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Leselupe.de > Krimis und Thriller
Das Medaillon
Eingestellt am 17. 05. 2002 12:13


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GKL
One-Hit-Wonder-Autor
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Ich entdeckte den Brief am sp├Ąten Nachmittag. Er war mir sofort aufgefallen, denn das Kuvert trug keinen Poststempel. Die Aufschrift lautete nur: DETEKTEI GEORGE WALLMAN. Der Brief kam von einem Mr. Spandish, der mich bat, ihn so schnell wie m├Âglich in seinem Haus in der Oakstreat Nr.37 aufzusuchen. Er schrieb, dass er dringend meine Hilfe brauche, f├╝gte aber keine n├Ąhere Erkl├Ąrung hinzu.
Der Himmel war den ganzen Tag ├╝ber schiefergrau gewesen und auch sp├Ąter verriet nur ein schwefelgelber Streifen im Westen die Stelle eines verhangenen Sonnenunterganges. Es war schon dunkel, als ich schlie├člich meinen Mantel ├╝berstreifte und auf die Stra├če trat. Durch die schwarze Wand vorbeiziehender Wolken stahl sich gelegentlich das Mondlicht.
Die Oakstreat liegt im Osten, etwas au├čerhalb der Stadt. Ich hatte schon ├Âfter in dieser Gegend zu tun gehabt und kannte den Weg gut. Es regnete jetzt wieder, jedoch nicht in schweren Tropfen, sondern in Schwaden feinen Spr├╝hregens, die der Wind vor sich her trieb. Nach einer Weile wurden die Abst├Ąnde zwischen den H├Ąusern immer gr├Â├čer und ich bog in die Oakstreat ein. Die vereinzelten Stra├čenlaternen strahlten kaum gen├╝gend Licht aus, um die Finsternis dieser Nacht zu durchdringen.
Das Haus Nr. 37 war mir noch nie zuvor aufgefallen, es machte einen ziemlich verwahrlosten Eindruck. Uralte Eichen ├╝berschatteten den von Efeu ├╝berwucherten Bau, w├Ąhrend Ligustahecken und ├Ąhnliches Strauchwerk den scheinbar seit Jahren nicht mehr gepflegten Garten von der Stra├če abschirmten. Ich gewahrte keinen Lichtschimmer in dem Haus, die Fenster starrten mir blind entgegen.
Ich ├Âffnete die Pforte und stieg einige Stufen zur Haust├╝r empor. Im Schein der Stra├čenlaternen konnte ich weder einen T├╝rklopfer, noch eine Glocke entdecken. So begann ich, erst z├Âgernd, dann heftiger mit der Faust gegen die T├╝r zu klopfen.
Ein Ger├Ąusch drang aus dem Inneren des Hauses und kurz darauf wurde die T├╝r lautlos ge├Âffnet. Ich erblickte einen schm├Ąchtigen Mann, der mich ├Ąngstlich musterte. Nachdem ich jedoch meinen Namen genannt hatte, bedeutete er mir einzutreten und verschloss dann schnell wieder die T├╝r hinter uns.
Muffige Luft schlug mir entgegen. Man konnte den Verfall des Hauses deutlich erkennen, denn von den W├Ąnden bl├Ątterte die Farbe.
Ich legte meinen Mantel ab und folgte dem Hausherrn. Mr. Spandish schien das Haus allein zu bewohnen. Er f├╝hrte mich in einen Raum, dessen einzige Lichtquelle eine kraftlos leuchtender L├╝ster war, die Kohlen im Kamin hatten das Zimmer ├╝berhitzt.
Mr. Spandish bat mich Platz zu nehmen, er selbst lie├č sich in einem Ohrensessel nieder. Seine Hand zitterte, als er sich fahrig ├╝bers Gesicht strich.
