etwas zu unternehmen?
Gruss Christian“
Julia war gerne bereit mit Christian am Wochenende etwas zu unternehmen. Sie gingen essen, danach ins Kino und auch die miteinander verbrachte Nacht war sehr nett. Aber am Sonntagabend saß er vor dem Fernseher und konnte nicht umhin an Caro zu denken. Er vermisste sie schmerzlich! Die Tage vergingen und Christian versuchte sich so gut wie möglich abzulenken. Als er eines Abends alleine in seiner Küche stand, um sich etwas zu essen zu machen, hörte er nebenbei Radio, dass Lied das gerade lief war eines von Caros Lieblingsliedern. Er griff zum Handy und wählte ihre Nummer. Nach dem dritten Klingeln hob sie ab:“ Hey, hey schöner Mann!“ flötete sie mit ihrer samtweichen Stimme. Christian überlief ein Schauer und ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Hey, na wie läuft’s bei dir?“ Sie telefonierten zweieinhalb Stunden und als sie auflegten, hatte Christian seit Tagen endlich wieder das Gefühl das seine Welt in Ordnung ist. Zum ersten Mal, seit Caros Weggang, konnte er gut schlafen. Am nächsten Abend bekam Christian Besuch von seiner Schwester Annette. Nach dem Essen machten sie es sich auf der Couch gemütlich. Annette betrachtete ihren Bruder:“ Wie geht es eigentlich Caro?“ Christian sah seine Schwester an:“ Gut, ich habe gestern mit ihr telefoniert. Der Job macht wohl großen Spaß und sie hat schon neue Leute kennen gelernt.“ Christian schaute auf sein Weinglas in seiner Hand. „Sie fehlt dir!“ Die Stimme von Annette war sanft. „Du liebst sie. Warum hast du das ihr nicht gesagt bevor sie gegangen ist?“ Christian machte große Augen – war es denn so offensichtlich was er fühlte? „Ich wollte ihr nicht im Weg stehen, ich wollte nicht, dass sie wählen muss. Außerdem weiß ich erst seit sie weg ist, was ich wirklich fühle und außerdem glaub ich nicht, dass sie das Gleiche für mich empfindet.“ Annette fing an zu lachen. „Man bist du blind, natürlich liebt sie dich! Darum ist sie ja gegangen. Sie wollte nicht ewig auf dich warten.“ Christian sah seine Schwester mit großen Augen an. Und auf einmal fiel der Groschen! Caro liebte ihn genauso! Am nächsten Morgen buchte Christian einen Flug nach Hamburg. Er musste zu Caro, er musste ihr sagen was er empfand und wer musste wissen ob Annette Recht hatte. In Hamburg angekommen, stieg er in ein Taxi, das ihn zu Caros Wohnung brache, es war früher Abend. Er klingelte. Caro öffnete die Tür. Als sie so vor ihm stand konnte Christian nicht anders, er riss sie in seine Arme und küsste sie, erst auf die Wange und als er seine große Sehnsucht nicht länger unterdrücken konnte, suchten seine Lippen die ihren. Wie selbstverständlich erwiderte Caro seinen Kuss. So standen sie eng umschlungen im Eingang. Sie genossen jeweils den Anderen. Nach scheinbar endlosen Minuten, lösten sie sich voneinander. Caro blickte Christian an. „Was machst du hier?“ „Ich musste dich sehen! Ich hatte so große Sehnsucht!“ Christians Gesichtsausdruck verriet die Qualen die er die letzten Wochen erlebt hatte. „Caro – ich liebe Dich!“ Ihre Augen wurden erst groß und dann wurde ihr Blick weich. „Ich liebe Dich auch!“ Christian umarmte sie und küsste sie leidenschaftlich. „Dann ist ja alles gut!“ Er fing an zu lachen. Sie liebte ihn auch. Christian fühlte, wie der schwere Stein in seinem Magen einem Schwarm wildgewordener Schmetterlingen wich. Er war angekommen. Endlich hatte die lange Suche ein Ende!

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ThomasQu
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Registriert: Mar 2015

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Hallo Ariane,

ich finde deine Geschichte zwar nicht superspannend, aber gar nicht sooo schlecht.
Mir gefällt, wie du mir stückchenweise deinen Protagonisten näherbringst, wie er lebt, was er denkt und fühlt …
Die Story selbst verläuft zu gradlinig, (aber das wird mir selbst auch ab und zu vorgeworfen). Ein kleiner Bruch am Schluss würde alles etwas aufwerten und die Spannung erhöhen. Hätte in Hamburg nicht ein fremder Mann (Caros Bruder) in Shorts die Türe öffnen können?
Sprachlich sehe ich noch Verbesserungsbedarf. Ein Zug gleitet nicht, er rollt und den Mann am Bahnsteig hättest du gleich Christian nennen können.
Verschiedene Kommata hätte ich anders gesetzt, aber wie sagte schon Wieland: “Religion und Interpunktion sind Privatsache“. Nach fast drei Jahren Lupe bin ich diesbezüglich mit mir selbst und anderen altersmilde geworden.
Ein paar Absätze und Zeilenumbrüche mehr hätten die Lesbarkeit erleichtert und den Text aufgelockert.

Grüße,

Thomas

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