Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5538
Themen:   94766
Momentan online:
297 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Das Haus in dem ich aufwuchs
Eingestellt am 25. 01. 2016 22:16


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Hale-Bopp
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jun 2013

Werke: 12
Kommentare: 15
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Hale-Bopp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich erinnere mich an ein Haus mit wei├čen Steinmauern, ein altes Haus, aber mit moderner wei├čer Farbe ├╝berpinselt, unter der nur fleckenweise das Braun des eigentlichen Steins hervorbrach. Vor dem Haus standen zwei B├Ąume, keine prachtvollen majest├Ątischen B├Ąume, aber doch zwei sch├Âne, schlanke St├Ąmme mit lichtgr├╝ner Krone, die abends vor meinem Fenster rauschten und deren Laub im Herbst vor unsere T├╝re gesp├╝lt wurde.
Hinter dem Haus lag ein Hof; eine d├╝stere Lagune, in der Unkraut aus grauem Pflaster spro├č und sich Wolken in Pf├╝tzen spiegelten; nicht weit davon eine Reihe anderer H├Ąuser, Wacht├╝rmen gleich die kleine Fl├Ąche umstellend, jedes von ihnen im gleichen Alter wie das unsrige.
Ich lebte im Haus mit einer Mutter, mehreren Kindern, von denen jedoch nicht alle meine Geschwister waren, und vielen, vielen Schatten. Die Schatten schwebten um uns herum, w├Ąhrend wir a├čen und sie flogen durch mein Zimmer, wenn ich schlief, doch nie ├Ąngstigte ich mich vor ihnen. Ich sah sie als Freunde, und manche Nacht sa├č ich aufrecht in meinem Bett und starrte in die gl├╝henden Augen eines Schattens in der Ecke meines Zimmers und eine Weichheit erf├╝llte mich, als w├╝rde ich in die Nacht zerflie├čen. Manchmal begann ich in meinem Bett zu schweben; ich erhob mich dann einfach im Schneidersitz in die L├╝fte und sa├č so einige Zentimeter ├╝ber der Bettdecke in der Luft.
Tags├╝ber jedoch tollten die Kinder durch das Haus und ich tollte mit ihnen, ich war doch selbst noch ein Kind, ein kleiner schm├Ąchtiger Junge mit entz├╝ndeten Augen, dem die W├Ąnde des Hauses und die B├Ąume vor dem Haus und die Wolken im Hinterhof nicht weniger lieb waren als die anderen Kinder. Und vielleicht war es deswegen, dass mir die Gesichter der anderen immer wieder verschwammen und ich mir nie sicher war, wie viele Kinder es waren und wer welchen Namen hatte und wer davon meine Geschwister waren. Und manches Mal gr├╝├čte ich Abends eines der anderen Kinder, um dann zu sehen, dass ich nur einen der Schatten gegr├╝├čt hatte, eine kleine geb├╝ckte Gestalt mit langen kralligen H├Ąnden, die in der Ecke meines Zimmers kauerte und dem lange d├╝stere Haare das Gesicht verbargen.
Wenn es Winter war, tobten wir im Hinterhof, bewarfen uns mit Schnee und blickten hinauf in den grauen Himmel, bis uns Mutter hineinrief, um uns Suppe aufzutischen. Und im Sommer sa├č ich gerne in der br├╝tend hei├čen K├╝che und schaute aus dem Fenster hinaus zu dem orangengoldenen Band, das sich abends auf die D├Ącher und B├Ąume legte.
Mutter brachte dann oft Fr├╝chte, goldschw├╝rige, ├╝berreife Fr├╝chte, aus denen der Saft rann, und mir schien es, als platze die Sonne selbst in meinem Munde und s├╝├čer Sonnensaft tr├Ąufle mir ├╝bers Kinn. Golden gl├╝hte das Licht durchs Fenster in die K├╝che und Staubpartikel umrahmten die Gesichter der Kinder und meiner Mutter.
Vor allem aber liebte ich die beiden B├Ąume im Sommer. Ihr Stamm schien dann besonders schlank und kr├Ąftig und an besonders hei├čen Tagen kam es vor, dass der Saft aus dem Holz herauskochte.
Manchmal blieben beim Spiel unsere F├╝├če in den Pf├╝tzen von Harz kleben und mit gro├čem Gel├Ąchter musste dann das entsprechende Kind seinen Fu├č aus dem Schuh l├Âsen und diesen anschlie├čend aus der klebrigen Masse herauszerren. Und in der hereinbrechenden D├Ąmmerung thronten die ersten Schatten in den Baumkronen und sahen mit belustigten Raubvogelaugen auf das Treiben unter ihnen.
