Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m√ľssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
159 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Science Fiction
Die Infektion
Eingestellt am 07. 06. 2004 08:04


Autor
Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.
Volker Hagelstein
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 29
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Volker Hagelstein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Der Kuchen in der Vitrine sah ziemlich einladend aus, aber meine Nebenh√∂hlen machten sich wieder bemerkbar und lie√üen ihre Schmerzimpulse in den Kiefer ausstrahlen. Es f√ľhlte sich ein wenig an wie Zahnweh. Auf jeden Fall wie etwas, das mir den Appetit raubte.
Das M√§dchen, wahrscheinlich die Tochter des Inhabers, reichte mir das Schnittbrot √ľber den Tresen. Sie hatte ein schmales ernstes Gesicht, das von blonden Haaren umrahmt war. Ich fand sie ausgesprochen h√ľbsch. Bei meinem ersten Mal in der B√§ckerei hatte ich geh√∂rt, wie Frau Nienstedten sie Beke rief. Beke also. Mit einem scheuen, nur knapp angedeuteten L√§cheln gab sie mir das Wechselgeld zur√ľck. Ob ich irgend etwas in meinem Blick gehabt hatte, als ich sie dabei anschaute? Saskia h√§tte bestimmt eine Bemerkung dazu gemacht.
Als ich die B√§ckerei verlie√ü, verabschiedete mich die T√ľrglocke mit einem dezenten Dingdong. Ahrdorf war typisch norddeutsch. Eine Art Westernstadt, deren paar H√§uschen sich links und rechts der Hauptstra√üe aufreihten. Allerdings handelte es sich hier um eine ziemlich stark befahrene Bundesstra√üe. Mein Haus lag um die zwei Kilometer au√üerhalb, mitten im Freien. Ich w√ľrde mehr als eine Viertelstunde f√ľr den Weg brauchen. Zwar war ich mit dem Auto gekommen, aber ich wollte es mir von Anfang an zur Gewohnheit machen, alle G√§nge hier zu Fu√ü zu erledigen.
Die Schmerzen wurden heftiger. Eigentlich hatte ich beabsichtigt, die Antibiotika heute abzusetzen, aber jetzt wurde es höchste Zeit, meine Pläne zu ändern. Und deshalb brauchte ich ein möglichst großes Glas Wasser.
Vielleicht sollte ich das zum Anlass nehmen, dem Gasthof „Eicheneck“ endlich einmal meine Aufwartung zu machen. Von au√üen wirkte er urig, aber da er nur wenige Meter vom LKW-Parkplatz entfernt lag, w√ľrde es wohl keine reine Dorfschenke sein. Vielleicht w√ľrde ich sogar ein Bier trinken, ein wenig feiern. Trotz Nebenh√∂hle waren die letzten zwei Tage hier ziemlich erfolgreich gewesen. Als ich angekommen war, hatte ich feststellen k√∂nnen, dass es im H√§uschen tats√§chlich wieder Strom gab. Und gestern hatten sie das Wasser angestellt.
Es herrschte kaum Betrieb im Tresenraum, so dass ich keine Probleme hatte, einen Tisch am Fenster zu finden. Ich f√ľhlte mich ein wenig beklommen, wie ein Fremdk√∂rper. Wart`s ab, wird sich ja wohl bald √§ndern, dachte ich. Es war abzusehen, dass ich in Zukunft die Wochenenden vor allem in Ahrdorf verbringen w√ľrde. In meiner Datsche, wie Saskia immer sagte – mit diesem Tonfall, der sich aller Begeisterung entledigt hatte. Dann meinetwegen in meiner Datsche. Und im „Eicheneck“.
Als die Wirtin mir das Bier und das Wasser brachte, schob ich die Tablette in den Mund und sp√ľlte sie mit einem kr√§ftigen Schluck hinunter. Ich zog eine alte Ausgabe von PM aus meinem Rucksack und suchte nach dem Hauptartikel √ľber irgendein Teilchenexperiment, in dem ein paar Physiker das Wirken Gottes in der Natur zu erkennen glaubten.
Ohne von der Zeitschrift aufzusehen, hörte ich, wie jemand das Lokal betrat. Von der Seite fiel ein Schatten auf die aufgeschlagene Seite.
„Sie interessieren sich f√ľr Wissenschaft?“
Der Mann sah nicht unsympathisch aus, mittelalt und trotz Schnauzbart eher jungenhaft. Trotzdem f√ľhlte ich mich gest√∂rt, wenn ich auch versuchte, das Gef√ľhl niederzuk√§mpfen. Schlie√ülich war ich hier in der Kennlernphase.
„Etwas. Allerdings bin ich kompletter Laie.“
„Geht mir genauso!“
Ich hoffte, nicht zu verdutzt geschaut zu haben, als ich beobachtete, wie er mir den R√ľcken zuwandte, ein Bier am Tresen bestellte und sich an meinen Tisch setzte.
„Hab auch nur Elektriker gelernt. Aber Physik hat mich irgendwie nicht losgelassen.“
Elektriker, dachte ich. Solche Leute konnte man immer brauchen. Trotzdem sp√ľrte ich in diesem Augenblick wenig Verlangen nach Nachbarschaftspolitik.
„Sie sind der neue Besitzer von St√∂wers Haus, ja?“
„St√∂wer, stimmt. Ich glaube, so war der Name.“
„Dann kennen Sie die Familie gar nicht?“
„Nein, nur die Maklerin. Es soll auch gar keine nahen Angeh√∂rigen mehr geben.“
„Nein, nicht mehr.“
„Wissen Sie n√§heres?“
Der Mann hob die Schultern. „Nur dass der alte St√∂wer verschwunden ist. Vor √ľber drei Jahren. Hat zuletzt allein im Haus gewohnt.“
„Verschwunden?“
Er wich meinem Blick aus und schien nach einer Entgegnung zu suchen, was ich zum Anlass nahm, ihn ein wenig genauer zu betrachten. Sein kariertes Jackett hatte im ersten Augenblick recht elegant gewirkt, aber bei genauerem Hinsehen erwies es sich doch schon als ziemlich alt und abgenutzt. Au√üerdem trug er einen bunten Pullover dazu, der √ľberhaupt nicht passte. Er schaute mich an und deutete auf die Zeitschrift vor mir.
„Physik, aber auch so Sachen wie Psi. Daf√ľr habe ich echt eine Schw√§che!“
Ein ziemlich plumper Versuch, das Gespr√§ch in andere Bahnen zu lenken, sagte ich mir. Das Haus interessierte ihn, aber trotzdem war es ihm unangenehm, dar√ľber zu sprechen. Von einem Moment zum anderen wurde mir klar, dass das keine Zufallsbekanntschaft war. Wahrscheinlich hatte er mich schon seit einiger Zeit beobachtet.
„Psi?“
„Na ja. Die Leute denken, ich spinne ein wenig. Aber jetzt muss ich los!“ Er beeilte sich, sein Bier zu zahlen und hob beim Gehen in der T√ľr den Arm zu einem nachl√§ssigen Gru√ü.
„Wir sehen uns!“
*

