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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die Katzenfrau
Eingestellt am 24. 09. 2007 15:15


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nemo
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Registriert: Aug 2001

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Die alte Frau lachte und Dejan hatte f├╝r einen Augenblick das Gef├╝hl, er blicke in den Eingang einer H├Âhle, in der ihn ein geschupptes Ungeheuer erwarten w├╝rde. Umringt von zwei unregelm├Ą├čigen Zahnreihen, die immer wieder gro├če L├╝cken aufwiesen, kam aus diesem dunklen Schlund ein scheu├člicher Geruch, bei dem Dejan sich der Magen umdrehte.
Er versuchte sich die Abscheu nicht anmerken zu lassen, immerhin hatte die alte Vettel ihm ja Obdach geboten und ihn sogar auf dem Dachboden des br├╝chigen Hauses versteckt, als sich vor ein paar Minuten eine Motorradeinheit der Deutschen laut knatternd den Berg hoch gequ├Ąlt hatte. Angehalten hatten sie nicht. Das bedeutete wahrscheinlich, dass sie ihn nicht suchten; das hoffte Dejan zumindest. Er hatte Belgrad verlassen, um sich den Partisanen anzuschlie├čen, die sich in den westlichen Ausl├Ąufern des Balkangebirges versteckt hielten und ihr Bestes taten, um den Deutschen ihre Besatzung so unangenehm wie m├Âglich zu machen.
Manchmal aber hatte Dejan das Gef├╝hl, dass ihre Aktionen in etwa die Auswirkungen von Nadelstichen in den Hintern eines Braunb├Ąren hatten. Aber aufgeben kam nicht in Frage.
Das Kr├Ąchzen der alten Frau ebbte ab und damit auch der unangenehme Duft, der aus ihrem Rachen kam. Sie wand sich um und begann an einem Holztisch Kartoffel zu sch├Ąlen. ÔÇ×Sie haben bestimmt Hunger, junger MannÔÇť, hatte sie gesagt, ÔÇ×so ein kr├Ąftiger Kerl wie sie, der soll mir doch nicht vom Fleisch fallenÔÇť, dann hatte sie angefangen zu lachen.
Dejan war froh, dass die Frau ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf ihn richtete, denn die Augen dieser kleinen gedrungenen Person hatten etwas beunruhigendes an sich. Er konnte nicht sagen, was genau es war, denn die Frau war bestimmt schon neunzig Jahre alt, und ihre ganze Erscheinung - die gebeugte Haltung, die Falten auf ihrer lederartigen Haut und ihr arthritischer Gang ÔÇô war alles andere als bedrohlich. Trotzdem f├╝hlte sich Dejan in ihrer Gegenwart unwohl. Er wischte dieses schwer zu fassende Gef├╝hl beiseite und lie├č seinen Blick durch die primitive Behausung der alten Hexe schweifen. Immerhin schien sie ja viel Wert auf Sauberkeit zu legen, denn obwohl ├╝berall im Haus Katzen herumliefen und die Fenster und die schweren Holzl├Ąden geschlossen waren - so das weder Tageslicht noch frische Luft ins Haus kam - roch Dejan nicht den typisch bei├čenden Geruch von Katzenpisse.
Seine Gedanken wanderten langsam wieder zu den Ereignissen des Vormittags, die er die letzten Stunden so erfolgreich verdr├Ąngt hatte; zur├╝ck zu den Leichen seiner Genossen, zur├╝ck zu dem Blut, den Ged├Ąrmen, den ohrenbet├Ąubenden Sch├╝ssen.
Er war der einzige der ├╝berlebt hatte. Alle anderen waren von den Deutschen umgebracht worden. War das Schicksal? Gl├╝ck?
Seine Finger fuhren unbewusst durch seinen dichten Bart.
ÔÇ×Machen Sie sich keine Sorgen, junger Mann. Hier sind Sie sicher.ÔÇť
