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Leselupe.de > Kindergeschichten
Das Schneckentreffen
Eingestellt am 11. 08. 2004 17:21


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MĂ€rchentante
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Seit Tagen regnete es schon. Eine herrliche Zeit fĂŒr Schnecken aller Art. Sie lieben diese besondere Zeit, in der es so wunderbar feucht ist. In diesem Sommer beschlossen sie ein Fest zu feiern, wenn es richtig toll nass war. Treffpunkt sollte die Wiese am Teich sein, denn dort war der Tisch der Natur reich gedeckt. Dieses Jahr gab es reichlich zu Futtern fĂŒr alle, zum Beispiel die saftigen Pilze und die Pflanzenreste, die sie besonders gern mochten. NatĂŒrlich mĂŒssten sie eine Wache aufstellen, damit ihre Zusammenkunft nicht durch einen unliebsamen Gast gestört wĂŒrde. Die Gartenschnecken mit ihren hĂŒbschen gelben Streifen meldeten sich freiwillig, denn sie konnten auf BĂ€ume und StrĂ€ucher klettern, und so schon von weitem sehen, wenn ein Feind im Anmarsch war.

Heute war es also soweit. Sie freuten sich sehr auf das Wiedersehen mit den anderen. Eifrig putzten die Weinbergschnecken ihre HÀuser blitzblank. Das war ziemlich anstrengend, und manch eine seufzte: "Ach, es ist ja ganz schön, ein Haus zu besitzen, aber diese Arbeit! Da haben es unsere Schwestern die Nacktschnecken, besser. Sie sind einfach nur nackt, Punkt."
Diese wiederum waren damit nicht ganz einverstanden, und meinten beleidigt: "Na, so leicht ist es mit der Nacktheit fĂŒr uns nun ganz und gar nicht. Ihr könnt euch bei Bedarf in euer Haus zurĂŒckziehen, es sogar verschließen, aber wir sind allen Feinden hilflos ausgeliefert. Bei Gefahr bleibt unsereins nur die Flucht, und das ist bei unserer Geschwindigkeit eine Lachnummer, wie ihr wisst."

Am Abend machten sich alle auf den Weg, die Weinbergschnecken mit ihren großen HĂ€usern, die kleinen Gartenschnecken, die Nacktschnecken, und etliche andere. Sie kamen aus den GĂ€rten, von den Wegen, und dem Waldrand. Es hatte aufgehört zu regnen. Der Wind raschelte leise in den BĂ€umen und StrĂ€uchern, und schĂŒttelte die Regentropfen sanft ins Gras. Ein TeichrohrsĂ€nger saß im Schilf und zwitscherte sein Abendlied, alles war sehr friedlich rundherum. Man labte sich genußvoll an den Delikatessen, die diese Wiese zu bieten hatte, und tauschte angeregt die letzten Neuigkeiten aus. Über dies und das redeten sie, ĂŒber heiße Tage, an denen man sich tagsĂŒber im feuchten Moos und unter kĂŒhlen Hecken verstecken musste, um nicht zu vertrocknen, von den GĂ€rten der Menschen, in denen es so verfĂŒhrerische Leckereien wie Salat und GemĂŒse gab, deren Genuss so einmalig war.

Eigenartigerweise mochten diese es gar nicht, wenn sie davon kosteten. Dabei war doch genug davon da. Ja, sie gingen sogar soweit, dass sie das Schneckenvolk bekĂ€mpften, und zwar mit ziemlich heimtĂŒckischen Mitteln, wie etwa einem
GebrĂ€u, welches sie Bier nannten. Das schĂŒtteten sie in Schalen, die sie in die Beete stellten.
"Genau," riefen die Nacktschnecken aufgeregt, "wir haben herausgefunden, wie es funktioniert. Da das Zeug recht gut riecht, sind wir natĂŒrlich neugierig geworden. Wir wollten mal probieren, wie es schmeckt, und krochen bis an den Rand einer dieser SchĂŒsseln. Man muss höllisch aufpassen, denn es ist sehr schwer, sein Gleichgewicht an dem glitschigen Rand zu halten. Plumpst man in die braune BrĂŒhe, ist es wirklich Ă€ußerst schwierig, dort jemals wieder raus zu kommen. Wenn man etwas davon schluckt, wird einem ganz dusselig im Kopf." Sie verdrehten die kleinen Äugelein, die auf ihren langen FĂŒhlern saßen.
"Machen gefĂ€llt`s, sie trinken und trinken. Leider gibt es dann keine Rettung mehr. Sie werden von dem Zeug mĂŒde und schlafen ein. Den Rest könnt ihr euch ja denken," seufzten sie.
Das ist wirklich hinterhÀltig," stimten die anderen empört zu, "und gemein obendrein."

Von dem Geplauder angelockt, lugte eine Posthornschnecke aus dem schlammigen Wasser am Uferrand des Teiches.
"Was ist hier los? Oh, eine Party. Kann man mitmachen?" fragte sie die Gesellschaft.
"Ja doch," rief es vielstimmig zurĂŒck, "hast du schon gegessen? Es ist noch reichlich von allem da."
Höflich bedankte sie sich: "Herzlichen Dank, ich habe meine Mahlzeit gerade hinter mir. Die Wasserpflanzen und die Algen von den Steinen waren heute besonders gut, muss wohl an der Witterung liegen."
"Aber ich könnte noch eine Kleinigkeit vertragen!" ,rief eine Sumpfschnecke keck und kroch aus dem Wasser. "Ein paar GrĂŒnpflanzen zwischendurch sind nicht zu verachten, und außerdem gut fĂŒr die Gesundheit." Sie lachten alle und plauderten munter drauf los, es war ein wirklich netter Abend.

Ein eiliger Feldhamster mit prallgefĂŒllten Backentaschen tauchte bei ihnen auf.
"Hey, was machst du denn noch hier um diese Zeit?" ,fragten sie ihn erstaunt.
"Och Leute," antwortete er, "ich muss mich beeilen. Hab noch Körner, Samen und NĂŒsse fĂŒr meinen Vorrat gesammelt. Der Winter ist lang, und ich muss meinen Winterschlaf alle sechs Tage unterbrechen, um zu futtern. Da könnt ihr euch vorstellen, dass man fĂŒr reichlich Nahrung sorgen muss. Viel Spaß noch." Und wusch, weg war er wieder.

