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Der stibitzte Fußball
Eingestellt am 03. 11. 2004 08:46


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Wasserlinse
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Der stibitzte Fußball

„Toni! Kommst du heute zu mir?“, fragte Theo seinen Freund in der Pause.
Der kleine dunkelhaarige Junge, der mit vollem Namen Antonio hieß, drehte sich zu ihm um und antwortete kurz:
„Ach - ich mag lieber Fußball spielen“.
Obwohl Theo an einer verkehrsberuhigten Straße wohnt, ist dort das Fußballspielen strengstens untersagt. Er schaute seinen Freund traurig an.
„Geh doch mit zum Spielplatz“, schlug Toni nun vor.
„Hm! Dort lassen uns die Großen doch nie mitspielen“, gab Theo zu bedenken. Seit dem Unfall, als er mit seiner Mutter beim Überqueren einer Kreuzung von einem abbiegenden Auto angefahren wurde hinkt er ein wenig. Es sieht auch komisch aus, wenn er rennt. Die meisten Jungs lachen ihn deswegen aus. Sie wollen ihn auch nicht in ihrer Mannschaft haben.
„Heute lassen die uns mitspielen. Wetten!“ Toni lachte, dass seine Zahnlücke sichtbar wurde. „Mein Bruder hat zum Geburtstag einen neuen Ball bekommen. So einen richtigen, wie die Profis bei der WM einen hatten. Toll was?“
Theo nickte: „Aber den leiht er dir doch nie.“
„Wieso leihen? Der hat doch heute Nachmittag Unterricht“, grinste Toni.

Doch Theo hatte keine Lust bis zum Spielplatz zu laufen und sich wieder auslachen zu lassen. Da fiel ihm etwas ein. „Aber Herr Hamel ist im Urlaub.“
„Was - der Hammel ist weg?“ Beide lachten. Sie hatten sich einmal sehr über Theo´s Nachbar geärgert. Dieser hatte sich über den Lärm beschwert, den die Kinder beim Spielen machten und dabei betont:
„Eine Spielstraße ist kein Bolzplatz!“ Theo´s Mutter wollte keinen Ärger mit dem Nachbar und meinte, die Kinder sollten drinnen weiter spielen. Zum Glück war Theo´s Vater zu hause. „Dieser Herr hat doch einen Lattenzaun, so hoch, dass keiner drüberschauen kann. Eine richtige Lärmschutzwand“, lachte Theo´s Vater. „Also spielt weiter, aber schießt nicht mehr mit dem Ball gegen den Zaun. OK?“
Aus Wut hatte Toni dann ein weiteres `m` auf das Namensschild gekritzelt. Herr Hamel, der nun Hammel hieß, musste das Schild erneuern. Dummerweise hatte er beim Abwischen mit einem Lösungsmittel auch die anderen Buchstaben verwischt.

Toni freute sich. „Klar, dann komm´ ich zu dir“. Da läutete die Schulglocke und die Schüler stürmten in ihre Klassenräume zurück.

Theo war noch nicht mit seinen Hausaufgaben fertig, da stand Toni schon vor der Haustür. „Bin gleich fertig!“, rief Theo. Toni wartete draußen und schlug den Ball mit einer Hand, so dass dieser immer wieder hochsprang. Er hatte tatsächlich den neuen Ball seines Bruders stibitzt. Theo staunte: „Der ist echt super.“
Von seiner Mutter bekam er immer nur Softbälle, wegen der geringeren Verletzungsgefahr. Als Theo in den Fußball-Verein wollte, war sie dagegen. „Fußball ist ein gefährlicher Sport“, behauptete sie.
„Ja, ich weiß! Da wird geschossen und geköpft!“, hatte Theo´s Vater gelacht.
Theo durfte also doch in den Fußballclub. Doch seit seinem Unfall will er nicht mehr dort mitspielen. Er saß sowieso nur noch als Ersatzspieler auf der Auswechselbank.
Toni würde auch gerne im Verein Fußball spielen. Doch seine Eltern erlauben es nicht. Es ist zu teuer bei drei Jungs. Wenn er etwas älter ist, will Toni Prospekte austragen, um damit den Beitrag selbst zahlen zu können. Aber mit seinen gerade acht Jahren darf er das noch nicht.

