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Leselupe.de > Horror und Psycho
BorderlineCASE Short-Story No.1
Eingestellt am 06. 03. 2004 07:53


Autor
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Christopher M├╝ller
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Mar 2004

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BorderlineCASE

Von
Christopher M├╝ller

I hurt myself today to see if I still feel I focus on the pain the only thing that\'s real ...
- Nine Inch Nails

Sie tat sich schon immer Dinge selbst an, denn Katie wusste, dass sich die Wahrheit ├╝ber das Leben nur im Schmerz finden lie├č. Auch wenn sich dies nur die Wenigsten eingestanden, und noch weniger wussten …
Katie war ein Cornflake girl. Sie trug seit der dritten Klasse Shellys-Rangers. Sie hasste die billigen Imitat-Undercover-Botten. Aussehen war ihr schon immer wichtig gewesen, denn es war ja das erste, was die anderen jemals sahen, meistens das einzige, denn in ihr verschlungenes, verworrenes Innere, lie├č sie eh kein blicken.
Der Fernseher war schon vor Monaten schrott gegangen. Dabei war es ein uraltes Telefunken-Model. Aus einer Zeit, als Telefunken noch in Deutschland produziert hatte und der Rahmen des Fernsehers aus echtem Eichenholz bestand. Aber dann konnte man sagen, dass er auf seine Art noch immer funktionierte. Denn man konnte ihn noch ein und ausschalten, aber es gab nur ganz marginalen Empfang, der unter den schwarzen und wei├čen Flimmerpunkten unterging, die ein Clown einmal Schnee getauft hatte. Ton gab es keinen mehr, nur noch infernales Rauschen. Trotzdem lief die Glotze tagein tagaus und verbreitete blaues Licht in der komplett schwarz gestrichenen Wohnung. Katie hatte einen Freund (nach dem anderen). Diesen jedoch schon seit einem Jahr, das war besonders.
John war dominant und nach au├čen eiskalt. So kalt wie menschliche Herzen. So kalt wie Gro├čst├Ądte. So kalt wie Blut.
John war fast zwei Meter gro├č und muskul├Âs wie man es sonst nur von Tieren kannte. Ich sag nur Reitpferde und so. Er gab nie Ger├Ąusche von sich beim Sex. Er sprach auch sonst nicht viel. Daf├╝r lie├č er seine Mimik und seine schneidenden Blicke f├╝r sich sprechen. Blicke voll Ekel, Hass und Abscheu.
Katies Eltern hatten ihr einziges Kind geliebt, konnten es aber wie all zu viele Eltern nicht zeigen. Also wusste Katie das auch nie. Kein Wunder, dass sie von dem Gegenteil ausging. Wenig hatte Katie behalten, von dem was ihre Mutter so gefaselt hatte, aber ein Satz blieb all die Jahre h├Ąngen. Dein Vater hat eine Kippe nach der anderen geraucht, w├Ąhrend ich dich zur Welt brachte, in dem sch├Ąbigen Krankenhaus. Hatte es da kein Raucherverbot gegeben? Hatte ihr Vater die Nikotinsucht ├╝ber seinen Samen in sie ├╝bertragen? Oder warum war sie schon so fr├╝h s├╝chtig geworden?
Man hatte ihr schon fr├╝h gesagt, wie sch├Ądlich Rauchen war. Da musste man es nicht erst in deutlicher Form auf die Kippenschachteln drucken (warum machte man das eigentlich nicht bei Alkohol? Wom├Âglich deshalb, weil so viele Politiker Alkies waren …). Schlie├člich war derjenige, der ihr das immer vorgehalten hatte, namentlich ihr Vater, an Lungenkrebs elendlich verreckt. Aber das Rauchen war nicht das erste, selbstzerst├Ârerische Verhalten gewesen, das sie an den Tag gelegt hatte.
Bereits im Kindergarten schlug sie ihren kleinen, verwundbaren Kopf gegen Zementw├Ąnde und Beton. Und sie schabte sich mit Legosteinen ewig ├╝ber die Haut, bis diese ganze wund und rot wurde. Ein instinktives Verhalten, das sie niemandem abgekuckt hatte. Ein Verhalten, das sie sich selbst nicht erkl├Ąren konnte. Erst Jahre sp├Ąter war sie in der Lage, dar├╝ber zu reflektieren.
Kein Wunder also, dass man sie zu einem Kinderpsychologen schickte. Dieser alte Mann mit Hasenscharte und feuchter Aussprache lie├č sie ein Bild malen mit Buntenstiften (keine Filzstifte, es war die Hochzeit der ├ľkos). Und warum? Sie hatte sich geweigert, zu sprechen und der Alte wollte sie anhand des Bildes analysieren.
Katie malte ein Bild mit sehr viel Rot … schon damals ihre Lieblingsfarbe. Trotzdem war die abstrakte Zeichnung unentschl├╝sselbar f├╝r den Diplom-Psychologen. Er war einfach nicht vorbereitet darauf, denn die meisten Kinder malten sachliche Dinge. Abstraktion kam erst viel sp├Ąter. Selbst Picasso hatte erst fast fotorealistisch gemalt, ehe er immer mehr entfremdete.
