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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Ameisentraum
Eingestellt am 11. 06. 2002 01:04


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Der Ameisentraum

Es war einmal eine Waldameise, die hie├č Felix. Sie war noch jung und wusste nicht, wie die Welt funktionierte. Zusammen mit den anderen Kindern des eher kleinen Ameisenhaufens, der am Rande einer Lichtung neben einem alten, zerfallenen Baumstumpf errichtet war, lernte Felix, was wichtig war im Leben. Dass man immer arbeiten muss, zum Beispiel. Oder dass man kein Essen von Artgenossen aus dem eigenen Bau stehlen darf. Oder dass man als Ameise immer darauf achten sollte, sich nie allein irgendwo aufzuhalten, nie allein irgend etwas zu unternehmen.
Felix war nicht kl├╝ger als die anderen Ameisen, lernte, wie man eine Stra├če baute, wie man einen toten K├Ąfer in den Bau schleppt oder wie man sich gegen Angreifer wehrt.
Doch eines Tages war Felix es leid. Er begann nachzudenken ├╝ber das Ameisenleben, betrachtete die Erwachsenen, wie sie Tag um Tag schufteten, den Haufen zu erhalten und f├╝r genug Nahrung zu sorgen, und er betrachtete die anderen Kinder, die flei├čig lernten, nur um sp├Ąter ebenfalls schuften zu k├Ânnen.
├ťber dieser Betrachtung wurde Felix traurig. Er sah pl├Âtzlich keinen Sinn mehr im Ameisenleben und w├╝nschte sich, so etwas aufregendes zu sein wie zum Beispiel ein Vogel oder ein Fuchs.
Nun hatte er einmal von einer alten, im Sterben liegenden Ameise, die er zuf├Ąllig unter einem morschen Ast gefunden hatte, eine wundersame und aufmunternde Geschichte geh├Ârt, an die er sich gut erinnerte, und die ungef├Ąhr so ging:
Weit oben, wenn man die Wurzeln der B├Ąume hinaufklettert und noch weiter, an den ├ästen vorbei immer am Baumstamm entlang bis hinauf zu den entlegendsten Zweigen, wo der Wind so stark weht, dass eine Ameise sich kaum festhalten kann, da kann man, wenn man scharfe Augen hat, das Land des ewigen Sommers sehen. Dort gibt es riesige saftig gr├╝ne Wiesen mit vielen K├Ąfern, W├╝rmern und Blattl├Ąusen, und jede Ameise kann dort pr├Ąchtig leben und uralt werden, ohne viel daf├╝r tun zu m├╝ssen. Kein Bau muss gebaut werden, keine Wintervorr├Ąte angelegt, frische Ameiseneier fallen jeden Tag vom Himmel.
In diesem Land nun ging es den Ameisen wohl. Sie waren gro├č und wohlgen├Ąhrt, jeder hatte vor ihnen Respekt. Sie lebten einzeln, jede ihr eigenes Leben und waren so gl├╝cklich, dass sie ins Ge├Ąst der B├Ąume kletterten, nur um sich schaukeln zu lassen.
Dort lebte eine rote Ameise die hie├č Laura. Sie war einsam. Zwar ging es ihr gut, sie hatte keine M├╝he, Nahrung zu finden, sie hatte keine Feinde – aber sie war schrecklich einsam. Und deshalb irrte sie durch die W├Ąlder und suchte einen Freund, mit dem zusammen sie ihr Leben verbringen konnte.
Felix dachte lange nach ├╝ber diese Geschichte, und er kam zu dem Schluss, dass er nun sein Leben ├Ąndern m├╝sse. Er wollte nicht das gleiche Schicksal erleiden wie all die Tausenden und Abertausenden seiner Artgenossen. Er wollte ein ganz neues Leben leben. Und dazu musste er, dass war ihm klar, in das Land des ewigen Sommers gelangen.
Er krabbelte also in den Wald und suchte einen besonders dicken Baumstamm. Ohne zu zaudern, begann er daran hochzuklettern. Eigentlich war es jungen Ameisen wie ihm verboten, allein in den Wald zu gehen und zu klettern – aber Felix hatte ja ohnehin nicht vor, wieder zu seinem Haufen zur├╝ckzukehren. Er wollte endlich frei sein.
