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Leselupe.de > Fantasy und MĂ€rchen
Der gestiefelte Kater
Eingestellt am 08. 05. 2018 12:36


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joecec
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Der gestiefelte Kater



Er stapfte durch den Schnee, getrieben von dem Duft, der sie so unwiderstehlich machte. Ihm leuchteten die VorzĂŒge der Stiefel ein, die seine Leibeigene ihm ĂŒbergezogen hatte, nicht aber deren Notwendigkeit. Um die Ecke biegend erkannte er den Hausherren zuerst am ungelenken Gang, dann auch am Fell. Der neumannsche Kater plusterte sich auf eigenem Terrain auf, so gut er das in seinem Alter noch konnte. Die Angebetete saß scheinbar teilnahmslos, aber nicht minder verlockend, auf der Mauer, als sei es noch nötig, die Anwesenden von ihren VorzĂŒgen zu ĂŒberzeugen. Die Augen der Wenigen, die penibel auf die Einhaltung der Regeln fĂŒr solche Auseinandersetzungen achteten, leuchteten aus den BĂŒschen. Ein Abweichen von denselben wĂ€re kollektiv geahndet worden.

Der Siedlungs-Eunuch trat zwischen die Kontrahenten, besah sich die verpackten Pfoten des Herausforderers und schĂŒttelte das durch keinerlei Erregung zerstreute Haupt.
„So besohlt könnt ihr die Arena nicht betreten. Selbst fĂŒr einen Recken eures Kalibers ziemt es sich nicht, mit solcher Art Fußkleid einen Disput auszufechten. Ihr seid hiermit des Platzes verwiesen.“ FĂŒr artfremde Ohrenzeugen mochte dieser Satz weit holpriger klingen, weil die Eloquenz seines Autors nur mit verhandlungssicherem linguistischen Hintergrundwissen begreifbar war.

HĂ€tte es ein Zertifikat fĂŒr besonders ausschweifendes Augenrollen gegeben, sie wĂ€re die Namensgeberin dafĂŒr gewesen, gleichwohl sie keinen Namen hatte, weil sie keinen brauchte. Niemand hier hĂ€tte ihn aussprechen können, wozu also hĂ€tte sie ihn tragen sollen? Die Stiefel, die sie letzte Nacht im gemeinsamen Versteck noch so scharf gemacht hatten, sorgten nun dafĂŒr, dass sie eine weitere Saison mit diesem alten Sack verbringen musste, der nur einen hochbekam, wenn sie sich vor ihn hockte und ihm den pheromongetrĂ€nkten Schoß buchstĂ€blich unter die Nase rieb. Dieser Blödmann! Kam hier mit unzulĂ€ssigem Schuhwerk an und vermasselte die GebietsĂŒbernahme durch Regelbruch!

Den machte der genital Entkernte wortlos, aber nicht zahnlos und schon gar nicht lautlos unmissverstĂ€ndlich prĂ€sent, bis der Gestiefelte gesenkten Kopfes das Weite suchte. Der verstohlene Blick auf die Erhabene weckte Erinnerungen an manche heimliche Nacht. Sein GemĂ€cht pflĂŒgte durch den Schnee, was abregend aber keinesfalls besĂ€nftigend wirkte. Er wĂŒrde der Futterquelle mit den Reflexen einer trĂ€gen Hanfkordel die Arme zerkratzen, wenn sie beim nĂ€chsten Schnee auch nur in die NĂ€he der Schublade mit den unangemessenen Katzen-Accessoires gehen wĂŒrde.

Er durchstreifte die zu seinem Revier zĂ€hlenden GĂ€rten auf der Suche nach den Wenigen, die mittels Klappe oder Bediensteten den Weg ins Freie gefunden hatten. Sie waren kein Ersatz, aber eine adĂ€quate Ablenkung und er war nicht zimperlich mit ihnen. Mochte die Ersehnte doch hören, was sie verpasste, wenn sie nicht ohnehin daran dachte, wĂ€hrend der Fettsack sich abmĂŒhte, ohne einen nennenswerten Eindruck zu hinterlassen. KĂ€lte und Hunger trieben ihn trotz anhaltender Unruhe in die heimische Burg.