Also war der alte Mann mit den krustigen Spermaflecken auf der Jeans und mit dem halboffenen Hosenschlitz bereits leicht erbost. Er mochte es nicht, an seine Grenzen zu sto├čen. F├╝r ihn war Best├Ątigung seines beschr├Ąnkten Wissens sehr wichtig. Was dar├╝ber hinaus ging machte ihn zornig. Seine Welt war klein und er wollte es so. ├ťberschaubar. In Schubladen passend. Beschreibbar. Er war es gewohnt, Leuten und vor allem Kindern, Etiketten an zu heften.
Noch immer ver├Ąrgert, brachte er die kleine minderj├Ąhrige Katie dazu, sich auf dem Ledersofa lang zu machen. Dar├╝ber hing ein Poster von Sigmund Freud. Vorher hatte er ihr ein Glas Cola eingeschenkt, das sie begierig trank (Kinder lieben Cola, sowie alles Ungesunde). Was Katie nat├╝rlich nicht wusste, der Psychiater hatte ein wenig Valium in der Cola deponiert. Dann machte er eine Traumreise mit der Kleinen. Ich muss erg├Ąnzen, Traumreisen machen Psychologen nur, wenn ihnen wirklich gar nichts anderes mehr einf├Ąllt, um ihre Patienten zu besch├Ąftigen. Wenn man es mit der Schule vergleicht, kommt es in etwa dem bei Kindern so beliebten Videofilm kucken gleich. Dieser Seelenklempner hatte jedoch diabolische Hintergedanken. Nun k├Ânnte man mir vorwerfen, es sei rei├čerisch oder unrealistisch, was danach passierte, aber es ist so ├Ąhnlich wirklich passiert, leider. Auch wenn man sich oft eine sch├Ânere Welt w├╝nscht, so ist die Wahrheit und die Realit├Ąt dann doch meist schmutzig und f├╝r die wenigen f├╝hlenden Menschen zutiefst traurig.
Aus dem alten Tonbandger├Ąt mit den riesigen Plastikscheiben, auf denen das Magnetband gezogen war, erschallte verrauschtes Meeresrauschen, das auf Katie zutiefst hypnotisierend und einschl├Ąfernd wirkte. Das war beabsichtigt. Wie ein Nikotin-geschw├Ąngerter, samtener Vorhang klappten Katies kleine Augenlieder zu. Warum sagt man Augenlieder? Singen die Augen Lieder?
Der alte Mann schob mit seinen langen Fingern (unter den N├Ągeln war undefinierbares Schwarz) Katies verwaschenes Alf-T-Shirt hoch und schob seine Hand in ihre Cord-Hose … Abblende.
Sp├Ąter dr├╝ckte Katie Kippen auf ihrer Haut oder ihrer Zunge aus. Es tat gut. Der Schmerz tat gut! An Stellen, die nicht sofort ins Auge sprangen. Im Schwimmbad oder unter der Dusche h├Ątte man es gesehen. Aber Katie duschte nur mit fast geschlossenen Augen. Man k├Ânnte jetzt kombinieren, dass sie Angst hatte, Shampoo ins Auge zu bekommen, aber die Wahrheit ist, dass sie den Anblick ihres nackten K├Ârpers nicht ertragen konnte. Viele Menschen haben diese Gef├╝hle erst seit der Pubert├Ąt, in einer Zeit, wo der K├Ârper sich schnell und seltsam ver├Ąndert, aber Katie hatte sich schon als kleines Kind nicht im Spiegel ertragen k├Ânnen. Einmal zerschlug sie dann mit einer Parfumflasche ihrer Mutter den Badezimmerspiegel, um sich nicht weiter sehen zu m├╝ssen. Dabei riss ihre Haut auf und Katie lernte so in blutjungen Jahren, dass unter ihrer zarten Haut solch farbige Fl├╝ssigkeit pulsierte. Es hatte nat├╝rlich Konsequenzen. Obwohl das Parfum schweinebillig gewesen war, hatte es eine heftige Strafe f├╝r Katie gegeben. In Form einer gewaltigen Tracht Pr├╝gel. Anfangs hatte sie noch Rotz und Wasser geheult, aber dann waren die Tr├Ąnen nach und nach versiegt, w├Ąhrend ihr Vater weiterhin wie besessen auf die einhieb. Es ist nur schwer nachzuvollziehen, was dem Vater dabei durch den Kopf ging. War er von Testosteron benebelt? Oder versuchte er in seiner Tochter etwas abzut├Âten, das in seinem eigenen Kopf wucherte wie ein Krebsgeschw├╝r in den Lungen?
Katie hatte sp├Ąter einmal ├╝ber Schl├Ąge mit John geredet. Normalerweise w├Ąre er nie auf so ein Thema eingegangen, aber er hatte an dem Abend etwas zu erz├Ąhlen gehabt. Sein Vater hatte ihn, so er sich richtig erinnerte, nur einmal geschlagen, was absolut nicht schlimm gewesen war. Schlimm war nur das Gerede seines Vaters gewesen, der deswegen noch Jahre sp├Ąter Komplexe gehabt hatte und dauernd wieder auf dieses Thema zur├╝ckkam. Dauernd davon sprach, wie leid es ihm tat, wie er sich daf├╝r verachtete. Dieses Gerede hatte n├Ąmlich daf├╝r gesorgt, dass John sich irgendwann selbst schuldig f├╝hlte. Paradox. Er f├╝hlte sich schuldig, geschlagen worden zu sein. Weil sein Vater darunter litt und John die Schuld bei sich suchte.
