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Leselupe.de > Science Fiction
Der Pilot
Eingestellt am 07. 10. 2005 08:54


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Mompach
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2005

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Duell im GĂŒrtel

Duell im GĂŒrtel

KĂ€lte - absolut tödliche KĂ€lte. Feindseligkeit - neutrale ignorante Feindseligkeit. Weite -unendliche, kaum zu begreifende Entfernungen. Und dennoch so anziehend; SehnsĂŒchte und Phantasien erweckend, Anziehungspunkt fĂŒr Milliarden Augenpaare Erwachsener und Kinder - wunderschön und faszinierend.
Der Weltraum.
Ein schwarzes Tuch, gespickt von Abermillionen glitzernder Funken mit magisch blinkender Anziehungskraft die zu rufen schienen: „Besuche uns, ergrĂŒnde unsere Geheimnisse, setze Deinen Fuß auf unsere Planeten, Monde, Asteroiden.“
Und doch sitze ich hier in einem kĂŒnstlichen Organismus, dessen Mikroben wir sind. Mikroben, die mit eben diesem Organismus ihre Heimat verteidigen. Verteidigen mĂŒssen, weil wir sonst keinen Platz mehr haben, von dem aus wir das All mit seinen Sternen bewundern und bestaunen können. Verteidigen gegen einen Feind, der keine Gnade kennt. Ein Feind, der uns noch nicht einmal die Chance gibt, den Konflikt mit anderen Mitteln als der Gewalt beizulegen.
FĂŒr ihn fast unmerklich, versteifte sich der Körper des Piloten, als seine Gedanken abschweiften. Sie waren nun nicht mehr bei der anmutenden Pracht des Weltalls, welches auf dem Bildschirm zu sehen war, sondern kehrten zum Grund seiner Anwesenheit auf diesem Schiff zurĂŒck.
Das Schiff des Piloten trieb zurzeit fahrtlos durch den Raum, nur bewegt von den unsichtbaren Gravitationslinien, die das Weltall durchzogen und die Sterne in einem komplexen Muster miteinander verbanden.
Der Grund fĂŒr die Anwesenheit des Piloten und seines Schiffes war der bösartige Feind seines Volkes. Nicht das erste Mal traf sein Volk auf Fremde und auch nicht das erste Mal fĂŒhrten sie Krieg.
Aber das erste Mal mussten sie sich mit einem Feind auseinandersetzen, der ihre Existenz bedrohte. Ein Feind, der vom ersten Zusammentreffen an kein Zweifel daran ließ, das Volk des Piloten auslöschen zu wollen. Bösartig waren sie. Und grausam. Barbarisch. Ein Planet, den sie nicht erobern konnten, machten sie mit ihren Planetenkillern unbewohnbar. Oder zerstörten ihn völlig. FlĂŒchtlingsschiffe wurden unbarmherzig zu flĂŒssigem Metall verbrannt. Ganze StĂ€dte ausradiert. Kapitulation kannten sie nicht. Ebenso wenig Gnade oder Verhandlungen oder das eigene Aufgeben. Sie vermehrten sich schnell und deshalb brauchten sie Platz. Sie hatten die gleichen Anforderungen an Planeten wie das Volk des Piloten. Sie waren gierig. Ihre Habgier und ihre Intoleranz waren unglaublich. Und so erkannte das Volk des Piloten, dass ein Waffengang unumgĂ€nglich war. Aber nicht wie bei den letzten Kriegen gegen andere Fremde genĂŒgte es diesmal, sie einmal vernichtend zu schlagen. Sie kamen immer und immer wieder. Mit noch mehr Schiffen, noch mehr Soldaten, noch mehr BrutalitĂ€t und Verbissenheit. Sein Volk dachte, sie wĂŒrden es schaffen aber es sah nun nicht mehr so aus. Im Gegenteil, es wurde schlimmer und schlimmer. Sie kĂ€mpften nunmehr schon seit vier Jahren gegen die Aliens.