Ich z├╝ndete mir eine Zigarette an und fragte ihn, in welcher Angelegenheit er meine Hilfe brauche. Der Mann schien mit den Nerven v├Âllig am Ende zu sein. Aber nach kurzem Z├Âgern erz├Ąhlte er mir dann folgendes:
Da er in letzter Zeit an Schlaflosigkeit litt, hatte er am Samstag vor drei Tagen einen n├Ąchtlichen Spaziergang unternommen. Die Stra├čen waren, wie gew├Âhnlich zu dieser sp├Ąten Stunde, menschenleer gewesen. Als er in der Gegend angekommen war, wo der Willowroad am Pattlers-Park vorbei f├╝hrt, tauchten pl├Âtzlich drei Burschen vor ihm auf, die, ohne ihn zu beachten, eilig im Park verschwanden. Wenig sp├Ąter stie├č er auf einen Mann, der zusammengekr├╝mmt am Stra├čenrand kniete. Der Mann musste verletzt sein. Als Spandish n├Ąher trat, sah er, wie der Verletzte verzweifelt versuchte, ein glitzerndes Ding zu ergreifen, das f├╝r ihn unerreichbar etwa zwei Meter entfernt auf dem Gehsteig lag. Im tr├╝ben Licht der Stra├čenlaterne erkannte Spandish ein Medaillon, an einer zerrissenen Kette.
Als der Mann Spandish wahrnahm, hob er seinen Kopf, keuchte etwas Unverst├Ąndliches und wies mit seinem Zeigefinger auf das Medaillon. Dann sackte er wieder in sich zusammen.
Spandish war seit fr├╝hester Jugend gewohnt, allen Unannehmlichkeiten aus dem Wege zu gehen. So drehte er auch jetzt kurz entschlossen auf dem Absatz um, jedoch bevor er sich davonmachte, b├╝ckte er sich und hob das Medaillon auf. Er meinte noch zu h├Âren, wie der Mann kr├Ąchzend einen Fluch ausstie├č, dann eilte er auf dem schnellsten Weg nach Hause.
Spandish versuchte seine Gewissensbisse zu d├Ąmpfen, indem er sich einredete, dass irgendein Passant den Verletzten finden und sich um ihn k├╝mmern w├╝rde.
Am n├Ąchsten Tag aber las er in der Sonntagszeitung von einem Mann, der in der Nacht zuvor am Pattlers-Park niedergestochen und beraubt worden war. Da offenbar niemand den Verletzten entdeckt hatte, verblutete er auf der Stra├če. Von den T├Ątern fehlte jegliche Spur.
Das Foto unter dem Artikel zeigte das hohlwangige Gesicht eines Mannes mit Glatze und schmalen, zusammengepressten Lippen.
Spandish f├╝hlte sich an diesem Tag nicht wohl. Als es dunkel wurde und er sich schlie├člich aufraffte, um ins Bett zu gehen, vernahm er ein Scharren an der Haust├╝r. Er wollte gerade ├Âffnen, als ihn gr├Ąssliches St├Âhnen zusammenschrecken lie├č. Es klang so unheimlich, dass er sich schaudernd in sein Zimmer zur├╝ckzog.
Am Abend des folgenden Tages dann, gewahrte er leises Pochen an der Fensterscheibe. Als er darauf zum Fenster eilte, raunte dort jemand seinen Namen, obwohl er weit und breit kein menschliches Wesen entdecken konnte. Wenig sp├Ąter vernahm er Poltern aus dem Obergeschoss.
Der Panik nah, konnte er keinen klaren Gedanken fassen und schloss sich in seinem Zimmer ein. In den folgenden Stunden dann, glaubte er immer wieder Schritte vor der Zimmert├╝r zu h├Âren, als ob ihm dort jemand auflauerte.
Spandish konnte die ganze Nacht kein Auge schlie├čen und erst als es hell wurde, verstummten die Ger├Ąusche vor seiner T├╝r.
Ihm wurde bewusst, dass er Hilfe brauchte.