Ins Schwimmbad ging Katie eh nicht. Sie fand sich schon als Kind fett. Daran waren wohl ihre Verwandten schuld, die (erneut Paradoxie) sie einerseits mit S├╝├čigkeiten sprichw├Ârtlich ├╝berh├Ąuften, dann jedoch wiederum den alten Verwandten-Standard-Spruch abwandelten von „man, bist du wieder gro├č geworden“ in „meine G├╝te, hast du wieder zugelegt“. Die omnipr├Ąsenten Models in der Werbung und an Plakatw├Ąnden taten dann ihr ├ťbriges.
Kein Wunder, dass sie anfing zu kotzen. Mittlerweile ging das von ganz allein, sie brauchte nicht einmal mehr ihren Finger dazu. Und John fiel es nie auf, dass sie nach dem Essen kotzen ging. Es blieb nie Essen ├╝brig. John war Asket durch und durch. Kein Gramm Fett am Leib. Er a├č nicht viel. War absolut kein Genussmensch. Was sollte man auch anderes von einem Sportler wie ihm erwarten. Wer sich derart folterte mit Joggen, Gewichten und co. brauchte halt den Schmerz. Denn mit Vergn├╝gen hatte sein zwanghaftes Training gar nichts zu tun. Das einzige Vergn├╝gen war dann wohl, seinen durchtrainierten K├Ârper ├╝ber und ich wiederhole ├╝berall zu pr├Ąsentieren. John war der Typ Mann, der Calvin Klein benutzte und auch so aussah wie die Kerle in der Werbung, halt nur nicht in schwarz wei├č. Er fand auch Kate Moss attraktiv und bekam nicht wie die meisten anderen M├Ąnner bei ihrem Anblick den unb├Ąndigen Wunsch, sie unaufh├Ârlich zu f├╝ttern. Ich muss nicht erw├Ąhnen, dass er einen Waschbrettbauch hatte. Der war in der Tat h├Ąrter als ein japanischer Futon. Und es ist auch kein Geheimnis, dass Katie blaue Flecken davon bekam.
Es war schon befremdlich, f├╝r Leute, die es nicht wie Katie gewohnt waren, ihn zu beobachten. Stundenlang war er mit seinen Hanteln besch├Ąftigt und gab dabei jedoch Ger├Ąusche von sich, die Katie beim Sex so schmerzlich von ihm vermisste. Sie sa├č dann irgendwo zusammengekauert vor dem kaputten, flimmernden Fernseher, mit Kippe im Mundwinkel und h├Ârte ihm beim St├Âhnen und ├ächzen zu, sah, wie der Schwei├č ├╝ber seinen K├Ârper perlte und sie das Gef├╝hl bekam, er w├╝rde bei den unmenschlichen Strapazen, denen er sich freiwillig allt├Ąglich und stundenlang aussetzte, mehr Lust empfinden, als in ihrer Gegenwart … Das sch├╝rte dieses alte Selbsthass-Gef├╝hl in ihr, das sie schon so lange innerlich und jetzt auch ├Ąu├čerlich kaputt machte. Dieses unl├Âschbare Gef├╝hl, man w├╝rde nicht geliebt werden. Egal was die Ratio, der Verstand sagte. Egal wie oft John sagte, er liebe sie. Es brachte ein gar nichts. Und eins musste man John lassen, auch wenn er wenig sprach und Schwierigkeiten hatte, Gef├╝hle zu zeigen, die Liebe, die er aufrichtig Katie gegen├╝ber empfand, konnte er auch hin und wieder in Worte fassen, und das ohne nerviges Reimschema.
Aber Katie konnte es nicht glauben… Ihr Schatten, die Stimme in ihrem Hinterkopf, ├╝bersetzte das Ich liebe dich f├╝r sie: „Ich sage dir, dass ich dich liebe, Katie, um mich selbst davon zu ├╝berzeugen, weil ich wei├č, dass es in Wirklichkeit nicht so ist. In Wirklichkeit, Katie, finde ich, dass du viel zu fett und h├Ąsslich bist. Ich suche eigentlich schon seit wir uns kennen, nach einem Ersatz f├╝r dich, solange halte ich es dann noch notgedrungen mit dir aus. Auch wenn mit dir schlafen so langweilig ist, als w├╝rde man es mit einer schwabbligen Leiche treiben!“
John hatte nie solche Gedanken! Ich wiederhole, er h├Ątte auch nie so gedacht. Nie im Leben! Aber die Stimme in Katie war niedertr├Ąchtig und verdammt m├Ąchtig. Diese Stimme wusste alles in ihrem vermaledeiten Zynismus. Die Stimme kannte Johns Verstecke, wo er seine Rasierklingen deponierte. Die Stimme sagte Katie, dass sie niemals l├Ąngs schneiden sollte, denn dann h├Ątte dem Leid ja ein Ende gesetzt und so war das Leben nicht gedacht. Man musste brav wie alle anderen bis zum Schluss im Brettspiel bleiben, bis man radikal von Freund Hein aus dem Leben gekegelt w├╝rde.
So war es angedacht und so mussten die Menschen es ausbaden. Von mehr als angedacht konnte man bei der Sch├Âpfung auch nicht reden, denn wie war es sonst zu erkl├Ąren, dass ein Igel, der sich instinktiv zusammenkauerte auf dem Asphalt, den Reifen eines LKWs nicht gewachsen war. Suizid hatten die Menschen auch nicht erfunden. In der Tierwelt hatten es die Lemminge vorgemacht. Aber so was kam wie gesagt f├╝r Katie nicht in Frage. Denn jeder verzweifelte Mensch wei├č es. Es bleibt immer ein Schimmer Hoffnung im Kopf, der einen weitermachen l├Ąsst.
