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Leselupe.de > Kindergeschichten
Der Tagesablauf von Joschi Zwergkaninchen
Eingestellt am 21. 03. 2002 19:46


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Katjuscha
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DER TAGESABLAUF VON JOSCHI ZWERGKANINCHEN

Sicher werdet Ihr denken, ein Zwergkaninchen erlebe nichts in den sieben bis zehn Jahren, die es auf dieser Erde verbringt. FĂŒr einige mag das leider auch zutreffen, die dann ein Leben lang in ihrem KĂ€fig fristen. Aber was meine Wenigkeit betrifft, habe ich doch ein recht ereignisreiches und turbulentes Leben. Dieser kurzgefasste Tagesablauf soll Euch einen kleinen Einblick darĂŒber geben. Vielleicht liest auch mal Katja (die immer behauptet, ich gehöre ihr) diese Zeilen und kann dann mehr VerstĂ€ndnis fĂŒr meine „Verbrechen“ aufweisen.

05.23 Uhr
Es ist noch stockfinster draußen, doch ich bin hellwach und beginne vor lauter Langeweile an meinem KĂ€figgitter zu nagen. Aus der anderen Ecke des Zimmers kommt ein grunzendes GerĂ€usch, das sich wie "Ruhe" anhört. Da es sich aber nur so anhört, nage ich weiter.

05.45 Uhr
Aus der bestimmten Zimmerecke höre ich nun etwas rascheln. Gibt es Futter? Nein, es ist nur Katja, die beim Aus-dem-Bett-Steigen auf eine TĂŒte getreten ist. Sekunden spĂ€ter geht das Licht an und ein zerknautschtes Gesicht schaut in meinen KĂ€fig. HĂ€tte ich nicht gewußt, daß es zu Katja gehört, hĂ€tte ich mich erschreckt. Nun aber verschiebe ich es auf spĂ€ter. DafĂŒr rattere ich jetzt noch mehr mit meinem Gitter. "Ist gut Joschi, du bekommst dein Futter schon." Wird ja auch endlich Zeit. Die ganze Nacht nur auf trockenem Brot und Wasser zu sitzen, ist nĂ€mlich nicht sehr angenehm.

06.10 Uhr
Katja nimmt ihre Schultasche, gibt mir noch ein paar Ermahnungen und macht sich auf den Weg zur Schule. Das bedeutet fĂŒr mich armes Geschöpf achteinhalb Stunden dumm herumsitzen und warten. Doch meist fĂ€llt mir eine BeschĂ€ftigung ein, die die Zeit des Wartens vertreibt. Gestern habe ich so lange in meinem KĂ€fig Ordnung gemacht, bis keine SpĂ€ne mehr drin waren. Mal sehen, was mir heute noch einfĂ€llt. Jetzt mache ich erst mal ein Nickerchen.

08.49 Uhr
Ich werde von der vorbeifahrenden S-Bahn wach. Erst einmal recken und strecken und einen Happen essen. Voll Tatendrang ĂŒberlege ich, was ich heute machen könnte. Da kommt mir eine blendende Idee: Mein KĂ€fig sieht doch so kahl aus und da draußen hĂ€ngt ein schönes Tuch; damit kann man sich doch sein Zimmer schmĂŒcken.

09.30 Uhr
Nun versuche ich schon eine geschlagene halbe Stunde dieses vermaledeite Tuch in meinen KĂ€fig zu ziehen ... Na endlich, geschafft. Mist, das Tuch ist ja viel zu groß. Dann muß es halt verkleinert werden.

11.50 Uhr
Das Tuch hat nun die richtige GrĂ¶ĂŸe. Der Rest dient als Schlafdecke. Um nicht tatenlos hier herumzusitzen, zĂ€hle ich die SpĂ€ne, die in meinem Stall herumliegen.

