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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Ausreißer
Eingestellt am 24. 10. 2002 00:38


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wondering
Fast-Bestseller-Autor
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Unten im Tal läuteten die Glocken der Dorfkirche den Mittag ein. Oben auf der Almwiese tobte ein kleiner Junge mit seinem Hund. Für ihn war das Läuten gerade noch zu hören. Es sagte ihm an, dass er sich schleunigst auf den Heimweg machen sollte. Wie ein Wirbelwind rannte der Knabe über die Wiese hinunter ins Dorf, schnappte sich seinen Schulranzen, den er auf dem Schulhof abgelegt hatte, und begrüßte einige Minuten später seine Mutter: „ Hallo Mama, da bin ich!“ „Hallo Basti, mein Junge,“ antwortete die Mutter, „ komm‘ gleich an den Tisch, das Essen ist fertig.“

Basti Riezler war sieben Jahre alt und ein fröhlicher, aufgeweckter Junge. Sein strubbeliges, rotbraunes Haar verbarg er meistens unter einem lustigen Seppelhut,unter dem er mit wachen Augen hervorlugte. Um seine kleine Vorwitznase tanzten Hunderte kleiner Sommersprossen. Basti ging inzwischen in das zweite Schuljahr der Dorfschule, wenn er denn überhaupt dort erschien. Für den Jungen gab es nämlich nichts Wichtigeres als seinen Hund Rolf, einen pfiffigen Mischlingsrüden, die Almen und Wälder rund um das Tal, in dem das Dorf lag, und die Tiere, die dort oben lebten. Und so verbrachte Basti wenigstens einen Vormittag in der Woche in den Bergen, anstatt zur Schule zu gehen. Dort kannte er jeden Hügel, jeden Baum im Wald, bald jeden Grashalm auf den Wiesen. Er sprach mit den Kühen auf den Weiden, beobachtete die Eichkätzchen im Wald oder spielte mit den Murmeltieren. Oft saß er stundenlang vor dem Eingang eines Fuchsbaus, um einen Blick auf die Jungtiere zu erhaschen. Außer seinem Hund war einer der letzten Steinadler Basti’s bester Freund. Der majestätische Vogel kam stets geflogen, sobald er das Kind von weitem erspähte und ließ sich dann in seiner Nähe nieder. Hier oben war Basti’s Welt. In der freien Natur fühlte er sich wohl, dachte nicht an Schule oder Hausaufgaben.

Einige Zeit war niemandem aufgefallen, dass der Junge öfter in der Schule fehlte. Seine Mutter glaubte ihn an Ort und Stelle, während die Lehrerin sich mit der Erklärung Basti’s , er habe schlimmen Husten gehabt, zufrieden gab. Da Basti trotz der Schulschwänzerei ein guter Schüler war, kam auch niemand auf die Idee, dem Fehlen des Jungen nachzugehen.