"Guten Abend zusammen," grĂŒĂŸte ein Regenwurm, der seinen Kopf aus der Erde schob.
"Ja, ja, der Hamster hat ein hektisches Leben."
"Wie gut, dass uns das Sammeln erspart bleibt," meinten die Weinbergschnecken mit Erleichterung, "wir wĂŒhlen uns im Herbst in schönen lockeren Boden hinein, verschließen unser Haus und fallen in unsere Winterstarre."
"Achtung," riefen die Gartenschnecken plötzlich aus dem Strauch, in dem sie ihren Posten bezogen hatten, "neben euch bewegt sich die Erde."
"Oje, dann bin ich in höchstem Maße gefĂ€rdet," brĂŒllte der Wurm, "ich kann mir vorstellen, wer das ist!" Und damit verschwand er blitzschnell wieder im Erdreich.
Dies konnte nur eines bedeuten, ein Maulwurf ging auf die Jagd. Die Schnecken waren wie erstarrt. Was sollten sie nur tun? So schnell es eben ging, flĂŒchteten sie. Die Erde bewegte sich immer stĂ€rker. Nur weg, weg.
"Ha," schrie es plötzlich hinter ihnen her, "ein reich gedeckter Tisch heute Abend, welche Freude!"
Da war er schon, der schwarze Geselle mit seinen riesigen SchaufelhÀnden. Nun ging es um`s Ganze. Keuchend vor Anstrengung, konnten sich einige der Schnecken, die fÀhig waren zu klettern, auf den Strauch retten.

Eine der Nacktschnecken spĂŒrte den heißen Atem des Feindes direkt hinter sich. Voller Angst rannte sie wie noch nie in ihrem Leben, soweit man von rennen bei einer Schnecke reden kann. So, jetzt war es wohl mit ihr aus. Die anderen sahen mit Entsetzen, wie sich der Maulwurf auf sie stĂŒrzte. Sie hielten den Atem an. Doch gerade als er sie packen wollte, glitt lautlos eine Schleiereule ĂŒber die beiden hinweg, krallte den völlig ĂŒberraschten JĂ€ger, der wie wild zappelte, und flog mit ihm davon.
"Meine GĂŒte, war das knapp," japste die geschaffte Nacktschnecke, "dachte, mein letztes StĂŒndlein hĂ€tte geschlagen." Ringsumher war erleichtertes Aufatmen zu hören.

Am Ufer des Teiches, unter einem Stein verborgen, saß seit geraumer Zeit eine dicke Kröte, die das Ganze beobachtet hatte. Als sie sah, wie es dem Maulwurf erging, meinte sie bei sich: "Tja Kamerad, Pech gehabt, so kann das Leben spielen. Die schleimigen Dinger können nur froh sein, dass ich satt bin, sonst kĂ€me namlich jetzt fĂŒr sie der nĂ€chste Schrecken. Solche Treffen sollten sie öfter mal veranstalten. Bequemer geht es kaum, da lĂ€uft einem das Abendbrot fast von selbst ins Krötenmaul." BehĂ€big zog sie sich weiter unter den Stein zurĂŒck, um ein kleines SchlĂ€fchen zu halten.

Ein GerĂ€usch ließ die Schnecken aufhorchen. Da grummelte doch jemand vor sich hin! Du liebes bischen, das hörte sich an wie ein Dachs. Der hatte ihnen gerade noch gefehlt. Dieses dicke Raubtier ist kein KostverĂ€chter. Er frißt alles, was ihm unter kommt, besonders gerne ihre Gattung. Sie schlichen so leise sie konnten tiefer ins Gras, und verhielten sich mucksmĂ€uschenstill. Er kam ihnen fĂŒrchterlich nah. Ihr Atem stockte. TatsĂ€chlich, ein Dachs! Nun konnten sie ihn sehen. Er war schon ein altes Exemplar, ziemlich gut im Futter, und anscheinend litt er Gott sei Dank an einer SehschwĂ€che.
"Komisch," hörten sie ihn sagen, "ich hÀtte schwören können, dass Schnecken in der NÀhe sind. In meinem Alter ist die Nase auch nicht mehr das was sie mal war. Muss mich wohl geirrt haben. Sehr bedauerlich, gerade heute habe ich so einen Appetit auf Schleimlinge."
Er schnĂŒffelte in alle Richtungen und zog gemĂ€chlich davon.

"Pooch, hatten wir einen Dusel das dieser schwarzweiße Kerl Schwierigkeiten mit Nase und Augen hat. Dieses Mal wĂ€re keine Rettung möglich gewesen, denn mit dem Maul dĂŒrfte er keine Probleme haben," bemerkte eine der Schnecken trocken.
"Der ist fast auf mich drauf getreten," schrie die Posthornschnecke geschockt. "Mein schönes Haus, es wÀre glatt zersplittert wie Glas!"
"Ja, und wenn du so weiter brĂŒllst, hört er dich noch und kommt zurĂŒck, also sei gefĂ€lligst leiser," ermahnte sie die Sumpfschnecke, und die anderen wackelten Ă€rgerlich mit den FĂŒhlern.

Sie und die Posthornschnecke hatten genug, und so verabschiedeten sie sich: "Also Schwestern, uns reicht`s. War ein schönes Treffen, aber diese letzte Aufregung war ein bischen viel fĂŒr unsere zarten Nerven, schließlich sind wir auch nicht mehr die JĂŒngsten. Wer weiß, was noch alles kommt, wir verziehen uns lieber wieder ins kĂŒhle Nass. Bis bald und passt gut auf, wenn ihr euch auf den RĂŒckweg macht. Nicht weit von hier soll eine Igelfamilie Quartier bezogen haben und ihr wisst, was das bedeutet."
Das war wohl jeder einzelnen von ihnen klar. Und nicht nur die Igel konnten ihnen gefÀhrlich werden. Es gab noch eine ganze Reihe von Feinden, die im Schutz der Dunkelheit auf sie warteten.

Erschöpft, aber mittlerweile wieder guter Dinge, krochen sie langsam, sich leise unterhaltend, ĂŒber die Wiese. Der Mond tauchte die Umgebung in ein mildes Licht, und die ersten Sterne funkelten durch die aufgerissene Wolkendecke. Ein StĂŒck weiter, gaben die Grillen ein Konzert.
"Hallo Leute," riefen die ihnen entgegen, "wir hörten, was bei euch los war. Da hattet ihr aber großes GlĂŒck. Eine Wanderratte erzĂ€hlte es uns, die auf dem Weg zu ihrem Abfallhaufen war."
"Ja, ja," meinten die Schnecken, "das Leben ist schon eine gefÀhrliche Angelegenheit."
Sie waren im Begriff weiter zu kriechen, als aus der Ferne lautes Geschrei zu hören war: "Rette sich wer kann, er kommt, er kommt!"
"Wer kommt," fragten die Grillen entgeistert und unterbrachen ihr Konzert. Die Schnecken aber wurden starr vor Schreck. Nicht das nĂ€chste Drama, das wĂ€re fast zuviel fĂŒr einen Abend! In dem Moment raste auch schon ein junger Feldhase kreischend an ihnen vorbei, verfolgt von einem gierigen Fuchs.
"Bleib gefĂ€lligst stehen," brĂŒllte dieser hinter ihm her, "ich krieg dich ja doch, du saftiger kleiner Braten."
Das arme Tierchen. Selbst nur knapp mit dem Leben davon gekommen, tat es ihnen allen von Herzen leid. Gegen solch einen JĂ€ger hatte er keine Chance, dafĂŒr war er ihm zu dicht auf den Fersen. BedrĂŒckt sahen sie den beiden nach, bis sie ihren Blicken entschwunden waren.
"Hier ist ja was los," meinten die Weinbergschnecken nervös, "nix wie zurĂŒck in den Garten, lasst uns kriechen."

Still geworden, bewegten sie sich durch das leise raschelnde Gras, und hingen ihren Gedanken nach. Unterwegs begegnete ihnen eine lustige Schar von ErdmÀusen.
"Auch noch so spÀt auf Trab," fragten sie die Schnecken. "Ihr seid ja so ruhig. Wie ist es, habt ihr Lust mit zum Teich zu kommen? Wir wollen eine Runde schwimmen."
"Daher kommen wir gerade," antwortetn diese, "fĂŒr heute haben wir genug erlebt. Außerdem hatten wir vorhin ein unschönes Erlebnis!" Sie erzĂ€hlten den aufmerksam zuhörenden MĂ€usen die traurige Begebenheit.
"Ein kleiner Hase?" fragten diese. "So einen haben wir dort hinten unter dem großen Baum gesehen, vielleicht ist er dem Fuchs entkommen. Er sah ziemlich mitgenommen aus."
"Das könnte er tatsĂ€chlich sein," riefen die Schnecken freudig erregt, "viel Spaß euch noch beim Schwimmen!"
"Schwestern, lasst uns einen Zahn zulegen," ertönte es aus ihrer Mitte, "wenn er es wirklich ist, gibt es bestimmt eine Menge zu erzÀhlen."

Hurtig krochen sie nun auf den Baum zu. Das HĂ€schen hatte sich so gut versteckt, dass sie es erst sahen, als sie fast vor ihm standen. In einer Erdmulde lag das arme Hasenkind, dicht an den Boden gepresst. Die Strapazen waren ihm deutlich anzusehen. Sein sonst so kuscheliges weiches Fell, war ganz zauselig und stand in alle Richtungen ab.
"Wie schön, du konntest entkommen," freuten sich die Schnecken.
"Quasi in letzter Sekunde," sagte er erschöpft, "wenn ihr etwas Zeit habt, erzÀhle ich euch von den schlimmsten Stunden meines Lebens."
Und ob sie Zeit hatten! FĂŒr eine sicher abenteuerliche Geschichte immer. Sie machten es sich in dem feuchten Gras bequem, um ihm gespannt zuzuhören.

"Ihr habt ja gesehen," fing der kleine Feldhase zu reden an, "wie mich dieser fĂŒrchterliche Fuchs gejagt hat. Ich lief, und schlug die wildesten Haken, doch er war einfach zu dicht hinter mir. Als ich nicht mehr konnte, packte er mich. Zu Tode geĂ€ngstigt, lag ich zwischen seinen Vorderpfoten!
"Man, kannst du aber flitzen," keuchte er, und als ich mich heftig wehrte, "hab dich nicht so, so ist das Leben nun mal, fressen und gefressen werden."
"Meine GĂŒte," dachte ich, "wenn mir jetzt nichts einfĂ€llt, bin ich verloren."
Die Schnecken erschauerten. "Und weiter?" Sie schrieen es fast vor Spannung.
"Tja, manchmal, in einer schlimmen Situation, hat man das GefĂŒhl, da kommt man nicht mehr raus. Sicher kennt ihr das auch."
"Das kannst du wohl sagen," stimmten sie ihm ungeduldig zu, "doch erzÀhl weiter."
"Plötzlich, wie aus dem Nichts, hatte ich eine Idee. Ich musste ihn irgendwie austricksen. An diesen Strohhalm hĂ€ngte ich mich, es musste einfach klappen, zuviel stand auf dem Spiel. Schließlich bin ich noch so jung und hatte eine Unmenge vor, da wĂŒrde ich mich nicht so einfach von einem Fuchs einfangen lassen." Zustimmendes Nicken ringsumher.

"Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, und sagte mit fester Stimme: "Hör mal, wollen wir nicht ein kleines GeschÀft machen? Ich hÀtte da nÀmlich einen netten Vorschlag."
"Bitte was," fragte er unglÀubig, "Du willst mit mir handeln? Ich glaube das nicht . So etwas ist mir noch nie passiert, du musst wahnsinnig sein."
Ja, wahnsinnig vor Angst, dachte ich bei mir, und mein Hasenherzchen klopfte so laut, dass ich dachte, jeder Wiesenbewohner könne es hören. Tapfer redete ich weiter: "Aber hör dir doch meinen Vorschlag erst mal an."
"Ach was," fuhr er mich Àrgerlich an, "soweit kommt es noch. Ich nehme dich jetzt mit und damit basta, meine Jungen haben Hunger. Wenn ich das einem hier erzÀhle, der glaubt es nicht, lÀcherlich."
"Na gut," sagte ich scheinbar gleichgĂŒltig, "dann eben nicht. Wie viele Jungen hast du? Vier? FĂŒnf? Und du meinst, sie werden alle satt von so einem schmalen WĂŒrstchen wie mir? Ich weiß nicht. Aber wenn du mit einem fetten GĂ€nsebraten nach Hause kĂ€mest, ja das wĂ€re was. Sie wĂŒrden dich fĂŒr den GrĂ¶ĂŸten halten, vor allem, wenn du ihnen tĂ€glich so etwas Feines mitbringen könntest. Ein saftiges HĂŒhnchen zwischendurch ist auch nicht schlecht, oder? Ich kenne da einen Bauernhof mit einem Stall, voll mit Federvieh. Lass mich laufen, dann zeige ich ihn dir. Tja mein Lieber, nun bist du dran."

Die Schnecken krochen ganz nah an ihn heran, damit sie kein Wort verpassten. So etwas Spannendes hatten sie selten mal gehört. Manche von ihnen waren so aufgeregt, dass sie sich langsam hin und her wiegten. "Da hast du dir was Schlaues ausgedacht!" meinten sie bewundernd. Ist er darauf eingegangen?"

"Sonst wĂ€re ich nicht hier, Leute. Der Fuchs musste das Ganze erst mal verdauen. Das waren fĂŒr ihn natĂŒrlich tolle Aussichten, denen er unmöglich widerstehen konnte. Er betrachtete mich lauernd und ich konnte ihm ansehen, was er dachte: "Dieses kleine Tier ist wirklich nur eine armselige Mahlzeit fĂŒr meine heranwachsenden Jungen, die stĂ€ndig Hunger haben. Der Tausch ist nicht schlecht. Ein unbedeutender kleiner Hase, gegen einen Stall voller GĂ€nse und HĂŒhner."
Er ĂŒberlegte und ĂŒberlegte, mir war schon ganz elend.
"Aber der Stall ist sicher gut bewacht," bemerkte er grĂŒbelnd, "das ist immer so."
Innerlich jubelte ich, er schien tatsĂ€chlich anzubeißen. "Ach was," meinte ich leichthin, "da ist nur ein altersschwacher Hund, der taub und fast blind ist. Du wirst doch wohl vor dem keine Angst haben?"
"Gut, einverstanden," sagte der Fuchs endlich zu meiner großen Erleichterung, "dein Leben gegen den GĂ€nsestall. Los komm, wir wollen uns beeilen, zeige mir den Weg." Wir liefen eine ganze Weile, bis in der Ferne ein Dorf auftauchte.

"Woher wusstest du von dem Bauernhof?" wurde er staunend unterbrochen.
"Habe dort schon mal köstliche Möhrchen aus dem Garten genossen," kicherte er verschmitzt.
"Langsam pirschten wir durch die Dunkelheit auf den Hof zu, auf dem es ganz still war!
"Ob sie hier alle schlafen," flĂŒsterte der Fuchs.
"Das siehst du doch," raunte ich leise ich zurĂŒck, "alle, einschließlich dem Federvieh. Dort hinten steht der Stall. Es ist kein Laut zu hören, wie ich dir sagte. Ehe sie merken, dass eine der ihren fehlt, bist du schon lĂ€ngst ĂŒber alle Berge."
Er konnte sich vor Gier kaum noch beherrschen. Seine Augen glÀnzten und der Geifer rann ihm aus dem Maul.
"Ja, hau schon ab, du Zwerg," zischte er mir zu, "ich erledige den Rest."
Ich rannte wie der Teufel und suchte mir ein geschĂŒtztes PlĂ€tzchen, um mir das jetzt sicherlich spannende Schauspiel von dort aus anzusehen. Mit einem Satz sprang er ĂŒber den Zaun. Was nun folgte, war unbeschreiblich."

Obwohl er so viel mitgemacht hatte, fing der Hase bei der Erinnerung daran so zu lachen an, dass er gar nicht wieder aufhören konnte. Sein kleiner Körper bebte, und seine Barthaare zitterten wie Espenlaub. Die Schneckengesellschaft sah sich ratlos an und forderte ihn auf, doch endlich weiter zu erzĂ€hlen, sie seien gespannt wie ein Flitzebogen, und wĂŒrden auch gerne mitlachen.

"Das vergisst der nie!" prustete er los. "Von wegen alles schlĂ€ft! Zwei riesige Hofhunde schossen zĂ€hnefletschend und laut bellend auf ihn zu, kaum das er den Boden auf der anderen Seite des Zauns berĂŒhrte. Von dem Krach wurde das gesamte Federvieh wach, und tobte wild schnatternd im Stall umher. Und schon stand der Bauer mit einem Gewehr in der TĂŒr, und schoss auf ihn.
"Oh du raffinierter Bursche," brĂŒllte der Fuchs hinter mir her, "na warte, wenn ich hier jemals lebend rauskomme, bist du dran."
Vor lauter Angst brauchte er glatt ein paar AnlĂ€ufe, um ĂŒber den Zaun zurĂŒck zu springen. Verfolgt von den Hunden, rannte er wie noch nie in seinem Leben, seine Beine berĂŒhrten kaum den Boden so dass es aussah, als wĂŒrde er fliegen."
Das HĂ€schen hielt sich sein BĂ€uchlein vor Lachen. "Ja, und dann bin ich hierher gelaufen und habe mich ausgeruht, bis ihr dann vor mir gestanden habt."

Die Schnecken brĂŒllten und kreischten vor VergnĂŒgen.
"Welch ein Abenteuer," meinte eine von ihnen ehrfurchtsvoll, "du bist sehr clever."
"Auf dieses Erlebnis hÀtte ich aber gerne verzichtet," entgegnete er.
"Und was ist aus dem Fuchs geworden," schrie eine andere vor Wonne.
"Weiß ich nicht, wahrscheinlich lĂ€uft er immer noch, es wird der lĂ€ngste Lauf seines Fuchslebens werden, denke ich mal."
Wieder erschallte lautes Lachen auf der Wiese.
"So, ihr Lieben," rief er, als sie sich wieder beruhigt hatten, "jetzt wird es aber höchste Zeit fĂŒr mich, zu gehen. Es ist sehr spĂ€t geworden und ich möchte nicht, dass meine Familie sich Sorgen macht. Viel zu lange bin ich schon unterwegs. Ich wĂŒnsche euch noch einen schönen Abend. TschĂŒĂŸ, bis bald."

"Ja, bis bald," riefen sie ihm nach, und machten sich auch auf den Heimweg.
"Ist er nicht ein niedliches Kerlchen?" fragte eine der hĂŒbschen Gartenschnecken.
"Und so schlau," meinten die anderen und nickten, "es ist schön, dass ihm nichts passiert ist. Erstaunlich, dass ein Fuchs so dumm und unvorsichtig sein kann. Man sagt doch, er sei so schlau. Ja, ja, die Gier, die hat schon so manchen dahingerafft."
Herzhaftes GĂ€hnen machte sich unter ihnen breit. Nun wĂŒrden sie gleich ihre SchlafplĂ€tze erreicht haben. Das war ein erlebnisreicher Abend, da waren sich alle einig. Als sie langsam auf den Rand der Wiese zukrochen, fing es ganz sacht wieder zu nieseln an.

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flammarion
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Das Schneckentreffen

Seit Tagen regnete es schon. Eine herrliche Zeit fĂŒr Schnecken aller Art. Sie lieben diese besondere Zeit, in der es so wunderbar feucht ist. In diesem Sommer beschlossen sie(Komma) ein Fest zu feiern, wenn es richtig toll nass war. Treffpunkt sollte die Wiese am Teich sein, denn dort war der Tisch der Natur reich gedeckt. Dieses Jahr gab es reichlich zu Futtern fĂŒr alle, zum Beispiel die saftigen Pilze und die Pflanzenreste, die sie besonders gern mochten. NatĂŒrlich mĂŒssten sie eine Wache aufstellen, damit ihre Zusammenkunft nicht durch einen unliebsamen Gast gestört wĂŒrde. Die Gartenschnecken mit ihren hĂŒbschen gelben Streifen meldeten sich freiwillig, denn sie konnten auf BĂ€ume und StrĂ€ucher klettern, und von dort (so) schon von weitem sehen, wenn ein Feind im Anmarsch war.

Heute sollte es also soweit sein (Heute war es soweit). Sie freuten sich sehr auf das Wiedersehen mit den anderen. Eifrig putzten die Weinbergschnecken ihre HÀuser blitzblank. Das war ziemlich anstrengend, und manch eine seufzte: "Ach, es ist ja ganz schön(Komma) ein Haus zu besitzen, aber diese Arbeit! Da haben es unsere Schwestern(Komma) die Nacktschnecken, besser. Sie sind einfach nur nackt, punkt (Punkt)."
Diese wiederum waren damit nicht ganz einverstanden, und meinten beleidigt: "Na, so leicht ist es mit der Nacktheit fĂŒr uns nun ganz und gar nicht. Ihr könnt euch bei Bedarf in euer Haus zurĂŒckziehen, es sogar verschließen, aber wir sind allen Feinden hilflos ausgeliefert. Bei Gefahr bleibt unsereins nur die Flucht, und das ist sowieso (ĂŒberflĂŒssig) bei unserer Geschwindigkeit eine Lachnummer, wie ihr wisst."

Am Abend machten sich alle auf den Weg, die Weinbergschnecken mit ihren großen HĂ€usern, die kleinen Gartenschnecken, die Nacktschnecken, und etliche andere. Sie kamen aus den GĂ€rten, von den Wegen,(kein Komma) und dem Waldrand. Es hatte aufgehört zu regnen. Der Wind raschelte leise in den BĂ€umen und StrĂ€uchern, und schĂŒttelte die Regentropfen sanft ins Gras. Ein TeichrohrsĂ€nger saß im Schilf und zwitscherte sein Abendlied, alles war sehr friedlich rundherum. Man labte sich genußvoll (genussvoll) an den Delikatessen(Komma) die diese Wiese zu bieten hatte, und tauschte angeregt die letzten Neuigkeiten aus. Über dies und das redeten sie, ĂŒber heiße Tage(Komma) an denen man sich tagsĂŒber im feuchten Moos,(kein Komma) und unter kĂŒhlen Hecken verstecken musste(Komma) um nicht zu vertrocknen, von den GĂ€rten der Menschen, in denen es so verfĂŒhrerische Leckereien wie Salat und GemĂŒse gab, deren Genuss so einmalig war.

Eigenartigerweise mochten diese es gar nicht, wenn sie davon kosteten. Dabei war doch genug davon da. Ja, sie gingen sogar soweit, dass sie das Schneckenvolk bekĂ€mpften, und zwar mit ziemlich heimtĂŒckischen Mitteln, wie etwa einem(kein Absatz)
GebrĂ€u, welches sie Bier nannten. Das schĂŒtteten sie in Schalen, die sie in die Beete stellten.
"Genau," riefen die Nacktschnecken aufgeregt, "wir haben herausgefunden(Komma) wie es funktioniert. Da das Zeug recht gut riecht, sind wir natĂŒrlich neugierig geworden. Wir wollten mal probieren(Komma) wie es schmeckt, und krochen bis an den Rand einer dieser SchĂŒsseln. Man muss höllisch aufpassen, denn es ist sehr schwer, sein Gleichgewicht an dem glitschigen Rand zu halten. Plumpst man in die braune BrĂŒhe, ist es wirklich Ă€ußerst schwierig, dort jemals wieder raus zu kommen. Wenn man etwas davon schluckt, wird einem ganz dusselig im Kopf." Sie verdrehten die kleinen Äugelein, die auf ihren langen FĂŒhlern saßen.
" Machen (Manchen) gefĂ€llt`s, sie trinken und trinken. Leider gibt es dann keine Rettung mehr. Sie werden von dem Zeug mĂŒde und schlafen ein. Den Rest könnt ihr euch ja denken," seufzten sie.
Das ist wirklich hinterhÀltig," stimten (stimmten) die anderen empört zu, "und gemein obendrein."

Von dem Geplauder angelockt, lugte eine Posthornschnecke aus dem schlammigen Wasser am Uferrand des Teiches.
"Was ist hier los? Oh, eine Party. Kann man mitmachen?"(Komma) fragte sie die Gesellschaft.
"Ja doch," rief es vielstimmig zurĂŒck, "hast du schon gegessen? Es ist noch reichlich von allem da."
Höflich bedankte sie sich: "Herzlichen Dank, ich habe meine Mahlzeit gerade hinter mir. Die Wasserpflanzen und die Algen von den Steinen waren heute besonders gut, muss wohl an der Witterung liegen."
"Aber ich könnte noch eine Kleinigkeit vertragen!"(Komma) rief eine Sumpfschnecke keck,(kein Komma) und kroch aus dem Wasser. "Ein paar GrĂŒnpflanzen zwischendurch sind nicht zu verachten, und außerdem gut fĂŒr die Gesundheit." Sie lachten alle,(kein Komma) und plauderten munter drauf los, es war ein wirklich netter Abend.

Ein eiliger Feldhamster mit prallgefĂŒllten Backentaschen,(kein Komma) tauchte bei ihnen auf.
"Hey, was machst du denn noch hier um diese Zeit?"(Komma) fragten sie ihn erstaunt.
"Och Leute," antwortete er, "ich muss mich beeilen. Hab noch Körner, Samen und NĂŒsse fĂŒr meinen Vorrat gesammelt. Der Winter ist lang, und ich muss meinen Winterschlaf alle sechs Tage unterbrechen, um zu futtern. Da könnt ihr euch vorstellen, dass man fĂŒr reichlich Nahrung sorgen muss. Viel Spaß noch." Und wusch, weg war er wieder.

"Guten Abend zusammen," grĂŒĂŸte ein Regenwurm, der seinen Kopf aus der Erde schob.
"Ja, ja, der Hamster hat ein hecktisches (hektisches) Leben."
"Wie gut, dass uns das Sammeln erspart bleibt," meinten die Weinbergschnecken mit Erleichterung, "wir wĂŒhlen uns im Herbst in schönen lockeren Boden ein (hinein) , verschließen unser Haus,(kein Komma) und fallen in unsere Winterstarre."
"Achtung!"(Komma) riefen die Gartenschnecken plötzlich aus dem Strauch, in dem sie ihren Posten bezogen hatten, "neben euch bewegt sich die Erde."
"Oje, dann bin ich in höchstem Maße gefĂ€rdet (gefĂ€hrdet)," brĂŒllte der Wurm, "ich kann mir vorstellen(Komma) wer das ist(Ausrufezeichen, AnfĂŒhrungszeichen), und damit verschwand er blitzschnell wieder im Erdreich.
Dies konnte nur eines bedeuten, ein Maulwurf ging auf die Jagd. Die Schnecken waren wie erstarrt. Was sollten sie nur tun? So schnell es eben ging, flĂŒchteten sie. Die Erde bewegte sich immer stĂ€rker. Nur weg, weg.
"Ha," schrie es plötzlich hinter ihnen her, "ein reich(getrennt)gedeckter Tisch heute Abend, welche Freude!"
Da war er schon, der schwarze Geselle mit seinen riesigen SchaufelhÀnden. Nun ging es um`s Ganze. Keuchend vor Anstrengung, konnten sich einige der Schnecken(Komma) die fÀhig waren zu klettern, auf den Strauch retten.