Er kletterte und kletterte, sah sich kein einziges mal um. Unz├Ąhlige ├äste ├╝berwand er, der Stamm wurde immer d├╝nner, bis er schlie├člich in eine Spitze m├╝ndete. Hier ging es nicht h├Âher. Felix musste sich festklammern, der Wind wehte heftig, genauso, wie es die alte Ameise beschrieben hatte. Und nun wagte er sich umzusehen.
├ťber sich sah er nichts als blau. Er wunderte sich, dass es soviel Blau geben konnte, fragte sich aber zugleich besorgt, wo nun das Land des ewigen Sommers war.
Dann blickte er nach unten und sah ein in warmes Sonnenlicht getauchtes Land mit W├Ąldern und Wiesen, das ihm so au├čerordentlich gefiel, dass er es f├╝r das gesuchte Land hielt.
Ha, dachte er, da hinunterzukommen ist doch ganz leicht. Ich muss einfach nur den Baum loslassen und mich vom Wind tragen lassen.
Gesagt, getan. Felix lie├č den Baum los, und der Wind ergriff ihn mit seinen m├Ąchtigen Armen. Noch nie hatte sich Felix so frei gef├╝hlt. Dieser Flug war das Sch├Ânste, was er je erlebt hatte. Doch er landete hart.
Er landete auf einem Stein, und als er sich umsah, bemerkte er, dass der Stein sich mitten in einem wild brausenden Bach befand. Nein, das konnte nicht das Land des ewigen Sommers sein. Riesige Tropfen klatschten links und rechts neben Felix auf den Stein, die Luft war eisig, nirgends auch nur ein Grashalm zum Festhalten. Felix f├╝hlte sich auf einmal schrecklich einsam und hatte gro├če Angst. Wie sollte er je wieder aus diesem Bach kommen? Und wo war er ├╝berhaupt? Wo war sein Ameisenhaufen, und wo das Land des ewigen Sommers?
Er begann zu weinen. Erst wollte er der alten Ameise die Schuld geben, dass sie ihm von diesem Land erz├Ąhlt hatte – doch dann beschuldigte er sich selber. Er h├Ątte besser nachdenken m├╝ssen, bevor er den Baum erkletterte. Er h├Ątte nicht so leichtfertig den Baum loslassen sollen.
Doch alles Gr├╝beln half jetzt nichts. Er musste aufpassen, dass er von keinem Tropfen getroffen und in den Bach gesp├╝lt wurde. Das w├╝rde sein sicherer Tod sein.
Wie lange er schon auf dem Stein hin und her geh├╝pft war, wusste er nicht. Jedenfalls war er ziemlich ersch├Âpft, als er pl├Âtzlich Besuch von einem seltsamen Tier bekam. Es war ein kleiner Fuchs, dessen Nase gr├╝n war und der einen Schal trug. Er war gerade so gro├č wie eine Maus, sch├Ątzte Felix.
„Guten Tag“, sagte der Fuchs, dessen Schal nass gegen den Stein klatschte, als er sich ersch├Âpft darauf rettete.
Felix nickte ihm erstaunt zu, sagte aber nichts. Noch nie im Leben hatte er so ein Wesen gesehen. Er wusste nicht, ob er Angst haben oder lachen sollte.
Der Fuchs sch├╝ttelte sich kurz und gesellte sich auch gleich zu der Ameise, die sich nun doch etwas f├╝rchtete vor der gro├čen Gestalt.
„Was machst du hier, kleine Ameise?“, fragte er in gutm├╝tigem Ton.
