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Leselupe.de > Horror und Psycho
Der Schlaf der Kinder
Eingestellt am 06. 10. 2011 23:38


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anbas
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Der Schlaf der Kinder

Ich bitte dich, Kai, sei still! Die Kinder schlafen! Sie waren so ersch├Âpft und k├Ânnen sich nun endlich ausruhen. Ich m├Âchte sie jetzt nicht wecken ÔÇô es hat doch so lange gedauert, bis sie zur Ruhe gekommen sind. Also bitte bleib still und reg dich nicht auf. Wie friedlich sie da in ihren Bettchen liegen und schlafen. R├╝hrend, nicht wahr?

Es war eine harte Zeit für uns alle, nachdem du uns verlassen hast. Doch die Kinder hat es am meisten getroffen. Sie haben zwar versucht, tapfer zu sein und sich nichts anmerken zu lassen. Aber es war deutlich zu spüren, wie sehr sie darunter gelitten haben. Anfangs fragten sie ja noch nach dir. Besonders Meike wollte immer wieder wissen, wann du zurück kommst. Und Sylvia hat stets darauf bestanden, ein Extra-Gedeck für dich mit auf den Tisch zu stellen. Aber dann haben sie sich immer mehr zurückgezogen. Nur Jan nicht. Der wurde richtig aggressiv, bekam Ärger in der Schule. Ich war wirklich ratlos. Seinetwegen hatte ich auch ein ziemlich schlechtes Gewissen. Er glaubte wohl, dass er mir dabei helfen müsse, mit der ganzen Situation klar zu kommen. Dabei habe ich das doch nie von ihm erwartet.

Anna hat wohl am wenigsten mitbekommen. Sie ist ja noch so klein. Trotzdem war sie in der ersten Zeit ziemlich quengelig. Kleinkinder sp├╝ren eben, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Doch dann wurde auch sie immer stiller.

Ich selber bin sehr ersch├Âpft. Doch jetzt sollen sich erst einmal die Kinder ausruhen. Dann bin ich dran. Nein, deine Hilfe will ich nicht. Wirklich nicht! Du wirst mir niemals wieder helfen, Kai! Den Kindern werde ich noch nicht einmal erz├Ąhlen, dass du da gewesen bist. Sie fragen sowieso nicht mehr nach dir. Warum also soll ich bei ihnen irgendwelche Hoffnungen wecken. Wir beide wissen doch, dass du nie wieder kommen wirst. Nie wieder! Und das ist auch gut so.

Schau mal, wie der Wind mit den Gardienen spielt. Ist es nicht friedlich hier im Zimmer? Die Nacht scheint recht k├╝hl zu werden. Das tut gut, nachdem die letzten Tage doch ziemlich hei├č waren. Ich habe meinen Stuhl extra so hingestellt, dass ich das Fenster gut sehen kann. Nicht, dass da pl├Âtzlich jemand einsteigt. Niemand soll uns st├Âren. Die T├╝r habe ich, nachdem du gekommen bist, auch gleich wieder fest verschlossen.

Also bitte sei still! Lass die Kinder schlafen. Du siehst ja selber, wie ersch├Âpft sie sind. Sie schlafen nun schon seit mehr als vier Tagen. So lange sitze ich hier bereits und passe auf sie auf. Doch jetzt bin ich auch sehr m├╝de.

__________________
Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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Marcus Richter
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Hallo anbas,

dein Text hat mir gut gefallen, obwohl ich auf Kurzprosa ├╝berhaupt nicht stehe. Er ist schl├╝ssig und gut konstruiert. Am Ende hab ich mich ein bisschen gefragt, ob das "Dasein" des Mannes nicht ein wenig in der Luft h├Ąngt. Hab das aber schnell festgemacht. Das passt schon.

Das ganze erinnert mich ein bisschen an James Herberts "das letzte Fr├╝hst├╝ck", in der eine Frau ihren Kindern und dem Ehemann ein Fr├╝hst├╝ck bereitet und man im Laufe der recht kurzen Geschichte herausbekommt, dass alle am Tisch bereits tot sind und langsam verwesen. Man kommt dann auf den Gedanken, dass die Frau die toten K├Ârper wohl seit Tagen kreuz und quer durch die Wohnung geschleppt hat und sie positioniert, um den Schein ihrer Lebendigkeit aufrecht zu erhalten. Ich glaube sogar, dass es etwas mit einem Weltuntergangsszenario zu tun hatte. So gesehen war diese Geschichte eine Winzigkeit glaubw├╝rdiger als deine, denn es ben├Âtigt schon einen Glaubenssprung, wenn man dem Wahnsinn, den du beschreibst, als Leser folgen will. Allerdings glaube ich auch, dass der Wahnsinn oft gar nicht so weit weg von den geistig "Gesunden" ist, wie man oft glaubt, und dass nur eine gewisse Zerr├╝ttung der "Wirklichkeit" vonn├Âten ist, um solche Gesunden aus ihren gewohnten Verankerungen zu rei├čen. Unter der Oberfl├Ąche des Normalen lauert schlie├člich das Nichts und die Welt der absurden Tr├Ąume.

Man glaubt gar nicht, wie oft so was vorkommt(auf die ein oder andere Weise nat├╝rlich).

Mit besten Gr├╝ssen,
Marcus
__________________
"Ein Wort aufs Papier und wir haben das Drama."
Durs Gr├╝nbein

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anbas
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Hallo Marcus,

danke f├╝r Deine R├╝ckmeldung. Ich freue mich sehr, dass Dir der Text gef├Ąllt (um so mehr, wenn ich Deine Abneigung gegen├╝ber von Kurzprosatexten ber├╝cksichtige). Da f├╝r mich wiederum Texte zur Sparte "Horror/Psycho" eher literarische "Ausfl├╝ge" sind, ist es f├╝r mich zus├Ątzlich etwas besonderes, wenn dann einer davon auf ein positives Echo st├Â├čt.

Den von Dir erw├Ąhnten Text kenne ich nicht. Aber das liegt eben daran, dass diese Sparte des Gruselns sonst nicht so mein Fall ist (Schreiben hin und wieder ja, lesen eher gar nicht). Aber ich gebe Dir absolut recht - es gibt mehr allt├Ąglichen Horror, als wir es uns wahrscheinlich vorstellen k├Ânnen. Und allt├Ągliche Themen sind dann doch wieder auch meine Themen .

Liebe Gr├╝├če

Andreas
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Wenn der Weg das Ziel ist, kann man nicht falsch abbiegen. (anbas)

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