Die meisten M√∂bel stammten noch vom alten Besitzer. St√∂wer, ging mir sein Name durch den Kopf. F√ľrs erste waren sie noch benutzbar, aber sie waren alt, schmucklos, abgesto√üen. Au√üerdem durchzog ein muffiger Feuchtigkeitsgeruch die Zimmerluft.
Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich Saskia hier schnell wohlf√ľhlen w√ľrde. Aber ich gestand mir ein, dass es mir ganz recht war. F√ľr ein Weilchen w√§re das H√§uschen mein R√ľckzugsraum. Vielleicht k√∂nnte das unserer Beziehung, die in den letzten Monaten etwas anstrengend geworden war, helfen.
Zu den wenigen Einrichtungsgegenständen, die ich selber mitgebracht hatte, gehörte ein tragbarer Fernseher und mein altes Videogerät, den DVD-Player hatte ich in unserer Wohnung bei Saskia gelassen.
Ich sa√ü im Wohnzimmer auf dem Pl√ľschsofa, das ich mit mitgebrachten Wolldecken abgedeckt hatte und spielte eines meiner Uralt-Videos – „Der Tod kommt zweimal“ von Brian De Palma.
Ich biss in die K√§sestulle, die ich mir auf einem Teller bereitet hatte und stellte ein weiteres Mal fest, dass das Brot von Nienstedten wirklich gut schmeckte. Gleich w√ľrde die Szene in diesem verr√ľckten Nachtclub kommen. Besonders faszinierte mich das M√§dchen, das dem Conferencier oder wie sich das auch immer nannte, den R√ľcken mit den F√ľ√üen massierte, w√§hrend er b√§uchlings auf dem Tresen lag.
Es klopfte an der Haust√ľr. Ein ungewohntes Ger√§usch, das erstemal, dass mich hier jemand besuchte. In der T√ľr stand der Fremde aus dem Gasthof.
„Darf ich reinkommen? Nur f√ľr ein paar Minuten!“
Wortlos wies ich mit der Hand in den Flur.
„Nennen Sie mich doch einfach Harald!“
Ohne weitere Signale von mir abzuwarten, setzte sich Harald im Wohnzimmer aufs Sofa. „Sie machen hier Urlaub, ja?“, fragte er, w√§hrend er auf den Fernseher starrte. Die Nachtclubszene. Das M√§dchen walkte den R√ľcken des Conferencier durch.
„Bin nur f√ľrs Wochenende hier!“, antwortete ich, den Blick ebenfalls aufs TV-Ger√§t gerichtet. Das M√§dchen trug eine Schirmm√ľtze aus schwarzem Leder, einen sehr engen, ebenfalls schwarzledernen Rock und schwarze Strapse. Ihr Gesicht war wei√ü geschminkt, wie bei einem Kabuki-Schauspieler. Ihre Augen waren von gro√üen dunklen Make-Up-Schatten umrandet. Es sah eigenartig melancholisch aus. Auf jeden Fall schien sie Harald genauso gut zu gefallen wie mir. Als ich auf die Aus-Taste der Fernbedienung dr√ľckte, drehte er sich zu mir um.
„Ich wollte nur noch einmal sagen, falls Sie Hilfe brauchen ...“
„Das Haus interessiert Sie, ja?“
Er kratzte sich am Hinterkopf.
„Stimmt schon. St√∂wer und ich ... wir waren so was wie die beiden Au√üenseiter im Dorf. Nicht, dass wir die dicksten Freunde gewesen w√§ren, aber ich hab schon manche Abende hier mit ihm gesessen und Schach gespielt.“
„Einen Kaffee?“
Harald nickte. Ich ging in die kleine K√ľche, wo der Kaffee schon seit l√§ngerem von der Maschine warmgehalten wurde und kam mit zwei Bechern zur√ľck. Er nahm einen Schluck, verzog das Gesicht, sagte aber nichts. Als ich meinen Kaffee probierte, stellte ich fest, dass er sich eigenartig dickfl√ľssig anf√ľhlte und sich ein seltsamer Geschmack drunter gemischt hatte. Vielleicht lag es daran, dass das Wasser erst seit kurzem wieder lief. Harald war tapfer und nahm weitere Schlucke von seinem Becher.
„Es ist blo√ü so – Ich habe etwas gesehen. Ein Licht. Damals in der Nacht, in der St√∂wer verschwunden ist.“
„Ein Licht?“
„Ja, verdammt hell. Irgendwelche Einzelheiten habe ich aber nicht erkennen k√∂nnen. Ich war einige hundert Meter entfernt. Hab mir zun√§chst nicht so viel dabei gedacht. Vielleicht, dass der Alte mit irgendwelchen Scheinwerfern aus dem Krieg experimentierte oder so. Aber von diesem Abend an wurde er von niemandem mehr gesehen.“
„Hat die Polizei nichts herausgefunden?“
„Glaub nicht, dass die viel nachgeforscht hat. St√∂wer galt als etwas, na ja ...“
Er hob den Zeigefinger auf Stirnh√∂he und lie√ü ihn vielsagende Drehbewegungen ausf√ľhren.
„Wahrscheinlich hat er auch Depressionen gehabt. Jedenfalls war man sich bald sicher, dass es Selbstmord war. Hier gibt es eine ganze Menge Seen mit viel Schlick und Wurzeln auf dem Grund. Da muss wei√ü Gott nicht jede Leiche wieder nach oben kommen. Alles in allem ist er ziemlich schnell f√ľr tot erkl√§rt worden.“
Er schwieg einen Moment und ließ seinen Blick im Zimmer hin und her wandern.
„Manchmal frage ich mich, ob es so etwas gibt. So eine Spalte im Erdboden, wie der Andreasgraben, wo etwas raussickert. Etwas Fremdartiges.“
„Ich glaube, ich kann Ihnen nicht ganz folgen.“
„Tut mir leid, aber ich muss gehen!“
Er stellte seinen Becher ab und verschwand so schnell wie im Gasthof.

*

Eine Woche sp√§ter war ich wieder in Ahrdorf. Mein erster Weg f√ľhrte mich zu B√§cker Nienstedten. Beke war allein im Verkaufsraum. Sie schaute mich mit leerem Gesichtsausdruck an. Fast schon feindselig. Aus dem Hinterraum h√∂rte ich ein lang anhaltendes, gequ√§ltes Husten. Ich hatte den Eindruck, dass es von jemandem kam, der nicht vom Erdboden entfernt war – von jemandem, der im Bett lag.
„Geht es Ihrer Mutter nicht gut?“
„Nur Husten“, antwortete Beke teilnahmslos.
„H√∂rt sich aber gar nicht gut an.“
„Nur Husten!“
Ein scharfer Tonfall lag in ihrer Stimme. Eine Art Aufforderung, das Gespr√§ch abzubrechen. Verwirrt trat ich ins Freie. Bis zu diesem Augenblick hatte ich gedacht, dass die B√§ckerei so etwas wie ein erstes St√ľck Heimat hier f√ľr mich geworden w√§re, aber diese Abfuhr war ziemlich beleidigend.
Ein Mann mit einer schweren Tragetasche kam auf mich zu. In einer beeindruckenden altmodischen Geste zog er den Hut und nickte mir zu.
„Sie sind der neue Bewohner von St√∂wers Haus, ja?“
Irgendwie schienen mich hier alle zu kennen.
„Entschuldigung!“ Er reichte mir die Hand. „Wieland, ich bin der praktische Arzt hier!“
„Dann sind Sie wohl unterwegs zu Frau Nienstedten!“
„Genau. Das ist √ľbrigens eine Sache, die ich gern mit Ihnen besprechen w√ľrde.“
„Mit mir?“
„Man sagte mir, Sie h√§tten Kontakt mit Harald Mertens.“
„Harald, ja! Alle Achtung, die lokale Kommunikation funktioniert ja wohl absolut st√∂rungsfrei. Ich habe ihn ein paar mal gesehen. Was ist mit ihm?“
„Ich w√ľrde ihn gern untersuchen. Er hatte mit ein paar Erkrankten Kontakt.“
„Paar Erkrankte? Haben wir ein gr√∂√üeres Problem? Eine Epidemie?“
Der Arzt wiegte den Kopf. „Wenn Sie ihn sehen: Sagen sie ihm doch einfach, dass er mal in meiner Praxis vorbeischauen m√∂chte!“
Er reichte mir die Hand und ging rasch seiner Wege, während ich die entgegengesetzte Richtung einschlug. Als ich die Hauptstraße entlang schlenderte, bemerkte ich den alten Mann, der den Hof fegte. Seine Bewegungen wirkten eigenartig langsam und teilnahmslos. Er tat so, als schaute er auf den Boden, aber ich war mir sicher, dass er mich aus den Augenwinkeln beobachtete.
Hinter dem Alten sah ich einen anderen Mann. Mit einem Messer in der Hand ging er auch ein totes Kaninchen zu, das an der ge√∂ffneten Scheunent√ľr an einem Strick baumelte.
Als ich das Haus passierte, das zum Hof gehörte, starrte mir jemand durch das geschlossene Fenster hinterher. Ich drehte mich um, doch die Vorhänge wurden hastig zugezogen.
*