Nicht weit entfernt – zumindest an kosmischen MaßstĂ€ben gemessen – hatte eine der unzĂ€hligen Schlachten in diesem Krieg stattgefunden, den sie nun schon seit so langer Zeit gegen die Aliens fĂŒhrten. Den heutigen Kampf hatten sie gewonnen aber nur deshalb, weil die barbarischen Außerirdischen diesmal nicht wieder mit einer großen Menge an Kampfschiffen - von denen sie anscheinend ĂŒber einen schier unerschöpflichen Vorrat verfĂŒgten - sondern mit, fĂŒr ihre MaßstĂ€be, relativ wenigen Schiffen angegriffen hatten. Sie hatten vermutlich mit weniger Wiederstand gerechnet. Der Pilot dankte seinen Vorfahren, dass die Verhörspezialisten des Geheimdienstes dem einen lebenden Gefangenen, den man bis jetzt machen konnte und der in der Hierarchie der Aliens anscheinend ziemlich weit oben stand, ein paar Informationen hatte herauspressen können. Unter anderem Ort und Zeitpunkt eines ihrer nĂ€chsten Angriffe. Dieses Angriffes. Nicht das es wirklich etwas bedeutet hĂ€tte. Die Fremden vermehrten sich schnell und zahlreich. Deshalb waren sie auch in der Lage, so viele und so große Raumschiffe zu bauen – sie hatten einfach das Personal und konnten an mehreren Orten gleichzeitig mit solcher Wucht angreifen, dass dem MilitĂ€r seines eigenen Volkes nur allzu oft der RĂŒckzug blieb. Trotz der eigenen technischen Überlegenheit – sie hatten einfach nicht die industriellen und personellen Ressourcen wie ihre Feinde.
Und so zog sich das Volk des Piloten seit Ausbruch des Krieges tiefer und tiefer in das eigene Gebiet zurĂŒck, vernichtete tausende Schiffe der Angreifer und wurden doch durch deren Übermacht ĂŒberrollt.
Es war deshalb auch kaum verwunderlich, dass in den Kreisen der Raumschiffbesatzungen und Bodensoldaten, beim SanitĂ€tspersonal, beim Geheimdienst und anderen das angstvolle GerĂŒcht umhersprang wie ein Fegefeuer, der verhasste Feind könnte bald soweit vorgedrungen sein, dass ein Angriff auf das Zentralsystem möglich sei.
Diesmal hatten sie die Schlacht gewonnen – solche Siege waren viel zu selten. FĂŒnf Schiffe der Aliens hatten sich abgesetzt, bevor sie zerstört oder kampfunfĂ€hig gemacht werden konnten. Das Schiff des Piloten war auf der ausgedehnten Front den FlĂŒchtenden am nĂ€chsten gewesen und sie hatten drei Schiffe fast sofort vernichten können. Den vierten der abgrundtief hĂ€sslichen feindlichen Raumer konnten sie nicht viel spĂ€ter ebenfalls stellen und zu kosmischen Staub verarbeiten Aber das letzte Schiff hatte sich bis jetzt mehrmals den alles auffressenden Salven ihrer GeschĂŒtze entziehen können. Der feindliche Schiffskommandant war anders. Er legte eine Intelligenz, Raffinesse, Durchtriebenheit und taktisches Können an den Tag, die den Piloten fast schon beeindruckte.
Die Aliens folgten einer einfachen militĂ€rische Doktrin: Sie wussten, dass sie den Schiffen seines Volkes im Kampf eins zu eins unterlegen waren und griffen deshalb immer mit einer absoluten Überzahl an. Schrumpfte diese Übermacht auf unter eins zu acht zusammen, zogen sie sich zurĂŒck (was in diesem Krieg nicht oft vorkam). Wenn sie dann aber erkannten, dass eine Flucht nicht mehr möglich war, stellten sie sich stumpf dem Kampf und ließen sich wie Zielscheiben zusammenschießen. Sie feuerten zwar aus allen GeschĂŒtzen, machten sonst aber selten Anstalten ihr Ende hinauszuzögern.
Diesmal war es anders. Der feindliche Alienkommandant ließ seinen Piloten komplizierte Manöver fliegen, machte Finten, tĂ€uschte, flĂŒchtete, griff an, setzte sich ab, versteckte sich. Vielleicht lag es daran, das es sich bei dem feindlichen Schiff nicht um eines ihrer riesigen Schlachtschiffe oder Truppentransporter handelte, sondern um eine kleinere Einheit, nicht viel grĂ¶ĂŸer als der Kampfraumer des Piloten. Dieses Schiff war merklich schneller als seine großen BrĂŒder und Schwestern, sogar schneller als das Schiff des Piloten. Gewiss, der Alien hatte waffentechnisch eine relativ kleine Chance ihnen beizukommen aber er hatte die Schnelligkeit seines Schiffes jetzt schon zweimal geschickt eingesetzt, um den Schutzschirm ihres Schiffes mit seinen Waffen zum Flimmern zu bringen. Und das war besorgniserregend. Man hatte keine Erfahrung mit diesem taktischen Verhalten. Zumindest nicht der Kommandant des Piloten. Seit dem letzten Angriff des Aliens war fast eine Stunde vergangen. Er hatte sich abgesetzt und war von den Ortungsschirmen verschwunden. Die Spur