Dejan hatte nicht gemerkt, dass die alte Frau sich ihm wieder zugewandt hatte.
Dejan fasste einen Entschluss.
ÔÇ×Gro├čm├╝tterchen, ich bin dir f├╝r deine Hilfe sehr dankbar und m├Âchte dir zum Beweis daf├╝r, das hier schenken.ÔÇť
Dejan holte einen Ring aus der Jackentasche - es war ein Siegelring aus Gold, den er einem deutschen Offizier abgenommen hatte, besser gesagt der Leiche eines deutschen Offiziers ÔÇô und hielt ihn der Frau hin, die jetzt wieder mit dem R├╝cken zu ihm sa├č und weiter Kartoffeln sch├Ąlte.
ÔÇ×Nimm ihn als Dank f├╝r mein Leben, M├╝tterchen und lass mich weiterziehen, denn ich muss zu den Meinen zur├╝ck.ÔÇť
Mit einer entschlossenen Handbewegung jagte sie einen feisten, gestreiften Kater vom Tisch, der das mit einem entnervten Fauchen quittierte.
ÔÇ×Aber ich wollte dir doch gerade Kartoffeln machen. Du wirst doch nicht mit leeren Magen durch die Berge ziehen wollen. Au├čerdem wird es gerade Nacht, da ist es dort drau├čen zu gef├Ąhrlich. Setz dich hin, ich mache dir einen Tee, du isst ein bisschen was und dann kannst du dich immer noch entscheiden zu gehen.ÔÇť, sagte sie sanft aber bestimmt.
ÔÇ×Danke M├╝tterchen, aber ... ÔÇ×, setzte Dejan an.
ÔÇ×Jetzt setz dich hin!ÔÇť, unterbrach ihn die Frau harsch und irgendetwas stimmte mit ihrer Stimme nicht. Wie ein Gift war sie in seinem Geist eingedrungen und er sp├╝rte, wie er einen Schritt nach vorne in Richtung des leeren K├╝chenstuhls machte, ohne das zu wollen. Er sch├╝ttelte sich und blieb schwankend stehen.
M├╝tterchen hatte sich inzwischen in seine Richtung gedreht und sie wirkte alles andere als m├╝tterlich. Ihr Gesicht war hassverzerrt, fratzenhaft, nur noch ein b├Âsartiger Schemen seiner selbst. ÔÇ×Ich habe gesagt, du bleibst zum Essen!ÔÇť, kreischte sie, und ihre Stimme lie├č einen Schauer ├╝ber Dejans R├╝ckrat wandern. Ein schwarzer Schatten fiel wie ein Vorhang aus Tinte ├╝ber ihre Augen uns sie zog ihre Lippen hoch, wie ein Wolf seine Lefzen, entbl├Â├čte dabei zwei Reihen scharfer Z├Ąhne, gekr├Ânt von vier Schneidez├Ąhnen, die nun fast die L├Ąnge eines kleinen Fingers hatten. Dejan schossen Kindheitserinnerungen durch den Kopf. Erinnerungen an die Geschichten von blutsaugenden Ungeheuer, die angeblich in Rum├Ąnien ihr Unwesen trieben. Wampyre. Fabelwesen, die dazu dienten Kindern Angst einzujagen. Legenden. M├Ąrchen. L├╝gen.
Der Schreck hatte sich fest in Dejans Brust gekrallt, l├Ąhmte seine Beine und lie├č ihn nur z├Âgernd r├╝ckw├Ąrts taumeln, anstatt zu laufen, was die Stiefel hergaben.
Dann sprang das Ding ihn an, traf ihn mit der Wucht einer fahrenden Stra├čenbahn und riss ihn zu Boden. Doch Dejan war stark. Schon als Kind hatte er in einer Belgrader Eisenh├╝tte geschuftet und die Arbeit dort hatte seinen K├Ârper sprichw├Ârtlich gest├Ąhlt.
Das Alte-Frau-Wesen lag jetzt auf ihm und griff gierig mit ihren faltigen H├Ąnden nach seinem Hals. Dejan, der die l├Ąngeren Arme besa├č, hielt sie so gut es ging von sich fern. Aus ihrem Maul hingen z├Ąhfl├╝ssige Speichelf├Ąden, die etwas von einem Spinnenetz hatten. Dejan hasste Spinnen.
Seine Arme schmerzten und trotz seiner Kraft, w├╝rde er dem Ding nicht mehr lange standhalten k├Ânnen. Dejan hatte Angst, Angst, wie er sie noch nie gesp├╝rt hatte, und er hatte in seinem Leben schon viele Gelegenheiten gehabt sich zu f├╝rchten.

Er gab dem Wesen ein St├╝ckweit nach, beugte seine Arme, die vor Anstrengung zitterten und kurz bevor er glaubte die Fingern├Ągel des Wampyrs an seinem Hals zu sp├╝ren, schrie er und stie├č sie mit aller Kraft von sich. Es war ein wuchtiger Sto├č und die alte Frau flog in einem hohen Bogen und knallte krachend auf den K├╝chentisch. Knochen knackten, Kartoffeln fielen zu Boden, Katzen fl├╝chteten. Dejan sprang auf, griff sich einen Stuhl und zertr├╝mmerte ihn mit aller Kraft auf den gebrechlichen K├Ârper der alten Frau. Die Vettel blieb unbeeindruckt, richtete sich l├Ąchelnd wieder auf. Dejan hatte seine ganze Wut und die Trauer ├╝ber den Tod seiner Kameraden in den Schlag gelegt und das Ding verh├Âhnte ihn sogar noch. Die Panik ├╝berkam ihn wie eine Sturmb├Âe.
F├╝r ihn z├Ąhlte nur noch das ├ťberleben.
Ohne weiter auf das Wesen zu achten, lief Dejan in Richtung der Ausgangst├╝r. Doch er kam nicht weit, den er wurde pl├Âtzlich von hinten zu Boden gerissen. Sein Kopf prallte gegen einen Holzeimer und f├╝r einen Moment tanzten Lichter vor seinen Augen. Die Fingern├Ągel, die sich in das Fleisch seines R├╝ckens bohrten, lie├čen die Lichter noch heller leuchten und Dejan schrie auf. V├Âllig panisch versuchte er das Ding von seinem R├╝cken weg zu bekommen, doch die alte Frau hatte sich festgekrallt und jede seiner Bewegungen zog eine Woge des Schmerzens nach sich. Dejan richtete sich br├╝llend auf und lief r├╝ckw├Ąrts gegen eine K├╝chenkommode. Es krachte und schepperte, doch das Alte-Frau-Wesen lachte nur, keifte und kreischte, als w├╝rde sie auf einem Jahrmarktsfuhrgesch├Ąft fahren. Dejan sah sein Gewehr am Bogen der Eingangst├╝r lehnen. Es waren noch gut vier Meter bis dorthin. Dejan kam es vor, wie ein Kilometer. Noch immer hing dieses Furiending an ihm und er sp├╝rte warmes Blut seinen R├╝cken hinunterlaufen, roch ihren stinkenden Atem in seinem Nacken. In einer ruckartigen Bewegung, warf er seinen Oberk├Ârper nach vorne. Das Wesen flog mit einem ├╝berraschten Kreischen ├╝ber seinen Kopf und krachte vor ihm auf. Ihre Krallen hatten tiefe, brennende Risse in seinem R├╝cken hinterlassen und er sank benommen auf die Knie. Langsam hob er den Blick und sah, dass die alte Vettel keinen Meter vor ihm auf dem Boden lag. Aus ihrem Hals ragte ein spitzes St├╝ck Holz. Ein r├Âchelndes Gurgeln verriet ihm, dass sie noch atmete. Dejan st├╝tzte sich mit beiden H├Ąnden auf den Boden, w├Ąhrend der Schmerz nach und nach zu einem dumpfen Gef├╝hl im Hintergrund wurde. Auf allen vieren kroch er neben die alte Frau, dessen Augen ihm trotz ihrer Lage wachsam folgten. Jetzt sah er, dass sie sich auf den ├ťberresten eines Holzstuhls aufgespie├čt hatte. Seine Hand glitt zitternd am Boden entlang, bis er ein zerbrochenes Stuhlbein fand.
In den Gruselgeschichten seiner Kindheit war immer davon die Rede, dass man Wampyre mit einem Pflock im Herzen t├Âtete. Dejan betete daf├╝r, dass es stimmte.
Immer noch kniend, richtete er sich auf. Das Stuhlbein in beiden H├Ąnden haltend, holte er aus und stie├č zu.
Das Holz knirschte als es sich durch zwei Rippen schob und landete mit einem fleischigen Schmatzen in dem Herz der alten Hexe, die ihr Schicksal ohne einen Ton ├╝ber sich ergehen lie├č.
Ihr K├Ârper zuckte zweimal, dann erschlaffte er.
Dejan lie├č sich auf die Seite sinken, rollte sich zusammen und brach in Tr├Ąnen aus.
Er wusste nicht, wie lange er dort gelegen und geweint hatte, doch irgendwann gingen ihm die Tr├Ąnen aus. Langsam setzte er sich auf und sah, dass ├╝berall Katzen waren. Es mussten Hunderte sein. Sie hockten auf dem Tisch, auf den Schr├Ąnken, einfach ├╝berall. Einige von ihnen leckten die Blutflecken auf dem Boden ab, doch die meisten Tiere fixierten ihn, starrten ihn an.
Dann h├Ârte er eine leise Stimme, als w├╝rde ihm jemand etwas ins Ohr fl├╝stern. Die Stimme kam von ├╝berall und nirgendwo zugleich. ÔÇ×Du hast unseren Ern├Ąhrer umgebracht. Du wirst seine Stelle einnehmen m├╝ssen.ÔÇť
Es waren mehr Bilder als Worte, mehr Gef├╝hle als S├Ątze.
Als die Katzen langsam auf ihn zukamen und dabei ihre ungew├Âhnlich langen Schneidez├Ąhne pr├Ąsentierten, verstand Dejan.

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:nemo

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