Ich schaltete den Rechner aus, nahm die ausgedruckten Fotos an mich, legte sie auf den Wohnzimmertisch und setzte mich aufs Sofa.
Einige der Bilder waren √ľberraschend gut gelungen. Das kleine Grundst√ľck, abgegrenzt durch einen Zaun aus niedrigen gr√ľnen Latten, von denen einige fehlten, die Obstb√§ume, das verwucherte Beet. Das Haus selber, das niedrige Kr√ľppelwalmdach, die moosbedeckten Ziegel, das Fenster an der L√§ngsfront.
Es war das Fenster, aus dem ich vom Sofa nach drau√üen schauen konnte. Ein wenig war es so, als beobachtete ich mich selber. Mein Mund setzte zu einem L√§cheln an, aber pl√∂tzlich f√ľhlte in eine Art Beklommenheit in mir aufsteigen. Ich schob die Bilder zusammen und streckte mich auf dem Sofa aus. Mit einem Blick aus dem Fenster vergewisserte ich mich, dass es drau√üen dunkel geworden war. Dann schlief ich ein.
Irgendwann in der Nacht träumte ich von einem Geräusch. Als ob ich mich in einem dichten Getreidefeld oder etwas ähnlich Undurchdringlichem befände und sich von irgendwo her ein unheimliches Rascheln näherte. Im Aufwachen nahm ich mein eigenes Stöhnen wahr. Es war sehr still. Keine Vögel, keine Grillen. Es musste sehr spät sein.
Dann setzte wieder das Ger√§usch ein. Es kam von drau√üen, anscheinend direkt an der Hauswand. Ich rappelte mich vom Sofa auf und schl√ľpfte in meine Schuhe. In der kleinen Kommode bei der Haust√ľr fand ich die Taschenlampe. Ich schaltete sie an, fasste mit der anderen Hand den Griff der Haust√ľr und trat ins Freie.
„Ist da jemand?“
Irgendwie fand ich meine Frage l√§cherlich, aber bevor ich mich weiter √ľber mich aufregen konnte, erfasste das Licht der Taschenlampe eine Gestalt vor der H√§userwand. Es war Harald, der den Kopf zur Seite drehte, um dem Lichtstrahl auszuweichen. In der rechten Hand hielt er einen Spaten.
„Was treiben Sie denn da?“
„Ich suche!“
„Und wonach?“
„Wei√ü ich nicht!“
Ich ging ein paar Schritte auf ihn zu. Dabei ließ ich den Spaten in seiner Hand nicht einen Augenblick aus den Augen.
„Warum fragen Sie mich nicht vorher? Erkl√§ren Sie mir doch mal, was ich von der Sache halten soll!“
Er sah nicht gut aus. Das schweißnasse Haar klebte an seiner Stirn, er wirkte blass, die Augen waren dunkel umrandet. Wie bei einem sehr kranken Mann.
„Es ... es stimmt nicht!“
„Was stimmt nicht?“
„Ich habe St√∂wer doch noch einmal gesehen. Einen Tag nach der Sache mit dem Licht. Er war ... ziemlich anders. Und er hat gegraben. So wie ich jetzt. Und da ...“ Er deutete auf eine Stelle auf dem Grundst√ľck. „Da war dieses Ding!“
„Was f√ľr ein Ding?“
„Es war unter einer Plane. Ich konnte nichts erkennen. Aber es war ziemlich gro√ü!“
„Am besten, Sie gehen jetzt! Wissen Sie √ľberhaupt, dass der Arzt Sie sehen will?“
„Ah ja?“
„Irgendwie gibt es im Dorf eine Ansteckungswelle. Wieland denkt wohl, dass Sie in Gefahr sind.“
„Nat√ľrlich bin ich in Gefahr! Sie √ľbrigens auch!“
Er warf den Spaten zu Boden, drehte sich um und rannte davon.

