Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92220
Momentan online:
507 Gäste und 21 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Krimis und Thriller
Die Farbe des Regens
Eingestellt am 24. 08. 2004 18:18


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

Werke: 49
Kommentare: 113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Cirias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Farbe des Regens




Auf den BlĂ€ttern hingen die Spuren eines flĂŒchtigen Regens. Einem erstarrtem Fluss gleich spiegelte sich der Himmel in der Stille. Im Schatten eines Baumes lag ein MĂ€dchen. Es sah aus, als wĂŒrde sie schlafen. Aber sie war tot.
Auf dem Profil ihres blassen Gesichts lag ein unbewegtes Licht, als spielende Kinder sie an diesem Februarabend in der NĂ€he eines kleinen Dorfes in den Ardennen fanden. Die Rufe der Kinder hallten durch den wieder einsetzenden Regen, der wie eine Schattenhaut auf der Landschaft lag.

Leonie war auf dem Heimweg vom Musikunterricht missbraucht und anschließend erwĂŒrgt worden. Sie hatte Geigenstunde bei Albert, einem deutschen Orchestermusiker, der die meisten SchĂŒler aus dem Dorf unterrichtete, seitdem der Musiklehrer des stĂ€dtischen Gymnasiums eines Tages spurlos verschwunden war.
Albert und seine Frau Sandrine wohnten etwa anderthalb Kilometer außerhalb des Dorfes am Waldrand in einem ehemaligen Forsthaus. Albert war seit einem Autounfall gehbehindert. Er hatte seinen Beruf als Orchestermusiker aufgeben mĂŒssen. Sandrine arbeitete in einer Apotheke an der deutschen Grenze. Mit den Stunden, die Albert gab, kamen sie gerade ĂŒber die Runden.

Die Luft fĂŒhlte sich an wie warmes Wasser. Albert spielte auf dem Klavier. Das Summen der nachhallenden Töne schlug an die hohen WĂ€nde und zerfloss mit dem GerĂ€usch eines sich dem Haus nĂ€hernden Autos. Albert stand auf und ging zum Fenster. Sein Körper zitterte, wĂ€hrend er den rechten Fuß etwas nachzog. Eine dunkle Limousine hielt vor dem Haus. Zwei MĂ€nner verließen das Auto. Albert ging hinunter.

Die Polizei fragte ihn nach Leonie, nach allem was Albert aufgefallen sein könnte. Sie fragten ihn auch nach seinen anderen SchĂŒlern. Dann gingen sie. Albert blieb zurĂŒck. Bis in die DĂ€mmerung hinein saß er am Fenster und starrte in den Wald. Er erinnerte sich an die letzte Unterrichtsstunde mit Leonie. An seine Ungeduld, an ihr LĂ€cheln, wenn sie den Ton traf und ohne Fehler spielte. Er folgte ihrem Blick aus dem Fenster, so wie er als Kind aus dem Fenster gesehen und gedacht hatte, das da draußen muss eine andere Welt sein, eine Welt, in der Außergewöhnliches und Außerordentliches geschah.
Sandrine fand ihn im Halbdunkel des Raumes. Wortlos nĂ€herte sie sich ihm. Ihre Arme schlangen sich um seinen Nacken. Sie kĂŒsste ihn auf das licht gewordene Haar.
"Die Polizei war hier", sagte er tonlos. "Ich werde meine SchĂŒler verlieren.?"
"Wie kommst du auf so etwas?"
Sandrine trat vor ihn. Er betrachtete ihr mÀdchenhaftes Gesicht, ihre schmalen, leuchtenden Augen, die ihn ruhig ansahen.
"Weil sie wiederkommen werden. Weil sich so etwas rumspricht. Weil...was weiß ich nicht."
"Was geschehen ist, ist schrecklich. Aber du hast damit nichts zu tun, Albert. Du musst weiter an deiner Musik arbeiten, hörst du?"
Albert nickte. Ein resigniertes LĂ€cheln stand in seinem Gesicht.