13.20 Uhr
Es sind genau 138985 StĂŒck. Die Langeweile hat mich wieder. Wann kommt denn endlich Katja. Keiner zetert herum, niemand klopft gegen meinen Stall, wenn ich daran nage, und keiner stört mich beim SpĂ€neschaufeln. Das ist mir regelrecht unheimlich. Zur Abwechslung nage ich ein Muster in meine neue Schlafdecke.
14.15 Uhr Von unten bummert Oma an die Decke. Meine Solo-Olympiade im "KĂ€figsprinten" scheint wohl die normale LautstĂ€rke etwas ĂŒbertönt zu haben. BegnĂŒge ich mich halt mit etwas leiseren TĂ€tigkeiten; zum Beispiel SpĂ€neweitwurf - eine Sportart, die höchste körperliche Anstrengung und Konzentration bedarf.

14.40 Uhr
Ich höre Katja kommen. Mal sehen, wie sie meinen neu eingerichteten Stall findet.

14.50 Uhr
Katja scheint nicht sehr begeistert von meiner tollen Idee zu sein, denn als sie das Zimmer betritt und mich sieht, verdreht sie ihre Augen und fÀngt an zu schluchzen: "Das schöne Tuch; total zerfetzt!" Naja, vielleicht gefÀllt ihr das Muster nicht.

15.00 Uhr
Katja hat sich wieder beruhigt. Das arme MĂ€dchen war ja ganz von den Socken, als sie mein Kunstwerk sah. Sie weiß halt nicht die kĂŒnstlerischen FĂ€higkeiten eines "Brachylagos idahoensis" (Zwergkaninchen) zu schĂ€tzen. Kunstbanausen hat es ja schon immer gegeben. Leute mit Geschmack sind eben selten geworden. Ich habe nun aber das Nachsehen, denn Katja schaut mich jedesmal so giftig an, als wolle sie mir an die Gurgel springen. "Weh mir, mein armes Hasenherz!"

15.45 Uhr
Jetzt könnte Katja eigentlich mit dem Beleidigtsein fertig sein und mich mal rauslassen. Zur Unterstreichung meines BedĂŒrfnisses, meine motorischen FĂ€higkeiten auszuprobieren, beginne ich mit einem lauten Protestgenage. Da das MĂ€del etwas begriffsstutzig ist, merkt sie erst nach einer halben Stunde, um was ich sie "liebevoll" bete. Da es aber nicht so aussehen soll, als hĂ€tte ich nur darauf gewartet, daß sie meine GittertĂŒr öffnet, begleite ich ihre Versuche, mich aus dem KĂ€fig zu nehmen mit lauten Geknurre. Die soll gar nicht denken, ich wĂ€re auf sie angewiesen. Trotzdem genieße ich die Streicheleinheiten, doch nach einer halben Minute muß ich unbedingt einen Erkundungstrip durchs Zimmer machen, und ich zappele deshalb so lange, bis Katja mich hinunter lĂ€ĂŸt. Nach ein paar SteigerungslĂ€ufen und einigen HochsprungĂŒbungen inspiziere ich das Zimmer. Ich nehme ein paar Möbelkostproben (sie schmecken wie immer) und untersuche ausgiebig die Behausung von Henry Hamster, meinem zweitem Zimmergenossen (Neben Katja, wohl bemerkt). Ich klopfe höflich an, denn Henry ist nicht zu sehen. Doch dieses unfreundliche Wesen steckt nur seine Schnauze heraus, knurrt mich böse an und verschwindet wieder in seinem Schlafhaus. Hoch erhobenen Hauptes stolziere ich davon; von so einem laß ich mir doch nicht die Laune verderben ... Als ich gerade die Kratzfestigkeit des Bettes untersuche, höre ich plötzlich Schritte hinter mir. Auweia, das ist Katja, denn die hĂ€lt nicht viel von meinen Analysen (Immerhin bin ich Leiter der "Stiftung Hasentest"). Ich verstecke mich schnell hinter dem großen PlĂŒschhasen, der auf Katjas Bett thront. Doch sie entdeckt mich trotzdem. Da Katja die blöde Angewohnheit hat, mich in solchen Momenten in den KĂ€fig zu stecken, verdrĂŒcke ich mich lieber. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd fĂ€ngt sie mich trotzdem. "Bitte nicht in den Stall." Ich setze mein allersĂŒĂŸestes Bettelgesicht auf, denn das hilft meistens Katja umzustimmen. Doch heute wirkt es nicht.

