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Leselupe.de > Kindergeschichten
Die Komische
Eingestellt am 22. 12. 2010 23:03


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EnyaSK
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Registriert: Dec 2010

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Sonja stand allein in der Ecke des Schulhofes unter einem alten Nussbaum und schaute den Kindern zu, die zusammen spielten und Spaß hatten. Sie fĂŒhlte sich so furchtbar allein. Drei Wochen war sie nun schon an der neuen Schule und noch immer hatte sie keine Freunde gefunden. Niemand wollte mit ihr spielen. Die Kinder hatten sie vom ersten Tag an spöttisch betrachtet. Sie trug keine schicken Sachen, hatte kein Handy und auch sonst nichts, was sie vorweisen konnte. Sonja war zehn Jahre alt. Ihre braunen Haare waren zu Zöpfen geflochten, auf der Nase trug sie eine rote Brille und ihre VorderzĂ€hne waren etwas schief. Sie wohnte in einer Ă€rmlichen Gegend, wo sonst ĂŒberwiegend AuslĂ€nder wohnten. FĂŒr die war sie auch nicht recht, denn sie war ja die Deutsche, fĂŒr ihre Klassenkameraden war sie die Komische. Sonja lebte mit ihrer Mutter allein. Ihren Vater hatte sie seit drei Jahren nicht mehr gesehen und ihre Mutter versuchte, sie mit ihren Putzjobs ĂŒber die Runden zu bringen. Das gelang ihr mehr schlecht, als recht. Deshalb konnte sie Sonja eben keine schönen Sachen kaufen. Als es wieder zum Unterricht klingelte, war Sonja regelrecht froh. Sie mochte den Unterricht. Niemand wagte es, sie wĂ€hrend der Stunde zu Ă€rgern.

Nach der Schule trödelte Sonja auf dem Heimweg etwas herum. Sie hatte es nicht eilig, nach Hause zu kommen. Ihre Mutter wĂŒrde erst in gut zwei Stunden von der Arbeit kommen und Sonja hasste es, allein zu Hause zu sein. Lieber ging sie noch etwas am Fluss entlang. Sie mochte das Wasser. Manchmal trĂ€umte sie davon, eines der Hausboote, die dort lagen, wĂŒrde ihr und ihrer Mutter gehören. Es musste toll sein, auf so einem Hausboot zu wohnen. Besser, als die eineinhalb Zimmer Wohnung mit dem Schimmel an den WĂ€nden und dem abgewetzten Parkettboden, an dem sie sich regelmĂ€ĂŸig Splitter holte.
Vor sich sah sie ein paar Kinder aus ihrer Klasse. Sie spielten am Ufer und Sonja blieb unschlĂŒssig stehen. Sie wollte denen lieber nicht begegnen. Da es nur einen Weg am Wasser entlang gab, gab es fĂŒr Sonja nur eine Möglichkeit. Sie musste umkehren. Seufzend wandte sie sich um und war gerade ein paar Schritte gegangen, als sie lautes Schreien vernahm.
„Hilfe! Hilfe!“
Wie angewurzelt blieb Sonja stehen und drehte sich mit klopfendem Herzen um. Eines der Kinder war ins Wasser gefallen und die anderen Kinder hĂŒpften aufgeregt am Ufer herum und schrien. Sonja sah, wie das Kind im Wasser - sie konnte nicht erkennen, wer es war - immer wieder unter ging. Sie zögerte nicht lĂ€nger und rannte auf die UnglĂŒcksstelle zu. Im Laufen zog sie ihre Jacke aus, warf sie achtlos beiseite. Am Ufer angelangt, zog sie sich hastig ihre Schuhe aus, ohne sich mit den SchnĂŒrsenkeln aufzuhalten. Mit einem Sprung war sie im Wasser. Es war kalt und ihr blieb einen Moment die Luft weg. Sie schaute nach dem Kind, doch es war nirgendwo zu sehen. Sonja nahm einen tiefen Atemzug und tauchte ab. Die Sicht unter Wasser war nicht gut und sie konnte nichts entdecken. Prustend tauchte sie wieder auf. Etwas entfernt sah sie, wie sich das Wasser krĂ€uselte. Dort musste es ein. Mit ein paar krĂ€ftigen SchwimmzĂŒgen war sie dort und tauchte erneut. Diesmal hatte sie GlĂŒck und sie stieß förmlich gegen den im Wasser treibenden Körper. Mit festem Griff beförderte sie den Körper an die OberflĂ€che. Es war eines der MĂ€dchen aus ihrer Klasse. Sie hieß Anneke. Sonja schleppte das MĂ€dchen ans Ufer, wie sie es von ihrem Onkel Eduard gelernt hatte, der Rettungsschwimmer bei der DLRG war. Am Ufer half eine Frau, ihr das bewusstlose MĂ€dchen abzunehmen. Erschöpft zog Sonja sich ebenfalls aufs Trockene.
Mittlerweile waren mehrere Erwachsene dazu gekommen und jemand machte Maßnahmen zur Wiederbelebung. Bald schon begann Anneke zu husten und spuckte einen Schwall Wasser aus. Sonja bibberte vor KĂ€lte. Es war zwar erst Oktober, doch war es empfindlich kalt und die nassen Klamotten klebten eisig an ihrer Haut. Eine Sirene ertönte und wenig spĂ€ter kam ein Rettungswagen den Weg entlang auf sie zu. Die SanitĂ€ter ĂŒbernahmen die Versorgung der VerunglĂŒckten und packten auch Sonja in eine WĂ€rmedecke.
„Jemand muss die Eltern der Kinder informieren, dass sie im Krankenhaus sind“, sagte einer der Erwachsenen.
„Ich mach das“, sagte Susanne, eine Klassenkameradin von Sonja. „Ich kann Annekes Mutter anrufen und bei Sonjas Mama vorbei gehen. Ich weiß, wo sie arbeitet.“
Sonja und Anneke wurden mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren. Beide Kinder waren stark unterkĂŒhlt.