*

Schweiß bildete sich auf meiner Stirn. Die Wolkendecke war zwar so dicht, dass es keinen direkten Sonnenschein gab, aber die Luftfeuchtigkeit war sehr hoch.
Schon von Ferne erkannte ich, dass die Stra√üe nach Ahrdorf gesperrt war. Eine rotwei√üe Barriere blockierte die Fahrbahn, dahinter war ein „Durchfahrt verboten“-Schild auf einem Kunststofffu√ü aufgestellt. W√§hrend ich mich der Absperrung n√§herte, ging direkt vor ihr ein schwarzer BMW in den R√ľckw√§rtsgang, machte kehrt und sauste an mir vorbei.
Nirgends waren eine Baustelle oder Arbeiter zu sehen. Es war sehr still. Nur aus weiter Ferne hörte ich das rhythmische Hämmern einer landwirtschaftlichen Maschine.
Ich ging die Hauptstraße entlang. Links von ihr lag der Straßengraben, dahinter eine große eingezäunte Weide. Ich selber ging auf der rechten Seite, auf dem geteerten Geh- und Fahrradweg. Auf dieser Seite standen große Mehrfamilienhäuser aus rotem Backstein. Das Dorf schien wie ausgestorben. Und bis jetzt war mir noch kein einziges Auto begegnet.
Die B√§ckerei Nienstedten war geschlossen. Kein Schild, kein Notizzettel wies darauf hin, aber als ich durch das Schaufenster in den unbeleuchteten Tresenraum schaute, wirkte er so verlassen, dass ich gar nicht erst probierte, ob sich die T√ľr √∂ffnen lie√ü. Der Innenraum war so dunkel, dass die Scheibe das Licht fast so gut reflektierte wie ein Spiegel.
Ich ging zum Gasthaus, um festzustellen, dass auch er nicht ge√∂ffnet war. Als ich mich von der Eingangst√ľr abwandte, sah ich die anderen. Es waren ungef√§hr ein halbes Dutzend M√§nner, die mich finster und schweigend anschauten. Sie waren ungef√§hr vier, f√ľnf Meter von mir entfernt. An ihrer Spitze stand Wieland, der Arzt.
„Wie geht es Ihnen?“
An der rechten Hand trug er einen blutigen Verband. Aber vor allem gefiel mir der Ausdruck seiner Augen nicht.
„Haben Sie Harald gefunden?“ Ich versuchte, meine Worte arglos klingen zu lassen.
Ein r√§tselhafte L√§cheln huschte √ľber seine Lippen. „Keine Angst! Jeder wird behandelt. Der Reihe nach!“
Er machte einen Schritt auf mich zu, was die Männer veranlasste, ihm zu folgen.
Dieses Näherkommen war es, das irgendwo in den primitiveren Bereichen meines Hirns den Schalter umlegte.
Ich wirbelte herum und fing an zu rennen. Obwohl ich nur meine eigenen Schritte h√∂rte, wagte ich nicht, mich umzudrehen. Lange halte ich es nicht durch, dachte ich. Zwar hatte ich das Gef√ľhl, genug Luft zu bekommen, aber meine untrainierten Beine verwandelten sich zusehends in Betonpfeiler. Dann h√∂rte ich Wielands Stimme. Sie kam aus einiger Entfernung.
„Wir machen auch Hausbesuche!“
*
„Und warum keine Polizei?“
Da war sie wieder, Saskias Vern√ľnftigkeit, der ich so selten etwas entgegenzusetzen hatte.
„Noch zu fr√ľh! Vielleicht ist das Ganze ein Witz, den man hier so mit Zugereisten treibt.“ Den Telefonh√∂rer ans Ohr gepresst, stand ich am Wohnzimmerfenster und schob die Gardine beiseite. Auf dem Zufahrtsweg zum H√§uschen war niemand zu sehen.
„Das h√∂rt sich aber nicht an wie ein Witz. Christoph, ich habe Angst! Komm zur√ľck!“
F√ľr einen Moment schloss ich die Augen. Warum konnte sie jetzt nicht hier sein? Ich fragte mich, wie ich je auf den Gedanken kommen konnte, vor ihr wegzulaufen.
„Es geht nicht. Ich werde mich bald wieder melden. Machs gut!“
Ich hatte den Eindruck, dass sie noch etwas sagen wollte, aber mein Finger hatte schon die Unterbrechertaste gedr√ľckt. Nachdem ich das Telefon auf der Kommode im Flur abgestellt hatte, ging ich hinaus, um in den verwahrlosten Beeten zu arbeiten.
Als nach ungef√§hr einundhalb Stunden mein R√ľcken anfing, Einspruch einzulegen, legte ich Harke und Gartenschere beiseite und setzte mich auf den alten Klappstuhl.
Ich lies meine Blick √ľber das Grundst√ľck und das angrenzende Gel√§nde schweifen.
Gleichzeitig lauschte ich, ob ich Schritte oder Fahrzeugger√§usche auf dem Pfad vernehmen konnte, der zum Haus f√ľhrte.
Eine Stelle jenseits des Gartenzauns r√ľckte immer mehr in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit. Dort hatte sich eine Art Wolke von Fliegen gebildet, die einen bestimmten Punkt auf dem Erdboden in engen Bahnen umkreisten.
√Ąchzend erhob ich mich und ging durchs Gartentor zur Stelle, um sie etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Als ich erkannte, worum es sich handelte, fielen die Temperaturen in meinen Eingeweiden auf den Gefrierpunkt. Es waren zwei Kadaver nicht allzu gro√üer Tiere. Das eine war ein Kaninchen, beim anderen ben√∂tigte ich etwas l√§nger, um es als Fuchs zu identifizieren. Sie waren beide noch in einem ziemlich guten Zustand, abgesehen von den Myriaden von Getier, das √ľber ihr Fell und ihre halb ge√∂ffneten Augen lief.
Beim Fuchs klaffte ein Spalt im Fell, der von einem Ohr fast bis zur Kehle verlief. Ich fragte mich, was geschehen war. Vielleicht hatte sich der Fuchs irgendwo anders verletzt und dann den Kaninchenkadaver gefunden, war aber verendet, bevor er mit dem Fressen anfangen konnte. Dass er mit dieser Verwundung das Kaninchen noch selber erjagt hatte, konnte ich mir nicht vorstellen.
Oder ob sich das Kaninchen so heftig gewehrt hatte, dass es den Fuchs dabei ins Jenseits bef√∂rdert hatte? Mir fiel ein eigenartig gl√§nzender Schleim auf, der dem Kaninchen aus dem L√∂ffel sickerte. Es sah nach einer schweren Infektion aus. Angewidert machte ich kehrt und ging ins Haus zur√ľck.
Da mein Bedarf an Natur f√ľrs erste gedeckt war, fasste ich den Entschluss, mich erst einmal etwas um die technischen Installationen im Haus zu k√ľmmern.
Ich stieg √ľber die enge Treppe in den Heizkeller hinab, wo mich der Geruch von feuchten gekalkten W√§nden empfing. Ich lie√ü meine Blicke √ľber die Wand streichen, an der der √Ėlheizungskessel stand. Vor dieser Wand hatte Harald gegraben. Was immer er dort drau√üen gesucht hatte, hier drinnen schien es keine Spuren davon zu geben. √úber mir f√ľhrte ein Rohr an der Decke entlang. Vielleicht eine Wasserleitung. An einer Manschette hatte sich Feuchtigkeit gebildet, ein langgestreckter Tropfen hing vom Rohr hinab. Es wunderte mich, dass er sich nicht l√∂sen wollte. Als ich mich auf Zehenspitzen stellte und den Tropfen mit der Fingerspitze ber√ľhrte, zog er sich blitzartig ins Rohr zur√ľck.
Verwirrt starrte ich abwechselnd auf meinen Finger und auf die Leitung. Die Substanz hatte sich √ľberhaupt nicht wie Wasser angef√ľhlt, sondern wesentlich dickfl√ľssiger.
Nun hatte das Rohr mein Interesse endg√ľltig geweckt. Neben dem Kessel stand ein niedriger, ein wenig wackliger Schuhschrank, den ich mit beiden H√§nden packte und unter das Rohr stellte. In mir stieg der Zweifel auf, ob er mein Gewicht wirklich w√ľrde tragen k√∂nnen.
In diesem Augenblick fiel etwas aus dem Schrank auf den nackten Boden. Ich ging in die Hocke, um es aufzuheben.
Es war eine Schulheft im A5-Format, stark eingestaubt. Als ich darin blätterte, erkannte ich am auf den ersten Seiten Aufzeichnungen in einer kleinen pedantischen Schrift, die zu einem Schulkind nicht so recht passen wollte. Ich fing an zu lesen.
„Manchmal lassen sie mich in Ruhe, vielleicht m√ľssen sie dann ausruhen. Dann sp√ľre ich, wie schlecht es meinem Herz geht. Es ist wie ein riesiger Nussknacker um meiner Brust. Aber bald werden sie wieder wach und dann muss ich wieder an den Spaten. Der Apparat ist erst zur H√§lfte eingegraben. Den Rest schaffe ich nicht mehr, vorher falle ich tot um. Aber sie zwingen mich. Ich wei√ü nicht wie, aber sie schaffen es. Irgendwie sind sie in meinem Kopf und sagen mir, dass ich graben soll. Und ich mache es, auch wenn ich es hasse, wenn ich keine Luft mehr bekomme und sich alles um mich dreht ...“
Ich hörte, wie oben im Flur das Telefon klingelte.