Theo nahm den Haustürschlüssel mit der langen Schnur und befestigte ihn an seiner Gürtelschlaufe. Er schloss die Haustüre ab und steckte den Schlüssel in die Hosentasche. Er darf kein Band um seinen Hals hängen, weil sein Vater beim Klettern mal mit so was hängen geblieben ist.
Besonders die Mutter hatte immer Angst ihrem einzigen Kind könnte etwas ernstes zustoßen.

„Du gehst zuerst ins Tor, ich schieße Elfmeter“, bestimmte Toni. Theo wollte protestieren, aber der Ball gehörte Toni. Also postierte er sich vor den Lattenzaun seines Nachbarn. Toni zählte elf große Schritte ab, drehte sich um und schoss. Der Ball knallte neben Theo an den Zaun.
„Eins zu Null für mich“, jubelte Toni.
Den nächsten Ball konnte Theo halten, aber er rieb sich die Hände.
„Autsch! Das tut weh, der ist ja knallhart.“
„Einmal noch, dann wechseln wir. OK?“, schlug Toni vor. Theo nickte.
Toni nahm Anlauf und schoss. Der Ball flog hoch – zu hoch. Er landete im Garten von Herrn Hamel.
„Mist! Verdammter Mist!“ fluchte Toni.
„Kannst du nicht besser aufpassen? Und jetzt?“, wollte Theo wissen.
„Ich muss da rüber. Ohne Ball kann ich nicht nach Hause“, sagte Toni.
„Über den Zaun? Spinnst du? Der ist viel zu hoch“, meinte Theo. „Und die Gartentüre ist immer abgeschlossen.“
„Wenn du dich bückst, steig ich auf deinen Rücken. Dann komm ich rüber.“
„Und wie kommst du wieder zurück?“ Theo war nicht begeistert von Tonis Idee. Er selbst war zwar größer und kräftiger als sein Freund, doch Klettern war noch nie seine Stärke gewesen.
„Ich werde schon was finden worauf ich steigen kann. Also los! Raus kommt man doch immer“, meinte Toni.

Tatsächlich schaffte Toni es, sich mit Hilfe seines Freundes über den Zaun zu ziehen und auf der anderen Seite hinunter zu springen. Theo versuchte durch einen Spalt zwischen den Latten hindurch zu spähen, aber er konnte nichts erkennen. Ihm war mulmig zumute und er hörte sein Herz klopfen. Da packte ihn plötzlich eine Hand an seiner Schulter.
„Na Theo, suchst du was?“ Es war Herr Hinkelstein, der Hausmeister von nebenan. „Äh, nein“, antwortete Theo verdattert. Er hatte niemanden kommen gehört.
„Und was machst du hier?“ – „Äh, ich wollte...“ Theo suchte nach einer Ausrede, doch der Hausmeister blickte ihm tief in die Augen und sagte freundlich:
„Vielleicht kann ich dir helfen. Ich war ja auch einmal ein kleiner Junge.“
Er grinste.
Theo sah den Mann an. Am liebsten wäre er weggelaufen. Doch rennen konnte er nicht besonders gut. Er dachte an seine Mutter. „Weglaufen ist feige. Mutig ist der, der zugibt etwas falsch gemacht zu haben“, hatte sie ihn gelehrt.

