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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Dat is Liebe!
Eingestellt am 08. 01. 2015 18:50


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Dat is Liebe!

Sie können et sich nich vorstellen, wat sich die Freibiergesichter an dem Abend vonne Jagdverpachtung allet in den hohlen Kopp geschüttet haben! Die waren voll wie tausend Russen.
Mich freute dat bei so netten Feiern immer wieder, wenn ne Handvoll Krawallnasen beim Bechern zu Tieren wurden, andere Schluckis dagegen trĂĽbsinnig in ihr Bierglas glotzten oder dat arme Dier kriegten.
Gegen vier Uhr morgens entbrannte wegen ner Nickeligkeit, an die sich im Nachhinein kein Mensch mehr erinnern konnte, ne zünftige Keilerei unter den zwei größten Bauern. Der Schweinejupp kriegte dabei schwer wat auf sein großet Maul. Dat war in meinen Augen die gerechte Strafe für die Demütigungen, die mir der falsche Hund angetan hatte.

Ich war nach der Verpachtungsorgie zwei Tage krank. Berta hatte mich vor der Sauferei eindringlich gewarnt – leider vergebens. Ich erkannte schmerzhaft, dat, wenn ich zu viel auffe Gesundheit trank, ich dieselbige verlieren tat. Die Zeiten waren endgültig vorbei, wo ich mich nach solchen Gelagen morgens kurz schütteln tat und anschließend topfit malochen ging. Der Zahn der Zeit nagte sehr schwer an mir rum.
Ich betete um Erleuchtung: „Lieber Hubertus, ich bitte Dich, en Auge auf mich zu werfen, dat ich den Alkohol nur noch in Maßen trinke und dat ich meinen Vorsatz nich so schnell brechen tu. Schenk mir Standfestigkeit im Geiste und in allen Gliedern. Amen.“

Meine Berta krempelte nach der Verpachtung sogleich die JagdhĂĽtte um. Sie war gar nich mehr zu bremsen.
„Willi, die Einrichtung vonne Hütte entspricht absolut nich mein Geschmack. Die sieht da ja schlimmer aus als unser uraltet Gelsenkirchener Barock ausse sechziger Jahre! Die ollen Brocken fliegen raus, da kenn ich kein Erbarmen! Vielleicht will Else auch noch wat von den alten Klamotten haben. Ruf se ma schnell an. Nich, dat die Frau beleidigt iss, wenn ich ihre Piselunten auffem Hof verbrennen tu.“
„Berta, ich find die Einrichtung aber noch sehr schön und zweckmäßig. Neuanschaffungen kosten ne Stange Geld.“
„Hör auf, Willi, wenn et nach Dir gegangen wär, hätten wir zu Hause noch die Möbel von Deiner Großmutter im Schlafzimmer stehn. Ich will mich hier wohlfühlen, verstehsse dat? Dat kommt auch nich inne Tüte, dat ich mich inne Betten vonne Vorgänger wälzen tu. Möglichst noch mit deren Bettwäsche. Nix da, ich schmeiß allet raus.“

Ich rief dat Else an und berichtete von Bertas Vernichtungsaktion.
„Ach, Willi, mein Stern, lass Berta nur machen, sie hat ja Recht. Ich würde mit Dir auch nicht dort schlafen wollen, wo Du mit Deiner Berta Zärtlichkeiten ausgetauscht hast. Aber was ich noch fragen wollte, würdest Du bitte vom verblichenen Engelberts Waffen und Jagdutensilien für mich verkaufen? Vielleicht ist auch für Dich, mein Williken, ne schöne Waffe dabei.“
Oh, dat hörte ich gern. Im Stillen hab ich schon darauf gespinkst. Der Engelbert hatte nämlich ne tolle Bockdoppelbüchse, auf die ich besonders scharf war.
„Else, dat mach ich doch gerne für Dich, dat weiße doch. Wenn et Dir passen tut, komm ich inne Stunde ma rüber und seh mir die Sachen an.“
Else balzte wieder gnadenlos: „Oh, mein Willi, wie schön, dann sehe ich Dich endlich wieder.“
Ich ging vor die Tür, dat Berta nix von dem Gesäusel mitbekam und flüsterte: „Aber Else, Du hass mich doch noch vorige Woche bei die Verpachtung gesehn.“
„Mein lieber Willi, es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich sehne mich nach Deiner Nähe.“
Mir blieb die Spucke weg. Die Frau war ja scharf wie Rettich. Bei mir knisterte langsam die Potenz. Hoffentlich ging dat gut. Ich fuhr los und lieĂź Berta weiter inne HĂĽtte wĂĽhlen.
Else wohnte in sonne vornehme Villa im Nachbardorf.

