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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Der Tante Emma-Laden
Eingestellt am 13. 06. 2015 21:46


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Claudia Rainbow
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Jan 2015

Werke: 7
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Es war einmal ein kleiner Tante Emma-Laden. So einer wie es heute fast keine mehr gibt. In seinen Regalen fanden sich s├Ąmtliche Waren des t├Ąglichen Bedarfs. Dazu z├Ąhlen bekanntlich nicht nur Lebensmittel und Getr├Ąnke, sondern nat├╝rlich auch Artikel f├╝r die pers├Ânliche Hygiene. Die Auswahl war nicht riesig, denn auch die Ladenfl├Ąche auf der die Ware dargeboten werden konnte, war halt eben so, wie es sich f├╝r einen Tante Emma-Laden geb├╝hrt. Die Inhaberin des Ladens hiess Rosa M├╝ller. Kein besonders spektakul├Ąrer Name, so wie halt auch der Laden nicht besonders spektakul├Ąr war. Auf den ersten Blick jedenfalls war er es nicht. Des Nachts taten sich n├Ąmlich sonderliche Dinge in dem Laden. Doch der Kundschaft und auch der Inhaberin blieben sie verborgen. Ab und an geschah es zwar, dass Rosa M├╝ller wenn sie des Morgens den Laden aufschloss, etwas irritiert dar├╝ber war, dass die blauen Zahnb├╝rsten gemeinsam mit den roten in einem Fach lagen, obwohl sie sich sicher war, dass sie am Abend vorher die Ordnung in den Regalen peinlich genau wiederhergestellt hatte, aber sie erkl├Ąrte sich das damit, dass auch sie nicht unfehlbar war.

Des Nachts, wenn es ganz still war im Laden, keine Kunden in den Regalen st├Âberten und Dinge verlegten, die Menschen friedlich schlummernd in ihren Betten lagen, tr├Ąumten die Waren des t├Ąglichen Bedarfs, respektive die Artikel f├╝r die pers├Ânliche Hygiene. Sie tr├Ąumten nat├╝rlich bei vollem Bewusstsein, oder sind Sie, lieber Leser, schon mal einem schlafenden Deo oder einer schnarchenden Zahnpastatube begegnet?

Das Deo tr├Ąumte davon, einer blonden Sch├Ânheit die Achseln├Ąsse eind├Ąmmen zu d├╝rfen, die Zahnpastatube, die nicht gar so anspruchsvoll war, in einem ordentlich aufger├Ąumten Badezimmer stehen zu d├╝rfen, mit zugedrehtem Verschluss, versteht sich. Die Zahnb├╝rsten, ja die hatten besonders viel Fantasie. Die eine, eine rote, tr├Ąumte davon, eine ber├╝hmte Schauspielerin w├╝rde sie kaufen und dann malte sie sich aus, was sie in ihrer Hand alles erleben w├╝rde. Die Sache mit den Speiseresten aus den Zahnzwischenr├Ąumen entfernen, blendete sie dabei aus. Die blaue Zahnb├╝rste schw├Ąrmte davon, wie sie am Fenster stehend, aus einem luxuri├Âsen Zahnglas ragend, den Blick ├╝ber einen wunderbaren Sandstrand w├╝rde gleiten lassen k├Ânnen. Die Sache, dass in dem Laden ausschliesslich Menschen mit tiefem Budget ein und ausgingen, ├╝bersah sie dabei.

Das Deo, die Zahnpastatube und die Zahnb├╝rsten sprachen verschiedene Sprachen. Und auch wenn sie sich ihre Tr├Ąume untereinander gerne erz├Ąhlt h├Ątten, so liessen sie es bleiben, weil sie einander nicht verstanden. Die Deo's, die Zahnpastatuben, die Zahnb├╝rsten, alle blieben sie unter sich. Wechselten h├Âchstens mal vom Fach ihrer einen Sorte in ein Fach ihrer anderen.

So waren die Zahnb├╝rsten doch ziemlich erstaunt, als sie eines Nachts aus dem untersten Regal eine Stimme in ihrer Sprache vernahmen. "Welch wunderbare Tr├Ąume ihr doch habt", h├Ârten sie sie sagen. Verwundert hielten die Zahnb├╝rsten in ihren Erz├Ąhlungen inne und schauten sich verdutzt an. "Wo bist du denn?", fragten sie. "Wir Zahnb├╝rsten liegen doch alle hier oben." Die Stimme blieb ihnen eine Erkl├Ąrung schuldig, fragte aber, ob sie ihnen auch ihren Traum erz├Ąhlen d├╝rfe. Die Zahnb├╝rsten waren nat├╝rlich sehr neugierig, weshalb sonst haben sie so viele Borsten um damit in jede noch so kleine Ecke vordringen zu k├Ânnen? Und so sagten sie eifrig: "Oh ja, gerne!" Und die Stimme begann zu erz├Ąhlen wie sie in der Satteltasche eines Kamels ├╝ber goldene D├╝nen in den Sonnenuntergang geschaukelt werden w├╝rde, wie sie im Gep├Ąck eines Abenteurers in die weite Wildnis Alaskas vorstossen w├╝rde, wie sie gut beh├╝tet auf einer Safari wilden Tieren begegnen w├╝rde, wie sie im Rucksack eines eifrigen Bergsteigers auf die h├Âchsten Gipfel getragen werden w├╝rde... all dies beschrieb die Stimme in so eindrucksvollen Bildern, dass die Zahnb├╝rsten die ganze Nacht wie gebannt zuh├Ârten und die Zeit wie im Fluge verging.
Und als es langsam Tag wurde, das Tageslicht immer mehr in den Laden drang, suchten die Zahnb├╝rsten im untersten Regal nach der ihren, die sie so wunderbar unterhalten hatte. Und verdutzt mussten sie erkennen, dass da gar keine wie sie lag.

Im untersten Regal lag n├Ąmlich:

eine WC-B├╝rste

Tja, was ich damit eigentlich sagen will, lieber Leser, behandeln Sie Ihre WC-B├╝rste mit dem ihr geb├╝hrenden Respekt, denn auch sie hatte mal andere Pl├Ąne als... na Sie wissen schon... ... ...

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