Die Polizei kehrte wieder. Die GerĂŒchte im Dorf verstummten nicht mehr. Albert verlor nach und nach alle seine SchĂŒler. Selbstzweifel ĂŒberfielen ihn. Vergeblich kĂ€mpfte Sandrine gegen das Gerede der Leute an. Stunden lang saß Albert am Klavier, aber er spielte nicht.
Als eine andere SchĂŒlerin schließlich erzĂ€hlte, Albert habe ihr beim Klavierspiel plötzlich den Arm um die Schulter gelegt, hatte er das GefĂŒhl, dass sich eine Schlinge um ihn zog, eng und enger.

Es regnete fast den ganzen Februar hindurch. Das Haus und der angrenzende Wald versanken in einem Meer aus Schweigen und Finsternis, in denen ihnen nur noch die vage Hoffnung blieb, dass die GerĂŒchte bald verstummten.
Eines Abends klingelte das Telefon.
"Hallo? Hallo, wer ist da?"
Ein hastiges Atmen antwortete ihm.
"Ich weiß,wer das war", sagte eine mĂ€nnliche Stimme plötzlich. "Ich meine, wer das kleine MĂ€dchen umgebracht hat. Er hat gesagt, er wird weiter machen."
Dann war nur noch ein Knacken in der Leitung. Durchdringend fuhr das Besetztzeichen an sein Ohr. Wer zum Teufel war das? Was hatte das zu bedeuten?
Am nĂ€chsten Abend brachte Sandrine einen Fremden mit. Er stellte sich als Bernard vor. Wie sie bald erfuhren, war er der bereits lange pensionierte Leiter der Musikschule in der Stadt. Er war Sandrine in der Apotheke begegnet und wollte Albert wiedersehen, den er von einer Orchesterreise her zu kennen vorgab. Außerdem stellte sich heraus, dass das Forsthaus vor langer Zeit seinen Großeltern gehört hatte. Bernard war ein alter, gebrechlich wirkender Mann , den Albert nicht erkannte, obwohl Bernard ihm die kleinsten Details von einer Orchesterreise vor ĂŒber zwanzig Jahren erzĂ€hlen konnte. Der fremde Gast trank viel. Es war offensichtlich, dass man ihn in diesem Zustand nicht mehr zurĂŒck fahren lassen konnte. Sandrine machte das GĂ€stezimmer fertig. Albert blieb allein mit Bernard im Zimmer zurĂŒck. Dessen Stimme klang auf einmal völlig nĂŒchtern, als er sich nun an ihn wandte.
"Ich weiß, wer Leonie umgebracht hat."
Es war die gleiche Stimme wie am Telefon. Albert lief ein Schauer ĂŒber den RĂŒcken. Er wollte ihn zur Rede stellen, doch Bernard wandte sich auf dem Absatz und verließ das Haus. VerblĂŒfft sah Albert, wie der alte Mann zwischen den BĂ€umen in der Nacht verschwand.