seiner Antriebsemissionen hatte in ein nahegelegenes Sternensystem gefĂŒhrt. Aber diese Information war nicht wirklich hilfreich. Wieder einmal hatte der feindliche Kommandant seine Intelligenz unter Beweis gestellt und sein Schiff in ein Sonnensystem gefĂŒhrt, dass aus dreizehn Planeten bestand, von denen manche mehrere Monde besaßen, die teilweise sogar eigene Trabanten hatten. Was die Suche noch weiter erschwerte, war ein ausgedehnter Asteroidenring zwischen den beiden Ă€ußeren Planeten. Ein Teil der kosmischen, zerklĂŒfteten TrĂŒmmer waren fast ebenso groß wie kleine Monde. Ein großes und unbewohntes System. FĂŒr sie. FĂŒr den Alienkommandanten bot es zig Möglichkeiten sich zu verstecken. Oder sich fĂŒr eine Falle auf die Lauer zu legen.
Nun trieb das Schiff des Piloten also langsam von schrĂ€g‚oben’ auf das System hinab und versuchte den Fremden aufzuspĂŒren, dessen Spur sich zwischen dem TrĂŒmmerring verloren hatte.
Der Kommandant hatte den Antrieb auf Leerlauf herunterfahren lassen, um den eigenen Ortungsinstrumenten noch weniger Grund fĂŒr verfĂ€lschte Messungen zu geben.
Aber auch das hatte nichts gebracht. Das Raumschiff der Aliens blieb verschwunden. Der Pilot schaute nach rechts zum Orter. Der studierte seine Instrumente und Anzeige in höchster Konzentration, nahm Feinabstimmungen vor und horchte auf die Hintergrundstrahlung des Alls, die von den hochempfindlichen Sensoren und Antennen des Schiffes eingefangen und an seinen Kopfhörer weitergegeben wurde. Seinem Gesicht nach zu schließen war aber auch hier nichts aufzunehmen. Außer dem Klang der Unendlichkeit - das innerwĂ€hrende Singen des Universums mit seiner ganz eigenen und unverwechselbaren Melodie.
Hinter dem Piloten, im vorderen mittleren Bereich der Zentrale saß der Kommandant in seinem Kommandosessel und beriet sich mit seinem Stellvertreter. An ihrem Gesten und an ihrer Mimik konnte der Pilot erkennen, dass beide nicht weiter wussten, keine Ideen in ihre Köpfe fuhren, keine Erleuchtung sie heimsuchte, wie man dem feindlichen Schiff auf die Schliche kommen konnte. Der Pilot konnte die Ratlosigkeit auf ihren Gesichtern sehen – nur allzu deutlich.
Links vom Pilot saß der Waffenmeister an seinen Kontrollen und studierte die letzten Protokolle, suchte nach einer Lösung, gewillt beim nĂ€chsten Schlagabtausch dem Alienschiff alle im zur VerfĂŒgung stehenden Strahlen und Sprengkörper in den unwirklichen Bauch zu platzieren.
Der Pilot versuchte sich in die Rolle seines Kommandanten zu versetzen.
NatĂŒrlich könnten wir VerstĂ€rkung rufen aber um dieses System effektiv durchsuchen zu können, brĂ€uchten wir weit mehr Schiffe als man uns zugestehen wĂŒrde. Falls wir ĂŒberhaupt Schiffe bekommen wĂŒrden. Die Front ist groß und breit und unsere Reihen sind ausgedĂŒnnt. Der Pilot lachte innerlich auf. Oh, die Aliens haben nicht unsere Probleme, ihre Industrie baut immer weiter, ihre Weibchen setzten unermĂŒdlich neuen Nachwuchs in ihre Welt. Unsere Industrie ist spezialisiert, mehr auf QualitĂ€t ausgerichtet aber dies nĂŒtzt uns in diesem Krieg wenig. Aber unsere FĂŒhrer scheinen blind fĂŒr diese SchwĂ€che zu sein. Sie wollen nicht erkennen, dass wir mit halb so guten Schiffen immer noch kampfkrĂ€ftiger als die Aliens wĂ€ren aber schneller bauen könnten.
Aber wenn wir keine VerstÀrkung rufen oder kriegen, was wollen wir dann jetzt und hier tun? Warten? Und wie lange? Bis der Alien dann doch zu einem neuen Angriff auftaucht und wieder verschwindet? Das kann doch dann noch ewig dauern.
Oder abziehen und den Alien ein Alien sein lassen? Also nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich der Kommandant dazu entschließt. Das kĂ€me doch einer Niederlage gleich. Das wĂŒrde zeigen, dass wir feige sind, dass wir dem Alien nicht ĂŒberlegen sind. Ich weiß es nicht. Gut, dass ich nur Pilot und kein Kommandant bin.