Felix zitterte ein wenig. „Ich bin aus Versehen hier gelandet. Ich bin von einem Baum gefallen.“
Der Fuchs kicherte und wrang die Enden seines Schals aus. „Du suchst Laura, nehme ich an?“
Felix war entsetzt. Woher wusste dieser Fuchs, dass er auf dem Weg ins Land des ewigen Sommers war? „J-ja“, antwortete er z├Âgerlich. „Laura sucht doch einen Freund, sie ist doch so einsam...“
Der Fuchs kicherte wieder und zwinkerte mit seinen langen Wimpern. „Ich bin Zlups, der Wasserfuchs“, erz├Ąhlte er, „ich bin immer auf der Reise, von einem Ufer zum anderen, und ich komme doch nie an. Ich wohne gleich am Ufer, wenn du willst, nehme ich dich mit, dann k├Ânnen wir einen Tee trinken.“
Felix blickte Zlups misstrauisch an, da er aber keinen anderen Ausweg sah, verkroch er sich in das weiche, glitschige Fell des Fuchses und lie├č sich forttragen.
Als er sp├╝rte, dass sie das Wasser verlassen hatte, steckte er seinen Kopf aus dem Fell und sah sich um. Er traute seinen Augen nicht. Sie waren in einer weitverzweigten H├Âhle, die praktisch und gem├╝tlich eingerichtet war. Es gab einen kleinen Tisch, Schr├Ąnke, einen Schaukelstuhl und jede Menge kleiner Gef├Ą├če, Vasen, Kannen, Tassen, Sch├╝sseln.
„Du kannst herauskommen, Felix“, sagte Zlups mit seiner gutm├╝tigen Stimme. „Dies ist meine bescheidene Wohnung.“
Als Felix abgestiegen war, bemerkte er, dass er noch einige G├Ąnge ├╝bersehen hatte. In jede Richtung, auch nach oben und unten liefen G├Ąnge und Treppen, und ├╝berall, soweit er blicken konnte, waren kleine Gef├Ą├če.
„Jetzt werden wir erst mal in Ruhe einen Tee trinken“, murmelte Zlups. Mein Cousin, der Wolkendachs hat sich auch zum Besuch angemeldet, vielleicht kommen auch noch die Feuermaus und das Erdhuhn.“
Felix krabbelte beh├Ąnde auf den Stuhl, der ihm vom Wasserfuchs zugewiesen worden war, und stellte sich so, dass er ├╝ber die Tischkante blicken konnte.
„Aber ich trinke gar keinen Tee“, sagte er, w├Ąhrend er sehnsichtig zur Zuckerdose schielte, die offen auf dem Tisch stand.
„Macht nichts“, sagte Zlups, der schon mit der Teekanne kam, „dann setze dich am besten in die Zuckerdose und iss, soviel du willst.“
Gesagt, getan. Felix erkletterte die Zuckerdose, und machte es sich zwischen den Zuckerk├Ârnchen gem├╝tlich. Vielleicht, dachte er, ist das ja ein ganz guter Ersatz f├╝r das Land des ewigen Sommers.
Nicht viel sp├Ąter – Zlups wollte gerade zu erz├Ąhlen beginnen – tauchten die G├Ąste auf. Ein kleiner Dachs mit furchtbar zerzaustem Fell, der so verwirrt guckte, dass Felix kichern musste, eine merkw├╝rdige Maus, mit flammenartigem Fell und kleinen schwarzen Augen, und ein kleines Huhn, das ├╝ber und ├╝ber mit Sand und Staub bedeckt war. Alle Tiere waren ungef├Ąhr gleichgro├č, also so gro├č wie Zlups. Die Feuermaus und das Erdhuhn hatten St├╝hle mitgebracht, die sie an die L├Ąngsseiten des Tisches stellten und auf die sie sich auch sofort setzten, als h├Ątten sie einen weiten Weg hinter sich und m├╝ssten sich ausruhen.
„Meine werten G├Ąste“, sagte Zlups feierlich, „ich hatte heute schon die Ehre, einen Besucher willkommenzuhei├čen, es ist Felix, die Ameise.“
Alle starrten zur Zuckerdose und schienen nicht besonders begeistert zu sein. Die Feuermaus blies sogar eine kleine Flamme aus ihrem rechten Nasenloch, so dass Felix geh├Ârig zu zittern begann.
„Seit wann teilst du dein Haus mit so etwas L├Ącherlichem wie Ameisen?“, wollte der Wolkendachs wissen.