Am nĂ€chsten Morgen wurde Bernard keine fĂŒnfhundert Meter vom Haus entfernt tot aufgefunden. Albert zĂ€hlte jetzt mehr denn je zum Kreis der TatverdĂ€chtigen. Die Polizei kam fast jeden Tag in das alte Forsthaus. Sie durchsuchten das Haus. Alberts ehemalige SchĂŒler wurden vernommen. Er erzĂ€hlte niemanden den wahren Grund von Bernards Besuch bei ihm. Er verließ das Haus nicht mehr und schloss sich tagelang in seinem Musikzimmer ein. Selbst in Sandrines Gesicht war ein Schatten gefallen. Etwas unausgesprochenes stand mit einem Mal zwischen ihnen.
Der Regen hĂŒllte die Luft in kalte und unruhige Farben. Er schien nicht mehr aufzuhören. Albert starrte in die GlasfĂ€den vor seinem Fenster, die Regenmale auf dem Glas. Die Gesichter seiner SchĂŒler tauchten vor ihm auf. Der Bericht ĂŒber Leonies Tod war in der örtlichen Zeitung damals mit der Zeile Das Böse liegt so nah ĂŒbertitelt. Albert schrieb diesen Satz auf ein leeres Blatt Papier. Zeile um Zeile in einer nicht enden wollenden Reihe, als verberge sich in diesem Satz die Lösung. Und plötzlich erinnerte er sich an genau diesen Satz, den der verschwundene Musiklehrer des stĂ€dtischen Gymnasiums eines Tages nach einer gemeinsamen Orchesterprobe zu ihm gesagt hatte.
"Das Böse liegt so nah, finden Sie nicht?" Mit einem seltsamen Ausdruck im Gesicht hatte er den SchĂŒlern nachgesehen, die mit ihren Instrumenten die Aula verließen. Es gab zu dieser Zeit GerĂŒchte, dass er das eine oder andere MĂ€dchen zu sich nach Hause eingeladen hĂ€tte und dass es dort zu intimen BerĂŒhrungen gekommen sei. Albert fiel sein Name ein: Bernard Hansen. Er trug den gleichen Namen wie der fremde Besucher, der seit seinem mysteriösen Besuch bei ihm tot war.
Es war, als wĂŒrde Albert aus einem dunklen Traum erwachen. Er humpelte hinaus in den Regen und atmete die schwere Regenluft, die alle Farben aufgesaugt hatte.
Albert fuhr in die Stadt. In einen Mantel gehĂŒllt, das Gesicht unter einem Hut verborgen, lief er durch die regengrauen Straßen. Er wĂ€lzte die TelefonbĂŒcher der letzten Jahre, er suchte im Zeitungsarchiv der Stadt und in alten Chroniken. Dann war seine Vermutung Gewissheit: Bernard Hansen war der Sohn des alten Hansen. Das erklĂ€rte auch das Zögern des alten Mannes. und ganz offensichtlich erklĂ€rte es auch seinen Tod. Bernard musste hier irgendwo in der NĂ€he sein. Vielleicht hatte sein Vater ihm gedroht, dass er zu Albert oder zur Polizei gehen wĂŒrde.
Bernard war damals verschwunden, als die GerĂŒchte um ihn nicht verstummen wollten. Die Polizei fand einen Abschiedsbrief in seiner Wohnung. Man ging davon aus, dass der Musiklehrer Bernard Hansen freiwillig aus dem Leben geschieden war. Aber so wie es aussah, lebte er noch. Nur dass es niemand außer seinem Vater gewusst hatte.