Einmal hatte Katie beim Aufr├Ąumen eine aufgeschlagene Ausgabe von Men┬┤s Health (die mit Abstand menschenverachtenste Zeitschrift nach dem St├╝rmer) neben Johns Bett gefunden. Das Foto auf der Seite zeigte Kate Moss. (Was Katie nicht wusste, selbst Kate Moss hatte Narben auf der Haut, die man aber bei jedem Foto mit Bildbearbeitungsprogrammen entfernte)
Dieser Fund setzte ├╝ble Verwicklungen in Gang. In Katies Kopf ratterte es. Hatte John es jetzt n├Âtig, auf Wichsvorlagen zur├╝ckzugreifen? War sie ihm nun wirklich nicht gut genug? Hatte er sie wom├Âglich nur aufgerissen, weil ihr Name Kate so ├Ąhnlich klang? Die Resultate waren blutig. Katie konnte Johns Klingen nicht finden. Sie war den ganzen Tag allein in der Wohnung, denn John ging nun nach der Arbeit direkt ins Fitness-Studio. Kam erst sp├Ąt heim, m├╝de und wortkarg. Katie hatte ihren Job verloren, denn sie war Verk├Ąuferin gewesen. Ein Kunde hatte erschreckt aufgeschrieen, als er Katies Narben am Arm sah, was den Chef zur sofortigen K├╝ndigung getrieben hatte. Katie hatte mal irgendwo gelesen, dass sich das menschliche Leben im Scheitern manifestierte. Das hatte sie sich angestrichen, traf es doch so sehr auf ihr Leben zu.
John fiel nicht auf, wie Katie immer knochiger wurde. Ihm fielen nicht einmal die immer deutlicher werdenden Narben auf. Er war auf eine Art ein Ignorant, nein, schlimmer, ein bewusster Ignorant. Aber es w├Ąre all zu einfach und fatal unrichtig, die Schuld f├╝r Katies Leiden auf ihn zu schieben.
John hatte selbst mit seinen eigenen D├Ąmonen zu k├Ąmpfen. Er war von dem Gedanken besessen, dass nur sportliche, gepflegte, ja Klon-artige Menschen, Frauen abbekamen und in der Gesellschaft akzeptiert wurden. Es ist unm├Âglich zu entschl├╝sseln, wie er zu der irrsinnigen Ansicht gekommen war. Aber wie Katie war er auch von der ├äu├čerlichkeit so besessen, dass es krankhaft war.
Er ging im Sport derart an seine Grenzen, dass es schon masochistische Z├╝ge annahm. Dar├╝ber war er sich selbst jedoch nicht im Geringsten im Klaren. Er hing einem veralteten M├Ąnnerideal nach, das besagte, M├Ąnner m├╝ssten ├╝berlegen, muskul├Âs und dominant sein. Dabei war er in seinem Herzen kein St├╝ck dominant. Er war sogar zum Bund gegangen, wom├Âglich weil er ein paar Mal zu oft geh├Ârt hatte, dass Zivis alle Dr├╝ckeberger und Schwuchteln sind. Und dann standen sie alle um ihn herum. Keine Frauen (so war┬┤s damals noch) und nur Gegr├Âle, Gesaufe und Gelaber. Kerle, die nach sechs Bier und so weiter anfingen, mit dem jedem Kerl Br├╝derschaft trinken zu wollen. Danach wurden sie dann handgreiflich, wollten anfassen, gedr├╝ckt werden … Das fand John alles derart eklig, dass er es sich ganz schnell anders ├╝berlegte, beim Bund l├Ąnger als die Mindestzeit zu bleiben. Dabei hatte er martialisches Geballer und Testosteronrausch erhofft …
Sein Job war dann auch urm├Ąnnlich. Doch selbst dort gab es dann irgendwann eine weibliche Chefin, die es auf ihn abgesehen hatte, doch darum geht es hier nicht wirklich. Katie fand keinen neuen Job und war gefangen in der kleinen Wohnung mit all den Hanteln, ├╝ber die sie dauernd im Dunkeln stolperte. Denn sie hatten keine festen Pl├Ątze, lagen immer ├╝berall im Weg herum. Sie selbst hasste solche Dinge. Das einzige, was sie hochwuchtete, war das japanische Schwert ihres Freundes, das als Phallussymbol ├╝ber seinem Bett hing. Die Klinge war erstaunlich stumpf, aber es gelang ihr trotzdem, die Wunden damit wieder aufzukratzen.
John hatte irgendwann die Schnauze voll von Fitness-Studios. Das war mittlerweile auch keine reine M├Ąnnerwelt mehr. Und au├čerdem nahm das dort langsam kranke Z├╝ge an wie beim Milit├Ąr. Der neuste Trend (der alte _amerikanische_ Trend war gewesen, riesige Glasfenster um die Studios zu positionieren, damit die Leute einen drau├čen sahen und man drinnen einen Auftrieb bekam, den inneren Schweinehund zu besiegen, damit man dann sp├Ąter auch drau├čen am Fenster lang flanieren konnte, um mit den Fingern auf die ├ťbergewichtigen drinnen zu zeigen) war, ausgemusterte GIs zu engagieren, die dann wie Drill-Sergeants mit den Sportlern umgingen, sie mit H├Ąrte und Gewalt zur Trainiererei antrieben. Das war John schon in der Grundausbildung auf den Sack gegangen.