„Ameisen sind freundliche Wesen. Und wenn sie allein sind, k├Ânnen sie auch keinen Schaden anrichten“, entgegnete Zlups friedfertig. „├ťbrigens, Felix, das ist Hashiu, der Wolkendachs.“
„Guten Tag“, sagte Felix h├Âflich und nickte Hashiu zu.
„Und nun lasst uns Tee trinken“, sagte Zlups nachdem er die Tassen mit einer seltsam duftenden, blauen Fl├╝ssigkeit gef├╝llt hatte.
Es wurde abwechselnd, im Uhrzeigersinn getrunken. Zuerst trank Zlups, der Gastgeber, dann die Feuermaus, dann er Wolkendachs an der anderen Stirnseite, dann das Erdhuhn, das der Maus gegen├╝ber sa├č und abwesend guckte und dann wieder Zlups. Niemand sagte etwas, und das war offenbar v├Âllig normal. Felix tat sich am Zucker g├╝tlich, bis er satt war und sah sich dann wieder um. Die Zeit verging, die Tassen schienen sich immer wieder von selbst zu f├╝llen. Jedenfalls musste Zlups nie nachgie├čen.
Irgendwann wurde Felix langweilig. Er kletterte ein wenig im Zucker herum, und als nach einer halben Ewigkeit wieder nichts geschehen war, getraute er sich endlich, die Frage zu stellen, die ihn seit Langem schon bewegte.
„Was sollen eigentlich die vielen Vasen und Kannen und Sch├╝sseln hier ├╝berall?“
Die G├Ąste und Zlups h├Ârten j├Ąh auf zu trinken und richteten ihre Blicke fast entsetzt zur Zuckerdose, so dass Felix bef├╝rchten musste, im n├Ąchsten Augenblick gefressen zu werden. Doch nichts dergleichen geschah. Stattdessen fl├╝sterten sich die G├Ąste unverst├Ąndliche Worte zu und schienen beunruhigt zu sein.
„Du bist eine Ameise, Felix“, begann Zlups in gem├╝tlichem Ton, „deshalb hast du das Recht darauf, eine Antwort auf diese Frage zu bekommen.“
„Aber was ist, wenn er ein Verr├Ąter ist?“, fauchte die Feuermaus pl├Âtzlich, und wilde kleine Flammen stoben ├╝ber den Tisch.
„Dass du auch immer gleich an das Schlimmste denken musst, Schwesterchen“, sagte der Zlups erheitert. „Das, Felix, ist ├╝brigens Brutzwutz, meine Schwester.“
„Und was ist, wenn indessen der Tee kalt wird?“, gab das Erdhuhn zu bedenken.
„Dann macht ihn die Feuermaus wieder warm“, grummelte der Wasserfuchs und wedelte mit den Enden seines Schals. „Felix, das ist ├╝brigens Schlorp, meine Cousine.“
Felix sah das Huhn an, von dem immer und immerzu Sand und Staub br├Âckelte, und er f├╝hlte sich nicht wohl dabei. Aber was sollte er tun? An eine Flucht war nicht zu denken. Er sah also verzweifelt zu Zlup her├╝ber.
