Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5540
Themen:   94977
Momentan online:
455 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Coming out
Eingestellt am 05. 05. 2017 13:51


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
brndmtzk
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Sep 2016

Werke: 11
Kommentare: 21
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um brndmtzk eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Tr├╝bsinnig schob Christian sein Fahrrad durch die Unterf├╝hrung. Als er aus der S-Bahn stieg sp├╝rte er den feinen, kalten Nieselregen im Gesicht. Eine unangenehme Heimfahrt stand ihm bevor.
Es war nicht Christians Traum, immer noch in diesem Nest wohnen zu m├╝ssen. Von Jahr zu Jahr hasste er mehr der vielen Dinge um sich herum. Zuerst, noch als Sch├╝ler, das winzige Zimmer im genau so winzigen und alten Siedlungshaus seiner Eltern. Sp├Ąter dann als Student die Erkenntnis, dass sein Baf├Âg nicht f├╝r ein eigenst├Ąndiges Leben in der gro├čen Stadt reichen w├╝rde. Er hasste die Tatsache, dass seine Eltern ihn finanziell nicht unterst├╝tzen konnten. Er hasste die spie├čigen Nachbarn und er hasste seine ehemaligen Schulkameraden.
Voller Frust radelte er jeden morgen zum Bahnhof um mit dem Zug zur Uni zu fahren. Und bei der Heimkehr war sein Frust nicht geringer.
An diesem Abend war es noch schlimmer als sonst. Der leichte Regen lie├č ihn fr├Âsteln. Verbissen trat er in die Pedalen. So klein sein Zimmer auch war und so wenig er es mochte, es versprach W├Ąrme und Trockenheit. Und so nahm er trotz der Dunkelheit den k├╝rzeren Weg durch den Park und die angrenzende Flussaue.
Der Scheinwerfer seines Rades flackerte im Takt des quitschenden Dynamos. Der setzte bei jeder Umdrehung des abgenutzten R├Ądchens f├╝r einen Moment aus. Christian st├Ârte das nicht, er kannte den Weg.
Fauliger Geruch schlug ihm entgegen. Man war damit besch├Ąftigt, den Bach, der diese Landschaft pr├Ągte in einen Kanal zu verwandeln. Tags├╝ber f├╝llte ein gelber Bagger den stinkenden Schlamm vom Bachgrund in ein k├╝nstlich angelegtes Becken. Irgendwann sp├Ąter sollte diese Masse dann abtransportiert werden. Bis dahin wehte der Gestank ├╝ber die Wiesen.
Regen und Gestank lie├čen ihn immer schneller in die Pedalen treten und jegliche Vorsicht vergessen.
Es war durchaus logisch, bei diesem Wetter in der dunklen, weil nicht von Stra├čenlaternen beleuchteten Aue nicht mit weiteren Passanten zu rechnen. Doch Christian wohnte zwar noch in dieser kleinen Stadt aber er kannte sie nicht mehr. Vielleicht hatte er sie noch nie richtig gekannt. Sein Wesen verweigerte sich von jeher der spie├čigen Tr├Ągheit und der selbstgef├Ąlligen Beschr├Ąnktheit seiner Umwelt. Und so entzog es sich auch seiner Kenntnis, dass in den letzten Jahren im Schutze der Dunkelheit und der verwilderten Natur die eine oder andere nicht wirklich Tageslicht taugliche Transaktion abgewickelt wurde. In der einzigen scharfen Kurve auf seiner Strecke wurde ihm dieses mangelnde Wissen zum Verh├Ąngnis.
Mitten in der Kurve lief ihm eine dunkle Gestalt vors Rad. Er versuchte zu bremsen, aber an seinem Rad funktionierte die Bremse genau so gut oder genauer genau so schlecht wie die Beleuchtung. Der Zusammenprall war nicht besonders heftig, f├╝r die dunkle Gestalt aber trotzdem schmerzhaft.
"Du Arsch!" fuhr der Getroffene Christian an. Der stieg ab und legte sein Rad ins Gras.
"Sorry, hat es sehr weh getan? Ich habe Dich in der Dunkelheit nicht gesehen."
In diesem Moment erkannten sich die beiden. Vor Jahren waren besuchten sie die selbe Schule. Zwar nicht die selbe Klasse, aber man kannte sich.
"Lass mich in Ruhe und verschwinde!" Falk war nicht der freundlichste Zeitgenosse. Christian erinnerte sich an ihn als hinterlistig und gewaltt├Ątig. Auf Frieden bedacht ├╝berh├Ârte er den barschen Ton.
"Ich sagte doch, es tut mir leid."
"Und ich sagte: verschwinde!"
Falk trat einen Schritt auf Christian zu. Der hob beschwichtigend die H├Ąnde, wich zur├╝ck und stolperte ├╝ber sein Rad. Falk setzte nach und stie├č seinen Gegen├╝ber vor die Brust.
"Na los jetzt!"
Christian war ein friedlicher und etwas tr├Ąger Mensch. Aufregung lag ihm fern. Gewalt erst recht. Andererseits war er gr├Â├čer als Falk. Als angehender Bauingenieur verdiente er sich gelegentlich ein paar Euro dazu. Auf dem Bau nat├╝rlich. Was seinem K├Ârper durchaus gut getan hatte. Und er besa├č nat├╝rlich seinen Stolz. Also stie├č er zur├╝ck.