Er trĂ€umte von ihr, wĂ€hrend er sich den vollgestopften Bauch kraulen ließ und die WĂ€rme der Couch genoss, die leider nicht nach ihr roch. Die Kordel-bewĂ€hrten StĂŒtzen seines Nachtlagers sahen dem Neumannschen verblĂŒffend Ă€hnlich, wĂ€hrend sich seine Krallen hineinbohrten und faserig auf dem Boden verteilten, was er dem Angeber gerne aus der Visage gemeißelt hĂ€tte. Er schlief unruhig und trĂ€umte von gewaltigen Hieben und mĂ€chtige StĂ¶ĂŸen, bis ihn die imaginierten Kampfesschreie und die ausgemalten Stelldicheins nicht mehr davon abzulenken vermochten, dass es wieder an der Zeit war, den eigenen Kalorienmangel derjenigen mitzuteilen, die ĂŒber Wissen und Werkzeug verfĂŒgte, die wundersam nachhaltigen NahrungsvorrĂ€te in verzehrgerechter Weise zu arrangieren.

Er sprang ĂŒbermĂŒtig vom Zwischengeschoss auf den LandelĂ€ufer, stolzierte zum ĂŒblichen Ort des Fressens und Entsorgens und verkĂŒndete lautstark seinen unaufschiebbaren Bedarf. Er war fest entschlossen, die Begehrte auch heute wieder weg von den wachsamen Blicken der Nachbarn in sein Revier zu locken, ob es sich ziemte oder nicht.
__________________
"Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt."
Ludwig Wittgenstein

Version vom 08. 05. 2018 12:36

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???
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Hallo joecec

Gewitzt! Folgender Satz finde ich ein wenig umstĂ€ndlich, ich wĂŒrde eventuell den Teil nach dem Komma Ă€ndern:

‘Die wenigen Augenpaare, die aus den BĂŒschen leuchteten, gehörten den Überwachern der Riten und Regeln.’

Mein Vorschlag:
Die wenigen Augenpaare, die aus den BĂŒschen leuchteten, gehörten den SittenwĂ€chtern (oder strengen SittenwĂ€chtern). Dann hast du die Bedeutung von Überwacher, Riten und Regeln zusammengefasst, denn «SittenwĂ€chter» impliziert ja all dies.

Ein bisschen erinnert mich dein Text an meine eigenen göttergleichen Feliden, deren Bediensteter – oder auch zweibeiniger Dosenfutteröffner - ich im Grunde nur bin ;-)

LG, Marker

__________________
Die Federspitze auf dem Papier, wie sie die Worte balanciert, auf der messerscharfen Schneide zwischen Wahn und Wirklichkeit.

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joecec
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Hi Marker,

danke fĂŒr deine Antwort und den Hinweis. Ich weiß nicht, ob "SittenwĂ€chter" es trifft. mir ging es konkret um die Überwacher des Einhaltens der Regeln fĂŒr solche Auseinandersetzungen. ;-)
Ich denke noch mal darauf herum, etwas mĂŒhsam liest sich das schon, stimmt.

Vielleicht:
"Die wenigen Augenpaare, die aus den BĂŒschen leuchteten, gehörten denjenigen, die penibel auf die Einhaltung der Regeln fĂŒr derlei Auseinandersetzungen achteten."

Danke und lieben Gruß
Joyce

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???
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Ja, Joyce, verstehe. Aber auch dieser Satz klingt fĂŒr mich noch ein bisschen umstĂ€ndlich.
Ein Vorschlag, nur ein Vorschlag:

Die Augen der Wenigen, die penibel auf die Einhaltung der Regeln fĂŒr solches GezĂ€nk (oder derlei Auseinandersetzungen) achteten, leuchteten aus den BĂŒschen.

LG, Marker


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joecec
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Der ist gut, in der Form gefÀllt er mir:
"Die Augen der Wenigen, die penibel auf die Einhaltung der Regeln fĂŒr solche Auseinandersetzungen achteten, leuchteten aus den BĂŒschen."
Lasse ich mal so stehen und wenn er mir nachher noch gefÀllt, ist er gekauft. ;-)

Danke und LG
Joyce
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