Der Pilot fragte sich, warum ihre FĂŒhrer noch nicht bei anderen Rassen um Hilfe gebeten hatten, auch die mussten erkennen wie blutrĂŒnstig und bösartig die Aliens waren. Oder haben sie die benachbarten Rassen bereits um Hilfe gebeten und diese nicht bekommen? Haben die sich vielleicht schon mit den Aliens verbĂŒndet? Ein Schlag ging durch den Körper des Piloten und er setzte sich abrupt aufrecht und spann das Gedankenspiel weiter.
Konnte das vielleicht der Grund fĂŒr die unglaublichen Ressourcen der Fremden sein?
Vielleicht werden sie von anderen Völkern mit Rohstoffen oder sogar Technik beliefert. Wir haben ja nicht nur Freunde in der bekannten Galaxis. Nicht alle sind uns wohlgesonnen. Angestrengt rieb sich der Pilot den NasenrĂŒcken. Vielleicht so eine Art Rache fĂŒr einen verlorenen Krieg. Aber wenn ich ĂŒberlege, gegen wir in unserer jĂŒngeren Geschichte Krieg gefĂŒhrt haben – das sind drei Rassen. Ich glaube, die hĂ€tten, selbst wenn sie alle mit den Feinden verbĂŒndet wĂ€ren, nicht die KapazitĂ€ten um den Aliens in diesem Ausmaß helfen zu können.
Unmerklich schĂŒttelte der Pilot den Kopf. Das konnte es also auch nicht sein. Vielleicht eine Ă€ltere Rasse. Aber in der weit zurĂŒckliegenden Geschichte seines Volkes war der Pilot nicht bewandert. Er war doch noch jung. Und die Ă€ltere Geschichte war in der Schule immer nur kurz angerissen worden. Dies kam erst in den weiterfĂŒhrenden Schulen zur Sprache.
Ehe der Pilot sich wieder entspannen und zu seiner ursprĂŒnglichen Sitzposition zurĂŒckkehren konnte, wurde er durch ein Piepen aufgeschreckt, welches von der Ortungsstation in seine Ohren drang. Ortungsalarm! Sein Kopf schnellte nach rechts. Ebenso der Kopf des Kommandanten und der seines Stellvertreters. Konzentriert las der Orter seine Anzeigen ab und machte dann Meldung:
„Tasterreflex auf...“, er nannte ein paar Zahlen, „Nicht natĂŒrlichen Ursprungs, Bewegungsrichtung nach...“ wieder Zahlen, „ ...kontinuierlicher Geschwindigkeitsaufbau. FĂŒr eine genaue Ortung ist die Entfernung noch zu groß. Aber die Masseangabe stimmt nicht mit den Werten des Alienraumers ĂŒberein.“
Noch ein fremdes Raumschiff?
Kommandant und erster Offizier schauten sich an. Der Pilot hatte den Antrieb anfahren lassen und wartete auf den Befehl zum Start. Aber der kam nicht.
„Orter. Wohin fĂŒhrt der Kurs genau? Extrapolieren sie so weit wie möglich.“
„Dicht am dritten Ă€ußeren Planenten vorbei. Mit zweimaligem Durchflug des TrĂŒmmerringes. Dann kernauswĂ€rts aus dem System. Und zwar mit einem Winkel von 112 Grad von unserer Position.“
Nachdenklich kratzte sich der Kommandant am Kinn und flĂŒsterte seinem Stellvertreter etwas zu. Der nickte, schien aber nichts zu antworten.
„Pilot, Antrieb hochfahren und langsamen Kurs auf die Position, wo der Alien zum ersten Mal geortet wurde. Ich habe das GefĂŒhl, unser ‚Freund’ will uns mal wieder in eine Falle locken oder uns drĂ€ngen, dass wir dieses System verlassen. Haben wir Daten ĂŒber das flĂŒchtige Schiff? Haben die vielleicht Beiboote an Bord?“