Albert fuhr zurĂŒck. Die Scheinwerfer fraßen sich durch den Regenfilm ĂŒber der Straße. Das Haus tauchte aus den Regenschleiern. Alles was ihm blieb war Sandrine und das Haus. Auf einmal erschien ihm die Welt so zerbrechlich. Er bog in die Einfahrt. Plötzlich trat ein MĂ€dchen aus den Schatten des Torwegs. Albert bremste den Wagen.
"Was machst du hier?" rief er sie ans Wagenfenster.
"Ein Mann hat angerufen. Ich soll hier ĂŒben."
Das MĂ€dchen war vielleicht zehn. Sie trug einen Geigenkasten ĂŒber der Schulter. Der Regen rann durch ihre Haare und sie schien völlig durchnĂ€sst zu sein. Albert nahm sie mit ins Haus.
"Was fĂŒr ein Mann? Hat er seinen Namen gesagt?"
Sie schĂŒttelte den Kopf und schob ihre FĂŒĂŸe unter die Heizung.
"Nein. Er hat gesagt, er ist von der Schulbehörde und ich soll um drei hier sein und um viertel nach vier wieder gehen, auch wenn niemand da ist."
"Und deine Eltern?"
Albert reichte ihr ein Glas Milch. Wieder schĂŒttelte sie den Kopf.
"Sind nicht da. Und er hat gesagt, ich soll die Straße zurĂŒck ins Dorf laufen, dann kommt ein Schulauto und holt mich ab. Und er hat gesagt, es sind noch andere Kinder hier."
"Es sind keine anderen Kinder hier. Warte hier auf mich."
Albert ging hinauf in sein Arbeitszimmer. Er wÀhlte die Nummer der örtlichen Polizeibehörde. Er erzÀhlte ihnen alles was er wusste.
Wenig spĂ€ter war die Polizei da. Entlang der Straße postierten sie ĂŒberall Leute. Um viertel nach vier schickte Albert das MĂ€dchen, das von all dem nichts bemerkt hatte, auf den Nachhauseweg. So wie damals Leonie, dachte er nervös.
Bernard Hansen tauchte wenige Minuten spÀter auf. In einem gemieteten Van fuhr er den schmalen Fahrweg vom Dorf zum Forsthaus entlang. Als er ausgestiegen war, um das MÀdchen anzusprechen, griff die Polizei zu. Bernard Hansen leistete keinen Widerstand.

Sandrine und Albert saßen im Wintergarten des alten Forsthauses. Sie sprachen kein Wort. Es hatte aufgehört zu regnen. Morgen wĂŒrde der Himmel in einem kalten, unfreundlichen Blau erstrahlen, als wĂ€re nichts geschehen. Blasse Farben hatten sich aus dem Regen gelöst und tönten die Nacht

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


freifrau von löwe
Routinierter Autor
Registriert: Mar 2004

Werke: 47
Kommentare: 222
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um freifrau von löwe eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo cirias,

wie ich es von dir gewöhnt bin, finde ich wenig fehler in deiner sprache. allerdings vermisse ich die spannung. alles ist zu vorhersehbar und wenig bleibt mir als leser, das ich nicht bereits ahne.

ich weiß, krimi schreiben ist verdammt schwer, ich versuchte mich einmal daran und ließ es bleiben, weil ich selber beim schreiben buchstĂ€blich vor dem pc einschlief ;-))

die zusammenhĂ€nge zwischen den protagonisten, den gerĂŒchten, dem tĂ€ter und dem vater des tĂ€ter sind auch zu blass und ĂŒberzeugen mich nicht. mit ein wenig mehr lĂ€nge und detail könnte dies aber eine gute geschichte werden.

meint

__________________
Freifrau von Löwe

Bearbeiten/Löschen    


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Da schließe ich mich meiner Vorrednerin an. Leider vorhersehbar und ein wenig unspektakulĂ€r, wenn auch sehr schön und stimmungsvoll geschrieben.
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Bearbeiten/Löschen    


Cirias
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: May 2004

Werke: 49
Kommentare: 113
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Cirias eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Freifrau von Löwe, lieber Michael,

in der gemeinsamen Richtung eurer Kritik muss ich euch beiden recht geben. Ich denke, dass der Text durch die sprachliche Gestaltung sehr gewinnt, aber dadurch vielleicht auch die Gestaltung von Spannungsaufbau und Inhalt vernachlÀssigt hat und zu durchschaubar wird.
Dein Vorschlag, Freifrau von Löwe, ist gut, aber meist versuch ich es in solchen FÀllen ganz neu. Mal sehen...
Danke und herzliche GrĂŒĂŸe,
Cirias

Bearbeiten/Löschen    


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1978
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Cirias,

vielleicht konzentriest du dich auf die Menschen derr Geschichte und rĂŒckst den Kriminalfall an den Rande, ich glaube, da wĂŒrde die Geschichte gewinnen.

Bis bald,
Michael
__________________
Der ErnstFall Michael Schmidt

Bearbeiten/Löschen    


ZurĂŒck zu:  Krimis und Thriller Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!