Sonja lag im Dreibettzimmer des stĂ€dtischen Krankenhauses und schaute fern. Sie hatte von einem Doktor erfahren, dass es Anneke gut ging. Doch sollten beide Kinder die Nacht ĂŒber zur Beobachtung bleiben. Sonjas Mama war sofort ins Krankenhaus gekommen und hatte furchtbar geweint. Sie war vor zehn Minuten wieder gegangen, um fĂŒr Sonja ein paar Sachen von zu Hause zu holen, als die TĂŒr aufging.
Herein kamen so viele Kinder, dass Sonja unwillkĂŒrlich in ihrem Bett zurĂŒckwich. Mit offenem Mund starrte sie auf ihre Klassenkameraden, die fast vollzĂ€hlig an ihrem Bett standen. Susanne hatte einen großen Blumenstrauß in der Hand und eine Karte steckte darin. SchĂŒchtern nahm Sonja die Blumen entgegen.
„Dddanke“, stammelte sie ĂŒberwĂ€ltigt.
„Du bist eine richtige Heldin“, meinte Ingo, einer der angesagtesten Jungen in der Klasse. „HĂ€tte ich dir gar nicht zugetraut.“
Sonja errötete.
Auch die anderen Kinder stimmten zu. Sonja wurde wirklich wie eine Heldin gefeiert. Noch nie war ihr so viel positive Aufmerksamkeit zuteil geworden.
„Tut uns leid, dass wir so fies zu dir waren“, entschuldigte sich Susanne. „Wir fĂŒhlen uns ganz mies deswegen.“
„Ist schon ... schon gut.“
„Du kannst ein paar Sachen von mir haben“, meinte Susanne strahlend. „Ich habe so viel, was mir nicht mehr passt und du bist ja etwas kleiner als ich. Bestimmt passt es fĂŒr dich. Ich bringe es dir morgen.“
„Und meine Eltern haben ein SportgeschĂ€ft und könnten eine Hilfe brauchen. Ist bestimmt besser bezahlt, als der Putzjob in dem Kaufhaus, wo deine Mutter jetzt arbeitet. Zu dem GeschĂ€ft gehört auch eine kleine Wohnung, die könntet ihr gĂŒnstig mieten“, meldete sich ein anderes MĂ€dchen, deren Name Maja war, zu Wort.
„Ich ...“, begann Sonja. Sie wusste gar nicht, was sie sagen sollte und brach statt dessen in TrĂ€nen aus. Sofort wurde sie getröstet und sie zum ersten Mal in ihrem Leben fĂŒhlte Sonja sich akzeptiert.

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