*
„Wie geht es Ihnen?“ Obwohl ich bisher nur wenige Worte mit ihm gewechselt hatte, erkannte ich sofort, dass es Haralds Stimme war.
„Wie geht es Ihnen?“, wiederholte er atemlos.
Warum interessiert Sie das so?“
„Ich merke es an Ihrer Stimme: Sie haben Angst. Gut!“ Es h√∂rte sich an, als m√ľsste er die Worte unter Schmerzen aus sich herauspressen. „Angst ist gut, sehr gut. Ich glaube, ich wei√ü jetzt, warum Sie gesund geblieben sind!“
Das Telefon stand auf der Flurkommode, direkt unter dem Spiegel. Ich machte einen Schritt zur Seite, um nicht immer mich selber zu sehen, wie ich den Hörer ans Ohr hielt.
„Gesund geblieben?“
„Es waren Ihre Pillen. Antibiotika, ja?“
„Habe ich vor kurzem genommen! Und? Was sollen die bewirkt haben?“
„Sie haben es geweckt! Alles fing mit Ihrem Einzug an!“
„Mit meinem Einzug, ja? Wisst ihr was? Ihr habt hier alle einen kapitalen Dachschaden! Sie und das ganze gottverdammte Dorf!“
Harald schien meinen Wutausbruch √ľberhaupt nicht registriert zu haben. Seine Stimme klang gedankenverloren, als er wieder zu sprechen anfing.
„Ich wei√ü nicht, wie sie es machen. Wahrscheinlich kommt es aus dem Wasser. Aus Ihrem Haus. Der Kaffee – der hat m√§chtig eigenartig geschmeckt, wissen Sie? Es geht in den K√∂rper √ľber. Nat√ľrlich wehrt der sich zuerst. Das sieht dann aus wie eine Ansteckung. Wie eine schwere Erk√§ltung oder so. Aber dann ist es im Gehirn und √ľbernimmt die Kontrolle ... nur bei Ihnen nicht. Wegen der Pillen!“
Hatte er Wasser gesagt? Ich musste an das eigenartige Verhalten des Tropfens an der Rohrleitung denken.
„Aber worauf l√§uft das Ganze √ľberhaupt hinaus?“
„Ich wei√ü es nicht!“
F√ľr einen Moment dachte ich, ein Ger√§usch aus dem Wohnzimmer geh√∂rt zu haben. Als ich mich umdrehte, erkannte ich, dass die T√ľr nur einen kleinen Spalt breit ge√∂ffnet war. Ich lauschte ein paar Sekunden, konnte aber nichts h√∂ren. Daher hob ich den H√∂rer wieder auf Mundh√∂he.
„In einem haben Sie √ľbrigens Recht. Irgendetwas war hier. Und irgendjemand hat St√∂wer gezwungen, es zu vergraben ...“
„Das Ding!“
„St√∂wer schreibt was von einem Apparat! Warum haben Sie eigentlich nicht schon fr√ľher danach gesucht?“
„Damit alle glauben, ich wollte was vom Haus und h√§tte den alten St√∂wer um die Ecke gebracht? Ne, ne. Aber dann sind Sie gekommen, und pl√∂tzlich sind wir hier alle krank geworden ... “
„Was war das f√ľr ein Ding?“
„Es ... es kam von oben. Ich habe es gesehen. Unglaublich hell. Es ist bei ihm auf dem Grundst√ľck gelandet. Und am n√§chsten Tag war es weg.“
„Wie es aussieht, hat er es am Haus eingegraben.“
„Und jetzt ist es wach geworden. Sie haben es gest√∂rt. Es wehrt sich. Mit irgendwelchen Sporen, die im Wasser sind und die die Leute anstecken. Sie sind in unserem Gehirn. Sie k√∂nnen unsere geheimsten Gedanken sehen ...“
Er wurde von einem heftigen Hustenanfall unterbrochen.
„Wie stark f√ľhlen Sie sich, Harald? Warum kommen Sie nicht einfach vorbei? Ich bin mir nicht mehr sicher, oder ich die ganze Sache allein ...“
Durch den Hörer vernahm ich ein unheimliches Lachen.
„F√ľrchte, daf√ľr ist es ein bisschen zu sp√§t. Ich sp√ľre, dass sie mich bald am Schlawittchen haben. Sehr, sehr bald. Tut mir Leid. Keine Zeit mehr. Ich muss es wohl sofort erledigen.“
„Was erledigen?“
„Ist ein Andenken von meinem Vater. ¬īNe alte Walther P.38, Wehrmachtsbest√§nde. Komisch!“ Er machte eine kurze Sprechpause, in der ich nicht zu atmen wagte. „Ist doch ein wichtiger Moment im Leben. Und dann wei√ü ich noch nicht einmal, warum ich es tue. Ob ich das wirklich selber will, oder ob die mir das befehlen. Naja, spielt danach wohl keine gro√üe Rolle mehr. Machen Sie¬īs gut!“
Der Schuss war so laut, dass ich instinktiv den Hörer vom Ohr wegriss.
„Harald?“
Nachdem ich ein paar Sekunden vergeblich in den H√∂rer gelauscht hatte, legte ich auf, wobei mir die H√§nde zitterten. Was mache ich jetzt, dachte ich, w√§hrend ich die Fingerkn√∂chel gegen die Lippen presste. Mein erster Gedanke war der Rettungsdienst. Aber das w√ľrde mit Sicherheit die Polizei auf den Plan rufen oder sonst wen. Ich traute diesem Ort nicht mehr. Wei√ü Gott nicht. Am besten, ich w√§re gar nicht mehr da, wenn sich hier irgendetwas in gang setzte. Anrufen und dann gleich ab ins Auto, das w√ľrde mein Plan sein. Vor allem brauchte ich erst einmal den Wagenschl√ľssel.
Als ich die T√ľr zum Wohnzimmer √∂ffnete, sah ich das M√§dchen auf dem Sofa liegen. Es st√ľtzte den Oberk√∂rper auf die Ellenbogen und schaute mich an. Sp√∂ttisch. Einladend.
Ich erkannte sofort, wer sie war — oder zumindest, wer sie sein wollte: Das M√§dchen aus „Der Tod kommt zweimal“. Dieselbe schwarzlederne Schirmm√ľtze mit Nieten beschlagen, das lederne Halsband, ein schwarzes Top mit Spaghettitr√§gern.
Es wunderte mich, wie wenig ich erschrak. Vor allem f√ľllte sich mein Bewusstsein mit einer Erregung, die wie Kohles√§urenbl√§schen in meinen Adern perlten.
Das M√§dchen verfolgte meinen Blick aus engen Augen, die in tiefen Make-up-Schatten schwammen. Das √ľbrige Gesicht war wei√ü geschminkt. Trotzdem wurde mir jetzt klar, wer sie wirklich war. Beke.
Sie erhob sich und schritt mit wiegenden H√ľften auf mich zu. Dabei heftete sich mein Blick an ihren Minirock aus schwarzem Leder und den schlanken Beinen in den schwarzen Strapsen.
„Gef√§llt es Ihnen in Ahrdorf?“, fragte sie mit einer Stimme, zu der mir immer nur die Farbe Purpur einf√§llt, sobald ich mich an sie erinnere.
Sie legte ihre Unterarme auf meine Schultern und zog mich an sich. Als ich ihr Parf√ľm, ihre Haare und das Leder roch, war ich wie bet√§ubt. Ich sp√ľrte ihre hei√üen Lippen auf meiner Wange.
„Sei ganz ruhig, Liebling. Mach einfach nur die Augen zu!“
Ich wollte es nicht, aber trotzdem folgte ich ihrer Aufforderung. Pl√∂tzlich l√∂ste sie sich von mir. Fast gleichzeitig h√∂rte ich einen √ľberraschten Schrei und riss die Augen wieder auf. Ich ben√∂tigte ein paar Sekunden, um mir bewusst zu werden, dass es Saskia war, die ich da direkt vor mir mit dem M√§dchen k√§mpfen sah und die mit beiden H√§nden deren rechtes Handgelenk gepackt hatte. Dann erkannte ich, dass das M√§dchen in dieser Hand ein Messer hielt. W√§hrend die Frauen miteinander rangen, wobei sie immer wieder Wut- und Schmerzensschreie ausstie√üen, war ich zu perplex, um mich irgendwie zu bewegen.
Polternd fiel das Messer zu Boden. Ich diesem Augenblick sah ich ein gef√§hrliches Blitzen in Saskias Augen. So hatte ich sie noch nie gesehen. Ihr Arm vollf√ľhrte eine schnelle Halbkreisbewegung und klatschend traf ihre Faust Bekes Kinn. Lautlos sackte das M√§dchen in sich zusammen. Saskia stand √ľber ihr und fixierte sie mit grimmigem, misstrauischem Gesichtsausdruck, wobei sie sich eine Str√§hne ihres dunklen Haars aus der Stirn strich.
„Was machst du denn hier?“
„Siehst du das nicht? Ich rette dir das Leben, du kleiner Esel! Oder habe ich etwa gest√∂rt?“
„Ich ... ich kenne sie eigentlich gar nicht ... ich ...“