Nachdem Mr. Spandish geendet hatte, erhob er sich und reichte mir einen Gegenstand. Es war ein goldenes Medaillon, etwa 5 cm im Durchmesser, mit einem eingravierten Pentagramm. Die Mitte des Pentagramms zierte ein stecknadelkopfgro├čer roter Stein.
Als ich das Medaillon umdrehte, konnte ich dort eine Inschrift entziffern, die lautete:

Gebunden an seine Herren
Weder Krankheit noch Tod
Schw├Ącht die Macht aus diesem Stern

W├Ąhrend ich noch ├╝ber die Bedeutung der Worte nachdachte, hatte ich das unangenehme Gef├╝hl, als beg├Ąnne das Medaillon in meiner Hand zu pulsieren.
Mr. Spandish lief nerv├Âs im Zimmer auf und ab.
Ich versuchte ihn zu beruhigen, indem ich ihm anbot, die Nacht hier im Hause zu verbringen, damit ich - traten die seltsamen Ph├Ąnomene noch einmal auf - entsprechende Ma├čnahmen ergreifen konnte.
Mr. Spandish schien erleichtert, setzte sich wieder in seinen Sessel und legte das Medaillon neben sich auf einen Beistelltisch.


Ich hatte eben die ├ťberpr├╝fung der R├Ąumlichkeiten des Hauses abgeschlossen, ohne etwas Verd├Ąchtiges bemerkt zu haben, als ich pl├Âtzlich auf ein Ger├Ąusch aufmerksam wurde, das von oben, aus einem der leerstehenden R├Ąume kam. Dann war es wieder still, obgleich mir die Stille, die nun herrschte, je bewusster ich sie empfand, immer unheimlicher wurde. Irgend etwas ver├Ąnderte sich im Zimmer, es schien, als breite sich eine fremdartige Atmosph├Ąre im Raum aus.
Mr. Spandish hatte sich in seinem Sessel aufgerichtet, seine H├Ąnde umklammerten krampfhaft die Lehnen.
Ich erhob mich, zog meinen Revolver und schlich zur T├╝r. Nun meinte ich verstohlene Schritte zu h├Âren. Treppenstufen knarrten kaum vernehmbar, doch auf dem Flur war niemand zu sehen.
Lautes Zischen ert├Ânte ├╝ber mir. Ich duckte mich und wollte eben die Treppe hinauf st├╝rmen, blieb dann jedoch wie angewurzelt stehen.
Jeder hat wohl in seinem Leben schon einmal jenes Gef├╝hl von Gefahr gesp├╝rt, das uns - ist es stark genug - unsere Absicht spontan ├Ąndern l├Ąsst. Ein sonst verborgener Instinkt hinderte mich wohl in diesem Augenblick daran, die Stufen zum Obergeschoss zu erklimmen. Ich bemerkte, wie eine K├Ąlte, eine bei├čende K├Ąlte, meinen Geist und meinen K├Ârper langsam zu l├Ąhmen begann. Gleichzeitig nahm ich einen unnat├╝rlichen Schimmer wahr, der, einem Nebel vergleichbar, die Treppe herunter wallte und dann durch die offene T├╝r ins Zimmer schwebte. Ich sp├╝rte ein prickelndes, kribbelndes Gef├╝hl in mir aufsteigen. Meine Gliedma├čen gehorchten mir nicht mehr, ich war handlungsunf├Ąhig, ja konnte nicht einmal mehr sprechen.
Der Nebel hatte inzwischen die Mitte des Raumes erreicht und sich an dieser Stelle verdichtet. W├Ąhrend sich eine l├Ąhmende Schwere, wie eine Klammer um mein Gehirn legte, gewahrte ich, dass sich aus dem Dunst eine Gestalt materialisierte. Ich erblickte, schemenhaft, wie hinter einem Schleier verborgen, die Konturen eines glatzk├Âpfigen Mannes.
Pl├Âtzlich wehte ein Luftzug durch das Zimmer, das Licht der des L├╝sters flackerte kurz und erlosch dann. Im selben Augenblick wich die L├Ąhmung von mir und ich st├╝rzte vor. Da ich aber nicht sehen konnte wohin ich lief, stie├č ich gegen einen der herumstehenden St├╝hle, der umkippte und mich straucheln lie├č.
Leises Raunen erf├╝llte den Raum. Eine Stimme wisperte in meiner N├Ąhe. Dann ert├Ânte ein angsterf├╝llter Schrei und gleich darauf vernahm ich lautes R├Âcheln.
Obwohl mein angeschlagenes rechtes Schienbein wie Feuer brannte, rappelte ich mich auf und tastete mich vorw├Ąrts. Grabesstille herrschte. Die Kohlen im Kamin strahlten ein unwirkliches Licht aus.
Auf einmal flammte das Licht des L├╝sters wieder auf. Ich blickte suchend umher. Von der nebelhaften Gestalt war keine Spur mehr zu entdecken, sie hatte sich anscheinend in Luft aufgel├Âst.
Mr. Spandish lehnte schlaff in seinem Sessel, seine weit aufgerissenen Augen starrten leblos an mir vorbei ins Leere.
Und dann bemerkte ich, dass das Medaillon, das noch eben neben Spandish auf dem Beistelltisch gelegen hatte, verschwunden war.