Eine der Nacktschnecken spĂŒrte den heißen Atem des Feindes direkt hinter sich. Voller Angst rannte sie wie noch nie in ihrem Leben, soweit man von rennen bei einer Schnecke reden kann. So, jetzt war es wohl mit ihr aus. Die anderen sahen mit Entsetzen, wie sich der Maulwurf auf sie stĂŒrzte. Sie hielten den Atem an. Doch gerade als er sie packen wollte, gleitete (glitt) lautlos eine Schleiereule ĂŒber die beiden hinweg, krallte den völlig ĂŒberraschten JĂ€ger(Komma) der wie wild zappelte, und flog mit ihm davon.
"Meine GĂŒte(Komma) war das knapp," japste die geschaffte Nacktschnecke, "dachte(Komma) mein letztes StĂŒndlein hĂ€tte geschlagen." Ringsumher war erleichtertes Aufatmen zu hören.

Am Ufer des Teiches, unter einem Stein verborgen, saß seit geraumer Zeit eine dicke Kröte, die das Ganze beobachtet hatte. Als sie sah(Komma) wie es dem Maulwurf erging, meinte sie bei sich: "Tja Kamerad, Pech gehabt, so kann das Leben spielen. Die schleimigen Dinger können nur froh sein(Komma) das (dass) ich satt bin, sonst kĂ€me namlich (nĂ€mlich) jetzt fĂŒr sie der nĂ€chste Schrecken. Solche Treffen sollten sie öfter mal veranstalten. Bequemer geht es kaum, da lĂ€uft einem das Abendbrot fast von selbst ins Krötenmaul." BehĂ€big zog sie sich weiter unter den Stein zurĂŒck, um ein kleines SchlĂ€fchen zu halten.

Ein GerĂ€usch ließ die Schnecken aufhorchen. Da grummelte doch jemand vor sich hin! Du liebes bischen (bisschen), das hörte sich an wie ein Dachs. Der hatte ihnen gerade noch gefehlt. Dieses dicke Raubtier ist kein KostverĂ€chter. Er frißt (frisst) alles(Komma) was ihm unter kommt, besonders gerne ihre Gattung. Sie schlichen so leise sie konnten tiefer ins Gras, und verhielten sich mucksmĂ€uschenstill. Er kam ihnen fĂŒrchterlich nah. Ihr Atem stockte. TatsĂ€chlich, ein Dachs! Nun konnten sie ihn sehen. Er war schon ein altes Exemplar, ziemlich gut im Futter, und anscheinend litt er Gott sei Dank,(kein Komma) an einer SehschwĂ€che.
"Komisch," hörten sie ihn sagen, "ich hÀtte schwören können, dass Schnecken in der NÀhe sind. In meinem Alter ist die Nase auch nicht mehr das(Komma) was sie mal war. Muss mich wohl geirrt haben. Sehr bedauerlich, gerade heute habe ich so einen Appetit auf Schleimlinge."
Er schnĂŒffelte in alle Richtunge (Richtungen),(kein Komma) und zog gemĂ€chlich davon.

"Pooch, hatten wir einen Dusel(Komma) das (dass) dieser schwarzweiße Kerl Schwierigkeiten mit Nase und Augen hat. Dieses Mal wĂ€re keine Rettung möglich gewesen, denn mit dem Maul dĂŒrfte er keine Probleme haben," bemerkte eine der Schnecken trocken.
"Der ist fast auf mich drauf getreten!"(Komma) schrie die Posthornschnecke geschockt. "Mein schönes Haus, es wÀre glatt zersplittert wie Glas!"
"Ja, und wenn du so weiter brĂŒllst, hört er dich noch und kommt zurĂŒck, also sei gefĂ€lligst leiser," ermahnte sie die Sumpfschnecke, und die anderen wackelten Ă€rgerlich mit den FĂŒhlern.

Sie und die Posthornschnecke hatten genug, und so verabschiedeten sie sich: "Also Schwestern, uns reicht`s. War ein schönes Treffen, aber diese letzte Aufregung war ein bisschen viel fĂŒr unsere zarten Nerven, schließlich sind wir auch nicht mehr die JĂŒngsten. Wer weiß(Komma) was noch alles kommt, wir verziehen uns lieber wieder ins kĂŒhle Nass. Bis bald und passt gut auf, wenn ihr euch auf den RĂŒckweg macht. Nicht weit von hier,(kein Komma) soll eine Igelfamilie Quartier bezogen haben und ihr wisst, was das bedeutet."
Das war wohl jeder einzelnen von ihnen klar. Und nicht nur die Igel konnten ihnen gefÀhrlich werden. Es gab noch eine ganze Reihe von Feinden, die im Schutz der Dunkelheit auf sie warteten.

Erschöpft, aber mittlerweile wieder guter Dinge, krochen sie langsam, sich leise unterhaltend, ĂŒber die Wiese. Der Mond tauchte die Umgebung in ein mildes Licht, und die ersten Sterne funkelten durch die aufgerissene Wolkendecke. Ein StĂŒck weiter,(kein Komma) gaben die Grillen ein Konzert.
"Hallo Leute," riefen die ihnen entgegen, "wir hörten, was bei euch los war. Da hattet ihr aber großes GlĂŒck. Eine Wanderratte erzĂ€hlte es uns, die auf dem Weg zu ihrem Abfallhaufen war."
"Ja, ja," meinten die Schnecken, "das Leben ist schon eine gefÀhrliche Angelegenheit."
Sie waren im Begriff(Komma) weiter zu kriechen, als aus der Ferne lautes Geschrei zu hören war: "Rette sich wer kann, er kommt, er kommt!"
"Wer kommt?"(Komma) fragten die Grillen entgeistert,(kein Komma) und unterbrachen ihr Konzert. Die Schnecken aber wurden starr vor Schreck. Nicht das nĂ€chste Drama, das wĂ€re fast zuviel fĂŒr einen Abend! In dem Moment,(kein Komma) raste auch schon ein junger Feldhase kreischend an ihnen vorbei, verfolgt von einem gierigen Fuchs.
"Bleib gefĂ€lligst stehen," brĂŒllte dieser hinter ihm her, "ich krieg dich ja doch, du saftiger kleiner Braten."
Das arme Tierchen. Selbst nur knapp mit dem Leben davon gekommen, tat es ihnen allen von Herzen leid. Gegen solch einen JĂ€ger hatte er keine Chance, dafĂŒr war er ihm zu dicht auf den Fersen. BedrĂŒckt sahen sie den beiden nach, bis sie ihren Blicken entschwunden waren.
"Hier ist ja was los," meinten die Weinbergschnecken nervös, "nix wie zurĂŒck in den Garten, lasst uns kriechen."