*

Vom Sofa aus verfolgte ich, wie Saskia das ohnmächtige Mädchen mit einer Wäscheschnur fesselte.
„Was hat dich √ľberhaupt auf den Gedanken gebracht, hierher zu kommen?“
„Deine Stimme! Du hast wirklich nach Panik geklungen. Da habe ich ... mein Gott, sieh dir das an!“
Während sie mit einem Gesichtsausdruck des Ekels und wachsenden Entsetzens auf die Wange des Mädchens starrte, sprang ich auf und ging neben Beke auf die Knie.
„Du meine G√ľte, das habe ich doch schon mal gesehen!“
Aus dem Ohr des M√§dchens sickerte ein klarer, durchsichtiger Schleim, der einen Fleck auf dem Holzfu√üboden bildete. Wollte mir meine Fantasie einen Streich spielen, oder bewegte sich die Fl√ľssigkeit wirklich langsam in Richtung auf eine Ritze zwischen den Bohlen zu?
„Sch√§tze, die Ratten verlassen das sinkende Schiff!“
Ich wandte mich in die Richtung, aus der die Stimme kam. Harald hob in seiner gewohnt lässigen Art die Hand.
„Ich dachte, Sie w√§ren tot!“
„Man muss flexibel bleiben! Hab’s mir kurzfristig anders √ľberlegt und nur meine Zimmerdecke erschossen.“
Er kam ein paar Schritte näher und betrachtete das Mädchen, das auf dem Boden lag, wobei seine Aufmerksamkeit anscheinend vor allem ihren Strapsen galt. Anerkennend pfiff er durch die Zähne.
„Das ist Harald, ein Bekannter von hier. Und das ist Saskia, meine Frau!“
Unsicher lächelnd reichten sich die beiden die Hände.
„Vielleicht k√∂nnen Sie mir erkl√§ren, was hier los ist, Harald? Mein Mann ist in solchen Dingen ja immer so schrecklich unsystematisch.“ Ihr Seitenblick in meine Richtung war mehr als vielsagend. „Oder rufen wir erst die Polizei und trinken einen Kaffee?“
„Beides keine sehr guten Ideen“, antwortete Harald. „Sie sollten auf jeden Fall vermeiden, hier im Haus oder √ľberhaupt im ganzen Ort irgend etwas zu essen oder zu trinken. Und die Polizei ... na ja, ich glaube, dass wir so ziemlich auf uns gestellt sind.“
Er ließ sich aufs Sofa plumpsen.
„Aber wenn Sie eine Erkl√§rung w√ľnschen, dann bitte! Ich versuche, es kurz zu machen. Irgend etwas ist hier gelandet. Schon vor l√§ngerer Zeit. Und es ist immer noch hier. Hier beim Haus! Irgend etwas, das dieses Dorf unter seine Kontrolle gebracht hat.“
Saskia musterte ihn mit einem Blick, der verriet, dass sich erste Zweifel an ihrem neuen Verb√ľndeten regten.
„Harald hat Recht!“, warf ich ein. „Ich habe St√∂wers Aufzeichnungen gefunden. Der Vormieter. Irgendjemand hat ihn gezwungen, hier etwas zu vergraben.“
„Was vergraben?“
„Ein UFO, nehme ich an!“
„Aha?“
„Wahrscheinlich ist es notgelandet und befindet sich in einer Art Wartezustand. Der Einzug Ihres Mannes muss es irgendwie alarmiert haben. Es wehrt sich dagegen, entdeckt zu werden.“
„Wehrt sich vor Entdeckung, soso?“ Saskias Gesichtsausdruck begann, ins Malizi√∂se zu spielen. „Irgendwie habe ich das Gef√ľhl, dass sich hier andere Sachen gegen Entdeckung str√§uben!“ Sie ging in die Knie und hob die Lederm√ľtze auf, die Beke beim Kampf verloren hatte. Als sie sich wieder aufgerichtet hatte, setzte sie sich die M√ľtze auf und schenkte mir ein s√ľffisantes L√§cheln.
„Ganz andere Sachen!“
Harald machte eine wegwerfende Handbewegung. „Es ist diese Substanz, dieser Schleim! Er dringt in die Gehirne der Menschen ein und manipuliert sie!“
„Daran kann verdammt noch mal was dran sein! Ich habe das Zeug gesehen, unten an der Wasserleitung.“
„Genau!“ rief Harald aus. „Es sickert aus dem UFO in die Wasserversorgung. Von hier aus infiziert es die Menschen und verbreitet sich √ľberall hin!“
Saskia stemmte die F√§uste in die H√ľften.
„Ihr glaubt wirklich daran, ja?“
Harald lächelte milde.
„Wenn Sie denken, dass wir v√∂llig √ľbergeschnappt sind, verstehe ich das. Aber ...“
Er machte eine Sprechpause, in der sein L√§cheln von einer Sekunde zur n√§chsten verschwand. „Aber Sie haben nicht erlebt, was ich erlebt habe!“
F√ľr einen Moment schaute er ihr tief in die Augen.
„Sie haben nicht erlebt, wie Sie pl√∂tzlich krank werden, Fieber bekommen und dass Ihr Verstand pl√∂tzlich anf√§ngt, sich aus dem Staub zu machen. Sie haben nicht erlebt, wie Ihr eigener Hausarzt Sie in seine Praxis nimmt. Wo dann dieses M√§dchen dort wartet.“
Er deutete auf Beke.
„Und wie der Arzt dann so eine komische Kan√ľle in Ihr Ohr f√ľhrt und dieses ganze widerliche Zeug aus einem rausl√§uft. Wie denen da wohl irgendetwas daneben gegangen ist und Sie schlagartig wieder klar denken k√∂nnen und Sie begreifen, dass die beiden nichts Gutes mit Ihnen im Schilde f√ľhren und sie dem Doc eine Spritze in den Handr√ľcken jagen und dann ganz schnell Rei√üaus nehmen.“
„Okay, okay. Sprechen Sie weiter bitte!“, sagte Saskia mit tonloser Stimme.
„Wie Sie dann zu Haus sitzen und wissen, dass das ganze Dorf hinter Ihnen her ist. Und das da etwas ist in Ihrem eigenen Kopf. Etwas, das wuchert und wuchert und immer st√§rker wird und pl√∂tzlich dieser Gedanke da ist: Bring dich um! Und dann – dann kam die Idee! Medikamente! Antibiotika! Sie schaufeln das Zeug in sich rein und k√∂nnen nur noch warten. Warten, wer gewinnt. Sie oder das Ding da in Ihrem Kopf!“
Ich legte meine Hand auf Saskias Schulter.
„Eine wilde Geschichte, ich wei√ü. Aber nach allem, was ich hier erlebt habe, m√ľssen wir ihm einfach glauben!“
„Aber dieser Schleim, welche Bedeutung kann der ...“
„Er ist im Kopf, so viel wei√ü ich!“ Bei diesen Worten deutete Harald mit beiden Zeigefingern gleichzeitig auf seine Schl√§fen. „Keine Ahnung, was es ist! Aber ich habe da meine eigene kleine Theorie!“
Aufmunternd nickte ich ihm zu.
„Ich glaube, das Zeug besteht aus einzelnen Zellen oder so, die in den K√∂rper eindringen, zum Gehirn wandern und sich dort mit den Nervenzellen vernetzen. Sie horchen das Ged√§chtnis ab und speichern das in ihrem eigenen Netzwerk. Aber sie k√∂nnen auch selber Befehle geben. Das, was sie lernen, nehmen sie mit, wenn sie den K√∂rper verlassen. Sie k√∂nnen es anderen Schleimzellen √ľbermitteln, wenn sie sich mit denen wieder verbinden.“
„Ziemlich weit hergeholt!“, unterbrach Saskia ihn.
„Wieso weit hergeholt? Sehen Sie das M√§dchen da? Der Fummel, den sie anhat?“ Er deutete auf Beke, die anfing, sich auf dem Boden hin und her zu drehen, wobei sie die Augen jedoch geschlossen hielt.
„Straps, Lederm√ľtze und so. Ich habe so √§hnliche Sachen schon einmal gesehen. Vor ein paar Tagen. Hier! Auf Video! Der Schleim hat das in meinem Hirn herausgefunden. Und dann hat er das weitergegeben an andere Schleimzellen.“
„Hei√ü, ganz hei√ü!“, unterbrach ich ihn. „Die Menschen sind die √úbertr√§ger f√ľr dieses Zeug. Aber nicht nur die. Auch die Tiere! Da drau√üen habe ich ein Kaninchen gesehen...“
„Kaninchen sind verdammt schnelle Tiere!“
Harald wandte sich wieder an Saskia. „Und dann wussten diese kleinen Schleimvicher: ‚Der Christoph, der steht auf Leder und so. Damit kriegen wir den um den Finger gewickelt. Und dann machen wir kurzen Prozess!’“
Er warf mir einen verlegenen Blick zu. „Ist Ihnen doch hoffentlich recht, wenn ich das so offen anspreche!“
„Spielt ja wohl keine Rolle mehr“, antwortete ich, wobei ich es angestrengt vermied, Saskia anzuschauen. „Aber Sie haben Recht. So wird es gewesen sein.“
Harald lie√ü sich in die Sofapolster sinken. „Und das ... das fl√∂√üt mir ehrlich gesagt ein richtig mulmiges Gef√ľhl ein!“
„Wie meinen Sie das?“
„Naja. Schleimzellen von irgendwo da drau√üen! Von jenseits der Erde. Und doch passgerecht zu menschlichen Hirnen – das kann nicht einfach so funktionieren. Da muss vorher endlos viel geforscht, experimentiert und gez√ľchtet werden.“
„Von wem? Was k√∂nnen das f√ľr ... Leute sein?“
Versonnen schaute er auf seine Hände.
„Daf√ľr m√ľssen wir tiefer gehen!“
*