John schlief weniger mit Katie. Daf├╝r kann man jetzt verschiedene Gr├╝nde erfinden. Man sagt ja, dass in langj├Ąhrigen Beziehungen die Lust aufeinander auf ganze nat├╝rliche Art und Weise abnimmt, was dann sp├Ątestens in der Ehe, nachdem die Kinder geschl├╝pft sind, ganz ausbleibt (so ein Schei├č, nur weil es oft so ist, muss es nicht die Regel sein. Fehlende Fantasie und Kreativit├Ąt…). Oder man findet halt wichtigere Dinge im Leben, als der juvenile oft zwanghafte Paarungsdrang. Aber wom├Âglich lag es bei Katie und John daran, dass John Sex zwar unwahrscheinlich oft praktizierte, aber nie wirklich gro├čen Gefallen daran fand. Es war f├╝r ihn immer eine extrem aufgebaute und aufgebauschte Hoffnung, die dann ganz entt├Ąuschend verpuffte, wie ein Helium Ballon, der eben noch so sch├Ân die Stimme mutiert hatte. Aber so recht wollte er sich das nie eingestehen, au├čerdem winkte ja jedes Mal ein neuer Versuch. Und f├╝r Katie war es etwas anderes. Es waren Momente, in denen sie ihrem Freund, derzeit John, verdammt nahe war. Sie suchte eigentlich viel eher N├Ąhe, Z├Ąrtlichkeiten und solche Dinge. Aber sagen konnte sie das John auch nicht, der sie nur ganz selten richtig k├╝sste.
Das war auch so eine Sache, die Katie in schlaflosen N├Ąchten qu├Ąlte. John hingegen schlief immer fest und sofort ein, manchmal sogar mitten in Bettgespr├Ąchen, die Katie so wichtig waren, egal wie sp├Ąt. Vielleicht lag es an all dem Sport, dass John so problemlos pennen konnte.
Katie kratzte oft mit ihren N├Ągeln ├╝ber ihre Haut, was vollkommen unbewusst und instinktiv von statten ging. Als ihr das irgendwann auffiel, nahm sie sich felsenfest vor, die N├Ągel nicht mehr so lang und scharf werden zu lassen, aber auch mit stumpfen Gegenst├Ąnden konnte man sich wehtun. Leider.
Auf eine Art war es ein Hilferuf, das Selbstverletzen. Aber nur auf eine Art, denn ihr Freund nahm das einfach nicht wahr. Als w├╝rde er die Schrammen und Narben gar nicht sehen, es war wie verhext. Oder sah er es und sprach einfach nicht dr├╝ber? Verdammt, man hatte sie gefeuert deswegen, wie konnte John das einfach ignorieren…
Aber diese erste ├╝bernat├╝rliche Begebenheit sollte nur der Anfang sein, der in Katies Wahn m├╝ndete. Es f├Ąllt schwer, diese tragische Geschichte zu erz├Ąhlen, man will ja auch nichts besch├Ânigen. Aber die n├Ąchste Zeit an Johns Seite, sollte die H├Âlle werden, f├╝r die arme, in der Wohnung gefangene, kleine Katie. Warum denn blo├č der kaputte Fernseher permanent an sein m├╝sse, hatte Katie John besorgt gefragt. Aber er meinte nur, das muss halt so sein. Und dann sa├č Katie da tagein tagaus vor. Und John gab von nebenan diese heftigen, animalischen Laute, die sie eigentlich im Bett h├Âren wollte…
Irgendwann sah sie ein Bild, hinter all dem flimmernden Punkten… Erst zweifelte sie noch an ihrem Verstand, dann wurde es aber deutlicher. Es war ein Smiley, die Farbe konnte man nicht bestimmen, der Telefunken war nat├╝rlich schwarzwei├č. Und der fing dann an, mit ihr zu reden. Erst machte er ganz beil├Ąufige Bemerkungen wie: Hallo, Katie, schickes AleX Page-T-Shirt. Das war nat├╝rlich sonderbar, denn Katie trug tats├Ąchlich so ein Shirt. Es war ein selbst gemaltes Unikat, denn von AleX Page gab es kein Merchandising. Also hatte sie ein schwarzes Shirt genommen und mit Johns aufklappbaren Rasiermesser die Buchstaben heraus geschnitten. Darunter trug sie dann am liebsten ein rotes T-Shirt, es sah also aus, als seien die Buchstaben so tief geschnitten, dass Blut sichtbar wurde und Fleisch. Das war aber auch ein wenig zwiesp├Ąltig von ihr. Sie kannte mittlerweile ihren zerst├Ârerischen Drang und litt darunter, nicht mit der Ritzerei und so weiter aufh├Âren zu k├Ânnen, aber gleichzeitig genoss sie es eben auch. Vielleicht war auch das T-Shirt ein weiterer Wink in Richtung John. Aber auch darauf ging er merkw├╝rdiger Weise nicht ein.
Die Bemerkungen der Flimmerkiste (im wahrsten Worte des Sinnes) wurden immer pikanter, bizarrer und im Endeffekt erschreckender. Netter Ausschnitt, willste fremdgehen, Katie? Darauf kam einen Tag sp├Ąter: Ist das deine Naturhaarfarbe, in deiner Nase? Dann schwieg der Apparat ne Woche lang ganz. Trotzdem sa├č Katie mit einem Notizblock und Schokolade stundenlang davor. So fing sie an, rumzukritzeln. Sie hatte seit der Kindheit nicht mehr gemalt und jetzt fand sie Gefallen daran. Erst waren es nur Strichzeichnungen, dann wurden die Bilder deutlicher. Sie nahm nun bunte Wachsstifte, am liebsten rot. Ganz viel rot aufs Karopapier. Dann sprach die Glotze wieder: Hey, Katie Moss! Probier mal dein Blut als Farbe, ist doch roter!