„Dieser Raum und all die unendlichen G├Ąnge, die sich weit unter den W├Ąldern und Wiesen hinziehen, geh├Âren zur gro├čen H├Âhle der grauen Kr├Âte, die unser aller Gro├čmutter ist“, erz├Ąhlte der Wasserfuchs gem├╝tlich. „Einst, vor ewigen Zeiten ist diese H├Âhle von der gro├čen Knix errichtet worden, der herrlichsten Ameisenk├Ânigin, die es je gegeben hat. Sie und ihr Volk haben so lange an ihr gebaut, wie der Donnerer gebraucht hat, den Mondteller zu schmieden. Und das war eine ├Ąu├čerst lange Zeit. Hier wollten die Ameisen sich eine sichere Unterkunft bauen, wo sie gesch├╝tzt waren vor all der N├Ąsse und K├Ąlte und vor allen Feinden.“
„Doch gerade, als sie die G├Ąnge fertiggebaut, und die S├Ąle kunstvoll eingerichtet hatten“, fuhr der Wolkendachs fort, „kam Zlugk, der gr├Â├čte aller Kr├Âtenk├Ânige, mit seinen Heerscharen, drang in das H├Âhlenlabyrinth ein und lie├č alle Ameisen, die er finden konnte, in diese kleinen Gef├Ą├če stecken. Jedes der Gef├Ą├če verschloss er sorgf├Ąltig, denn er wusste, dass die Ameisen unsterblich waren, solange ihre Anf├╝hrerin, die gro├če Knix nicht ausfindig gemacht und vernichtet worden war.“
„Leider“, seufzte die Feuermaus mit hei├čem Atem, „hat man die gro├če Knix bis heute nicht gefunden. Die graue Kr├Âte, die Tochter Zlugks, hat sie ebenso gesucht, wie wir sie heute suchen. Aber niemand hatte Erfolg bis zum heutigen Tage. Deshalb m├╝ssen all die Tausenden und Abertausenden Vasen und Kannen und Sch├╝sseln hier stehen bleiben, und wir k├Ânnen immer nur abwarten und Tee trinken. Wir m├╝ssen diesen Tee trinken, denn er ist der Kraftsaft der Ameisen. Er tropft hier von der Decke genau in unsere Tassen, und sein Duft verleiht den Ameisen Kraft. W├╝rden wir ihn nicht trinken, so w├Ąren die Ameisen irgendwann stark genug, ihre Gef├Ą├če zu sprengen und uns zu vertreiben. Doch darf man ihn nicht mit Zucker trinken.“
„Das ist ein ungeschriebenes Gesetz“, f├╝gte das Erdhuhn nach einer langen Zeit des Schweigens hinzu, „dass man den Tee nicht mit Zucker trinken darf. Deshalb steht die Zuckerdose seit Urzeiten hier auf dem Tisch, ohne dass je jemand auf die Idee gekommen w├Ąre, Zucker zu nehmen.
Eines Tages, wenn wir Knix gefunden haben, werden wir jedoch ein gro├čes Fest feiern, und zu diesem Fest werden wir Pfandkuchen backen mit viel Zucker.“
Felix dachte ├╝ber die Geschichte nach. Er fand es schlimm, dass die Ameisen auf so grausame Art gefangen gehalten wurden und er versp├╝rte einen Drang in sich, sie zu retten. Ob er einfach vom Tisch springen sollte und ein paar von den Vasen umwerfen? Nein, das war zu gef├Ąhrlich. Die Gestalten am Tisch w├╝rden ihn aufhalten, noch ehe er den Tisch verlassen h├Ątte.
Also nahm er sich vor, Knix zu suchen. Sobald er hier freigekommen war, wollte er sich aufmachen und die gro├če Ameisenk├Ânigin suchen und befreien.
„Doch wer seid ihr? Was tut ihr?“, wollte er nach einigem ├ťberlegen wissen.
Zlup kicherte. „Wir sind niemand. Das hei├čt: Niemand wei├č von uns. Tagein tagaus wandern wir durch diese G├Ąnge, und nur sehr selten verlassen wir das gro├če Labyrinth, ich, wenn ich irgendwo eine ├ťberschwemmung anrichten will. Oder die Feuermaus, wenn irgendwo ein Feuer gelegt werden soll. Oder die Erdkr├Âte, wenn ein Erdrutsch ein Dorf versch├╝tten soll. Oder der Wolkendachs, wenn ein Wirbelsturm D├Ącher abdecken und B├Ąume entwurzeln soll. Sonst haben wir nichts zutun. Wenn wir in den G├Ąngen hin und her wandern, halten wir manchmal Ausschau nach Knix, aber mit der Zeit haben wir uns daran gew├Âhnt, dass sie unauffindbar ist.“
Felix wurde sehr traurig, als er das h├Ârte. Diese seltsamen Gestalten waren also der Grund allen ├ťbels, und ausgerechnet sie hielten auch noch das Volk der gro├čen Ameisenk├Ânigin gefangen. Wie ungerecht doch die Welt war. Felix wusste, dass es nun an ihm lag, etwas zu ver├Ąndern. Denn nur er wusste ja von dem Ganzen.