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Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

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Echt klasse

Gro├čes Lob, die Geschichte ist einfach klasse, weiter so.
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Der ErnstFall Michael Schmidt

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GKL
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 4
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Hey Michael,

danke f├╝r dein Lob. Ich werde versuchen so weiter zu machen, dauert aber noch, da ich kein "Vielschreiber" bin.

Gru├č

G├╝nter

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Tekky
Festzeitungsschreiber
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Werke: 0
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Es hat gro├čen Spass gemacht, Deine Geschichte zu lesen! Freu mich schon auf weitere Beitr├Ąge von Dir

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Wenn es Sinn hat, etwas zu machen, dann hat es auch Sinn, es schlecht zu machen.(Gilbert Keith Chesterton)

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Phantom
Guest
Registriert: Not Yet

Ich mu├č zugeben, dass mir deine Geschichte gut gefallen hat, nur hab ich zwei Fragen an dich:
1. Warum hast du die Geschichte im Forum Krimi ver├Âffentlicht, sie scheint mir nicht dem Genre zu entsprechen, w├Ąre sie nicht im Genre Horror besser aufgehoben???
2. Reine Logik: Warum ist dem Detektiv das Haus nicht aufgefallen, wenn es so heruntergekommen aussieht ? Ist es nicht so, dass man meistens nur die vornehmen gepflegten, und die heruntergekommenen, alten H├Ąuser mustert und an "normalen" H├Ąusern stillschweigend vorbei geht??? W├Ąre es nicht besser Mr. Spandish in ein unscheinbares, "normales" Haus umzuziehen zu lassen??? Aber da kommt wieder die Frage auf, was macht ein "normales Haus" aus? Meiner Meinung nach ein Haus mit keinem architektonischen Reiz, wenig Bepflanzung im Garten und einen sch├Ân gem├Ąhten Rasen... Na ja, ├╝ber Punkt 2 kann man sich streiten...
Gru├č Phantom

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GKL
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 4
Kommentare: 20
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Sch├Ân, dass euch meine Geschichte gef├Ąllt. Positive Kommentare sind nat├╝rlich Balsam f├╝r die Seele und spornen mich an, weiter zu schreiben. Vielen Dank f├╝r euer Lob.

@Phantom
Punkt 1:
Als ich "Das Medaillon" in der Leselupe ver├Âffentlicht habe, gab es noch das Forum "Krimi und Horror", eine Sparte, die den Lesern eine gute Vorstellung von dem vermittelt hat, was sie hier erwartet. Erst danach kam irgendjemand auf die glorreiche Idee, f├╝r Krimis ein eigenes Forum zu erschaffen und Horror in die neue Rubrik abzuschieben (siehe "Allgemeine Diskussionen: Ab 18 & Horror").

Punkt 2:
Gut, dass du mich darauf aufmerksam machst, ich werde dar├╝ber nachdenken. Danke f├╝r deine konstruktive Kritik.

Gru├č

G├╝nter


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