Wir gruben an der Au√üenwand, dort wo nach unseren Berechnungen das Wasserrohr verlaufen musste. Nach einer halben Stunde, als das Erdloch eine Tiefe von ungef√§hr einundhalb Metern erreicht hatte, stie√ü Haralds Spaten auf etwas Metallisches. Nach weiteren f√ľnfzehn Minuten hatten wir ungef√§hr einen Quadratmeter einer gew√∂lbten Metallfl√§che freigelegt, die teilweise blau und violett verf√§rbt war – so als w√§re sie gro√üer Hitze ausgesetzt gewesen.
Hastig schob Harald mit dem Spaten noch mehr Erdreich beiseite. Dabei wurden Rohrleitungen, K√ľhlrippen und andere technische Einzelheiten sichtbar, die mir nichts sagten.
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und deutete auf die Leitungen.
„Genau kann ich das nat√ľrlich nicht sagen, aber wenn Sie mich fragen: Das sieht aus, als w√ľrde es zu einem ganz normalen D√ľsen- oder Raketenantrieb geh√∂ren!“
„Und das hei√üt?“
„Damit kann man wohl kaum von einem Sonnensystem ins andere reisen.“
„Dann kommt es also von der Erde?“
„Entweder das – oder es ist nur ein Beiboot. F√ľr den Flug in der Atmosph√§re oder knapp dar√ľber gedacht. Dann m√ľsste es da drau√üen aber noch ein Mutterschiff geben!“
Er ging in die Knie, schob seine Hand in die bröckeligen Erdmassen und tastete an verschiedenen Stellen die Metallverkleidung ab.
„Hier! Da m√ľssen wir ran. K√∂nnte so eine Art Schott sein! Ich schau mal, ob es sich √∂ffnen l√§sst. Am besten, Sie gehen raus aus dem Loch. Keine Ahnung, was uns erwartet!“
Nachdem ich aus der Grube gekrabbelt war, behielt ich weiterhin den knienden Harald im Blick, der im Begriff war, mit dem Spaten eine Art Klappe freizulegen. Ein paar Minuten sp√§ter war er so weit, dass er sie √∂ffnen konnte. In der √Ėffnung war es zu dunkel, als dass ich etwas erkennen konnte.
Mit einem Tempotaschentuch meine H√§nde wischend, trottete ich zur Terrassent√ľr. Dort stand Saskia und beobachtete uns, wobei sie immer wieder einen Blick ins Wohnzimmer warf, wo sich Beke, die mittlerweile erwacht war, auf dem Boden sitzend an die Wand gelehnt hatte und ausdruckslos vor sich hin starrte.
Ich strich Saskia mit dem Finger √ľber die Wange und k√ľsste sie.
„Keine Angst, ich glaube, er wei√ü, was er tut!“
Nach einem weiteren Kuss wandte ich mich von ihr ab, ging zur√ľck zur Grube und beugte mich √ľber den Rand.
„Und? Was Neues?“
„Ich glaube, ich habe den Piloten entdeckt!“
„Und? Wie sieht er aus? Lebt er noch?“
„Kann ich mir nicht vorstellen. Sieht eigentlich nicht nach Mensch aus! Sie sind kleiner als wir. Verdammt komische Gesichtsz√ľge!“
„Darf ich dann bitte auch mal? Ist ja nicht gerade allt√§glich, dass man ein Raumschiff von einem anderen Planeten findet!“
„Warten Sie bitte noch ein paar Minuten. Ich m√∂chte erst einmal ... oh ...!“
„Was ist los?“
„Ich glaube, ich komme jetzt lieber raus!“
Durch den kleinen Spalt konnte ich erkennen, wie grelles Licht auf- und abblendete.
Dann setzte dieses unterirdische Geheule ein. Beh√§nde, mit einem Ausdruck deutlicher Panik im Gesicht, schl√ľpfte Harald durch die √Ėffnung und griff meine Hand, die ich ihm instinktiv gereicht hatte. Schnaufend k√§mpfte er sich aus dem Erdloch, packte mich am Oberarm und zog mich mit sich.
„Los, kommen Sie! Weg hier!“
Er ließ mich los und fing an, Saskia mit wedelnden Armen Zeichen zu geben, bis er sie nach ein paar Schritten erreicht hatte.
„Wir m√ľssen hier verschwinden! Sofort!“
Während ich ihm folgte, drängte er Saskia ins Wohnzimmer. Dann fiel sein Blick auf Beke.
„Christoph, helfen Sie mir! Die muss nat√ľrlich mit. Wir nehmen die Haust√ľr. Beeilung bitte!“
Wir zogen die junge Frau an den Armen hoch, bis sie auf eigenen Beinen stand. Sie wirkte sehr folgsam und benommen.
Wir rannten durch den Flur, Saskia riss die Haust√ľr auf. Dann rannten wir durch die Gartent√ľr auf den Feldweg. Wir rannten und rannten. Der Heulton aus dem Wrack gellte in unseren Ohren. Wir waren vom Haus ungef√§hr drei√üig Meter entfernt, als sich Harald b√§uchlings ins Gras neben den Trampelpfad warf und seinen Kopf mit den Armen bedeckte. Wir machten es ihm nach.
Die Explosion lie√ü meinen K√∂rper mehrere Zentimeter in die H√∂he h√ľpfen. Beim Aufprall wurden meine Rippen so gestaucht, dass mir f√ľr ein paar Sekunden die Luft wegblieb. Ich sp√ľrte, wie kleine Steine auf meinen R√ľcken prasselten. Direkt neben mir lag Saskia. Ihre Haare waren pl√∂tzlich voller Staub, aber sonst schien ihr nichts passiert zu sein. Sie wandte sich zu mir um und schaute mich mit ihren h√ľbschen gro√üen Augen an. Fragend. Geradezu bohrend. Aber besonders geschockt schien sie nicht zu sein.
Vorsichtig setzten wir uns auf und schauten in Richtung Haus. Alles, was wir sahen, war eine riesige dunkelgraue Staubwolke, die sich langsam in alle Richtungen ausbreitete.
„Was war das, Harald?“
„Wahrscheinlich irgend so ein Selbstvernichtungsmechanismus. H√§tten wir eigentlich auch vorher drauf kommen k√∂nnen!“
„Meine Datsche!“, murmelte ich.
„Mein Auto!“, murmelte Saskia.
Kopfsch√ľttelnd klopfte mir Harald auf die Schulter. „Tut mir echt Leid. Da werden Sie ne ganze Menge zu erkl√§ren haben!“
„Der Ausklang einer netten Landpartie!“ Bei diesen Worten gab Saskia Ger√§usche von sich, die sich durchaus als Ansatz eines Lachens deuten lie√üen. Ich f√ľhlte mich unendlich erleichtert.
„Hmm! Ich glaube nicht, dass die Sache hier zu Ende ist!“, sagte Harald und schaute in den Himmel.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Amadis
Routinierter Autor
Registriert: Jan 2003