Theo überlegte: „Wieso ist Toni noch nicht da. Er müsste den Ball doch längst gefunden und über den Zaum gekickt haben. Vielleicht braucht Toni wirklich Hilfe.“
Und er sagte: „Toni ist da drinnen.“
„Aha, und jetzt kommt er nicht mehr raus.“ Herr Hinkelstein lachte. „Gut, dass ich die Schlüssel dabei habe. Ich soll die Blumen gießen, solange Herr Hamel weg ist.“ Er kramte aus seiner Hosentasche einen Schlüsselbund heraus.
„Bitte, nichts verraten“, flehte Theo.
„Eltern müssen nicht immer alles wissen. Ehrenwort! Von mir erfahren deine Eltern nichts“, schwor Herr Hinkelstein. „Wenn meine Mutter alles wüßte, was ich früher angestellt habe.“
Theo atmete erleichtert auf.
„Na, welcher ist es denn?“ Herr Hinkelstein steckte einen großen Schlüssel ins Schloss. „Passt! Na dann wollen wir mal sehen, wo dein...“ Freund steckt, wollte er sagen. Doch er ließ den Schlüsselbund fallen und rannte zur Regentonne. Dort schauten zwei Turnschuhe heraus.
„Oh mein Gott!“, murmelte er. Er packte die Füße und zog Toni heraus. Er legte den Jungen ins Gras und begann ihn wieder zu beleben. „Hol Hilfe! Einen Notarzt, schnell!“ Theo stand sprachlos daneben.
„Lauf, wähl 19 und dreimal die 2, und sag, wo sie uns finden. - Verstanden?“ Theo nickte und rannte los. Zitternd öffnete er die Haustüre und wählte die Notrufnummer.
Eine Frauenstimme meldete sich. Wie im Traum beantwortete er alle Fragen. Gut, dass seine Eltern es schon so oft mit ihm geübt hatten.
„Wir sind gleich da“, sagte die Frauenstimme und legte auf.
Theo hielt den Hörer in der Hand. Er hörte das Freizeichen: “tut, tut, tut“ „Tot, tot, tot“, hämmerte es in seinem Hirn. Ihm wurde übel und er musste sich übergeben. Er schaffte es nicht einmal bis zur Toilette. Als er ein Tuch holen wollte, um aufzuwischen, hörte er das Martinshorn. Er musste nach draußen. „Aber in Nachbars Garten gehe ich nie mehr wieder“, dachte er. So stand er da und wartete bis die Sanitäter seinen Freund auf einer Trage in den Krankenwagen schoben.
Toni bewegte sich nicht. Ein Sanitäter lief nebenher und hielt eine Flasche. Ein Schlauch führte von dieser Flasche zu Toni´s Arm. Dann brauste der Wagen los.

Der Hausmeister ging auf Theo zu und nahm ihn in die Arme.
„Da habt ihr mir aber einen schönen Schreck eingejagt“, grinste er. „Dein Freund wird es schon schaffen. Aber wir müssen seiner Mutter Bescheid geben.“
„Du kennst doch hoffentlich seine Adresse“, hörte er eine unbekannte Männerstimme fragen. Da erst bemerkte Theo, dass ein Polizist neben ihnen stand.
„Beethovenring 7“ schluchzte Theo und jetzt kamen die Tränen, die er bisher nur mühselig zurückhalten konnte.

„So, du kommst jetzt mit zu mir“, bestimmte Herr Hinkelstein. Theo nickte. Es war ihm egal, was mit ihm geschah. Herrn Hinkelstein bot ihm eine Tasse heißen Kakao und einige Kekse an. Theo brachte keinen Bissen hinunter.
„Du musst etwas essen. Sonst bekomme ich noch Probleme mit dir“, lachte der Hausmeister. Er versuchte so heiter wie möglich zu klingen. Doch Theo hörte trotzdem, dass er sich Sorgen machte, aber bestimmt nicht seinetwegen.
„Aber – es tut mir leid. Ich habe noch nie ein Versprechen gebrochen“, sagte Herr Hinkelstein. „Doch jetzt – ich werde deinen Eltern alles erzählen müssen.“
Theo nickte nur. Es war ihm jetzt nicht mehr so wichtig. Nein, es war ihm sogar recht. Er wollte nicht selbst alles erzählen müssen.