17.30 Uhr
Mich plagt wieder mal die Langeweile. Katja wĂŒrdigt mich keines Blickes. Sie macht Hausaufgaben oder sowas. Ich höre Henry rascheln. Da springt Katja plötzlich auf und rennt zu Henrys KĂ€fig. Das ist ja wohl die Höhe, mich lĂ€ĂŸt sie so lange schmoren bis ich vor Verzweiflung schon am Gitter nagen muß, bis sie mich wahrnimmt, und dieser Hamster braucht nur zu rascheln und Katja springt gleich auf und holt ihn zum Spielen aus dem Stall. Ich setze zu einem Wutgerattere an. "Sei doch nicht so eifersĂŒchtig Joschi, du warst vorhin schon dran." Ich und eifersĂŒchtig?" Ich plĂ€diere doch nur auf Gleichberechtigung fĂŒr Kaninchen ... VergnĂŒge ich mich halt mit einem "Hasi-Metal-Konzert". Die TrĂ€nke muß als Basedrum hinhalten, die GitterstĂ€be machen sich gut als Xylophon und der Futternapf ersetzt den Synthesizer. Da Katja diesmal nicht schimpft, spiele ich gleich noch ein paar Takte lauter.

18.15 Uhr
Katja wurde es doch zu bunt und hat mich deshalb total aus dem Rhythmus gebracht, als sie gegen den KĂ€fig klopfte. Jetzt sitzt sie beim Abendbrot, und ich kann wieder trommeln. Henry kramt in seinem Einstreu - dummes Tier. Wenn er vielleicht Trompete spielen könnte oder wenigstens E-Gitarre; dann könnten wir ja eine Band grĂŒnden. Aber nicht mal das kann er.

19.30 Uhr
Jetzt duscht Katja gerade. Vielleicht hat sie ja danach noch ein wenig Zeit fĂŒr mich. Ich werde ihr dann gleich meinen neuen "Hasi-Metal-Sound" zeigen, vielleicht gefĂ€llt er ihr diesmal.

20.10 Uhr
Eine Parfumwolke kommt ins Zimmer gerauscht. Manchmal kommt es mir so vor, als hĂ€tte Katja sich mit einer ganzen Parfumfabrik ĂŒberschĂŒttet. Ich fliehe entsetzt, als sie sich meinem KĂ€fig nĂ€hert. Die soll draußen bleiben mit ihrem Gestank. "Na Hasi, riecht das nicht gut?" Dem Ersticken nahe entweiche ich in die hinterste Ecke meiner Behausung. "Das riecht doch tausendmal besser als dein Mief." Ich bin zutiefst beleidigt. Synthetische Mittel sind Gift fĂŒr die Haut. Ich bin fĂŒr natĂŒrlichen Geruch. "Marke MĂ€nnerschweiß" nennt Katja meinen lieblichen Duft. Das Einzige, was mich jetzt wieder einigermaßen versöhnlich macht, ist, daß Katja mich im Zimmer laufen lĂ€ĂŸt.

21.10 Uhr
Ich liege auf dem Fußboden und döse. "Dann kann ich dich ja in den KĂ€fig setzen, wenn du nicht mehr laufen möchtest." Und ehe ich mich versehe, hat sie mich in den Stall gesperrt. Dem MĂ€del kann man es aber auch gar nicht recht machen: Laufe ich herum und betĂ€tige mich sportlich mit Hindernisspringen ĂŒber das Bett, muß ich in den KĂ€fig und wenn ich döse auch. Und da reden die Leute noch von Logik.

