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Leselupe.de > Horror und Psycho
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Eingestellt am 28. 03. 2006 16:23


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nemo
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Setzt euch mes amis, ich habe von einem traurigen Fall zu berichten. Doch schenkt mir erst ein gutes Glas Wein ein und lasst mich ein wenig meine alte Haut am Feuer des Kamins w├Ąrmen. Ich habe eine lange und beschwerliche Reise hinter mir und meine Knochen w├╝nschen sich nichts mehr als ein weiches Bett, doch ich bin zutiefst von einer Geschichte ersch├╝ttert, die mir w├Ąhrend der Reise von einem Priester zugetragen wurde und ich muss sie mir einfach von der Seele reden. Haben sie ein wenig Geduld mit einem alten Mann und schenken sie mir ein wenig ihrer Zeit.

Es begann vor gut drei├čig Jahren im Paris der Jahrhundertwende. Es war die Belle-├ëpoque, die Bl├╝tezeit der Metropole, die zur Stadt der K├╝nstler und der Intellektuellen erhoben wurden.
Der junge Maler Raymond Leblanc, vielleicht haben sie schon von ihm geh├Ârt, war gerade zwanzig Jahre alt geworden, und, wie bei jungen K├╝nstlern nicht un├╝blich, dem dekadenten Nachtleben unserer sch├Ânen Hauptstadt verfallen. Er trank, liebte und lebte. Mit vollen H├Ąnden sch├Âpfte er die neue Offenheit, den Wein und nat├╝rlich auch die Liebe der M├Ądchen. Eines morgens wachte er mit einem Kopf schwer wie ein Sack Mehl auf. An das, was ihm die letzte Nacht widerfahren war, konnte er sich kaum entsinnen. Seine Erinnerrungen waren ein Wirrwarr von Gesang, Gel├Ąchter, weichen Frauenbr├╝sten und Wein. Ganz behutsam stieg er aus seinem Bett. Leblanc bewohnte ein kleines Dachgeschosszimmer an der Place Pigalle; sp├Ąrlich eingerichtet war es, mit einem Schrank, einem Bett und einer Waschecke. Unter dem einzigen Fenster des Raumes war sein Atelier, das eigentlich nur aus einigen Staffeleien und einem alten Tisch bestand, auf dem ein buntes Chaos aus Farben, Leinw├Ąnden und verdreckten T├╝cher lag. Es war ein kalter Morgen und der alte Holzofen war mangels Brennmaterial ausgegangen. Leblancs Blick wanderte durch das karge Zimmer und blieb bei einer seiner Staffeleien h├Ąngen, denn dort stand ein Bild, das er bisher noch nie gesehen hatte. Er ging mit verwunderte Miene und barfu├č auf das Bild zu. Der Boden strahlte, von der darunter gelegenen Wohnung, eine angenehme W├Ąrme aus. Raymond Leblanc blieb vor dem Bild stehen und musterte es. Es war ganz klar sein Stil, seine Pinself├╝hrung und seine Signatur, die am unteren Teil des Gem├Ąldes zu erkennen war. Er dachte angestrengt nach, konnte sich aber nicht daran erinnern, dieses ├ľlbild jemals gemalt zu haben. Umso erstaunlicher war es, dass er, der eigentlich vorrangig Landschaften und Geb├Ąude zeichnete solch ein gelungenes Portr├Ąt hervor gebracht hatte. Es zeigte eine wundersch├Âne Frau mit langen dunklen Haaren, gro├čen fragenden Augen und einem L├Ącheln zart wie die ersten Fr├╝hlingsknospen. Im Hintergrund war ein Rosenbeet zu sehen, in einem satten Rot gehalten, das einen markanten Kontrast zu ihrem blassen Teint bildete. Je l├Ąnger er das Bild betrachtete, desto tiefer versank Leblanc in das feenhafte Gesicht. Es geschah nun etwas, das sein ganzes Leben ver├Ąndern sollte: er verliebte sich. Er nahm dieses Bild als ein Zeichen wahr, das ihm die Aufgabe vermittelt hatte, dieses M├Ądchen ausfindig zu machen und um ihre Hand anzuhalten. Er wusch sich, warf seinen Mantel um seine schm├Ąchtigen Schultern und ging hinaus in die Stadt, um das M├Ądchen auf dem Bild zu suchen. Schwer gezeichnet vom fehlenden Schlaf zog er in den darauf folgenden Wochen durch die Stra├čen der Metropole. Oft meinte er aus den Augenwinkeln die Frau zu entdecken, wurde dann von einer unglaublichen Freude ├╝berw├Ąltigt, nur um Sekunden sp├Ąter in ein tiefes Loch zu fallen, als ihm klar wurde, dass er sich die ├ähnlichkeit nur eingebildet hatte.
Monate vergingen und die Jahreszeiten zogen an Leblanc vorbei, wie ein Schwarm Zugv├Âgel auf dem Weg in den S├╝den. Er a├č kaum noch und verlor rapide an Gewicht. Die Zweifel zerfra├čen ihn von innen heraus und er wurde immer mehr zu einem Schatten seiner Selbst, denn seine krankhafte Suche verlief immer noch erfolglos. Das Malen hatte er aufgegeben, denn f├╝r einen K├╝nstler ist das Herz wichtiger als jedes Talent und dort, wo sich einst das seine befand, war nur noch ein schwarzer Klumpen unerf├╝llter Hoffungen.