Mit dem Ergebnis hatten weder er noch Falk gerechnet. Letzterer lie├č erstaunt seine Arme sinken und sah Christian entgeistert an.
"Sag mal spinnst Du? Erst f├Ąhrst Du mich ├╝ber den Haufen und dann wirst Du auch noch frech?"
Sofort drang er wieder auf Christian ein. Stie├č ihn, nun mit den F├Ąusten, weiter zur├╝ck in Richtung Geb├╝sch.
Christian sp├╝rte die ├äste im R├╝cken. Weiter zur├╝ck ging nicht. Als Falk immer weiter auf ihn ein boxte verlie├č er die Defensive.
Sein Schlag traf Falk direkt am Kinn. Der hatte sich wohl auf seinen schlechten Ruf verlassen und nicht mit echter Gegenwehr gerechnet. Verwirrt taumelte er zur├╝ck. Dann nahm er die F├Ąuste wieder hoch und st├╝rzte sich erneut auf Christian.
Schlechte Entscheidung. Christian war eine halben Kopf gr├Â├čer. Er besa├č Muskeln, die von Aushilfsarbeiten auf dem Bau geformt waren und nicht von P├╝lverchen aus dem Fitnessstudio.
Etwas schuldbewusst wehrte er Falks erste Schl├Ąge ab. Schlie├člich war er die Ursache f├╝r dessen Aggression. Glaubte er zumindest. Und versuchte es mit bes├Ąnftigenden Worten. Nat├╝rlich erfolglos.
Falk pr├╝gelte nun blindlings auf seinen Gegen├╝ber ein. Der, was ihn selbst verwunderte, kein Problem damit hatte, die Schl├Ąge abzuwehren. Was Falk zu immer heftigeren Schl├Ągen animierte. Und dann auch zu Beschimpfungen.
Irgendwann wurde es Christian zu viel. Ihm mangelte Erfahrung in k├Ârperlichen Auseinandersetzungen, aber er war nicht zimperlich, hinreichend kr├Ąftig und besa├č eine gute Koordination. Er nahm einige Treffer in Kauf, umfasste Falk und warf ihn mit einem kurzen Schwung zu Boden. Falk kam auf dem Bauch zu liegen. Christian drehte ihm einen Arm nach hinten und kniete sich dann auf Falks R├╝cken.
"Beruhige Dich endlich!"
"Du Arsch. Lass mich endlich los oder es passiert ein Ungl├╝ck!" Falk wand sich hin und her aber es gelang ihm nicht sich zu befreien.
"Beruhige Dich und h├Âr auf mich zu schlagen. Dann lasse ich dich los."
Christian f├╝hlte sich nicht wohl. Er hielt sich f├╝r einen friedlichen Menschen. Aber in diesem Moment gefiel es ihm, dass Falk wehrlos unter ihm lag. Die Ordnung der Welt, die er so oft vermisste, war f├╝r einen Moment wieder hergestellt. Der Abschaum unten, er als wertvolles weil intelligentes und arbeitsames Mitglied der Gesellschaft oben. Ohne wirklich zu wissen warum drehte er Falks Arm noch etwas weiter nach oben.
Falk kreischte auf.
"Ich bring dich um!"
Angesichts der Machtlosigkeit dieser Drohung versp├╝rte Christian ein ├╝berraschendes Hochgef├╝hl. Jetzt war er nicht mehr der Au├čenseiter, der Getriebene, der nur auf seine Umwelt reagieren konnte. Jetzt bestimmte er das Geschehen.
"Da bin ich ja gespannt wie du das tun willst."
"Du kannst mich nicht ewig festhalten. Irgendwann musst Du mich loslassen. Und ich habe hier Freunde, Du nicht."
Ob es einfach nur das Abflauen des Adrenalinsto├čes war oder wirklich Falks Worte, wen interessiert das jetzt noch. Jedenfalls sah Christian pl├Âtzlich wieder klarer. Sein Griff lockerte sich.
Es stimmte, was Falk sagt. Damals in der Schule war Falk nie allein. Selbst wenn er mal Pr├╝gel bezog, was manchmal vorkam, irgendwann revanchierte er sich. Zusammen mit seinen Freunden. Unterm Strich gewann er immer.
Falk sp├╝rte wie der Zweifel von Christian Besitz ergriff. "Wir machen Dich sowas von fertig, das vergisst du garantiert nicht. Also lass endlich los!"
Doch was Falk noch nie begriffen hatte, Menschen denken unterschiedlich. Christian war ein Mann der Logik. Er wusste, das Falk recht hatte. Lie├č er ihn los dann w├Ąre das nur eine L├Âsung f├╝r diesen Moment. Falk w├╝rde sich revanchieren. So wie er das immer getan hatte. Und in diesem Fall h├Ątte er gegen Falks Freunde keine Chance. Der gesunde Menschenverstand verbot ihm eine solche L├Âsung. Doch was sollte er tun. Gab es denn eine Alternative zu der Entscheidung, Falk gehen zu lassen?
"Na was ist nun. Du machst es nur noch schlimmer. Wie viele Wochen willst du denn im Krankenhaus liegen? Wenn du hier heil rauskommen willst musst du mich schon umbringen!"