Als er von seinen Gedanken wieder aufsah, bemerkte er, dass die vier Gestalten wieder begonnen hatten, gelangweilt ihren Tee zu schl├╝rfen. Und noch etwas bemerkte er: Dass der Zuckerberg, auf dem er lag, sich bewegte. Eine kleine, wispernde Stimme drang an seinem Inneren an Felix’ Ohr, gerade so laut, dass er sie noch h├Âren konnte:
„Felix! Ich bin es, Knix!“
Felix glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Er bohrte seinen Kopf in den Zucker, um besser h├Âren zu k├Ânnen.
„Felix! Ich bin es, Knix!“, ert├Ânte es ein zweites Mal. „sag denen da drau├čen, du w├╝sstest, wo sich die gro├če Knix befindet und dass Du es aber nur verraten w├╝rdest, wenn sie ihren Tee in die Zuckerdose gie├čen w├╝rden.“
Felix grinste. Das war eine gute Idee. Er kletterte aus der Zuckerdose und stellte sich so majest├Ątisch es ihm m├Âglich war auf. Mit einem R├Ąuspern verschaffte er sich die n├Âtige Aufmerksamkeit.
„Ich habe euch etwas mitzuteilen“, sagte er gravit├Ątisch.
Die anderen guckten erstaunt und l├Ąchelten ├╝ber die kleine Ameise, die tat, als w├Ąre sie etwas Gro├čes.
„Ich wei├č, wo sich Knix befindet!“
„Das wei├čt du wirklich?“, fragten der Wolkendachs, die Feuermaus und das Erdhuhn gleichzeitig.
„Ja.“
„So sag es uns!“, riefen sie.
„Ich verrate es nur, wenn ihr den Tee, der in euren Tassen ist, in die Zuckerdose gie├čt. Auf den Zucker.“
Weder Hashiu, noch Brutzwutz noch Schlorp ├╝berlegten lange. Sie gossen nacheinander den Inhalt ihrer Tassen in den Zucker, der alsbald zu einem klebrigen Brei wurde. Einzig der Wasserfuchs behielt seine Tasse in der Hand und l├Ąchelte.
Nicht viel sp├Ąter stachen aus dem Brei in der Zuckerdose zwei lange F├╝hler, dann zwei Ameisenbeine und schlie├člich ein gro├čer silberner Ameisenkopf.
„Ich bin Knix“, sagte er. „Und ihr habt mich endlich gefunden. Gefunden und befreit.“
Ein Get├Âse ging durch die G├Ąnge und Hallen der gro├čen H├Âhle. S├Ąmtliche Gef├Ą├če brachen entzwei und ins Freie sprangen Tausende und Abertausende Ameisen. Knix aber schl├╝pfte vollst├Ąndig aus dem Zuckerbrei, legte ihren Arm um Felix und sagte: „La├č uns gehen.“
Und als Felix seine Augen wieder aufschlug, fand er sich neben Knix liegend auf einem sch├Ânen, sonnenbeschienen Platz inmitten einer gro├čen, duftenden Wiese, wo es jede Menge K├Ąfer gab und wo Ameiseneier vom Himmel fielen.
„Ich bin Laura“, sagte Knix, die jetzt nicht mehr silbern sondern golden gl├Ąnzte. All das war nur ein Traum von mir. Doch zum Gl├╝ck bin ich erwacht.
„Und ich?“, fragte Felix verdutzt. „Ich bin doch Teil deines Traumes gewesen.“
„Ja“, antwortete Laura, „ich habe dich mitgenommen.“
„Das ist m├Âglich?“
„Im Land des ewigen Sommers ist alles m├Âglich.“ Laura l├Ąchelte.

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flammarion
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hm,

da haste dir ja was einfallen lassen. ein m├Ąrchen, in einem traum versteckt. nur so ist zu erkl├Ąren, warum die b├Âsewichter so vertrauensselig sind und auch nicht zuschlagen, wenn die gesuchte person aus der zuckerdose kommt. dann noch die verwandlung in laura - also es mu├č ein traum sein. aber interessant und spannend erz├Ąhlt. noch eine frage: was is n Pfandkuchen? ich kenne nur pfannkuchen. lg
__________________
Old Icke

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