21.30 Uhr
Ich habe gerade ĂŒber den Sinn des Lebens nachgedacht, bin aber zu keinem Ergebnis gekommen. Katja liegt in ihrem Bett und liest. Diese Art der FreizeitbeschĂ€ftigung habe ich auch schon ausprobiert, aber ich hatte leichte Probleme beim UmblĂ€ttern. An Kaninchen als Leserschaft haben die Buchhersteller auch nicht gedacht. Außerdem hat Katja meine krampfhaften Versuche, die Seite der LektĂŒre umzublĂ€ttern, gleich wieder mißverstanden und sperrte mich in mein Kabuff.

21.45 Uhr
Katja hat eben das Licht ausgemacht. Ich bin aber ĂŒberhaupt nicht mĂŒde. Da fĂ€llt mir plötzlich ein, daß ich heute meinen Stall noch gar nicht aufgerĂ€umt habe. Ich beginne sofort mit dem Ausfegen. Da geht das Licht an. Katja wird doch jetzt nicht auch ihr Zimmer ausfegen wollen? "Nicht mal schlafen lĂ€ĂŸt du mich mit deinem Getöse." Damit nimmt sie meinen Stall und trĂ€gt ihn ins Nebenzimmer. Als die TĂŒr sich wieder schließt und ich ganz allein in diesem finsteren Zimmer bin, ĂŒberkommt mich ein melancholisches GefĂŒhl von Einsamkeit. Momente spĂ€ter wird auch noch Henry hineingetragen. Geschieht ihm recht. Aber dann bin ich wenigstens nicht mehr so allein. Vielleicht sollte ich mich doch mit Henry anfreunden. Ich werde mal versuchen, mit ihm zu reden.

23.00 Uhr
Also ich habe mich in Henry getĂ€uscht; er ist ein sehr interessanter GesprĂ€chspartner. Wir haben gerade ĂŒber den Sinn des Lebens nachgedacht. Wir sind zu keinem Ergebnis gekommen.

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Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich KĂ€stner)

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hera
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Hallo Katja!

Ich wollte dir sagen, dass meiner achtjÀhrigen Tochter die Geschichte ausgesprochen gut gefallen hat.
Ich find das auch toll, so aus der Sicht des Kaninchens zu schreiben. Dachte erst, es ist etwas lang, aber meine Tochter hat das nicht gestört.

TschĂŒssie, hera

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Katjuscha
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Danke fĂŒr das Lob

Hallo Hera,

danke fĂŒr das Lob und liebe GrĂŒĂŸe an deine Tochter. Diese Geschichte ist eigentlich schon ein paar Jahre alt, aber Joschi gibt es immer noch (o: Wenn deiner Tochter solche Geschichten gefallen, solltet ihr mal die Freddy-BĂŒcher von Dietlof Reiche aus dem anrich-Verlag lesen. Freddy ist nĂ€mlich der erste Goldhamster der schreiben und lesen kann. Die Geschichten sind echt witzig - vor allem das erste Buch.
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Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist wirklich ein Mensch. (Erich KĂ€stner)

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flammarion
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herrlich,

liebe katjuscha. darf ich deine entzĂŒckende geschichte meiner tochter schenken? sie hat auch ein kaninchen, eine zippe, die elvis heißt. als baby war sie fĂŒr ein mĂ€nnchen gehalten worden vom verkĂ€ufer und als sich der irrtum herausstellte, wollte meine tochter das niedliche geschöpf nicht umtaufen. ganz lieb grĂŒĂŸt
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Old Icke

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Katjuscha
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Geschichtengeschenk

Klar kannst du die Geschichte verschenken! Das ehrt mich (o: GrĂŒĂŸe deine Tochter ganz lieb von mir und von Joschi, die mittlerweile schon acht Jahre alt ist und noch immer so rabaukig wie eh und je. Nur hat sie schon seit sechs Jahren einen Stallgenossen namens Tom Meerschwein - auch das Angstschwein genannt. Henry ist leider schon seit einigen Jahren im Hamsterhimmel.
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