Sie öffnete im Morgenrock die Tür und fiel gleich über mich her. Sie erdrückte mich fast und schmatzte mich von oben bis unten ab.
Ich wehrte mich anfangs nich. Erst als mir dat Gefummel zu doll wurde, versuchte ich nen geschickten Ablenkungstrick. „Else, sachte ich, „hasse ma ne Tasse Kaffee? Ich muss dringend wat trinken.“
Sie durchschaute mein Manöver.
„Willi, verzeih mir den Überfall, meine Gefühle habe ich nicht mehr unter Kontrolle. Du bist für mich der rote Diamant der Liebe. Du bist die Liebe meines Lebens, wir passen so gut zusammen. Als ich Deine Stimme hörte, wie Du nach Engelberts Tod sagtest: ‚Bei aller Liebe zu Dir und tiefer Zuneigung zu Engelbert ...’ war es um mich geschehen. Es war sofort aus mit meinen Gefühlen zu ihm. Dich schickte der Himmel. Du bist das Beste, was es gibt auf der Welt. Die Sehnsucht tut ja so weh. Ich habe schon Kaffee und Kuchen für meinen Schatz im Wohnzimmer stehen.“
Hoppla, die ging aber ran! Ich wusste gar nich, dat ich son dollen Hecht war.
Sie verwirrte mich. So wat hatte ich ja noch nie gehört. Die Worte waren pure Seelensahne. Welcher Mann hört so wat Schönet nich ma gerne? Zu Hause hörsse ja nie so tolle Liebesbezeugungen.
Else hatte sich langsam beruhigt und erzählte mir von sich und ihrem Engelbert: Wie se sich kennenlernten und anfangs glückliche Jahre verlebt hätten. Später aber hätte ihn nach und nach die Lendenkraft verlassen und sie hätte mit ihrem Verlangen allein dagestanden. „Weißt Du,“ fuhr se leise fort, „wie ich gelitten habe?“ Sie peilte mir dabei schmachtend inne Augen rein.
Engelbert hätte sich immer mehr von ihr zurückgezogen, auch sein Wesen hätte sich stark verändert. Er sei ungerecht und zanksüchtig geworden.
„Else, dat iss ja schrecklich, dann bisse ja sexuell total ausgehungert. Ich kann Dir aber leider nich helfen, Du weiß ja, dat ich mit Berta verheiratet bin. Wir müssen vernünftig sein, kannze mir dat versprechen?“
„Oh, mein Liebster, wenn ich doch nur ab und zu in Deiner Nähe weilen dürfte, dann wäre ich schon überglücklich.“ Mein lieber Scholli, meine Beherrschung grenzte schon an Selbstverstümmelung!
„Else, versprochen, wir werden uns ab und zu sehn, aber jetz zeig mir ma die Waffen und die Klamotten.“

Wie schon gesacht, dat Else war noch ne ganz kurante Olle, war wirklich gut gebaut, gepflegt und trug, bis auf den Hut, immer ne chice Pelle am Balg. Aber etwat störte mich ganz gewaltig an ihr. Wenn se in Wallung kam, dann schielte se auf einma. Vor lauter Erregung hatte se plötzlich auch Schaum im Mundwinkel – etwa so wie ne rauschige Bache. Dat war aber noch nich allet. Wenn se zu heftig balzen tat, keuchte se wie ne getriebene Ricke und gab beim Atmen seltsame Pfeiftöne von sich. Dat war schrecklich! Dat musste ich unbedingt abklären.
„Else, darf ich Dich ma wat fragen? Hasse eventuell Asthma oder Rachendasseln?“ „Wieso, mein Schatz?“
„Du pfeifst und keuchst wenne erregt bis. Geh ma zum Arzt. Mit Dir stimmt wat nich.“ Sie errötete, antwortete aber nich. Wahrscheinlich kannte sie ihr „Leiden“.

Else führte mich int Jagdzimmer. Au Backe, da lagen ja fast nur olle Klamotten, die man nur noch als Verstänkerungslappen gegen die Wutzen im Feld verwerten konnte. Vonne durchlöcherten Jagdsocke bis zum Sitzstock aussem letzten Jahrhundert lag da allet kreuz und quer auffem Fußboden.
„Else, wo hasse denn die Waffen versteckt?“
„Schau mal, Williken, hier im Waffenschrank stehen die.“
Sie öffnete den Panzerschrank und reichte mir fünf Langwaffen, zwei Revolver und fünfzehn Messer. Ein Hirschfänger aussem Dritten Reich war in einem besonders hübschen Karton untergebracht.
Ich nahm jedet Teil einzeln inne Hand und prüfte et sehr genau. En sauteueret Nachtsichtgerät übersah ich natürlich auch nich.
Endlich hielt ich die kostbare Bockdoppelbüchse inne Hand. Die sah echt edel aus! Wertvollet Luxus-Schaftholz, links und rechts je drei Tiergravuren, dat gleiche am Kastenboden und die Visierung mit Goldeinlage machten schon wat her. Dann prüfte ich die Blankwaffen. Der Hirschfänger war ja ganz wat Besonderet! Ich sachte für die Else: „Hömma, Else, war der Engelbert en alten Nazi?“ „Nein, um Himmels Willen, nein, Willi, wieso kommst Du auf solche Ideen? Was hast Du da inne Hand, Liebster?“