Eines tristen Herbstabends entschied er sich dann, sich das Leben zu nehmen, denn die Suche hatte ihn ausgelaugt und jegliche Lebensfreude war von ihm gewichen. Er betrachtete noch einmal das Bild, das er so oft schon zerschmettern wollte, wobei es ihm jedes Mal an der n├Âtigen Konsequenz und dem Mut mangelte. Er drehte es um, befestigte ein Seil an einem der Dachbalken, stellte sich auf einen Stuhl, legte sich die Schlinge um den Hals und stie├č mit dem Fu├č den Stuhl zur Seite. Dass er sein Vorhaben ├╝berlebte, verdankte er vor allem dem Alter des Geb├Ąudes, der morsche Balken, den er als Tr├Ąger seines Gewichts ausgesucht hatte, ├Ąchzte und brach. Leblanc st├╝rzte zu Boden und ein Teil des Balkens auf seinen Sch├Ądel. Zum Gl├╝ck vernahm seine Nachbarin den L├Ąrm, fand ihn bewusstlos im eigenen Blut liegend und holte Hilfe. Nach diesem Vorfall lernte Leblanc schleppend, wieder zu leben. Das Bild der Frau landete unter seinem Bett, denn er brachte es nicht ├╝bers Herz, es zu verkaufen oder gar zu vernichten. Ab da an verlief sein Leben in ruhigeren Bahnen und er begann wieder zu Malen. Er bekam einige Auftr├Ąge eines hochgestellten Stadtbeamten und machte sich allm├Ąhlich einen Namen als Landschaftsmaler. Er verfiel der Arbeit, die ihm half zu vergessen. Er kaufte sich ein Haus au├čerhalb der Stadt, ehelichte Julie Fontaine, die Tochter eines Richters, und einige Monate nach der Hochzeit wurde ihr erstes und einziges Kind, Gisele, geboren. Leblanc hatte Julie bei einer Theatervorstellung kennengelernt - eine Truppe aus Marseille spielte ÔÇ×Der eingebildete KrankeÔÇť von Moliere ÔÇô und w├Ąhrend Leblanc sich w├Ąhrend der Pause mit dem Regisseur des St├╝cks unterhielt, fiel ihm eine schwarzhaarige Sch├Ânheit auf, die sch├╝chtern an einem Glas Champagner nippte; es war zweifelsohne eine gewisse ├ähnlichkeit zu der Frau des Bildes vorhanden. Julie Fontaine hatte langes schwarzes Haar und gro├če nussbraune Augen, ihre Haut hatte einen nat├╝rlich blassen Teint und ihr unsicheres L├Ącheln strahlte solch eine Sanftheit aus, dass es um Leblanc geschehen war. Er machte ihr in den n├Ąchsten Wochen nach jeder Regel der Kunst den Hof und hielt eines Abends, nach einem ausgiebigen Mahl in einem edlen Pariser Restaurant, um ihre Hand an. Julie weinte und sagte schluchzend vor Gl├╝ck zu. Die Leblancs verbrachten die n├Ąchsten acht Jahre ein gl├╝ckliches Familienleben. Doch als eines Tages Raymond auf dem Dachboden seines Hauses auf das Bild stie├č, riss die alte Wunde in seiner Seele erneut auf und es dauerte nicht lange, da war er wieder in dem Sumpf der Trauer versunken, aus dem er sich einst erfolgreich befreit hatte. Er stellte das Bild in das eheliche Schlafzimmer und seiner Frau blieb sein seltsames Verhalten nicht verborgen. Nach etlichen Disputen mir ihrem Mann, wurde ihr allm├Ąhlich klar, dass Raymond sie nur wegen der ├ähnlichkeit zu einer Frau liebte, die er im Alkoholwahn gemalt hatte. Sie verlie├č sie ihn, und zog mit ihrer Tochter Gisele zur├╝ck nach Paris. Als die beiden von der Kutsche abgeholt wurden, blickte ihr Leblanc aus dem Fenster seines Arbeitszimmers nach. Es war das letzte Mal, dass er sie sehen sollte. Wie eine Schnecke zog er sich zur├╝ck und verlie├č sein Haus nur noch f├╝r seine t├Ąglichen Spazierg├Ąnge im Garten. Zur Scheidung schickte er seinen Anwalt, der sp├Ąter immer mehr sein einziger Kontakt zur Au├čenwelt werden sollte. Seine Kunst wurde dunkler und depressiver, eine Tatsache, die ihn von den vielen anderen K├╝nstlern der Stadt abhob, die dem Geschmack der Zeit folgend, helle und lebenslustige Bilder malten. Seine Sch├Âpfungen waren, gerade in vornehmen Kreisen, sehr gefragt. Er lebte wie ein Eremit, eingeschlossen in den Mauern seines Anwesens. Die einzigen Menschen, die er sah, waren sein Anwalt und die Bediensteten, deshalb hatte bereits den Ruf eines verschrobenen und exzentrischen K├╝nstlers. In seinem Garten hatte er Rosen anbauen lassen und oft sa├č er dort, starrte stundenlang auf den roten Blumenteppich.