Aber nicht immer gab es bei uns Gel├Ąchter und Spa├č, sondern oft auch Streit. Da war ein gro├čer, st├Ąmmiger Junge mit rostbraunem Haar, der sich als Anf├╝hrer f├╝hlte und sich zu diesem Zweck aus dem Zweig eines der B├Ąume ein Zepter gefertigt hatte, mit kleinen Perlen dran. Es war ein forscher Ausdruck in seinen Augen und wenn wir Kinder dar├╝ber stritten, was gespielt werden sollte, verstand er es, uns mit scharfsichtigen Bemerkungen auf seine Seite zu ziehen. Wer ihm laut entgegentrat, wurde mit Spott bedacht. Wenn das Gel├Ąchter dann anbrandete, grinste der Junge immer und winkelte den Arm seitlich ├╝ber seine Brust, sodass die muschelwei├čen Perlen seines Zepters triumphierend in der Sonne gl├Ąnzten.
Ich bewunderte den Tr├Ąger des Zepters und wurde bald zu seinem treuen Gefolgsmann, zu seiner rechten Hand sozusagen. Bereitwillig organisierte ich die Spiele unter seiner F├╝hrung, sa├č bei allen Essenszeiten neben ihm und warf mit giftigen Kommentaren nach Kindern, die seine Autorit├Ąt anzweifelten. An seiner Seite f├╝hlte ich mich m├Ąchtig.
Doch dann lagen wir eines abends im Zimmer, Seite an Seite, und beobachteten wie das Licht an der Wand wanderte. Er lag auf dem R├╝cken, den Ast in der rechten Hand balancierend, w├Ąhrend er mit der Linken die einzelnen Perlen kurz zwickte, wie um ihre Festigkeit zu pr├╝fen. Ich betrachtete ihn und setzte dann zu einer Frage an, die mir schon lange im Kopf herumspukte: ÔÇ×Glaubst du eigentlich, dass wir Br├╝der sind, du und Ich? Ich meineÔÇŽÔÇť
Er drehte seinen Kopf zu mir herum und f├╝r einen Moment meinte ich etwas wie Belustigung in seinem Blick aufblitzen zu sehen. ÔÇ×Du meinst, du wei├čt nicht, wer deine Geschwister sind?ÔÇť Ich sch├╝ttelte den Kopf. Er lachte nun, aber es lag wenig G├╝te in seinem Lachen.
ÔÇ×Ich bin nicht dein BruderÔÇť, sagte er nur. ÔÇ×Tristan ist einer deiner Br├╝der, bei den Anderen wei├č ich es nichtÔÇť. Ich schwieg und ├╝berlegte, welcher der anderen Kinder Tristan sein k├Ânnte.
W├Ąhrenddessen war der letzte Streifen Sonnenlicht an der Wand erloschen und schlagartig wirkte das Zimmer wie mit nachtblau ├╝bermalt. Aus den Ecken qualmten Schatten hervor und verdichteten sich zu den altbekannten Figuren. Ich starrte sie an, voller Bewunderung, und lugte dann zu dem Jungen her├╝ber. Er starrte missmutig auf die Gebilde und drehte weiter den Zweig in seiner Hand.
ÔÇ×Ich liebe die SchattenÔÇť, sprach ich und suchte nach Worten, die ├╝ber eine solch simple Aussage hinausgingen und irgendwie erkl├Ąren w├╝rden, warum es mir manchmal so vorkam, als seien wir die eigentlichen Schatten im Haus.
ÔÇ×Ich hasse sieÔÇť, erwiderte er. ÔÇ×Bringen sie irgendetwas? Sind sie zu irgendwas n├╝tzlich? Sie tauchen einfach auf in der Nacht und verwirren einen, machen die Tr├Ąume unruhig und das Denken seltsamÔÇť. Entsetzt richtete ich mich auf, den Mund zu einem Oval verzerrt. Unwillk├╝rlich fiel mein Blick auf sein Zepter und Wut brannte in mir hoch. Diesen Stab hatte er von einem der beiden B├Ąume geschnitten, den gro├čen, kr├Ąftigen B├Ąumen, die nachts vor meinem Fenster rauschten und in deren Kronen die Schatten sa├čen. Ich entriss ihm das Zepter und schlug es dem immer noch auf dem Boden Liegenden wie eine Peitsche ins Gesicht. Scharf schnitt es ihm in die Haut und einige der Perlen sprangen vom Holz ab, worauf er sie vor Schreck verschluckte und sich hustend auf dem R├╝cken wand. Unger├╝hrt schlug ich ein weiteres Mal zu. Pl├Âtzlich drehte er sich halb herum und rammte mir seine Faust ins Gesicht. Ich kippte nach hinten weg und sp├╝rte wie mir Blutstr├Âme in den Kragen liefen. W├Ąhrend er wieder mit dem Husten begann, sprang ich auf und fl├╝chtete aus dem Zimmer.