Katie bekam einen Mordsschreck. Sie hatte nicht mehr mit dem Fernseher gerechnet. Und was er sagte, machte ihr furchtbar Angst. Sie werden mich in Zwangsjacken packen und wegsperren, ging es ihr durch den zerzausten Kopf. Dann kam John von der Arbeit. Er strahlte und sah gl├╝cklich aus. Katie traute sich nicht, die Sache mit dem Fernseher anzusprechen. Dies h├Ątte ihren wom├Âglichen Wahnsinn demaskiert, das konnte sie nicht zulassen. Sie sprintete in die K├╝che und fing an, Johns Lieblingsgericht zu kochen. Es war keineswegs so, dass Katie die einzige war, die kochte, aber jetzt wo sie arbeitslos war, w├Ąre es unfair gewesen, ihn abends noch in die Kirche zu schicken. ├äh, K├╝che. Also kochte sie Nudeln ohne alles. Sein Lieblingsessen. Sie haute sich dann noch eine leckere Sauce dr├╝ber, a├č wie im Rausch, weil sie Tage zuvor gehungert hatte. Nur Schokolade halt. Und Kotzen.
Und als John nur den halben Teller a├č, h├Ârte Katie die Glotze dr├╝ben wieder. Er hasst deine Art zu kochen, deshalb isst er immer ausw├Ąrts. Willste wissen, wo John war? Nicht auf Arbeit. Er hat seit Tagen Urlaub und fickt eine andere!
Es war so, als w├╝rde der Fernseher Dinge wissen, die so noch nicht einmal in Katies Kopf gewesen waren. Und wenn die Saat der Zwietracht erst einmal ges├Ąt ist, wird man sie nie wieder los. In diesem Falle der Gedanke, dass John eine andere hat. Und dann kam er irgendwann immer sp├Ąter und sp├Ąter. Die Aschenbecher waren dann so voll, wie der blutrote Mond am Himmel. John war ├╝berzeugter Nichtraucher. Aber er tolerierte Katies Zigarettenkonsum, schr├Ąnkte sie nicht ein, schickte sie in der K├Ąlte nicht raus auf den Balkon, wie Katies Mutter damals, wobei sie einmal sogar ne Lungenentz├╝ndung bekam. Also keinen Lungenkrebs, wie ihr Vater. Paradoxie an allen Ecken und Enden …
Nachts konnte Katie nicht schlafen. John lag neben ihr, still wie eine Leiche. Sie fingerte an sich rum, drehte sich Locken mit den Fingern, kaute auf N├Ągeln, z├Ąhlte Schafe und sah doch nur die Andere vor Augen, die mit John schlief und ihm diese Laute entzauberte.
Es war zum Heulen. Und Katie tat dies auch oft, aber immer nur allein. Das war so eine Eigenart, die ihre Mutter ihr vermacht hatte. Die Unf├Ąhigkeit in Gegenwart anderer zu heulen, egal wie gro├č die Trauer und der Schmerz waren, egal wie prall gef├╝llt die Tr├Ąnens├Ącke waren. Tr├Ąnens├Ącke waren st├Ąhlern. Sie rissen niemals bei ihr. Fluch oder Segen? Definitiv Fluch!
Hach, es war schon eine schwere Zeit f├╝r Katie. Sie zweifelte nun nicht mehr nur an sich und ihrem Verstand, sondern auch an John, seiner Liebe und seiner Treue. All das lie├č die Ritzen in ihrer Haut immer tiefer werden, tiefer als Schallplattenrillen, tiefer als Ackerfurchen und Tiefer als Schwarze L├Âcher …
Und der Fernseher wurde wieder munterer. Na, Kate, wie ist das Leben? Wenn du so weiter rauchst, wirste wie dein Papi enden. Rabenschwarz und kr├Ąhentot.
Katie konnte es nicht mehr aushalten. Sie riss den Stecker raus, war doch egal, wenn John ihn anbehalten wollte. Und dann hatte sie vorl├Ąufig Frieden. Nur die Angst, John ginge fremd, plagte sie. Irgendwann rief sie dann bei Johns Arbeitgeber an und fragte nach ihm. Die Chefin sagte, John sei krankgeschrieben, das brachte Katies Fass zum ├ťbersch├Ąumen. Der Fernseher hatte auf seine Art Recht gehabt. Verdammter Schei├č! Ihre Fantasie ging mit ihr durch, sie sah John mit dieser anderen Frau, die schlank war und sexy und nicht ├╝bergewichtig wie sie selbst! Sie waren gl├╝cklich zusammen. Und dann ging etwas anderes mit ihr durch, und zwar die Plastikgabel. Ihr Bewusstsein schwand. Das Ende vor Augen, kein Licht oder so, nein. Es spielte Musik in ihrem Kopf, es klang nach Stairway to heaven. Und sie ging einen langen Flur entlang. Dort stand ein ├Ąlterer Herr ohne Bart und ohne Haupthaar. Er sah ein wenig aus wie Yul Brynner. Nur ohne Cowboyhut. Er sagte etwas zu Katie: Kleines, deine Zeit ist noch nicht gekommen. Du musst noch einmal zur├╝ck in diesen irdischen Irrsinn. Ich werde dir einen Rat mitgeben. Sei kompromisslos und sei herzlich. Sei verletzend und sei liebevoll. Versuche, alle Gef├╝hle zu leben, unterdr├╝cke sie nicht. H├Âre auf zu rauchen und h├Âre nicht auf zu malen. Sei geheimnisvoll und sei bescheiden. Sei ruhig ein wenig arrogant bei Zeiten. Aber sei niemals brutal oder hinterh├Ąltig. Und nun drehe dich um und versuche, dein Leben umzukrempeln! Mach dir nicht dauernd Gedanken ├╝ber deine Wirkung auf andere, so wirst du nie gl├╝cklich werden. Vergiss meine Worte nicht.