Umbringen. Ein abstraktes Wort ├╝ber dessen wahre Bedeutung Christian noch nie nachgedacht hatte. Aber jetzt, in diesem Moment, setzte sich diese L├Âsung in seinem Kopf fest. Lie├če er Falk los so w├╝rde er das bereuen. Fr├╝her oder sp├Ąter. Aber deswegen jemanden t├Âten? Andererseits, was ging ihn Falk an. Sollte er f├╝r ihn seine Gesundheit riskieren? Jeder Mensch ist zu Hilfeleistung verpflichtet, aber doch nur, wenn er sich dabei nicht selbst gef├Ąhrdet.
Nachdenken behindert die Reaktion. Falk nutzte Christians Denkpause um sich aus dessen Klammergriff zu befreien. Seine freie Hand griff ins Gestr├Ąuch neben sich. Es gelang ihm, sich ein wenig aus Christians Klammer zu l├Âsen. Mit einem kr├Ąftigen Ruck drehte er seinen Oberk├Ârper herum und warf Christian ab.
Ob ihm seine Flucht wirklich gelungen w├Ąre, wer wei├č. Aber er rutsche schon beim Aufspringen auf dem feuchten Gras aus und verlor ein oder zwei wertvolle Sekunden.
Sein Fluchtversuch versetzte Christian in Panik. Wie ein Tiger sprang er Falk hinterher und warf ihn r├╝ckw├Ąrts ins Geb├╝sch. Krachend st├╝rzten beide zu Boden. Falk schlug wild um sich, aber Christian gelang es wieder ihn zu b├Ąndigen. Irgendwie schaffte er es, Falks linken Arm mit seinem Brein einzuklemmen und den anderen mit seiner linken Hand fest zu halten. Mit der Rechten schlug er immer wieder in das Gesicht seines Gegners.
Irgendwann h├Ârte er auf. F├╝r einen Moment vernahm er nur das Rauschen des Regens auf den Bl├Ąttern und das leise St├Âhnen des K├Ârpers unter ihm.
"Du bist tot. Tot. Tot."
In diesem Moment wurde Christian endg├╝ltig bewusst, was er getan hatte. Die Panik wandelte sich in eiskalte Erkenntnis. Sein Geist schaltete jedwedes Gef├╝hl ab. Er war jetzt nur noch reine, klare Logik. Sollte er sich von diesem Abschaum sein Leben versauen lassen?
Er kannte das Gef├╝hl, das sich jetzt in ihm breit machte. Es ging von seinem Kopf aus. Intelligenz beherrscht Panik. Bisher war ihm das aber nur in harmloseren Situationen passiert. Einer Pr├╝fung, einer Auseinandersetzung mit einem Chef.
Hastig blickte er sich um. Nat├╝rlich war niemand zu entdecken. Das n├Ąchste Haus war mindestens 300 meter entfernt. Es regnete inzwischen in Str├Âmen und es war stockdunkel.
Unter seiner linken Hand sp├╝rte er einen weichen Druck. Irgend jemand hatte hier seinen M├╝ll in einer gro├čen Supermarkt-T├╝te entsorgt. Er erstickte Falks wieder aufflammenden Widerstand mit zwei weiteren Schl├Ągen. Dann setzte er sich so auf dessen Oberarme dass er sie nicht mehr bewegen konnte. Jetzt hatte er beide H├Ąnde frei um die M├╝llt├╝te auszuleeren. Ein Moment des Z├Âgerns, dann dr├╝ckte er die T├╝te auf Falks Gesicht.
Benommen von Christians Schl├Ągen begriff nicht was ihm widerfuhr. Seine Gegenwehr war schwach. Auch als ihm die Luft knapp wurde und er seinen Kopf panisch hin- und her warf hatte Christian keine M├╝he, die Folie fest an Falks Gesicht zu pressen.
Zeitgef├╝hl besa├č Christian keines mehr. Irgendwann erstarben Falks Bewegungen. Christian nutzte die Gelegenheit, die T├╝te ├╝ber den Kopf seines Opfers zu ziehen und mit einem St├╝ck Schnur aus dem ausgesch├╝tteten Abfall um den Hals zu verknoten.
W├Ąhrend der ganzen Zeit brachte er es nicht fertig, Falk anzusehen. Sein Blick ging krampfhaft ins Leere, er agierte nur nach Gef├╝hl. Erst als Falks Gesicht verh├╝llt war konnte er den K├Ârper unter sich wieder betrachten.
Falk war nicht mehr. Sein K├Ârper lag reglos da. Christians Atem wurde ruhiger. Falk war ein Problem, das er gel├Âst hatte. Sein Verstand ├Âffnete sich den neuen Aufgaben.
Falk w├╝rde niemand vermissen. Er musste den K├Ârper verschwinden lassen. Einige Tage oder Wochen w├╝rden reichen. Der Regen war stark genug, alle Spuren zu verwischen.
Christian ging den Weg auf und ab. Niemand war zu sehen. Auf der anderen Seite erhob sich der Erdwall des aufgesch├╝tteten Beckens. Einige provisorische, schlammbedeckte Stufen aus Holzbalken f├╝hrten an den oberen Rand. Vorsichtig erklomm er sie. Oben angekommen verschlug ihm der Gestank der Schlammbr├╝he den Atem. Unten hatte er nichts gesp├╝rt, der Regen schlug den penetranten Geruch zu Boden. Aber hier oben sprang er ihn f├Ârmlich an. Vor ihm platschte der Regen in den dickfl├╝ssigen Schlamm. F├╝r Sekunden erschienen kleine Krater die dann sofort wieder von der schwarzen Masse aufgesogen wurden. Das ideale Versteck.

