Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5551
Themen:   95257
Momentan online:
437 Gäste und 14 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Cowboy und Indianer
Eingestellt am 27. 07. 2017 13:58


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
G. R. Asool
???
Registriert: Apr 2017

Werke: 9
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um G. R. Asool eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Sommer flimmerte über der Prärie. Die Sonne schien auf Stummer-Bruders dunkle Haut und ließ sie glänzen. Er tunkte seine Finger in die rote Farbe. Langsam zog er die typischen Streifen unter seine Augen. Zwei links. Einen rechts. Die Kriegsbemalung war perfekt. Sein Gesicht hatte diesen weisen emotionslosen Ausdruck, den nur ein echter Indianerkrieger haben konnte. Mit wissender Überlegenheit sah er auf sein Opfer hinab.
    Nina lieĂź ein leises Wimmern hören. Sie zerrte an ihren Fesseln. Tränen schossen ihr in die Augen. Die pinken Scheuermale an ihren Handgelenken brannten.
    â€žLass’ mich gehen, ich mag nicht mehr!“
    Stummer-Bruder blieb seinem Namen treu und sagte nichts. Stattdessen verfiel er in einen Hyänengesang. Sein Kampfschrei kreischte ĂĽber die Ebene und der Kriegstanz um den Totem begann.
    â€žIch will zu meiner Mama!“ schniefte Nina.
    â€žDas ist meine Squaw!“ Der mächtige Federschmuck von Blasses-Wasser warf seinen Schatten auf Ninas angstverzerrtes Gesicht. Eine dicke Träne lief ihr ĂĽber die Wange. Stummer-Bruder jedoch blieb stumm. Gekonnt ignorierte er seinen Häuptling und tanzte in wilder Manier weiter.
    â€žDas ist meine Squaw!“ donnerte Blasses-Wasser seinen Stammesbruder entgegen.
    â€žIch gehöre niemandem, lasst mich geh’n!“ Nina begann jetzt hemmungslos zu weinen.
    â€žKeine Widerrede, Squaw! Du bist mein.“
    â€žIst sie nicht! Mach’ sie los!“ selbstbewusst und betont o-beinig betrat Craig die Szenerie. Der Stern an seiner Brust verlangte funkelnd nach Respekt. Sein verfilztes Haar lugte zottelig unter seinem Hut hervor.
    WĂĽtend drehte sich der Häuptling um und schnaubte das Schnauben eines SilberrĂĽcken-Gorillas, auch wenn er einem nicht im Geringsten ähnelte.
    â€žIch wiederhole mich nur ungern.“ Craig legte die Hand auf den Kolben seines Revolvers, als mĂĽsste er ihn zurĂĽckhalten wie ein wildes Pferd.
    â€žVerschwinde du hässliches Bleichgesicht!“
Der Sheriff zögerte nicht. Er war der Schnellste im ganzen Westen. Schneller als sein Schatten zog er und drückte ab. „Peng-Peng!“
    â€žIch hab’ gesagt geh’ weg! Hugh, der groĂźe Häuptling Blasses-Wasser hat gesprochen.“
    â€žDu kannst nicht reden. Du bist tot. Fall jetzt gefälligst um. Ich hab dich erschossen.“
    â€žNein, hast du nicht.“
    â€žDoch!“
    â€žNein, ich bin ausgewichen!“
    â€žStimmt ja gar nicht!“
    â€žStimmt ja wohl! Du hast es nur nicht gesehen, weil ich so schnell bin. Schneller als das Licht.“
    â€žNa und! Ich hab’ mit Wärme-Such-Kugeln geschossen. Die treffen immer!“
    â€žDie sind aber nicht schneller als das Licht. AuĂźerdem bin ich unbesiegbar!“
    â€žManno, du bist doof! Und ein Spielverderber! Ein doofer Spielverderber!“
    Einer solchen Beleidigung hatte Blasses-Wasser nur noch Gewalt entgegenzusetzen. Wut kochte in ihm hoch und ĂĽbernahm die Kontrolle. Ein Schalter wurde in ihm umgelegt. Mit zwei langen Schritten kam er auf Craig zu gestĂĽrmt. Wie eine kleine Lok unter Volldampf rammte er den dĂĽnnen Sheriff und schubste ihn heftig. Der Cowboyhut flog durch die Luft. Craig fiel hart auf den Hintern und ĂĽberschlug sich. Heulend vor Schreck und Ă„rger blieb er im Gras liegen.
    Stampfend drehte sich der Häuptling um, um Stummer-Bruder seinen Standpunkt mit der gleichen Vehemenz klar zu machen. Doch der lieĂź sich nicht so leicht einschĂĽchtern. Immerhin war er ein gefĂĽrchteter Krieger und einen Kopf größer. Einen Moment standen sich die beiden Indianer gegenĂĽber und starrten sich an. Blasses-Wasser machte einen Schritt. Stummer-Bruder hob seinen selbst geschnitzten Tomahawk drohend ĂĽber den Kopf. Noch ein Schritt. Blitzartig wurde das Kriegsbeil durch die Luft geschleudert. Es traf den Häuptling zielsicher zwischen die Augen und stoppte Blasses-Wasser mitten im dritten Schritt. Die Haut platzte auf und der eben noch so stolze Häuptling ging jaulend zu Boden. Blut lief auf sein Lieblingsshirt und ruinierte es.
    Nina weinte, immer noch am Totem gefesselt. Craig saĂź heulend im Gras. Blasses-Wasser jaulte und hielt sich die Stirn. Stummer-Bruder blieb seinem Namen gerecht und sagte nichts. Stattdessen trat er die Flucht an. Er drehte sich um und rannte Frau Admony direkt in die Arme. Alarmiert von den drei kleinen Sirenen war sie herbei geeilt.
    â€žKinder, was soll denn das!?“ Sie packte Stummer-Bruder am Arm. „Schon wieder ihr drei! Mit euch hat man immer Ă„rger. Mach’ sofort die arme Nina los und dann ab zum Direktor mit dir!“ kommandierte sie den Größten der Mini-Indianer herum, während sie sich um den verletzten Häuptling kĂĽmmerte.
    â€žUnd du auch!“ befahl sie dem schluchzenden Sheriff.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung