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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Geschichte vom lieben Wolf
Eingestellt am 18. 10. 2012 18:40


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Grauschimmel
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Die Geschichte vom „Lieben Wolf“ und warum Opa Thomas die Wirkung von Karate falsch einschätzte!

Ein sonniger Oktobertag mit meinem Enkel Max,
einer Bastelschere, großen Haufen handgeschredderten, zuvor bemalten und gefalteten Papiers, die auch der „Herr Dyson“ mit ungebremster beutelloser Saugkraft kaum fressen kann,
mehreren Klettergerüsten und vier Bäumen,
zwei leichten Querkratzern auf der Motorhaube, die nachweislich nicht von den textilen Streifen der Waschanlage stammen, dreizehn Rechenstäbchen und … natürlich nach Omas überaus sättigenden, aber voll kornigknackmöhrenhaargurkenohrig und wurstarmfrischkäsgesunden Gesichtsschnitten,
ist fast dunkle Nacht.

Der Max liegt frisch geschniegelt im Bett. Oma Bärbel hat bestimmt peinlich darauf geachtet, dass Piephahn und Schokoladenfalte, die Zehnspalten genau wie die Milchzahnlücken genug wasserhaltige Behandlung erfuhren.
Cremglänzende Vorfreude empfängt mich.

„So Opa, Fußmassage, zwei Geschichten mit Kopfmassage…“

„Nee <MAXER>! Heute ist es schon spät … e i n e Geschichte mit Kopfmassage! Der Opa hat mit der Oma, auf der Couch, noch was Wichtiges zu besprechen. Welche Geschichte willst du hören?“
„Na guuut, die Geschichte vom lieben Wolf … aber ganz langsam erzählt!“
„Aber Max, da kannst du doch schon mitspielen, das ist doch was für Babies. Du bist doch schon ein Schulkind!“
„Ach doch Opa, die Tiere reden immer komisch und fröhlich…
und keiner ist böse oder tot!“

„So soll es sein, aber dann ist Schluss …
kein Rausquestern mehr, Augen zu und Ruhe!“

Max legt sich zurück, schließt die Augen und lässt sich in meine Stimme und die kreisenden Finger fallen.

„Der liebe Wolf!“
Es war einmal, vielleicht vorvorgestern im Märchenland, gleich um die Ecke, dort, wo das Rumpelstilzchen ums Feuer tanzt, die Goldmarie bald den Schnee aus dem dicken Federbett der Frau Holle schüttelt und das Dornröschen schläft.


Die alte GeiĂź meckerte ihre Kinder an
(ganz hohe fiepsige Stimme): „Meine Kleinen spielt schön auf der Wiese … macht keinen Unsinn im Haus. Määhh! Die Mama geht ins Dorf zum Krämer. Ich will Fleisch, Kartoffeln, Kohl und Möhren für die Suppe kaufen … wenn ihr fein artig seid, dann bringe ich euch auch was Feines mit“.
(Kinderchor) „Au Jaa, Überraschungseier, aber die ganz, ganz großen, bitte Mama!“

Die sieben GeiĂźlein spielten Fangeball. Nur der Kleinste, der Kleine Hupf, saĂź abseits unter einem Baum. Die Anderen lieĂźen ihn nicht mehr mitspielen, weil der Ball durch seine ungeschickten Hufe rutschte und zu Boden fiel. Ihm war langweilig und er hatte Durst.
Im Haus trank er gleich aus der Teekanne. Beim letzten Schluck merkte er, dass sie leer war.

(hohes, ganz feines Stimmchen) „Oh, wenn die Mama zurück kommt hat sie bestimmt auch Durst, vom langen Weg und der schweren Tasche, mit dem Gemüse und der Schokolade.
Ich will neuen Tee machen …“
Er schaltete am Herd, ĂĽberlegte nicht, dass die GeiĂźlein nicht allein an den Kocher gehen durften. Einen Topf stellte er auf, aber vergaĂź vorher Wasser hineinlaufen zu lassen.

(dramatisch schneller) Es dauerte nicht lange, da brannte der Topf … Flammen schlugen an der Gardine hoch und im ganzen Haus war dicker schwarzer Qualm. Der Kleine Hupf hatte nur noch Angst und versteckte sich im Uhrkasten.
Die anderen sechs GeiĂźlein liefen aufgeregt umher, aber nicht ins Haus.

(ruhig)
Da kam der Wolf aus dem Wald, trällerte ein lustiges Lied vor sich hin. Er wollte auf der Wiese Blümchen pflücken, um später die Großmutter vom Rotkäppchen zu besuchen.
(schnell, abgehackt gesprochen)Als er die Flammen und den Rauch sah, wusste er sofort was passiert war … rannte zum Brunnen, nahm den Eimer und „zischh!“ löschte er die Flammen. (ruhiger werdend) Dann machte er alle Fenster auf und ließ die Geißlein, wie im Sportunterricht, antreten.
(tiefe Stimme)„Durchzählen!“
Die GeiĂźlein stellten sich auf und begannen.
(unterschiedliche Kinderstimmen)„Eins …. Sechs!“
(tiefe Stimme)„Wer fehlt?“
(Kinderstimmen durcheinander, laut)„Der Kleine Hupf, der Kleine … ist nicht da!“
(hohes, ganz feines Stimmchen) „Hier bin ich, ich bin im Uuhhrenkasten!“
Da waren alle sehr froh, dass nichts Schlimmes passiert war und gingen ins Haus um aufzuräumen.
(dramatisch) Was war die alte GeiĂź erschrocken, als sie den Wolf am KĂĽchentisch sitzen sah.
(ruhiger)Aber ihre Kinder waren ganz fröhlich. Der Wolf hatte Kakao gekocht, nicht aus der Löffelbüchse, richtigen, so wie ihn der Opa macht. Nachdem sie gehört hatte, was passiert war, schimpfte sie natürlich mit dem Kleinen Hupf. Beim Wolf bedankte sie sich: „Du bist ein lieber Wolf, ich werde schnell einen Kuchen backen, dann trinken wir zusammen Kaffee.“
Der Wolf blieb noch lange am GeiĂźenhaus und spielte mit den Sieben GeiĂźlein FuĂźball. Der Kleine Hupf durfte im Tor stehen.
Auf dem Heimweg ĂĽberlegte er sich, ob er nicht morgen mit den GeiĂźlein auf der Wiese Karate ĂĽben sollte. Er war schon eine Weile in der Seniorensportgruppe von Meister Schito. Vielleicht brauchen sie es mal, im Wald gab es ja wilde Tiere.

(ganz ruhig)
Ein aufregender Tag war zu Ende, der Wolf ging ins Bett und schlief beruhigt ein.

Nach meinen letzten Worten ist der Kerl plötzlich ganz munter und grinst.
„Opa, der Schluss ist neu, den hast du wegen mir erfunden und ganz falsch!“
„Wieso? Warum soll der liebe Wolf den Kindern nicht helfen wollen? Die Leben doch im Wald bei wilden Tieren!“

„Ja doch, das heißt aber nicht „Schiko“, zum weißen Gürtel sagt man „Shiro-Obi“ … und bin ich ein Meister?“

Mir bleibt nur ein leises Schmunzeln. Natürlich gebe ich zu, dass ich mich vielleicht im Namen geirrt haben könnte. Ich wünsche ihm noch süße Träume von grüngelbroten Gürteln und schalte die orangeflackernde Kerze an.
Er ist zufrieden und dreht sich auf seine Einschlafseite.

Kaum eine Viertelstunde später fliegt die Wohnzimmertür auf. Max stürmt mit einem lauten Schrei herein, baut sich in Karatekampfpose auf, wirbelt mit den Fäusten und tritt unpassend wütig in Richtung laufenden Rosamunde-Pilcher-Vorspann.
Im gleichen Moment ist er wieder die Ruhe selbst.
Faltet die Hände vor der Brust, murmelt: „Innerer Frieden“, trinkt hastig aus Omas Wasserglas. Nur gut, dass er nicht mein Ouzogemisch erwischt hat. Dreht sich um, geht und schließt leise hinter sich wieder die Tür.

Ich raffe mich trotzdem auf, entlasse Oma Bärbels weiche Hände auf die harte Couch. Mit den meinen hole ich, ein Zimmer weiter, liebevoll, aber mehr beruhigend, die nicht versprochene Fußmassage nach.


(Gehört nicht zum Text!
Mir ist schon klar, dass dies, bis auf den Mittelteil, keine reine Kindergeschichte ist, aber vielleicht hilft sie den Erzählern und Vorlesern nicht solche Fehler zu machen.)

__________________
Ich will dem Namenlosen in mir Worte schenken, dass ich verstehe und zu hören bin.



Version vom 18. 10. 2012 18:40

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