Eines Tages jedoch verhallte das Mittagsläuten im Dorf von Basti ungehört und er kam nicht zum Essen nach Hause. Frau Riezler ahnte schnell, dass etwas passiert sein musste, denn ihr Junge war sonst immer pünktlich. Sie wartete ungeduldig eine halbe Stunde lang und rief dann in der Schule an. Von der verwunderten Lehrerin erfuhr die Mutter, dass Basti gar nicht in der Schule gewesen war. Er habe doch sicher wieder seinen schlimmen Husten, meinte die Lehrerin dazu. Schnell war die Geschichte mit dem Husten geklärt und Basti‘s Mutter machte sich nun ernsthaft Sorgen. Sie war eine tüchtige Frau, die seit dem Tod ihres Mannes vor zwei Jahren den Hof allein bewirtschaftete. Zwar hatte die Mutter nicht viel Zeit für ihren Sohn, doch waren die beiden ein eingespieltes Team und es hatte bisher nie Anlass zur Sorge gegeben. Nun war Basti verschwunden. Es war allen klar, die das Kind kannten, dass man ihn in den Bergen suchen musste. Doch niemand hatte eine Vorstellung, wo genau sich der Junge am liebsten aufhielt, wo mit der Suche begonnen werden sollte. Eine große Hilfe hätte Basti’s Hund sein können. Aber der war wie gewöhnlich an des Jungen Seite. Frau Riezler zögerte nicht mehr lange, sondern verständigte die Bergwacht. Sie war sich sicher, dass sich ihr Junge in Gefahr befand.
Während im Dorf die Männer der Bergwacht, Nachbarn und Freunde des Riezler-Hofs die Suche nach Basti besprachen, versuchte der Junge verzweifelt, seinen Hund zu befreien.
Die Beiden hatten wieder einmal stundenlang in der Nähe des Fuchsbaus auf der Lauer gelegen, als die Fähe (Füchsin) mit ihren vier Jungen zum Bau zurück kam. Basti bedeutet seinem Hund, ganz still zu sein, doch die Fähe hatte die beiden bereits gewittert. Sie verzog sich sofort sehr aufgeregt mit einem der Jungen im Maul zurück ins Unterholz. Die anderen Kleinen folgten ihr. So nah hatte Basti die Füchse noch nie gesehen und er wollte ihre Spur auf keinen Fall wieder verlieren. So flüsterte er: „Komm Rolf!“, und schlich den Tieren vorsichtig hinterher. Doch Rolf’s Jadgtrieb war stärker, als sein Gehorsam und er rannte der Fuchsfamilie nach. Kurze Zeit später hörte Basti ein lautes Aufjaulen, das in ein schmerzvolles Fiepen überging. „ Rooolf“, schrie Basti auf und schlug sich so schnell es ging durch das dichte Unterholz und Gestrüpp in die Richtung, aus der die Laute seines Hundes kamen,

Inzwischen waren im Dorf mehrere Gruppen eingeteilt worden, die sich auf die Suche nach Basti machten. Frau Riezler eilte mit zwei Bergführern zum 300 Meter höher gelegenen Wald, während die anderen die Almwiesen absuchen sollten. Im ganzen Tal hallten: „Basti, Basti“-Rufe, doch der Junge hörte sie nicht.

Basti hatte seinen Hund zwischenzeitlich erreicht und fand ihn stark blutend mit der rechten Vorderpfote in einer Fuchsfalle gefangen. Natürlich schaffte es der Junge nicht, die Falle zu öffnen. Er war nicht stark genug, aber er wollte Rolf auch nicht allein zurück lassen. Was sollte er tun? Da kam ihm die rettende Idee: der Steinadler! Basti wußte, dass der Vogel irgendwo in der Nähe sein würde. Er kroch aus dem Unterholz und ahmte den Ruf des Adlers nach. Und tatsächlich zeigte sich der Vogel. „Jetzt zeig‘, was ich dir beigebracht habe“, rief Basti seinem gefiederten Freund zu und warf seinen Seppelhut so hoch es ging in die Luft. Der Steinadler kannte das Spiel und erhob sich. Als Basti den Hut erneut warf, ergriff ihn der Vogel und flog damit in die Höhe. „Flieg, flieg!“, schrie Basti und ruderte auffordernd mit den Armen. Der Steinadler hielt den Hut in den Krallen und kreiste am Himmel, genau über der Stelle, wo sich der Junge nun wieder um seinen Hund kümmerte.
„Mein Gott, mein Junge! Da schaut!“, rief Frau Riezler. Sie hatte den Adler am Himmel entdeckt. Jetzt dauerte es nicht mehr lange und die Gruppe hatte den Jungen und seinen Hund gefunden. Die Mutter wußte nicht, ob sie schimpfen oder sich nur freuen sollte; ihr Junge war unversehrt. Rolf wurde befreit und die Wunde versorgt. Dann gingen alle ins Dorf zurück, Basti trug seinen Hund.