Am nächsten Tag durfte er Toni besuchen. Er wunderte sich. Seine Mutter hatte einen Ball gekauft, einen Fußball aus richtigem Leder. „Damit Toni sich freut und schnell wieder gesund wird“, hatte sie gesagt und dabei sogar gelacht..
Als Theo damit ins Krankenzimmer kam lachte auch Toni. „Schau mal! Jetzt hab ich drei Fußbälle, einen von meinem Bruder, den anderen von meinem Patenonkel und jetzt deinen.“
Theo grübelte. „Warum bist du in die Tonne gefallen?“, fragte er.
„Blöde Frage. Der Ball lag doch drin“, antwortete Toni. „Die doofe Tonne war aber nur halb voll.“
„Wieso hast du dann nicht geschrieen?“, wollte Theo noch wissen.
„Schrei doch mal mit dem Kopf unter Wasser“, lachte Toni. Und Theo konnte endlich mitlachen.

Zwei Wochen später fand Theo einen Brief.
„Lieber Theo, komm bitte mit deinem Freund zu mir. H. Hamel.“
Theo und Toni ahnten Schlimmes.
„Vielleicht ist am Zaun was kaputt oder eine wertvolle Pflanze zertrampelt worden“, befürchtete Theo.
Mit klopfenden Herzen klingelten sie gemeinsam an der Haustüre des Nachbarn.
Eine Frau öffnete ihnen und führte sie in den Garten. Dort war ein Tisch gedeckt mit leckeren Kuchenstückchen. Herr Hamel stand auf und gab ihnen die Hand.
„Wir möchten uns entschuldigen“, sagte Toni schüchtern und Theo nickte nur.
„Ich möchte mich bei euch entschuldigen“, lächelte der Nachbar.
„Schaut, jetzt hat die Regentonne einen Deckel und die Gartentüre wird nicht mehr abgeschlossen“, versprach Herr Hamel.

Er lachte über ihre erstaunten Gesichter.
„Kommt, setzt euch. Der Kuchen ist zum Essen da.“
Theo und Toni zögerten.
„Ich möchte mich bei euch bedanken.“ Der Nachbar schenkte ihnen einen Fußball.

Es wurde ein schöner Nachmittag. Herr Hamel erzählte, dass er sich jetzt für mehr Spielplätze einsetzen will. „Damit es für euch nicht mehr so weit ist bis zum nächsten Bolzplatz“, lachte er.
„Und auf diese Idee bin ich nur durch euch gekommen. Hier gibt es so viele junge Familien. Diese Stimmen kann ich gut gebrauchen bei der nächsten Wahl. Ich möchte doch Bürgermeister werden.“
Theo und Toni war es egal. Hauptsache sie konnten weiterhin gemeinsam Fußball spielen.

PS: Vielen Dank an „Old Icke“ für die sehr hilfreichen Korrekturen meiner letzten Zauberer-Geschichten.
Stimmen hier die Zeiten? Manchmal bin ich etwas unsicher.
Wasserlinse

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Wasserlinse

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flammarion
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hm,

bis jetzt ist mir nur aufgefallen, dass die geschichte zum heulen schön ist. also hab ich se aufe platte und schau morgen, ausgeschlafen, gründlicher.
lg
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Old Icke

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Sternchen
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Registriert: Sep 2002

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Liebe Wasserlinse,

ich finde diese Geschichte sehr schön.
An ein paar Stellen musste ich richtig lachen wie z.B. bei dieser:

„Wieso hast du dann nicht geschrieen?“, wollte Theo noch wissen.
„Schrei doch mal mit dem Kopf unter Wasser“, lachte Toni.

Habe nur eine Frage:
Für Kinder in welchem Alter ist die Geschichte geschrieben?


LG
Sonja oder Sternchen

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flammarion
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Korrekturvorschläge:

Der stibitzte Fußball
Veröffentlicht von Wasserlinse am 03. 11. 2004 08:46
Der stibitzte Fußball

„Toni! Kommst du heute zu mir?“, fragte Theo seinen Freund in der Pause.
Der kleine dunkelhaarige Junge, der mit vollem Namen Antonio hieß, drehte sich zu ihm um und antwortete kurz:
„Ach - ich mag lieber Fußball spielen(Punkt)“.
Obwohl Theo an einer verkehrsberuhigten Straße wohnt, ist (wohnte, war) dort das Fußballspielen strengstens untersagt. Er schaute seinen Freund traurig an.
„Geh doch mit zum Spielplatz(Punkt)“, schlug Toni nun vor.
„Hm! Dort lassen uns die Großen doch nie mitspielen(Punkt)“, gab Theo zu bedenken. Seit dem Unfall, als er mit seiner Mutter beim Überqueren einer Kreuzung von einem abbiegenden Auto angefahren wurde(Komma) hinkt er ein wenig. Es sieht auch komisch aus, wenn er rennt. Die meisten Jungs lachen ihn deswegen aus. Sie wollen ihn auch nicht in ihrer Mannschaft haben.
„Heute lassen die uns mitspielen. Wetten!“ Toni lachte, dass seine Zahnlücke sichtbar wurde. „Mein Bruder hat zum Geburtstag einen neuen Ball bekommen. So einen richtigen, wie die Profis bei der WM einen hatten (haben). Toll was?“
Theo nickte: „Aber den leiht er dir doch nie.“
„Wieso leihen? Der hat doch heute Nachmittag Unterricht(Punkt)“, grinste Toni.

Doch Theo hatte keine Lust(Komma) bis zum Spielplatz zu laufen und sich wieder auslachen zu lassen. Da fiel ihm etwas ein. „Aber Herr Hamel ist im Urlaub.“
„Was - der Hammel ist weg?“ Beide lachten. Sie hatten sich einmal sehr über Theo´s Nachbar (Nachbarn) geärgert. Dieser hatte sich über den Lärm beschwert, den die Kinder beim Spielen machten und dabei betont:
„Eine Spielstraße ist kein Bolzplatz!“ Theo´s Mutter wollte keinen Ärger mit dem Nachbar und meinte, die Kinder sollten drinnen weiter spielen. Zum Glück war Theo´s Vater zu hause (Hause). „Dieser Herr hat doch einen Lattenzaun, so hoch, dass keiner drüberschauen kann. Eine richtige Lärmschutzwand(Punkt)“, lachte Theo´s Vater. „Also spielt weiter, aber schießt nicht mehr mit dem Ball gegen den Zaun. OK?“
Aus Wut hatte Toni dann ein weiteres `m` auf das Namensschild gekritzelt. Herr Hamel, der nun Hammel hieß, musste das Schild erneuern. Dummerweise hatte er beim Abwischen mit einem Lösungsmittel auch die anderen Buchstaben verwischt.

Toni freute sich. „Klar, dann komm´ ich zu dir(Punkt)“. Da läutete die Schulglocke und die Schüler stürmten in ihre Klassenräume zurück.

Theo war noch nicht mit seinen Hausaufgaben fertig, da stand Toni schon vor der Haustür. „Bin gleich fertig!“, rief Theo. Toni wartete draußen und schlug den Ball mit einer Hand, so dass dieser immer wieder hochsprang. Er hatte tatsächlich den neuen Ball seines Bruders stibitzt. Theo staunte: „Der ist echt super.“
Von seiner Mutter bekam er immer nur Softbälle, wegen der geringeren Verletzungsgefahr. Als Theo in den Fußball-Verein wollte, war sie dagegen. „Fußball ist ein gefährlicher Sport(Punkt)“, behauptete sie.
„Ja, ich weiß! Da wird geschossen und geköpft!“, hatte Theo´s Vater gelacht.
Theo durfte also doch in den Fußballclub. Doch seit seinem Unfall will (wollte) er nicht mehr dort mitspielen. Er saß sowieso nur noch als Ersatzspieler auf der Auswechselbank.
Toni würde auch gerne im Verein Fußball spielen. Doch seine Eltern erlauben es nicht. Es ist zu teuer bei drei Jungs. Wenn er etwas älter ist, will Toni Prospekte austragen, um damit den Beitrag selbst zahlen zu können. Aber mit seinen gerade acht Jahren darf er das noch nicht.

Theo nahm den Haustürschlüssel mit der langen Schnur und befestigte ihn an seiner Gürtelschlaufe. Er schloss die Haustüre ab und steckte den Schlüssel in die Hosentasche. Er darf (durfte) kein Band um seinen Hals hängen, weil sein Vater beim Klettern mal mit so was hängen geblieben ist (war).
Besonders die Mutter hatte immer Angst(Komma) ihrem einzigen Kind könnte etwas ernstes (Ernstes) zustoßen.

„Du gehst zuerst ins Tor, ich schieße Elfmeter(Punkt)“, bestimmte Toni. Theo wollte protestieren, aber der Ball gehörte Toni. Also postierte er sich vor den Lattenzaun seines Nachbarn. Toni zählte elf große Schritte ab, drehte sich um und schoss. Der Ball knallte neben Theo an den Zaun.
„Eins zu Null für mich(Ausrufezeichen)“, jubelte Toni.
Den nächsten Ball konnte Theo halten, aber er rieb sich die Hände.
„Autsch! Das tut weh, der ist ja knallhart.“
„Einmal noch, dann wechseln wir. OK?“, schlug Toni vor. Theo nickte.
Toni nahm Anlauf und schoss. Der Ball flog hoch – zu hoch. Er landete im Garten von Herrn Hamel.
„Mist! Verdammter Mist!“(Komma) fluchte Toni.
„Kannst du nicht besser aufpassen? Und jetzt?“, wollte Theo wissen.
„Ich muss da rüber. Ohne Ball kann ich nicht nach Hause(Punkt)“, sagte Toni.
„Über den Zaun? Spinnst du? Der ist viel zu hoch(Punkt)“, meinte Theo. „Und die Gartentüre ist immer abgeschlossen.“
„Wenn du dich bückst, steig ich auf deinen Rücken. Dann komm ich rüber.“
„Und wie kommst du wieder zurück?“ Theo war nicht begeistert von Tonis Idee. Er selbst war zwar größer und kräftiger als sein Freund, doch Klettern war noch nie seine Stärke gewesen.
„Ich werde schon was finden(Komma) worauf ich steigen kann. Also los! Raus kommt man doch immer(Punkt)“, meinte Toni.

Tatsächlich schaffte Toni es, sich mit Hilfe seines Freundes über den Zaun zu ziehen und auf der anderen Seite hinunter zu springen. Theo versuchte(Komma) durch einen Spalt zwischen den Latten hindurch zu spähen, aber er konnte nichts erkennen. Ihm war mulmig zumute und er hörte sein Herz klopfen. Da packte ihn plötzlich eine Hand an seiner Schulter.
„Na Theo, suchst du was?“ Es war Herr Hinkelstein, der Hausmeister von nebenan. „Äh, nein(Punkt)“, antwortete Theo verdattert. Er hatte niemanden kommen gehört (hören).
„Und was machst du hier?“ – „Äh, ich wollte...“ Theo suchte nach einer Ausrede, doch der Hausmeister blickte ihm tief in die Augen und sagte freundlich:
„Vielleicht kann ich dir helfen. Ich war ja auch einmal ein kleiner Junge.“
Er grinste.
Theo sah den Mann an. Am liebsten wäre er weggelaufen. Doch rennen konnte er nicht besonders gut. Er dachte an seine Mutter. „Weglaufen ist feige. Mutig ist der, der zugibt(Komma) etwas falsch gemacht zu haben(Punkt)“, hatte sie ihn gelehrt.

Theo überlegte: „Wieso ist Toni noch nicht da.(besser Fragezeichen) Er müsste den Ball doch längst gefunden und über den Zaum gekickt haben. Vielleicht braucht Toni wirklich Hilfe.“
Und er sagte: „Toni ist da drinnen.“
„Aha, und jetzt kommt er nicht mehr raus.“ Herr Hinkelstein lachte. „Gut, dass ich die Schlüssel dabei habe. Ich soll die Blumen gießen, solange Herr Hamel weg ist.“ Er kramte aus seiner Hosentasche einen Schlüsselbund heraus.
„Bitte, nichts verraten(Ausrufezeichen oder Punkt)“, flehte Theo.
„Eltern müssen nicht immer alles wissen. Ehrenwort! Von mir erfahren deine Eltern nichts“, schwor Herr Hinkelstein. „Wenn meine Mutter alles wüsste (wüsste), was ich früher angestellt habe.“
Theo atmete erleichtert auf.
„Na, welcher ist es denn?“ Herr Hinkelstein steckte einen großen Schlüssel ins Schloss. „Passt! Na(Komma) dann wollen wir mal sehen, wo dein...“ Freund steckt, wollte er sagen. Doch er ließ den Schlüsselbund fallen und rannte zur Regentonne. Dort schauten zwei Turnschuhe heraus.
„Oh mein Gott!“, murmelte er. Er packte die Füße und zog Toni heraus. Er legte den Jungen ins Gras und begann ihn wieder zu beleben. „Hol Hilfe! Einen Notarzt, schnell!“ Theo stand sprachlos daneben.
„Lauf, wähl 19 und dreimal die 2, und sag, wo sie uns finden. - Verstanden?“ Theo nickte und rannte los. Zitternd öffnete er die Haustüre (Haustür, Türe ist Jargon) und wählte die Notrufnummer.
Eine Frauenstimme meldete sich. Wie im Traum beantwortete er alle Fragen. Gut, dass seine Eltern es schon so oft mit ihm geübt hatten.
„Wir sind gleich da(Punkt)“, sagte die Frauenstimme und legte auf (es wurde aufgelegt. Eine Stimme kann nicht auflegen).
Theo hielt den Hörer in der Hand. Er hörte das Freizeichen: “ tut (Tut), tut, tut(Punkt)“ „Tot, tot, tot(Punkt)“, hämmerte es in seinem Hirn. Ihm wurde übel und er musste sich übergeben. Er schaffte es nicht einmal bis zur Toilette. Als er ein Tuch holen wollte, um aufzuwischen, hörte er das Martinshorn. Er musste nach draußen. „Aber in Nachbars Garten gehe ich nie mehr wieder(Punkt)“, dachte er. So stand er da und wartete(Komma) bis die Sanitäter seinen Freund auf einer Trage in den Krankenwagen schoben.
Toni bewegte sich nicht. Ein Sanitäter lief nebenher und hielt eine Flasche. Ein Schlauch führte von dieser Flasche zu Toni´s Arm. Dann brauste der Wagen los.

Der Hausmeister ging auf Theo zu und nahm ihn in die Arme.
„Da habt ihr mir aber einen schönen Schreck eingejagt(Punkt)“, grinste er. „Dein Freund wird es schon schaffen. Aber wir müssen seiner Mutter Bescheid geben.“
„Du kennst doch hoffentlich seine Adresse(Fragezeichen)“, hörte er eine unbekannte Männerstimme fragen. Da erst bemerkte Theo, dass ein Polizist neben ihnen stand.
„Beethovenring 7(Punkt)“ schluchzte Theo und jetzt kamen die Tränen, die er bisher nur mühselig zurückhalten konnte.

„So, du kommst jetzt mit zu mir(Punkt)“, bestimmte Herr Hinkelstein. Theo nickte. Es war ihm egal, was mit ihm geschah. Herrn Hinkelstein bot ihm eine Tasse heißen Kakao und einige Kekse an. Theo brachte keinen Bissen hinunter.
„Du musst etwas essen. Sonst bekomme ich noch Probleme mit dir(Punkt)“, lachte der Hausmeister. Er versuchte so heiter wie möglich zu klingen. Doch Theo hörte trotzdem, dass er sich Sorgen machte, aber bestimmt nicht seinetwegen.
„Aber – es tut mir leid. Ich habe noch nie ein Versprechen gebrochen(Punkt)“, sagte Herr Hinkelstein. „Doch jetzt – ich werde deinen Eltern alles erzählen müssen.“
Theo nickte nur. Es war ihm jetzt nicht mehr so wichtig. Nein, es war ihm sogar recht. Er wollte nicht selbst alles erzählen müssen.

Am nächsten Tag durfte er Toni besuchen. Er wunderte sich. Seine Mutter hatte einen Ball gekauft, einen Fußball aus richtigem Leder. „Damit Toni sich freut und schnell wieder gesund wird(Punkt)“, hatte sie gesagt und dabei sogar gelacht..
Als Theo damit ins Krankenzimmer kam(Komma) lachte auch Toni. „Schau mal! Jetzt hab ich drei Fußbälle, einen von meinem Bruder, den anderen von meinem Patenonkel und jetzt deinen.“
Theo grübelte. „Warum bist du in die Tonne gefallen?“, fragte er.
„Blöde Frage. Der Ball lag doch drin(Punkt)“, antwortete Toni. „Die doofe Tonne war aber nur halb voll.“
„Wieso hast du dann nicht geschrieen?“, wollte Theo noch wissen.
„Schrei doch mal mit dem Kopf unter Wasser(Punkt)“, lachte Toni. Und Theo konnte endlich mitlachen.

Zwei Wochen später fand Theo einen Brief.
„Lieber Theo, komm bitte mit deinem Freund zu mir. H. Hamel.“
Theo und Toni ahnten Schlimmes.
„Vielleicht ist am Zaun was kaputt oder eine wertvolle Pflanze zertrampelt worden(Punkt)“, befürchtete Theo.
Mit klopfenden Herzen klingelten sie gemeinsam (überflüssig) an der Haustüre des Nachbarn.
Eine Frau öffnete ihnen und führte sie in den Garten. Dort war ein Tisch gedeckt mit leckeren Kuchenstückchen. Herr Hamel stand auf und gab ihnen die Hand.
„Wir möchten uns entschuldigen(Punkt)“, sagte Toni schüchtern und Theo nickte nur.
„Ich möchte mich bei euch entschuldigen(Punkt)“, lächelte der Nachbar.
„Schaut, jetzt hat die Regentonne einen Deckel und die Gartentüre wird nicht mehr abgeschlossen(Punkt)“, versprach Herr Hamel.

Er lachte über ihre erstaunten Gesichter.
„Kommt, setzt euch. Der Kuchen ist zum Essen da.“
Theo und Toni zögerten.
„Ich möchte mich bei euch bedanken.“ Der Nachbar (sagte er und) schenkte ihnen einen Fußball.

Es wurde ein schöner Nachmittag. Herr Hamel erzählte, dass er sich jetzt für mehr Spielplätze einsetzen will. „Damit es für euch nicht mehr so weit ist bis zum nächsten Bolzplatz(Punkt)“, lachte er.
„Und auf diese Idee bin ich nur durch euch gekommen. Hier gibt es so viele junge Familien. Diese Stimmen kann ich gut gebrauchen bei der nächsten Wahl. Ich möchte doch Bürgermeister werden.“
Theo und Toni war es egal. Hauptsache(Komma) sie konnten weiterhin gemeinsam Fußball spielen.
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Stephanie Seelig
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Hallo Wasserlinse

Was mich eigentlich nur gestört hat, war die Situation, warum er keinen Lederball hatte, sondern nur einen Softball. Das mit der Verletzungsgefahr......hm...und zu teuer? Ist mir so beim Lesen aufgefallen. Vielleicht hat er einfach keinen Ball, weil er ihn beim letzen Mal einfach draußen liegen lassen hat. Kenne das von meinem Sohn. Wird auf die Dauer verdammt teuer*g.

Genau so.....Stephanie
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flammarion
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hallo,

ich muss mich entschuldigen. ich wurde heute darauf aufmerksam gemacht, dass bei der wörtlichen rede nur ausrufe- und fragesätze mit dem entsprechenden satzzeichen beendet werden, ein normaler satz jedoch ohne punkt, was ich völlig widersinnig finde. tolle reform! also sorry.
ganz lieb grüßt
__________________
Old Icke

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