Still geworden, bewegten sie sich durch das leise raschelnde Gras, und hingen ihren Gedanken nach. Unterwegs begegnete ihnen eine lustige Schar von ErdmÀusen.
"Auch noch so spÀt auf Trab?"(Komma) fragten sie die Schnecken,(Punkt statt Komma) " ihr (Ihr) seid ja so ruhig. Wie ist es, habt ihr Lust(Komma) mit zum Teich zu kommen? Wir wollen eine Runde schwimmen."
"Daher kommen wir gerade," antwortetn (antworteten) diese, "fĂŒr heute haben wir genug erlebt. Außerdem hatten wir vorhin ein unschönes Erlebnis.(AnfĂŒhrungszeichen) Sie erzĂ€hlten den aufmerksam zuhörenden MĂ€usen die traurige Begebenheit.
"Ein kleiner Hase?" fragte diese,(Punkt statt Komma) " so (So) einen haben wir dort hinten unter dem großen Baum gesehen, vielleicht ist er dem Fuchs entkommen. Er sah ziemlich mitgenommen aus."
"Das könnte er tatsĂ€chlich sein," riefen die Schnecken freudig erregt, "viel Spaß euch noch beim Schwimmen!"
"Schwestern, lasst uns einen Zahn zulegen," ertönte es aus ihrer Mitte, "wenn er es wirklich ist, gibt es bestimmt eine Menge zu erzÀhlen."

Hurtig krochen sie nun auf den Baum zu. Das HĂ€schen hatte sich so gut versteckt, das (dass) sie es erst sahen, als sie fast vor ihm standen. In einer Erdmulde lag das arme Hasenkind, dicht an den Boden gepresst. Die Strapazen waren ihm deutlich anzusehen. Sein sonst so kuscheliges weiches Fell,(kein Komma) war ganz zauselig und stand in alle Richtungen ab.
"Wie schön, du konntest entkommen," freuten sich die Schnecken.
"Quasi in letzter Sekunde," sagte er erschöpft, "wenn ihr etwas Zeit habt, erzÀhle ich euch von den schlimmsten Stunden meines Lebens."
Und ob sie Zeit hatten! FĂŒr eine sicher abenteuerliche Geschichte immer. Sie machten es sich in dem feuchten Gras bequem, um ihm gespannt zuzuhören.

"Ihr habt ja gesehen," fing der kleine Feldhase zu reden an, "wie mich dieser fĂŒrchterliche Fuchs gejagt hat. Ich lief,(kein Komma) und schlug die wildesten Haken, doch er war einfach zu dicht hinter mir. Als ich nicht mehr konnte, packte er mich. Zu Tode geĂ€ngstigt, lag ich zwischen seinen Vorderpfoten.(AnfĂŒhrungszeichen)
"Man, kannst du aber flitzen," keuchte er, und als ich mich heftig wehrte, "hab dich nicht so, so ist das Leben nun mal, fressen und gefressen werden."
(AnfĂŒhrungszeichen)Meine GĂŒte dachte ich, wenn mir jetzt nichts einfĂ€llt, bin ich verloren."
Die Schnecken erschauerten. "Und weiter?" sie (Sie) schrieen es fast vor Spannung.
"Tja manchmal, in einer schlimmen Situation, hat man das GefĂŒhl, da kommt man nicht mehr raus. Sicher kennt ihr das auch."
"Das kannst du wohl sagen," stimmten sie ihm ungeduldig zu, "doch erzÀhl weiter."
"Plötzlich, wie aus dem Nichts, hatte ich eine Idee. Ich musste ihn irgendwie austricksen. An diesen Strohhalm hĂ€ngte ich mich, es musste einfach klappen, zuviel stand auf dem Spiel. Schließlich bin ich noch so jung und hatte eine Unmenge vor, da wĂŒrde ich mich nicht so einfach von einem Fuchs einfangen lassen." Zustimmendes Nicken ringsumher.

"Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen,(kein Komma) und sagte mit fester Stimme: "Hör mal, wollen wir nicht ein kleines GeschÀft machen? Ich hÀtte da nÀmlich einen netten Vorschlag."
"Bitte was?"(Komma) fragte er unglÀubig, "Du willst mit mir handeln? Ich glaube das nicht . So etwas ist mir noch nie passiert, du musst wahnsinnig sein."
Ja, wahnsinnig vor Angst, dachte ich bei mir, und mein Hasenherzchen klopfte so laut, dass ich dachte, jeder Wiesenbewohner könne es hören. Tapfer redete ich weiter: "Aber hör dir doch meinen Vorschlag erst mal an."
"Ach was," fuhr er mich Àrgerlich an, "soweit kommt es noch. Ich nehme dich jetzt mit und damit basta, meine Jungen haben Hunger. Wenn ich das einem hier erzÀhle, der glaubt es nicht, lÀcherlich."
"Na gut," sagte ich scheinbar gleichgĂŒltig, "dann eben nicht. Wie viele Jungen hast du? Vier? FĂŒnf? Und du meinst(Komma) sie werden alle satt von so einem schmalen WĂŒrstchen wie mir? Ich weiß nicht. Aber wenn du mit einem fetten GĂ€nsebraten nach Hause kĂ€mest, ja(Komma) das wĂ€re was. Sie wĂŒrden dich fĂŒr den GrĂ¶ĂŸten halten, vor allem, wenn du ihnen tĂ€glich so etwas Feines mitbringen könntest. Ein saftiges HĂŒhnchen zwischendurch ist auch nicht schlecht(Komma) oder? Ich kenne da einen Bauernhof mit einem Stall, voll mit Federvieh. Lass mich laufen, dann zeige ich ihn dir. Tja mein Lieber, nun bist du dran."

Die Schnecken krochen ganz nah an ihn heran, damit sie kein Wort verpassten. So etwas Spannendes hatten sie selten mal gehört. Manche von ihnen waren so aufgeregt, dass sie sich langsam hin und her wiegten. "Da hast du dir was Schlaues ausgedacht," meinten sie bewundernd, (AnfĂŒhrungszeichen)ist er darauf eingegangen?"

"Sonst wĂ€re ich nicht hier, Leute. Der Fuchs musste das Ganze erst mal verdauen. Das waren fĂŒr ihn natĂŒrlich tolle Aussichten, denen er unmöglich wiederstehen (widerstehen) konnte. Er betrachtete mich lauernd und ich konnte ihm ansehen, was er dachte: "Dieses kleine Tier ist wirklich nur eine armselige Mahlzeit fĂŒr meine heranwachsenden Jungen, die stĂ€ndig Hunger haben. Der Tausch ist nicht schlecht. Ein unbedeutender kleiner Hase, gegen einen Stall voller GĂ€nse und HĂŒhner."
Er ĂŒberlegte und ĂŒberlegte, mir war schon ganz elend.
"Aber der Stall ist sicher gut bewacht," bemerkte er grĂŒbelnd, "das ist immer so."
Innerlich jubelte ich, er schien tatsĂ€chlich anzubeißen. "Ach was," meinte ich leichthin, "da ist nur ein altersschwacher Hund, der taub und fast blind ist. Du wirst doch wohl vor dem keine Angst haben?"
"Gut, einverstanden," sagte der Fuchs endlich zu meiner großen Erleichterung, "dein Leben gegen den GĂ€nsestall. Los komm, wir wollen uns beeilen, zeige mir den Weg." Wir liefen eine ganze Weile, bis in der Ferne ein Dorf auftauchte.