Am Abend saßen Frau Riezler und Basti zusammen in der Stube. Die Mutter erzählte, wie sehr sie sich gesorgt hatte und sie nahm dem Jungen das Versprechen ab, die Schule nicht mehr zu schwänzen. Basti versprach es hoch und heilig.
Zwei Tage später stand der Junge wieder früh am Morgen auf der Almwiese. Strahlend blickte er dem Steinadler nach, der mit Basti’s Hut in den Krallen seine Kreise zog. Rolf saß mit verbundener Pfote dicht neben dem Jungen.
Es war Sonntag. Schulfrei.

__________________
Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst, sie woanders zu suchen.

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JoshHalick
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Hallo Wondering,

als erstes möchte ich dir sagen, das mir deine Geschichte gut gefällt. Die Berge und der Adler, das sprach mich sehr an.
Mit einigen Formulierungen allerdings, hatte ich Schwierigkeiten. Ich bin mir aber nicht sicher ob manches vielleicht nicht so beabsichtigt war, wie es dort steht.
Ich will einfach mal alles auflisten, was mir beim ersten Lesen auffiel und hoffe du siehst drüber weg, sollte ich etwas nur falsch verstanden haben…


1.
Für ihn war das Läuten gerade noch zu hören, sagte ihm an, sich schleunigst auf den Heimweg zu machen. Wie ein Wirbelwind rannte der Knabe über die Wiese hinunter ins Dorf, schnappte sich seinen Schulranzen, den er irgendwo abgelegt hatte, und begrüßte einige Minuten später seine Mutter: „ Hallo Mama, da bin ich!“ „Hallo Basti, mein Junge,“ antwortete die Mutter, „ komm‘ gleich an den Tisch, das Essen ist fertig.“

Da es bei diesen Geschichte, wie ich meine auch um einfache Lesbarkeit geht, sprang mir der erste Satz dieses Absatzes ins Auge.
Ich fände ihn verständlicher, wenn man ihn ein wenig anders formulieren würde, dann klinge er so: Für ihn war das Läuten gerade noch zu hören, und es sagte ihm an, das er sich schleunigst auf den Nachhause weg machen musste.
Dann folgt die Stelle wo er hinunter rennt und seinen Schulranzen schnappt. Hier störte mich etwas das ich gar kein Bild dazu hatte wo der Schulranzen mit einem mal herkam
...würde dort stehen: Er schnappte sich seinen Schulranzen und rannte wie ein Wirbelwind hinunter ins Dort, … dann würde es gleich anders klingen.


2.
Basti Riezler war sieben Jahre alt und ein fröhlicher, aufgeweckter Junge. Sein strubbeliges, rotbraunes Haar verbarg er meistens unter einem lustigen Seppelhut. Darunter hervor lugte er mit wachen Augen, um seine kleine Vorwitznase tanzten Hunderte kleiner Sommersprossen.

Auch hier ist es wieder nur die Satzstellung… verbarg er meistens unter einem lustigen Seppelhut, unter dem er mit wachen Augen hervorlugte…. (das wäre meine Alternative)


3.
Doch niemand hatte eine Vorstellung, wo genau sich der Junge am liebsten aufhielt, wo mit der Suche begonnen werden sollte.


Wieder das gleiche…. Als Beispiel mein Vorschlag: Doch da niemand eine Vorstellung davon hatte, wo genau sich der Junge aufhalten konnte, wussten sie auch nicht wo sie mit der Suche beginnen sollten.


4.
Während im Dorf die Männer der Bergwacht, Nachbarn und Freunde des Riezler-Hofs die Suche nach Basti besprachen, kämpfte der Junge verzweifelt, seinen Hund zu befreien.