„Else, dat iss en Hirschfänger vom Reichsjägermeister Hermann Göring höchstpersönlich. Den hat der Oberhalunke am Hubertustag 1937 auffem Falknerhof-Riddagshausen nur verdienten Nazi-Bonzen überreicht. Hier les ma die Gravuren. Kuck ma auf dat dicke Hakenkreuz am Griff. Wenn dat Dingen jemand vom Bundesnachrichtendienst oder Bundeskriminalamt findet, kommze direkt im Bau, verstehsse dat?“
„Willi, mach keinen Quatsch, schaff mir bitte sofort das ganze Zeug hier weg, ich will von dem Waffengelumpe nichts mehr im Haus haben.“ Sie erregte sich zwar, schielte aber nich.
„Else, ich brauch für die Behörde die Waffenbesitzkarten und Engelbert’s Sterbeurkunde. Ich werde mein Bestet tun, um den ganzen Kram schnell zu verkloppen. Bisse damit einverstanden, dat ich dem Uli auch wat davon schenke?“
„Willi, gib dem Uli was Schönes, er hat es verdient. Hättest Du nicht auch Spaß an den tollen Messern und wertvollen Waffen vom Engelbert? Das wäre doch wirklich ein hübsches Andenken an Deinen Jagdfreund Engelbert.“
Ich nahm sie in den Arm, küsste sie freundschaftlich auffe Stirn und flüsterte ihr int Ohr: „Else, Du biss so großzügig, dat kann ich einfach nich annehmen. Wenn ich wat für mich aussuchen darf, dann musse dafür aber wenigstens son kleinen, symbolischen Betrag annehmen. Verspochen?“
„Williken, ich wusste, dass Du eine reine Seele hast, nimm, was Dir gefällt. Es wäre auch in Engelberts Sinn. Bei Dir iss alles in guten Händen, auch mein armes Herzchen.“
Verdammt, wat machte denn die Frau da auf einmal? Die nahm meine Hand und führte sie zu ihrer Brust. Mann o Mann, ihr Herz lag plötzlich in meine Hand drin. Et schlug wie verrückt. Else zitterte wie Espenlaub, verdrehte plötzlich die Augen, entglitt mir und knallte auffen Teppich. Nee! Dat auch noch!
Mensch, Willi, dachte ich, hasse die Frau mit Deine verführerischen „Aurora“ umgebracht? Ich beugte mich über sie und klebte ihr en paar links und rechts. Verdorri, die wurde gar nich mehr wach! Erst als ich mit die Mund - zu - Mund - Beatmung anfing, schlug sie ma kurz die Augen auf, fiel aber sogleich wieder in Ohnmacht. Diese Prozedur wiederholte sich fünfmal. Ich drückte vorsorglich auch noch auf ihrer Brust rum, wie ich dat ma beim Roten Kreuz gelernt hatte.
Ich war total fertig. Dat brachte allet nix, deshalb holte ich schnell en Eimer Wasser ausse KĂĽche und schĂĽttete ihr den ĂĽbern Kopp.
Endlich schlug se die Augen auf. Sie schielte und hatte Schaum inne Mundwinkel. Aha, jetz wusste ich, wat los war. Else hatte mich geleimt. Wat musste die arme Frau fĂĽr entsetzliche Liebesqualen durchmachen!
„Else, soll ich en Krankenwagen bestellen? Ich mache mir große Sorgen.“
„Nein, Liebster, bitte keinen Krankenwagen. Es geht mir schon viel, viel besser. Schön, dass Du mich gerettet hast, Du, mein edler Ritter.“ „Else, dat heißt ‚Retter’.“ „Ach, Williken, Retter oder Ritter, beide sind doch edle Menschen. Als ich in Ohnmacht lag, träumte ich, dass Du mich wie eine Lawine überrolltest und ich wäre mit Dir in einem Vulkan explodiert.“
„Else, ich muss schon sagen, Deine Träume sind ganz schön ausgefallen. Hasse so wat schon öfter geträumt?“
„Willi, ich weiß nicht was mit mir los ist, so verliebt war ich noch nie, ich kenne mich überhaupt nicht wieder. Die Träume sind nur Ausdruck meiner Seele.“

Ich musste die Kurve kriegen. „Else, Berta wartet auf mich, ich muss abhauen. Ich will Dir keinen Floh int Ohr setzen, aber wir sehn uns bestimmt schnell wieder. Komm, helf ma mit, die Waffen und den anderen Kram im Auto zu verstauen.“
Sie schaute mich traurig an, schleppte die Brocken wortlos zum Auto, drehte sich um und verschwand schluchzend in ihrem Haus.








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Wolfgang M. A. Bessel
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