Zuerst versuchte er, den toten K├Ârper an den Beinen ├╝ber den Weg zu ziehen. Auf dem nassen, rutschigen Gras schaffte er das noch. Aber der steinige, raue Boden des Fu├čwegs zwang ihn, Falks Oberk├Ârper zu umfassen. Die wenigen Meter bis zum oberen Rand des Beckens nahmen ihm seine letzten Kraftreserven. Er lie├č den Toten auf den breiten Rand des Beckens liegen.
An der Biegung des Wegs sperrte ein Absperrband ein St├╝ck Wiese und den dahinter liegenden Bach ab. Vergessenes Werkzeuge lag herum.
Christian griff sich eine verrostete Spitzhacke und riss das rot-wei├če Absperrband von den Stahlst├Ąben ab. Nach kurzem ├╝berlegen zog er auch noch die drei Stahlpfosten aus der Erde. Sich immer wieder umblickend schleppte er seine Beute zur Leiche. Er hatte immer noch Probleme, den toten K├Ârper zu ber├╝hren. Mit spitzen Fingern f├Ądelte er die langen Pfosten unter Falks Sweatshirt und dessen Hosenbund. Sie rechten bis zu den Knien. Der Stiel der Spitzhacke fand seien Platz unter dem G├╝rtel. Das Plastikband, mehrfach um den Leib gewickelt und verknotet, fixierte alles an seinem Platz.
Ganz zum Schluss versuchte er, den K├Ârper mit den F├╝├čen in das Becken zu rollen. Aber der schlaffen K├Ârper hatte sich an dem feuchte Boden fest gesaugt. Mit letzter ├ťberwindung griff Christian unter den Toten und rollte ihn die kurze B├Âschung hinab in die dunkle Br├╝he.
F├╝r einen Moment schwamm das dunkle B├╝ndel noch oben auf. Die Jacke bl├Ąhte sich auf und es schien, als w├╝rde der Tote auf dem Schlamm treiben wollen. Aber dann fand die eingesperrte Luft blubbernd einen Weg nach drau├čen. Die Stahlgewichte taten ein ihres und der K├Ârper verschwand. F├╝r einen Moment zogen Wellen ├╝ber das Wasser, bevor sie von den vielen kleinen Schwingungen der Regentropfen ausgel├Âscht wurden.
Kaum war Falk versunken ├Âffnete der Himmel seine letzten Schleusen. Der Regen prasselte wie aus einer Dusche. Als ob er daf├╝r sorgen wollte, Falks letzte Spuren von dieser Welt zu tilgen.
Christian hielt seine verschmutzten H├Ąnde in den Himmel. Dreck tropfte herab und verschmierte seine Sachen noch mehr. Aber es war ihm egal. Er sp├╝rte die K├Ąlte nicht. Der Regen wusch die letzten Spuren von Schuld aus seinen Gedanken. Ruhig, beinahe erleichtert, ging er die wenigen Schritte zu seinem Fahrrad.


Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Soean
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2017

Werke: 1
Kommentare: 62
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Soean eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hi,

in Ans├Ątzen finde ich die Geschichte ganz gut. Ich verstehe nur das Motiv f├╝r den Mord nicht so ganz.

Ich versuche mich einmal ein bisschen an Textarbeit. Im ersten drittel sind mir folgende Sachen aufgefallen:

quote:
Von Jahr zu Jahr hasste er mehr der vielen Dinge um sich herum
Das w├╝rde ich einfacher schreiben. Die vielen Dinge um sich herum, hasste Christion von Jahr zu Jahr mehr. Ich pers├Ânlich finde das klingt etwas fl├╝ssiger.

quote:
Zuerst, noch als Sch├╝ler, das winzige Zimmer im genau so winzigen und alten Siedlungshaus seiner Eltern. Sp├Ąter dann als Student die Erkenntnis, dass sein Baf├Âg nicht f├╝r ein eigenst├Ąndiges Leben in der gro├čen Stadt reichen w├╝rde
Diesen Satz musste ich ein paar Mal durchlesen, um ihn zu verstehen.

quote:
Er hasste die Tatsache, dass seine Eltern ihn finanziell nicht unterst├╝tzen konnten. Er hasste die spie├čigen Nachbarn und er hasste seine ehemaligen Schulkameraden
Das ist Dir richtig gut gelungen. Durch die wiederholung von "Er hasste" wird seine Situation und sein unwohlsein gut deutlich! Ich mag solche Anaphern.

quote:
Und so nahm er trotz der Dunkelheit den k├╝rzeren Weg durch den Park und die angrenzende Flussaue

Einen k├╝rzeren Weg als was? Hier fehlt der Bezug f├╝r k├╝rzeren. Ich w├╝rde einfach "k├╝rzesten" nehmen und schon ist alles gut ;-)

quote:
Der Scheinwerfer seines Rades flackerte im Takt des quitschenden Dynamos. Der setzte bei jeder Umdrehung des abgenutzten R├Ądchens f├╝r einen Moment aus. Christian st├Ârte das nicht, er kannte den Weg
Mich st├Ârt es generell, wenn das Licht am Fahrrad nicht richtig funktioniert, egal ob ich den Weg kenne, oder nicht ;-)

quote:
Es war durchaus logisch, bei diesem Wetter in der dunklen, weil nicht von Stra├čenlaternen beleuchteten Aue nicht mit weiteren Passanten zu rechnen
Eieiei....diesen Satz musste ich ein paar mal lesen. Ich w├╝rde folgendes Schreiben: Es war durchaus logisch, bei diesem Wetter in der dunklen, nicht beleuchteten Aue, auf keine Passanten zu treffen