Sie lag in einem wei├čen Bett. Fixiert. Allein in einem Klinikraum. Sie h├Ârte aus dem Flur leise Musik, es klang nach Stairway to heaven. Dann kam ein Mann mit Glatze herein. Er trug keinen Cowboyhut. Er l├Ąchelte sie herzlich an.
„Sind sie hier der Gott?“, fragte Katie.
„Nein mein Kind, das bin ich wei├č Gott nicht …“, sprach er mit tiefer m├Ąnnlicher Stimme.
„Sind sie dann ein Arzt?“
„Nein mein Kind, ich bin auch kein Halbgott in Wei├č.“
Katie sp├╝rte, dass sie mit Medikamenten voll gepumpt war.
„Wer sind Sie dann bitte?“
„Mein Name ist Heinrich Engel. Ich bin hier Patient.“
„├ähm, wo sind wir hier?“
„Dies ist eine st├Ądtische, geschlossene psychische Anstalt, mit einem Fassungsverm├Âgen von 1013 Patienten. Sieben ├ärzte arbeiten hier, ein Zivi und ne Menge Pfleger. Um sechs, zw├Âlf und sechs ist Essen, jeweils danach Medikamentenausgabe. Die Bibliothek ist gut best├╝ckt. Der Fernsehraum ist beliebt, aber selbst hier gilt Demokratie, also l├Ąuft es wie drau├čen meist auf Fu├čball oder Deutschland sucht den Superman hinaus. Wobei selbiger nat├╝rlich nicht gefunden werden kann, der tr├Ągt ja schlie├člich ne Brille und ist so nicht zu identifizieren. Meist tr├Ągt er die, wenn er gerade nicht einen Latexanzug mit Fl├╝gen tr├Ągt.“
Katie konnte ein Lachen nicht verkneifen.
„Moment. Das ist der verr├╝ckteste Schei├č, den ich seit langem geh├Ârt habe!“
„Danke. Ich habe es mir gerade frisch ausgedacht. Aber sage bitte den ├ärzten nicht, dass ich mit dir gesprochen habe. Sie halten mich f├╝r einen Autisten und dementsprechend f├╝r scheinbar dumm. Ich rede hier mit niemandem, aber du hast mich mit deiner Pr├Ąsenz erweckt. Ich habe mitbekommen, wie sie dich einlieferten, wie knapp du dem Sensenmann entsprungen bist. Das hat mich bewegt. Ich habe lange nichts mehr Erw├Ąrmendes erlebt. Ich sah nur noch Gewalt und K├Ąlte in der Welt, bis ich das Sprechen verlernte. Bis ich nicht einmal mehr f├╝r mich selbst sorgen konnte. Mein Vater hatte mich nackig im Winter in einem Laubhaufen liegend gefunden. Er hatte nicht verstehen k├Ânnen, dass ich nur mit dem kalten Laub hatte spielen wollen. Er wies mich ein. Die Jahre vergingen. Und jetzt kommst du.“
„Wer hat mich hergebracht? War es John? Mein Freund?“
„Nein. Es tut mir leid. Ich wei├č nicht wer. Das musst du selbst herausbekommen.“
„Aber wie? Ich bin festgebunden.“
„Das wird sich irgendwann ├Ąndern. Du bist erwachsen, du hast dich nicht selbst eingewiesen, das hei├čt, jetzt, wo du sprechen kannst, m├╝sstest du dich eigentlich auch selbst entlassen k├Ânnen, wenn das dein Wunsch ist.“
„Wie lange bin ich schon hier?“
„Och, ich denke so ne Woche …“
„Und John war nie hier?“
„Nein, dich hat keiner besucht. Tut mir leid. Wirklich. Ich muss nun gehen.“
Ohne ein weiteres Wort war der Glatzentr├Ąger verschwunden. Katie schlief wieder ein und die Tage verflogen. Man band sie los. Sie a├č, nahm Medikamente. Sprach mit ├ärzten, die sie dann schlie├člich einen Borderline-Fall nannten. Es war ein medizinischer Sammelbegriff, der gerade in Mode gekommen war. Er passte eben auf fast jeden Menschen, respektive, war eine riesige Schublade f├╝r alle, die man sonst nicht einordnen konnte. Katie wollte sich nicht entlassen. Sie wartete erst noch auf John, aber er kam nicht, rief nicht an… Er ignorierte wohl wie damals, oder er war weg, mit der Frau oder allein oder Gott wei├č was.
In der Klinik fing Katie wieder an zu malen. Und sie schrieb auch Tagebuch. Das war sehr erf├╝llend und half ihr zusammen mit der Therapie, sich und ihre ├ängste, ihre Krankheit zu verstehen. Sie wusste nun, dass sie magers├╝chtig war und autoaggressiv. Immer mehr psychologische Begriffe wurden ihr beigebracht. Man sprach nun auch von Depressionen und von Verstimmungen. Sie lernte all das. Fing an zu verstehen, woraus das Verhalten resultierte. Malte Bilder dar├╝ber und schrieb alles auf. Aber sie konnte nicht aufh├Âren damit. Selbst in der Klinik kotzte sie weiter. Sie tat sich auch immer noch weh, aber so geschickt, dass es die ├ärzte nicht merkten. Irgendwann wurde sie entlassen. Sie fuhr mit der U-Bahn in ihre Wohnung zur├╝ck. Und dort sa├č John vor dem Fernseher mit einem Notizblock. Er weinte.