Werke: 18
Kommentare: 274
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Amadis eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Gefällt mir gut ...

... und erinnert mich etwas an Stephen King's "Tommyknockers". Ein paar Formulierungen fand ich etwas ... wie soll ich sagen ... fremdartig ... wie z.B. "einundhalb", aber vielleicht ist das irgendwie regional geprägt. Bei uns zumindest sagt man eineinhalb oder anderthalb. Schreit aber nach einer Fortsetzung

Bearbeiten/Löschen    


Volker Hagelstein
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 29
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Volker Hagelstein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo, Amadis

Tommyknockers? Hmm. Na ja, warum nicht? Ist ja immerhin das gute alte Invasionsthema. Und damit etwas v√∂llig Neues und Unverwechselbares aufstellen zu wollen, ist schon ein wenig vermessen. Aber ich habe nun einmal eine Schw√§che f√ľr das Thema. Besonders, wenn es Menschen wie du und ich sind, die sich der Bedrohung stellen m√ľssen.
Speziell beim Punkt Bewusstseins√ľbernahme war es mein Ehrgeiz, Mechanismen zu entwickeln, die zumindest nicht im schreienden Gegensatz zur Naturwissenschaft stehen. Dabei bin ich auf neuronale Netze auf der Basis organischen Gewebes gekommen, die an fremde Hirne andocken und sich dann wieder auf die Socken machen k√∂nnen (der Gedanke stammt aus einer √§lteren Story, irgendwie ist der vorliegende Text also schon eine Fortsetzung, muss aber durchaus nicht die letzte sein).
Liest sich „einunhalb“ wirklich so exotisch f√ľr dich? Ich habe den Eindruck, dass es in Norddeutschland ziemlich h√§ufig gebraucht wird. Aber du hast Recht: Meine Word-Korrekturfunktion akzeptiert nur „anderthalb“ – was f√ľr mich nun eher s√ľddeutsch klingt.

Gruß Volker

Bearbeiten/Löschen    


jon
Foren-Redakteur
Fast-Bestseller-Autor

Lektor
Registriert: Nov 2000

Werke: 147
Kommentare: 6206
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um jon eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Schön was zum Schmökern!
F√ľr mich als Sachse war die "norddeutsche Stimmung" sehr gut sp√ľrbar. Als zur Zeit Kurz-Text-Gewohnte dachte ich manchmal: ‚ÄěNa mach schon!‚Äú, aber es st√∂rte nicht wirklich. Wie gesagt: Sch√∂n zu schm√∂kern und sehr sehr glaubw√ľrdig‚Ķ
__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

Bearbeiten/Löschen    


Volker Hagelstein
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 29
Kommentare: 61
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Volker Hagelstein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo, Jon!
Das „Na mach schon!“ ist mir bereits h√§ufiger angekreidet worden, anscheinend sind meine Einstiege wirklich ein wenig verschlafen. Nun ist es mir aber wichtig, Atmosph√§re zu schaffen und die Spannung langsam zu steigern. Ich habe f√ľr mich selber den Begriff „Hy√§nentexte“ gepr√§gt. Hy√§nen sind Tiere mir imposanten Raubtiersch√§deln und ziemlich mickrigem Hinterteil, Hy√§nentexte sind eben solche, die stark anfangen und dann zunehmend versanden. Und so etwas selber zu verzapfen, ist meine kleine private Horrorvorstellung. Aber vielleicht finde ich ja irgendwann den Dreh, das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Bis dahin

mit lieben Gr√ľ√üen

Volker

Bearbeiten/Löschen    


Zur√ľck zu:  Science Fiction Ein neues Thema ver√∂ffentlichen.     Antwort ver√∂ffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!