Nun hatte ich mich also bei den Kindern im Haus unbeliebt gemacht und man lie├č es mich sp├╝ren. Wenn wir zum Essen rannten, stie├čen mich die Freunde des Anf├╝hrers beiseite; spielten wir im Hof, kam es vor, dass ich mit Steinchen beworfen wurde. Ich tat, als ginge mich das alles nichts an und als w├Ąre mit dem S├╝ndenfall des Anf├╝hrers die gesamte Kinderschar zu Statisten geworden. Nur einmal wehrte ich mich, als ein anderes das Dach des Hauses erkletterte, trotz des eindeutigen Verbotes der Mutter, und dort umherschritt, bis sich einige Ziegel unter seinen F├╝├čen l├Âsten und auf dem Hofpflaster zerschellten. Kaum hatte sich das Kind wieder vom Dach herunter gerettet, lief auch schon einer von den anderen los, breit grinsend verk├╝ndend, er werde der Mutter sagen, ich sei der Dachturner gewesen. Die Mutter in unserem Streit als Waffe zu verwenden, schien mir eine ├╝berzogene Grausamkeit und so lief ich ihm hinterher, packte ihn am Kragen und hieb ihm meine Faust in den Nacken. Als wir so ineinander verkeilt auf dem Boden lagen, kam Mutter schlie├člich angelaufen, herbeigerufen von den anderen Kindern und trennte uns. Als Verr├Ąter konnte ich nat├╝rlich nicht auf den Beistand der anderen hoffen und so wurde meiner Mutter die Geschichte pr├Ąsentiert, ich sei sowohl auf das Dach gestiegen als auch der Anstifter einer Pr├╝gelei gewesen. Mehr best├╝rzt als w├╝tend griff sie meine Schultern und sah mir in das blasse und verweinte Gesicht. Ich jedoch, von der Situation heillos ├╝berfordert, und hasserf├╝llt auf alle um mich herum, sah bereits in dieser Geste ein v├Âlliges Zerbrechen meiner Welt und so riss ich mich los und lief an den Kindern vorbei ins Haus und in mein Zimmer. Dort sa├č ich weinend in einer Ecke, bis das Licht im Zimmer verblasste und eine gro├če Frauengestalt sich aus dem Dunkel formte. Von ihrem Kopf wallte langes onyxfarbenes Haar und flo├č wie ein Wasserfall um ihren K├Ârper herum. Ihr Gesicht war von ovaler Form, der blutverschmierte Mund zu einem g├╝tigen L├Ącheln gebogen und ihre braunen Augen blickten mit einer W├Ąrme, die bis mein Innerstes drang. Mein Gesicht in ihre tr├Âstliche Dunkelheit versenkend schluchzte ich immer wieder ÔÇ×Du bist meine Mutter, die Frau da drau├čen ist nicht meine Mutter, du bist meine MutterÔÇť, und ihre Hand strich ├╝ber meinen Knabenkopf.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Wipfel
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 58
Kommentare: 726
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Wipfel eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hi Hale-Bopp,

ach die ersten S├Ątze. So wichtig und scheinbar so schwierig.

quote:
Ich erinnere mich an ein Haus mit wei├čen Steinmauern, ein altes Haus, aber mit moderner wei├čer Farbe ├╝berpinselt, unter der nur fleckenweise das Braun des eigentlichen Steins hervorbrach.
Die Doppelungen sind unn├Âtig und bl├Ąhen den Satz nur auf. Auch im n├Ąchsten Satz geht das so weiter:
quote:
Vor dem Haus standen zwei B├Ąume, keine prachtvollen majest├Ątischen B├Ąume, aber doch zwei sch├Âne, schlanke St├Ąmme mit lichtgr├╝ner Krone, die abends vor meinem Fenster rauschten und deren Laub im Herbst vor unsere T├╝re gesp├╝lt wurde.
Warum musst du das alles in diesen Satz stopfen? Mach zwei oder drei daraus. Und die lichtgr├╝ne Krone war zum einen nicht immer lichtgr├╝n und zum anderen rauschte sie auch nachts, am Morgen und ├╝berhaupt. Dem Text fehlt eine straffende Hand, meine ich.

Gr├╝├če von wipfel

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Erz├Ąhlungen Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Werbung