F├╝nfzehn Jahre vergingen, nicht ohne Spuren an Leblanc zu hinterlassen. Er war d├╝rr geworden, ein menschliches Gerippe, und sein Haar hatte die Farbe von Neuschnee angenommen und das, obwohl er noch nicht mal f├╝nfzig Jahre alt war. Doch seine innere Unzufriedenheit und die Liebe zu etwas, das er nie fand, zerm├╝rbten ihn. Des Nachts konnten die Angestellten h├Âren, wie er sich in seinem Arbeitszimmer, in dem er auf einem alten Divan schlief, angeregt mit jemandem unterhielt. Nat├╝rlich war es die Frau auf dem Bild, mit der er sprach und manchmal schrie er sie auch aus vollem Halse an. Kurz vor seinem f├╝nfzigsten Geburtstag wurde Leblanc krank. Die besten ├ärzte der Stadt kamen und nach gr├╝ndlicher Untersuchung, gaben sie ihm noch knapp sechs Monate zu leben. Doch Leblanc war z├Ąh wie Ziegenleder und es dauerte weitere drei Jahre bis die Erkrankung ihn ans Bett fesselte. Aber keiner kann seinem Schicksal entfliehen und so kam es dann, dass eines Tages ein Priester f├╝r die letzte ├ľlung gerufen wurde; genau der Priester, dem ich auf dem Weg von Paris hierhin begegnete und der mir diese Geschichte erz├Ąhlte. Leblanc war steif wie ein St├╝ck Kernseife, von der Krankheit gezeichnet und dem Tod schon nahe. Seine Augen waren tief in zwei dunkle H├Âhlen Versunken, seine Lippen br├╝chig, seine Erscheinung eingefallen. Der Geistliche betrachtete kurz das Bildnis einer wundersch├Ânen Frau, das ├╝ber dem Bett hing, kniete nieder und fing an zu beten. Die T├╝r des Zimmers wurde ge├Âffnet und eine junge Dame betrat den Raum. Sie stellte sich als Gisele Leblanc vor, Raymond Leblancs Tochter. Sie war von zierlicher Gestalt, trug ein schwarzes seidenes Kleid und bewegte sich sch├╝chtern und grazil. Sie nahm Leblancs Hand in die ihre und eine Tr├Ąne rollte ├╝ber ihr err├Âtetes Gesicht, ein Gesicht, das dem auf dem ├ľlbild ├╝ber Leblancs Totenbett glich wie eine Zwillingsschwester. Raymond Leblanc sp├╝rte die sanfte Ber├╝hrung seiner Hand und ├Âffnete ein letztes Mal die Augen. Er verstarb mit einem L├Ącheln auf den Lippen.

So mes amis, vielen Dank, dass ihr zu so sp├Ąter Stunde noch die Mu├če hattet, mir zuzuh├Âren. Ich f├╝hle mich nun erleichtert, aber auch m├╝de. Es ist an der Zeit zu Bett zu gehen, denn morgen erwartet uns ein gesch├Ąftiger Tag. Vielen dank noch einmal f├╝r den guten Wein. Ich hoffe nur, er beschert mir eine traumlose Nacht. Bonne nuit.


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:nemo

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Nina H.
???
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Eine wirklich beeindruckende Geschichte! Hat mir echt gut gefallen - ohne wenn und aber.

Nur ein paar Tippfehler sind drin.
Ich lese die Geschichten ja meist offline und spiele mich da nicht mit den Korrekturfunktionen des Forums, also wenn du ein paar Hinweise zu Tippfehlern w├╝nscht, sende ich dir die Geschichte einfach als Mailanhang zu. (Musst dich halt melden - meine Mailadresse ist N_H[@]lycos.at)

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mye
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hallo,

auch mir gef├Ąllt die geschichte, wobei ich schon sagen muss, dass die unz├Ąhligen rechtschreibfehler den lesefluss absolut st├Âren.
ja, man ist nat├╝rlich bis zum ende hin gespannt und deine idee, mit der du die geschichte dann beendest, ist auch recht nett, erinnert mich in gewisser weise an den wunderbaren film OLDBOY... nun ja, jeder hat so seine assoziationen. mir gefallen au├čerdem deine vergleiche!
weniger gefallen hat mir daf├╝r die art und weise, wie du im hauptteil erz├Ąhlst. das liest sich, als w├Ąrst du eine stichpunktliste beim schreiben abgegangen!

LG
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man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

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Nina H.
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 0
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OK, die korrigierte Geschichte wurde versendet (nach Kontaktaufnahme per Mail). Ich hoffe, dass das hilfreich war.
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nemo
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@Nina
Vielen Dank f├╝r die M├╝he.

Text ist nun korrigiert.

mfg - nemo
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