Im weiteren Verlauf trifft er aber auf Falk. Ich w├╝rde das Wort Logisch ├╝berdenken und gegen ein anderes Wort ersetzen. Vielleicht gegen Unwahrscheinlich

quote:
Und so entzog es sich auch seiner Kenntnis, dass in den letzten Jahren im Schutze der Dunkelheit und der verwilderten Natur die eine oder andere, nicht wirklich Tageslicht taugliche, Transaktion abgewickelt wurde. In der einzigen scharfen Kurve auf seiner Strecke wurde ihm dieses mangelnde Wissen zum Verh├Ąngnis.
Ich finde das richtig gut gemacht. Auch das Wort Transaktion, wenn es in Verbindung mit einem Diebstahl oder diversen Dealereien geht. Aber im sp├Ąteren Verlauf wird nur klar, DAss Falk dort herum l├Ąuft und angefahren wird. Hieraus entsteht dann der Konflikt. Aber nicht in Verbindung mit einem Diebstahl oder dergleichen. Und schon passt das Wort Transaktion leider ├╝berhaupt nicht mehr.

quote:
Vor Jahren waren besuchten sie die selbe Schule
??

quote:
Erfahrung in k├Ârperlichen Auseinandersetzungen, aber er war nicht zimperlich, hinreichend kr├Ąftig und besa├č eine gute Koordination
Du wiederholst sehr oft, warum Christian mitlerweile sehr kr├Ąftig ist. Klar kannst Du das einmal erw├Ąhnen. Hiernach w├╝rde ich die vielen Adjektive in die Handlung einbauen, sodass dennoch klar wird, dass er kr├Ąftig ist.

quote:
Christian f├╝hlte sich nicht wohl. Er hielt sich f├╝r einen friedlichen Menschen. Aber in diesem Moment gefiel es ihm, dass Falk wehrlos unter ihm lag

Dass sich Christian whrt, hei├čt ja nicht unbedingt, dass er nicht mehr friedlich ist. Vielleicht l├Ąsst er sich nicht mehr alles gefallen, weil er selbstbewusster ist. Aber, wer angegriffen ist, darf sich zum eigenschutz wehren. Anders w├Ąre es, wenn er Falk angreift und nicht umgekehrt.

quote:
Der Abschaum unten, er als wertvolles weil intelligentes und arbeitsames Mitglied der Gesellschaft oben
Das ist sehr sehr umgangssprachlich. Pack das ganze in einen Gedanken, wie Christian das sieht und stell den Satz ein bisschen um.

quote:
Jetzt war er nicht mehr der Au├čenseiter
Dem kann ich nciht ganz folgen. Auch wenn Christian sich wehrt, kann er dennoch ein Au├čenseiter bleiben. Vielleicht h├Ąttest Du das mit dem Au├čenseiter auch vorher schonmal erw├Ąhnen k├Ânnen.


Alles in allem finde ich, hat die Story potential, wobei mir Christians Motiv fehlt und mich pers├Ânlich viele Sachen zum stocken bringen.



__________________
Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wer wagt, dem wird gesagt: Er spinnt!

Bearbeiten/Löschen    


Choricillo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2017

Werke: 1
Kommentare: 75
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Choricillo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Motiv und Interpretation

Mir hat die Geschichte bis auf einige Kleinigkeiten (die mir beim Lesen aufgefallen sind, die ich aber inzwischen vergessen habe) gut gefallen!

Das Motiv war fuer mich auf Anhieb deutlich, was nicht heissen soll, dass dies dem Text die Spannung nimmt.

Der Kampf ist detailliert beschrieben (da werde ich fast neidisch, hehe), und das ist gut so. Immerhin ist gerade Christians Gewaltausbruch ja das vordergruendige Thema.

Ich wuerde sogar noch so weit gehen und behaupten, dass die Ursache fuer Christians Reaktion nicht nur der aufgestaute Frust, sondern auch eine gewaltige Portion "angelernter" Angst ist. Ohne die Angst vor einem Widertreffen mit Falk und seinen Mannen, wer weiss ob es zu der Affekthandlung gekommen waere?

Auch der Titel ist logisch erfasstbar.

Bleibt nur die Frage nach dem DANACH... Wird Christian mit seiner Tat fertig? Kommt er ungeschoren davon?

Ich personlich wuerde ihn gerne zur Rechenschaft ziehen

Hoffentlich bis zum naechsten Krimi!

Gruss
Choricillo
__________________
It always seems impossible until it's done (Nelson Mandela)

Bearbeiten/Löschen    


6 ausgeblendete Kommentare sind nur f├╝r Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zur├╝ck zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung