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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Couch
Eingestellt am 10. 02. 2018 14:58


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Plejadus
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Registriert: Jan 2018

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Die Couch des Luis Manuel Ferreira

.



An einem wunderschönen Dienstagnachmittag geschah folgendes:
Ein kleiner, grĂŒner Specht verliebte sich in den Anfang einer putzigen, bescheidenen Geschichte, und das kam so:
Es trug sich zu, dass eine alte Dame den Ort

*******

besuchte.
Kein Ding, dachten die Leute, die dort bereits seit aberdutzenden von Generationen hausten und schmausten, noch - da packten sie das Kein Ding auch schon flugs zurĂŒck in ihre blechernen Schatullen, welche sie wiederum in zierliche ZiegenledersĂ€ckchen stopften, die sie stets, so sie ihr Heim verließen, mit sich auf dem RĂŒcken trugen, wie es hierorts dem Brauche entsprach - warum?
Deshalb nĂ€mlich, da jene alte Dame rittlings auf einer Rakete einherschnellte gleich einer zukunftsweisenden Überschall-Hexe.
Über dem Ortskern angelangt, bremste sie das sonderbare Geschoss abrupt und landete sanft in der Nachbarschaft eines drittklassigen Reiterstandbildes, von jenem man hier zu tuscheln pflegte:
"Immerhin, er ist zu Ross."
"Wer sind Sie? Was wollen Sie!", riefen die sich jetzt so neugierig wie vorsichtig der alten Dame nĂ€hernden BĂŒrger von

*******

vereint.
"Das tut nichts zur Sache!", schallte es seitens der Raketenberittenen zurĂŒck, durchaus barsch im Tone ĂŒbrigens.
"Ich muss tanken! Wo kann ich hier tanken?" , setzte sie in nahezu gleicher Tonlage hinzu, nur trockener, zu sagen trockenbarsch.
"Tanken?", rief da ein Mutiger: "Na, im Gasthof!"
GelĂ€chter erhellte da die Gesichter der Umstehenden [und erbrachte den noch nicht einmal ausstehenden Beweis dafĂŒr, dass wenig und gar dumpfes Licht vieles zu erleuchten vermag], nicht jedoch jenes der Alten, die einen dĂŒsteren, scharfkantigen Blick in Richtung des Vorlauten entsandte.
"Ich brauche keine blöden Scherze! Ich brauche Wolkenmilchpulver fĂŒr mein GefĂ€hrt! - Also?"
Schweigen am Platze.
NatĂŒrlich hatte es eine Tankstelle am Ort, die Wolkenmilchpulver feilbot - bis vor siebenunddreißig Jahren jedenfalls, als man Produktion und Verkauf ĂŒber Nacht einstellte, ja verbot, da der kausale Zusammenhang zwischen Wolkenmilchdehydrationsindustrie und DĂŒrreepidemien genauso wenig mehr zu leugnen war, wie die daraus hervorgehende Abnahme der Weltbevölkerung um 67%.
"Sie wissen doch wohl", erhob sich zögerlich eine Stimme, "dass Wolkenmilchpulver schon lange nicht mehr ..."
"Schweig! Es gibt immer irgendwo noch etwas!", fuhr ihm die Alte stracks und zackenbarsch ĂŒbers Mundwerk.
Nun ereignete sich, dass Luis Manuel Ferreira den Platz betrat, ein spanischer Dichter mit maurischen Wurzeln, schmÀchtig und von geringem Wuchs, den - wie er vorzog, niemandem zu verschweigen - das Schicksal, die Liebe und der Zufall zu gleichen HÀlften einst in diesen Ort geworfen hatten.
Der Sprache der Einheimischen war er insofern mĂ€chtig, als dass er sie leidlich verstand, freilich ohne sie auch nur einen Deut zu sprechen, ja sprechen zu wollen, denn seine, Luis Manuel Ferreiras, Zunge trĂŒge das Herz seiner Heimat, und dies gelte es vor fremden SprachflĂŒssen zu verschonen.
Da Luis Manuel Ferreira aber die alte Dame und ihr Begehr durchaus vernommen hatte, trat er hervor und sprach zu ihr aus tiefstem Dichterherzen:
"!Yo tengo!
Tengo un poco de leche en polvo del nubes para ti y tu caballo de fuego infernal. En que nos llevarĂĄ a las estrellas, lo que saludar - todos y siempre y nada!"
"HĂ€? Was sagst Du? - - - Was hat er gesagt?"
Da schlug sie abermals, die Stunde des Vorlauten, der also sprach:
"Ich will es Ihnen ĂŒbersetzen! Herr Ferreira sagt, er möchte Sie auf eine Flasche trockenen Weissweins zu sich einladen - einen Polvo de Leche um genau zu sein. Wenn Sie einen roten bevorzugen, er hĂ€tte auch noch einen Caballo de Fuego Infernal anzubieten. Übrigens wohnt er gleich hier in Nummer 7, erster Stock."
Des Nachdenkens war ein kĂŒrzeres, und so ließ die alte Dame verlauten: "Nun, warum eigentlich nicht?", begab sich zu dem Poeten, der in einer allgemeinen Verwirrung derart um sich fuchtelte, als gelte es, aufdringliche bunte Schmetterlinge zu verscheuchen, nahm ihn kurzer Hand an dieselbe und verschwand im ersten Stock der No. 7.
Zwei Zeiten setzten zum von ihnen selbst kaum wahrnehmbaren Verstreichen ein, zum diesen jene, die es bedurfte, einen halbkreisförmigen Klumpen Schaulustiger vor dem Hause Nummer 7 sich zusammenfinden zu sehen; zum jenen diese, welche daingehuscht war, noch ehe die ersten schwer strukturierungsbedĂŒrftigen GerĂ€usche aus den halboffenen Fenstern des ersten Stockes hörbar wurden, welche sich wie folgt zu sortieren wussten:

- spanisch
- Kreischen
- Zersplittern von vermutlich Glas
- RĂŒck- und Schieb-GerĂ€usche schweren Mobiliars
- Stöhnen
- Geschrei
- Wimmern
- GelÀchter

Man erzĂ€hlte sich spĂ€ter davon, dass es sich hier wohl um ein fĂŒr Luis Manuel Ferreira sehr denkwĂŒrdiges, ja schmerzliches und ihn nachhaltig beeinflussendes Ereignis gehandelt haben musste. Jedenfalls fand man jenen schwach bekleidet und zitternd, die HĂ€nde auf den RĂŒcken gebunden vor. Ihm zwischen die ZĂ€hne gestopft war offenbar das ZiegensĂ€ckchen samt Schatulle, so lag er da - rĂŒcklings auf seiner kastanienbraunen Ledercouch.
Die alte Dame indes, die, wie sich spekulieren ließ, einen verborgenen Vorrat an Wolkenmilchpulver in Luis Manuel Ferreiras Behausung aufgespĂŒrt zu haben schien, war zu diesem Punkte der Zeit lange auf und davon - 'Wolkentrocknen zum Jupiter', wie man sich zuraunte.
Nun, da alles wieder in Stille ruhte am Platze des Ortes mit dem Namen

*******

und seine BĂŒrger lĂ€ngst in ihre warmen Bettchen gekrochen waren, unter welchen sich hier und da KĂ€stchen und TĂŒtchen, FlĂ€schchen und Beutelchen mit Wolkenmilchpulver verbergen mochten, nun sah man oder besser sah niemand einen kleinen, grĂŒnen Specht am ins letzte Licht des Abends gereckten Speer des Reiters hĂ€ngen, staunte oder staunte nicht wie dieser sich in die Luft schwang und seine kleinen, grĂŒnen FlĂŒgel ihn den ganzen Weg zurĂŒck bis an den Anfang trugen, wie er endlich an der leichten SchrĂ€ge des As zur Landung ansetzte und sich eben verliebte.

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Wipfel
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Registriert: Feb 2008

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Hi Plejadus, nach dem Lesen der ersten SÀtze deiner Geschichte wollte ich abbrechen. Hab die Zeit nicht, alles hier zu lesen. Deshalb beschrÀnke ich mich auf die guten.
Es gibt Texte, da weiß ich nach dem ersten Satz - lohnt nicht. Manchmal entsteht ein GefĂŒhl: da ist möglicherweise etwas verborgen, was ich beim Anlesen nicht entdecke. Dann lese ich weiter. Selten, dass das GefĂŒhl hĂ€lt. Auch bei deinem Text nicht.

An anderer Stelle wird in diesem Forum gerade bis zum Erbrechen gestritten, was denn die Aufgabe eines Schriftstellers sei. Dabei geht es zuförderst um narzistische Selbstdarstellung und wenig um das Thema.

Eine Aufgabe wĂ€re mal QualitĂ€t zu produzieren. Ich mag Geschichten, die so erzĂ€hlt sind, dass ich darin ein GelĂ€nder finde, welches mich durch die Handlung fĂŒhrt. Dann lasse ich mich gern auf die absurdesten Wendungen ein und lasse in mir neue Bilder entstehen. Das Wirrwar in deiner bietet kein GelĂ€nder. Der ErzĂ€hlton wechselt, springt vom MĂ€rchen zu irgendetwas anderem und wieder irgendwo hin. Deine Botschaft ertrinkt im Geplapper.

Worin ich dir Mut machen möchte: Dein Experimentieren mit dem Text zeugt von einer ungestĂŒmen KreativitĂ€t. Die musst du dir bewusst machen. Handwerkszeug auspacken und dann los. Schreiben kannst du, ohne Frage. Erhebe dein Schreiben zur Kunst und schaffe Werke, die begeistern.

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