"Woher wusstest du von dem Bauernhof?"(Komma) wurde er staunend unterbrochen.
"Habe dort schon mal köstliche Möhrchen aus dem Garten genossen," kicherte er verschmitzt.
"Langsam pirschten wir durch die Dunkelheit auf den Hof zu, auf dem es ganz still war.(AnfĂŒhrungszeichen)
"Ob sie hier alle schlafen?"(Komma) flĂŒsterte der Fuchs.
"Das siehst du doch," raunte ich leise ich zurĂŒck, "alle, einschließlich dem Federvieh. Dort hinten steht der Stall. Es ist kein Laut zu hören, wie ich dir sagte. Ehe sie merken(Komma) das (dass) eine der ihren fehlt, bist du schon lĂ€ngst ĂŒber alle Berge."
Er konnte sich vor Gier kaum noch beherrschen. Seine Augen glÀnzten,(kein Komma) und der Geifer rann ihm aus dem Maul.
"Ja, hau schon ab(Komma) du Zwerg," zischte er mir zu, "ich erledige den Rest."
Ich rannte wie der Teufel und suchte mir ein geschĂŒtztes PlĂ€tzchen, um mir das jetzt sicherlich spannende Schauspiel von dort aus anzusehen. Mit einem Satz sprang er ĂŒber den Zaun. Was nun folgte, war unbeschreiblich."

Obwohl er so viel mitgemacht hatte, fing der Hase bei der Erinnerung daran so zu lachen an, dass er gar nicht wieder aufhören konnte. Sein kleiner Körper bebte, und seine Barthaare zitterten wie Espenlaub. Die Schneckengesellschaft sah sich ratlos an und forderte ihn auf, doch endlich weiter zu erzĂ€hlen, sie seien gespannt wie ein Flitzebogen, und wĂŒrden auch gerne mitlachen.

"Das vergisst der nie," prustete er los, (AnfĂŒhrungszeichen) vom (von) wegen alles schlĂ€ft! Zwei riesige Hofhunde schossen zĂ€hnefletschend und laut bellend auf ihn zu, kaum das (dass) er den Boden auf der anderen Seite des Zauns berĂŒhrte. Von dem Krach wurde das gesamte Federvieh wach,(kein Komma) und tobte wild schnatternd im Stall umher. Und schon stand der Bauer mit einem Gewehr in der TĂŒr,(kein Komma) und schoss auf ihn.
"Oh du raffinierter Bursche," brĂŒllte der Fuchs hinter mir her, "na warte, wenn ich hier jemals lebend rauskomme, bist du dran."
Vor lauter Angst brauchte er glatt ein paar AnlĂ€ufe, um ĂŒber den Zaun zurĂŒck zu springen. Verfolgt von den Hunden, rannte er wie noch nie in seinem Leben, seine Beine berĂŒhrten kaum den Boden(Komma) so dass es aussah, als wĂŒrde er fliegen."
Das HĂ€schen hielt sich sein BĂ€uchlein vor lachen (Lachen), " ja (Ja Komma) und dann bin ich hierher gelaufen und habe mich ausgeruht, bis ihr dann vor mir gestanden habt."

Die Schnecken brĂŒllten und kreischten vor VergnĂŒgen.
"Welch ein Abenteuer," meinte eine von ihnen ehrfurchtsvoll, "du bist sehr clever."
"Auf dieses Erlebnis hÀtte ich aber gerne verzichtet," entgegnete er.
"Und was ist aus dem Fuchs geworden?"(Komma) schrie eine andere vor Wonne.
"Weiß ich nicht, wahrscheinlich lĂ€uft er immer noch, es wird der lĂ€ngste Lauf seines Fuchslebens werden, denke ich mal."
Wieder erschallte lautes Lachen auf der Wiese.
"So(Komma) ihr Lieben," rief er(Komma) als sie sich wieder beruhigt hatten, "jetzt wird es aber höchste Zeit fĂŒr mich(Komma) zu gehen. Es ist sehr spĂ€t geworden und ich möchte nicht, dass meine Familie sich Sorgen macht. Viel zu lange bin ich schon unterwegs. Ich wĂŒnsche euch noch einen schönen Abend. TschĂŒĂŸ, bis bald."

"Ja, bis bald," riefen sie ihm nach, und machten sich auch auf den Heimweg.
"Ist er nicht ein niedliches Kerlchen?"(Komma) fragte eine der hĂŒbschen Gartenschnecken.
"Und so schlau," meinten die anderen und nickten, "es ist schön, dass ihm nichts passiert ist."
Herzhaftes GĂ€hnen machte sich unter ihnen breit. Nun wĂŒrden sie gleich ihre SchlafplĂ€tze erreicht haben. Das war ein erlebnisreicher Abend, da waren sich alle einig. Als sie langsam auf den Rand der Wiese zu(getrennt)krochen, fing es ganz sacht wieder zu nieseln an.

eine sehr nette geschichte, die ich mit vergnĂŒgen gelesen habe.
ganz lieb grĂŒĂŸt
__________________
Old Icke

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hera
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Liebe MĂ€rchentante,

du nennst deine Geschichte „Das Schneckentreffen“. Aber genau genommen kommt das Treffen viel zu kurz. Der Schwerpunkt deiner Geschichte liegt auf dem gefĂ€hrlichen Leben der Schnecken. In diesem Zusammenhang mag das Erlebnis des Hasen mit dem Fuchs nicht so recht in die Geschichte passen. Bzw. es nimmt zu viel Platz ein, obwohl dieser Teil sehr spannend ist. Aber eigentlich ist das schon wieder Stoff fĂŒr eine neue Geschichte.

Viele GrĂŒĂŸe, hera

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Kasoma
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, meine Lieblings-MĂ€rchentante,

gerade heute bin ich mit meiner Tochter, die bald drei wird, auf einem Feld unterwegs gewesen. Im Gras lag eine Nacktschnecke, braun und schleimig: Ich sage: Guck mal, eine Schnecke! Meine Kleine schĂŒttelt den Kopf und meint: Nein, das ist Aa! Toll, oder!?

Deine Geschichte ist wiedermal ganz, ganz sĂŒĂŸ. Ich mag Deinen Stil, Du weißt! Kleiner Tipp: Bau Dir vor dem Schreiben ein GerĂŒst aus Stichwörtern, wo die Handlung hingehen soll, Spannungsbogen, Moral, e.t.c...
Ich habe das GefĂŒhl, manches Mal reißt dich Dein ErzĂ€hlwille fort, das ist zu schade: Bleib am Ball und sei herzlichst gegrĂŒĂŸt
von Kasoma

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Lady Deliah
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo MĂ€rchentante,

ich kann mich meinen Vorrednern da nur anschliessen. Es ist eine sehr schöne Geschichte, die aber eigentlich Stoff fĂŒr zwei bietet und die weichst vom Treffen zu sehr ab. Vielleicht hilft aber auch eine TitelĂ€nderung???

Liebe GrĂŒĂŸe

Lady Deliah, ebenfalls MĂ€rchentante

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