„Unsere Daten ĂŒber die Aliens sind mehr als dĂŒrftig. Der Schiffstyp dort draußen ist in den Datenbanken ĂŒberhaupt nicht vorhanden. Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass dieser Raumer ein Beiboot besitzt, zumindest keines mit dermaßen hohen Beschleunigungswerten. Das erfordert eine gewisse MaschinengrĂ¶ĂŸe und folglicherweise ein entsprechend großes Schiff.“
Der erste Offizier schaute wieder von seinem tragbaren Computer hoch und seinen Vorgesetzten an. Dieser wiederum drehte sich zum Piloten um.
„Auf einen halben Sublicht erhöhen. Waffenmeister, bereiten sie eine Sonarbombe vor. Bei Erreichen der Ă€ußersten Waffendistanz die Bombe abfeuern und an der Stelle detonieren lassen, an der die Ortung den Alien ausgemacht hat. Ebenso feuern sie Raumminen ab und zwar mit kugelförmiger Entfaltung um die Detonation der Sonarbombe. Minimalste Verzögerung, Entfernung zum Mittelpunkt 3000 Kilometer. Pilot: zum Zeitpunkt des Abfeuerns auf Minimalfahrt gehen.“
Endlich gibt es wieder etwas zu tun. Diese Warterei zerrt wirklich an den Nerven.
Der Pilot sah auf sein Steuerpult und nahm eine Verbundschaltung mit der Waffenstation vor, so dass der Antrieb sofort nach Abfeuern der Sonarbombe Gegenschub gab und das Schiff auf die, vom Kommandanten angeordnete, Geschwindigkeit verlangsamte.
Die Stimme des Orters zerschnitt die angespannte Ruhe in der Zentrale:
„Der erste Ortungsimpuls liegt kurz hinter dem dicken TrĂŒmmerstĂŒck in Raster 25.“
Der entsprechende Ausschnitt wurde in vergrĂ¶ĂŸerter Form auf dem Hauptbildschirm dargestellt. Rechts unterhalb des großen Asteroiden wurden Daten eingeblendet. Danach war dieses TrĂŒmmerstĂŒck wirklich ‚dick’. Auf jeden Fall groß genug, dass sich dahinter ein Raumschiff verstecken konnte.
„Irgendetwas stört mich,“ meinte der erste Offizier, „der Alien kann sich doch denken, dass wir genau das tun, was wir gerade machen. Bis jetzt hat er gezeigt, wozu er in der Lage ist. Und dazu gehört auch zwei bis drei Schritte weiter zu denken. Das erscheint mir zu einfach.“
Nickend nahm der Kommandant den Einwand zur Kenntnis, sagte aber ansonsten nichts.
Unter dem Piloten vibrierte der Boden leicht, als die Minen abgeschossen wurden. Die Sonarbombe hatte bereits vorher – unbemerkt – ihr TrĂ€gerschiff verlassen. Zeitgleich hatte das Schiff verlangsamt und ‚kroch’ jetzt vorwĂ€rts. Kurze Zeit spĂ€ter schlugen sĂ€mtliche Ortungstaster aus, als die Sonarbombe explodierte.
Eigentlich handelte es sich gar nicht um eine Bombe. Das kugelförmige Gebilde platzt an den angegeben Koordinaten auseinander und setzt massive – auch ĂŒberdimensionale – Störstrahlen frei, welche gegnerische Sensoren kurzfristig lahm legen sollten.