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My madness keeps me sane.

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Alexander Rahm
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Ist das Horror?
Das ist doch der Alltag!
Aber vielleicht ist der Alltag ja Horror?

Es gibt Leute, die gesagt haben, ich w├╝rde ein Borderliner sein. Ich habe das br├╝sk abgewiesen. Aber in deiner Geschichte finde ich mich wieder. Also bin ich ein Borderliner. Aber ich kann es nicht haben, wenn mich Menschen in eine Schublade stecken. Dieses Gef├╝hl habe ich nicht, wenn ich deine Geschichte lese. Ein Zeichen daf├╝r, dass sie gelungen ist.

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Inu
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hallo Christopher

Einfach toll geschrieben Dein Text, voller Originalit├Ąt, mit so vielen lebensbunten, treffenden Bildern! Ich bin begeistert von Deinem Stil und Deiner Ausdruckskraft.

Es ist ja eigentlich eine sehr tiefe, psychologische Beschreibung des Schicksals dieses jungen M├Ądchens und das ist mehr, als man normalerweise von Horrorstories erwartet. F├╝r m i c h ist auch das subtile Ende sehr gut gelungen. Dass der Fernseher sich dann auch noch den Freund John "vorgekn├Âpft" hat, ist f├╝r mich Horror genug. Aber f├╝r manche Leser fehlt vielleicht der letzte, grausige Touch. Ich w├╝rde es jedoch nicht ver├Ąndern.

Liebe Gr├╝├če und ein sch├Ânes Pfingsten
Inu

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Michael Schmidt
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Hallo Christopher!

Stimmungm├Ą├čig ist die Geschichte klasse, auch das generelle Thema gef├Ąllt mir. Allerdings erscheint mir die Aufz├Ąhlung der Lebensgeschichte ein wenig unstrukturiert, teilweise sind Dopplungen drin. Und die Vergangenheitserlebnisse erscheinen manches mal willk├╝rlich, da k├Ânnte man den Zusammenhang verbessern, das w├╝rde die Glaubw├╝rdigkeit erh├Âhen.

Von der Erz├Ąhl├Âperspektive w├Ąre vielleicht ein richtiger Wechsel zwischen K und J besser, und teilweise w├Ąre ein wenig mehr Erz├Ąhlung als Glosse/Satire besser.

Bis bald,
Michael
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Der ErnstFall Michael Schmidt

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