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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Der Fund
Eingestellt am 31. 01. 2005 22:35


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Andi
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Der Fund
Professor Schwund war Arch├Ąologe und einer der ganz Gro├čen seines Fachs. W├Ąre er ein paar Jahrzehnte fr├╝her geboren, er h├Ątte vielleicht sogar Troja entdeckt oder die Grabkammern Tut-ench-Amuns.
Schwund war f├╝r seine streng wissenschaftliche Vorgehensweise sowie f├╝r seine Fortschrittlichkeit bekannt. Die st├Ąndigen Zeitreisen hin und her durch die Jahrtausende hatten einige seiner Kollegen ein wenig wunderlich werden lassen. Manche hatten begonnen, an Seelenwanderung, Reinkarnation und anderen Unsinn zu glauben. Schwund dagegen wendete nur modernste Forschungsmethoden an. Er kannte sich mit Nanotechnik und Quantenphysik ebenso gut aus wie mit Computerdiagnostik. Wenn er seine Ausgrabungen wissenschaftlich exakt bestimmt hatte, war er zufrieden. Welche Mythen das Leben in grauer Vorzeit beherrscht, woran die Menschen fr├╝herer Kulturen geglaubt hatten, interessierte ihn wenig.
Schwund hatte einige bedeutende Erfolge aufzuweisen, aber sein letzter Fund versprach, alles Bisherige in den Schatten zu stellen.
Auf einer Autofahrt durch ├ägypten hatte sein computergest├╝tztes satellitengesteuertes Fundst├Ąttensuchsystem, das er h├Âchstpers├Ânlich entwickelt hatte, pl├Âtzlich zu piepsen und zu blinken begonnen. Schwund war ausgestiegen. Nach einer Weile hatte er schlie├člich die kleine H├Âhle entdeckt.
Nie h├Ątte er oder einer seiner Kollegen in dieser Gegend eine Grabst├Ątte vermutet. Die ganze Anlage war untypisch. Kein Gedenkstein, keine Pyramide, keine Hieroglyphen, nichts - nur dieser unscheinbare H├Âhleneingang. Drinnen allerdings wie gewohnt zuerst eine Vorkammer, die er fachm├Ąnnisch ├Âffnete, um keine wertvollen Reliefs zu zerst├Âren, dann die eigentliche Grabkammer.
Schwund stockte der Atem. Nicht etwa wegen der unermesslichen Reicht├╝mer, die hier angeh├Ąuft waren, nein, die Grabkammer war bescheiden, ja spartanisch ausgestaltet. Was ihn verbl├╝ffte, war der einmalig gute Zustand, in dem sich der Sarg befand. Er wirkte nagelneu.
Eigentlich h├Ątte Schwund jetzt innehalten, seine Mitarbeiter informieren sowie seine Messinstrumente und Spezialwerkzeuge holen m├╝ssen. Aber diesmal konnte der Professor, der sonst so sachlich, so wissenschaftlich vorging, weder seinen beruflichen Ehrgeiz noch seine Neugier bez├Ąhmen. Behutsam ├Âffnete er den Sarg.
Zu seinem gro├čen Erstaunen erblickte er keine kunstvoll einbalsamierte Mumie, sondern ein schlichtes, schwarzes Leichentuch. Als er das Tuch zur├╝ckschlug, lag ein Mann vor ihm. Obwohl der Tote deutlich ├Ąlter schien als er selbst, ├Ąhnelte er ihm in unglaublicher Weise. Er hatte einen Schmiss quer ├╝ber die linke Wange. Eine solche Narbe hatte sich Schwund an genau gleicher Stelle als Student in einer schlagenden Verbindung zugezogen. Der Leichnam trug seinen besten Anzug, einen dunkelblauen Zweireiher mit Weste, seine silbergraue Krawatte und die silbernen Manschettenkn├Âpfe, die ihm seine Eltern zur Konfirmation geschenkt hatten.
„Nicht zu fassen“, stammelte er. „Tja, da wunderst du dich“, antwortete eine Stimme. Sie klang wie seine eigene. „Ich bin du, oder vielmehr, ich bin der, der du einst nach deinem Tod sein wirst oder gewesen sein wirst, wie man’s nimmt. Du Trottel, mit deiner ewigen Fortschrittlichkeit. ‚Ich bin meiner Zeit weit voraus’ hast du ├╝berall geprahlt. Jetzt bist du deiner Zeit so weit vorausgeeilt, dass du dein eigenes Grab gesch├Ąndet hast. Zieh dich schleunigst wieder in deine Zeit zur├╝ck, wie sich’s geh├Ârt, aber deck mich vorher zu und schlie├če meinen Sarg oder deinen, wie man’s nimmt.“
Mit zittrigen Fingern tat Schwund wie ihm gehei├čen. Dann eilte er aus der H├Âhle, verbarrikadierte den Eingang mit Steinen, die er zur Tarnung mit Sand bedeckte. Nichts lie├č mehr darauf schlie├čen, dass sich hier eine Grabh├Âhle befand.
Von einem Tag auf den anderen stellte Professor Schwund jede praktische Forschungst├Ątigkeit ein. Er lehrt jetzt an der Universit├Ąt. Die anderen Dozenten betrachten ihn als seltsam verschrobenen Kauz. Meistens zieht er sich in die Bibliothek zur├╝ck und br├╝tet ├╝ber geheimnisvollen mittelalterlichen Manuskripten oder Papyrusrollen aus der Antike. Angeblich besch├Ąftigt er sich mit Pr├Ąkognition und Exsomatose, au├čerdem mit Synchronizit├Ąten, Telekinese und Alchemie.
Kurz, ein esoterischer Spinner, wissenschaftlich nicht ernst zu nehmen. Bei den Studenten aber ist er besonders beliebt. Er vermag n├Ąmlich die Sitten und Gebr├Ąuche, das Denken und F├╝hlen der alten ├ägypter in seinen arch├Ąologischen Vorlesungen so spannend und ├╝berzeugend darzustellen, als w├Ąre er selbst dabei gewesen. ├ägypten, seine ehemalige Wirkungsst├Ątte, will er jedoch nie wiedersehen, nicht einmal im Urlaub.

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Rainer
???
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hallo andi,

auf grund der ma├člosen ├╝bertreibungen ist dein doch wohl eher eine satire, oder?

viele gr├╝├če

rainer
__________________
ist meine, und damit nur EINE Meinung

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Andi
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hallo, rainer,
danke f├╝r deine r├╝ckmeldung. ich finde diesen text eher skuril als satirisch. zu den kurzgeschichten passt er wohl nicht, vielleicht unter sonstige prosa? liebe gr├╝├če, andi

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flammarion
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hallo.

das ist eine nette kleine schmunzelgeschichte. aber du t├Ątest deinen lesern einen gro├čen gefallen, wenn du sie st├Ąrker gliedern w├╝rdest. so eine bleiw├╝ste liest sich schwer. aber weil ich mich so gut am├╝siert habe, geb ich dennoch eine 7.
lg
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Old Icke

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Andi
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hallo flammarion,
danke f├╝r die freundliche r├╝ckmeldung und den hinweis auf mangelnde gliederung. ich lese immer alles in schriftgrad 'sehr gro├č', da ist es mir gar nicht aufgefallen. liebe gr├╝├če, andi

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