Mit kaum merklichem Unterschied detonierten die Raumminen an ihrer vorgesehenen Stelle. Als das Licht der Explosionen das Raumschiff erreichte, verdunkelte sich automatisch der Bildschirm, ansonsten hĂ€tte die Zentralbesatzung einige Zeit eklatante Sehstörungen erdulden mĂŒssen. Der Bereich, in dem die Raumminen explodierten, hĂŒllte sich in ein Gemisch aus Licht, Gasen und TrĂŒmmerbrocken. Farbige Feuerkaskaden sprangen aus der Explosionswolke hervor, griffen nach benachbarten AsteroidenstĂŒcken und zermahlten diese, fraßen sie auf, zerschmolzen sie.
Und mitten aus der Explosion stachen rote Finger nach dem Schiff des Piloten, hĂ€mmerten in den Schutzschirm und wurden zurĂŒckgeworfen. Die mechanische Energie der SchutzschirmeinschlĂ€ge machte sich in der Zentrale akustisch bemerkbar. Da alle Besatzungsmitglieder schon seit Beginn der Raumschlacht ihre SchutzanzĂŒge trugen, fuhren jetzt nur noch die Helme aus den KrĂ€gen und legten sich schĂŒtzend ĂŒber ihre TrĂ€ger. Gleichzeitig schaltete sich der Bordfunk ein. Nun konnte man sich trotz des tobenden LĂ€rms verstĂ€ndigen.
Allerdings sagte zurzeit niemand ein Wort. Denn das sie mitten aus der Explosionswolke heraus beschossen wurden, war so gut wie unmöglich.
Der Pilot zog das Schiff zur Seite weg und die Energiestrahlen schossen an ihnen vorbei, hörten dann kurz auf, erschienen erneut und wanderten ihnen dann nach.
„Wieso Namen hat er die Explosion ĂŒberlebt. Und wieso kann er mitten aus der Detonation heraus auf uns feuern?“
Die Stimme des Kommandanten klingt ein wenig zitternd. Wenn nicht sogar Àngstlich. Dachte der Pilot bei sich, als er sein Schiff weiter zur Seite zwang und dabei den Antrieb hochfuhr. Unterdessen jagte der Waffenmeister diverse Strahlen und Raketen in die Wolke, die sich auflöste.
Auf Nachfrage entgegnete der Orter:
„Ich habe ihn. Hinter dem großen TrĂŒmmerstĂŒck war ein zweites. Dazwischen muss er gewesen sein, als die Minen explodiert sind. Die Asteroiden haben in vermutlich geschĂŒtzt. Danach scheint er in die Gaswolke geflogen sein und feuerte auf unsere letzte, ihm bekannte Position.“
„Waffenmeister, eine Rakete mit Atomsprengkopf Klasse 3“
„Verzeihung Kommandant aber das erscheint mir zu gefĂ€hrlich. Die Explosion wĂ€re uns zu nahe.“
„Ich will die Rakete auch nicht auf ihn feuern!“ WĂŒtend schaute der Kommandant seinen Vertreter an. „Aber wir machen dem Ganzen hier und jetzt ein Ende. Dieser verdammte Alien hat uns schon genug Zeit gekostet!“
Dann wandte er sich wieder an den angesprochenen Waffenmeister:
„Die Rakete mit einem Vorsprengkopf ausstatten. Dann feuern sie auf einen großes TrĂŒmmerstĂŒck in der NĂ€he des Alien. Vorsprengung bei Aufschlag. Hauptdetonation eine Sekunde spĂ€ter. Die ExplosionstrĂŒmmer, die in seinen Schutzschirm fliegen werden, sollten ihn zumindest fĂŒr kurze Zeit irritieren und blenden. Dann Wirkungsfeuer mit allen Waffen, Selbst wenn uns das kurzzeitig Energie aus dem Antrieb und dem Schirm nehmen sollte.“ Er sah kurz auf die Anzeige an seinem Bildschirm. „Die Schirme halten seinem Feuer im Moment noch mĂŒhelos stand. Fangen sie an!“