Was mir bei diesem Satz auffiel, war der Schluss: Kämpfte der Junge verzweifelt, seinen Hund zu befreien…
Meine Idee:
…. versuchte der Junge verzweifelt seinen Hund zu befreien…


5.
Am Abend saßen Frau Riezler und Basti zusammen in der Stube. Die Mutter erzählte, wie sehr sie sich gesorgt hatte und nahm dem Jungen das Versprechen ab, die Schule nicht mehr zu schwänzen. Basti versprach es hoch und heilig.

hm hm hm… könnte man die beiden Sätze nicht eventuell miteinander verbinden? … wie in etwa: … Die Mutter erzählte wie sehr sie sich gesorgt hatte und nahm dem Jungen das Versprechen die Schule nicht mehr zu schwänzen ab, denn er schwor es hoch und heilig.
Oder: Nachdem die Mutter erzählt hatte wie sehr sie sich um ihn gesorgt hatte, schwor der Junge hoch und heilig, dass er die Schule nicht mehr schwänzen würde und seine Mutter glaubte ihm …



Das war auch schon alles :o)
Du siehst, es ist wirklich nicht viel und alles nur Kleinigkeiten, aber vielleicht konnte ich dir ja dennoch helfen.

Liebe Grüße
Josh

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Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. - Plato -

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wondering
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danke

Lieber Josh,
vielen Dank, dass du dich so intensiv mit der Geschichte auseinander gesetzt hast. Genau dafür habe ich sie hier auf LL gepostet. zu 1. Ich mag kurze Sätze und aus deiner (besseren)Formulierung zum Läuten lassen sich zwei Sätze bilden. Werde ich ändern. Mit dem Schulranzen hast du auch Recht.
zu 2.+3.: hast Recht..klingt flüssiger!
zu 4. : ich finde, der Junge "kämpfte" stärker als er versuchte... schließlich weiß der Leser oder Zuhörer bis lang nicht, was mit dem Hund los ist. Vielleicht aber auch zu dramatisch, ich denke darüber nach.
zu 5. : siehe zu 1. kurze Sätze!
Ich werde später in Ruhe den Text mit deinen Vorschlägen vor Augen nochmal überarbeiten.
Liebe grüße
wondering
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flammarion
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hm,

eine wunderbare geschichte. volle punktzahl und aufnahme in meine sammlung. ganz lieb grüßt
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Old Icke

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Stern
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Hallo wondering,

wer du auch bist, Mann oder Frau (?), deine Geschichte erinnert an "Heidi" von Johanna Spyri- womit ich dir sicherlich nichts Neues sage. Ich jedenfalls habe Heidi schon als Kind geliebt und lasse mich sehr gerne daran erinnern! Dein Basti ist wie die männliche und etwas ältere Ausgabe von Heidi.
Und der kleine Gag am Schluß hat uns beide (Stern und Sternchen) zum Lachen gebracht .

Liebe Grüße

Natalie / Stern

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wondering
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Vielen Dank oldicke und stern,
als ich noch ein Mädchen war (Stern, jetzt weißtes ), waren wir da, wo die Geschichte spielt, auf genau diesem Hof mehrfach in Sommerurlaub...einen Basti hab'ich leider nie kennengelernt, mir ist aber letzlich ein Foto von einem Knaben im Seppelhut in die Hände gefallen und schon war die Geschichte da. Ein Wahr-Erfunden-Mix
Liebe Grüße an euch
wondering
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damaskus
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Hmmm ... Bin sehr beeindruckt. Klingt irgendwie nach diesen Heimatschnulzen, wie Heidi und so, der Stil hat mich dran erinnert. An einigen Passagen würde ich noch feilen. Außerdem würde ich die überflüssigen Sätze streichen (den dritten und vierten Satz am Anfang würde ich z. B. weglassen. "Als er das Läuten hörte, rannte er wie ein Wirbelwind ..."), also eventuell den dritten mit dem fünften Satz verknüpfen. Ansonsten wirkt das ganze zu stockend. Aber das ist nur mein Eindruck.
Insgesamt hat mir der Text gefallen, auch ich mehr oder weniger ins Formum Kindergeschichten reingestolpert bin.

Liebe Grüße
Damaskus

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