Fast so groß wie ein kleines Beiboot verließ die TrĂ€gerrakete mit einem Röhren den Schiffsleib und strebte dem anvisierten AsteroidenstĂŒck zu. Im Vergleich zu dem was dann folgte, war die Explosion der Raumminen zuvor nur eine kleine Verpuffung. Selbst durch die immer noch vorhandene Filterung auf dem Bildschirm schmerzte das grelle Blitzen in den Augen. Im Stakkato schlugen abgesprengte Brocken des Zieles in den Schutzschirm ein. SĂ€mtliche Taster schlugen aus, als die Atomexplosion – nicht durch eine AtmosphĂ€re gebremst – in einer Kettenreaktion mehr und mehr Asteroiden auffraß. Und durch den ganzen LĂ€rm und das Licht hindurch quĂ€lte sich die Stimme des Orters: „Da ist er! Markierung erfolgt!“
Ohne Steuerung und Antrieb trudelte der Alienraumer, sich drehend und rollend, von der Explosion weg. Und dann erfassten ihn mehrere Raketen und Energiestrahlen. Zerrten an seinem Schutzschirm, der aufflackerte und erlosch. Seine metallene HĂŒlle bot wenig Schutz und setzte den zerstörerischen Waffen nur wenig Widerstand entgegen, als sie in den Schiffskörper eindrangen. Und plötzlich war es vorbei. Stille in der Zentrale. Die letzten Materiereste des Feindschiffes trudelten in alle Richtungen davon, prallten mit Asteroiden zusammen, strebten dem offenen Weltraum entgegen oder wurden von den AuslĂ€ufern der Atomexplosion verschluckt.
Es ist vorbei. Endlich ist es vorbei.
Der Pilot stoppte das Schiff, unschlĂŒssig, welchen Kurs er ohne Anweisung einschlagen sollte. Alle starrten auf den Bildschirm, der gar nicht in der Lage war, wirklich emotional wiederzugeben, was dort draußen geschehen war.
Langsam drehte sich der Kommandant in seinem Sitz um und schaute seine Untergeben einem nach den anderen an.
„Danke MĂ€nner, ihr habt eine gute Leistung vollbracht. Pilot, setzen sie einen Kurs zur Flotte.“ Dann drehte er sich wieder um und starrte gedankenverloren auf den Hauptbildschirm.
Automatisch tippte der Pilot seine Kursangaben in den Navigationsrechner, setzte die Startsequenz in Gang und lehnte sich, als das Schiff herumschwang um das Sonnensystem zu verlassen, in seinem Sitz zurĂŒck.
Wir mĂŒssen Angst haben. Wenn die Aliens anfangen alle so findig zu werden wie dieser Kommandant und sie in der Lage sind bessere Schiffe und Waffen zu bauen, dann wird unser Volk ausgelöscht werden.
Mit Ekel dachte der Pilot an die Bilder, die man ihnen von den Aliens gezeigt hatte. WiderwĂ€rtige, hochaufragende und haarlose Körper. Unförmige, waagerechte Mundöffnungen mit breiten Beißwerkzeugen. Dem Piloten drehte sich beim bloßen Gedanken an die bösartigen, alles zerstörenden, sich ungebremst vermehrenden und aggressiven Aliens der Magen um. Allein schon wie sie sich selbst nannten, ein in der Sprache seines Volkes kaum auszusprechender Name:
MENSCHEN!


© Mompach Michael Rosenthal (2005)
(editiert 11/08)
__________________
Bildung ist das was ĂŒbrigbleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.

Version vom 07. 10. 2005 08:54

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endlich
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Hallo Mompach,

erst mal herzlich willkommen hier!

Ein paar EindrĂŒcke:
Die Kriegsszenen sind schon spannend genug, dass man weiterliest. Die Idee an sich finde ich auch gut.
Aber:
Ich wusste schon nach fĂŒnf SĂ€tzen, wer die Aliens sind.
Und die, aus deren Sicht du erzĂ€hlst, sind seeehr menschlich, etwas zu menschlich, als dass es noch ĂŒberzeugend wirken könnte, dass die anderen die Menschen sind/sein sollen.

Kannst du nicht die Hauptpersonen etwas fremder machen und etwas abgefahrener denken und handeln lassen?
Ich wĂŒrde das so anfangen: Stell dir vor, wie genau dieses Volk ist, wie es aussieht, wahrnimmt, denkt, handelt etc.
Dann kannst du weiterspinnen: Wie mĂŒsste ihr Raumschiff aussehen, damit es ihrs ist, kein typisch menschliches?
Vielleicht haben sie Röntgenaugen oder gar keine Augen? Wie kommunizieren sie? Sich zum Kommandanten umdrehen und fragend gucken ist sowas von menschlich ...

Ach ja, und die Grammatik solltest du ĂŒberarbeiten, da stolpert man schon noch ziemlich oft.

Ich hoffe, das bringt dich weiter!

Viele GrĂŒĂŸe
endlich
__________________
Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. (Albert Einstein)

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Mompach
Wird mal Schriftsteller
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Deine Gedanken haben etwas fĂŒr ich.
Bin beruflich zur Zeit etwas eingespannt, deshalb finde ich zur Zeit einfach nicht die Ruhe den Text zu bearbeiten, was ich aber auf jeden Fall machen werde und da kann ich Deine Gedanken mit aufgreifen und einfließen lassen.

Danke
__________________
Bildung ist das was ĂŒbrigbleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben.

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jon
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Ganz knapp zum ebenfalls-einfließen-lassen:
* Der Anfang ist zu schwĂŒlstig.
* Wieso heißt das Ganze "Der Pilot"? Der Typ spielt doch keine Rolle – der Kommandant ist der, der entscheidet. Ich weeeeiß: Er soll den Point of View abgeben – aber das passiert so unsĂ€glich verkrampft, dass es eher peinlich als "geschickt gemacht" wirkt.
* Die "Vorgeschichte" ist erzĂ€hltechnisch zu ausufernd detailiert fĂŒr den Rest der Story.


Eine inhaltliche Bemerkung: Warum um Himmels willen sollte ausgerechnet die einzigen FĂ€higkeit, die der Mensch wirklich kontinuiertlich "verbessert hat " – die der KriegsfĂŒhrung – so nachlassen, dass ein simples Katz-und-Maus-Spiel eine "neue QualitĂ€t der Angriffe" darstellt?
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalÀsst (Klaus Klages)

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tom
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der pilot

hallo die story ist technisch nicht schlecht, aber wo sind die außerirdischen?
wie sehen sie aus, wie vermehren sie sich, warum attackieren sie die erde?
das denke ich wĂŒrde uns viel mehr interessieren als irgendwelche schlachtszenen, die wir alle zur genĂŒge aus der Glotze kennen.
ein bisschen mehr biologie weniger technik, du hast es doch drauf

tom

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