Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92203
Momentan online:
287 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Spinne
Eingestellt am 11. 05. 2004 13:14


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 168
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Alpha eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Spinne

Ich bin ein M├Ârder.
Jawohl.

Ich habe gemordet, und das nicht einmal ohne Gewissen. Es tat mir das Herz weh, mein Gewissen schrie, und ich habe dennoch meine abscheuliche Tat zu ende gef├╝hrt. Dabei fing doch alles ganz harmlos an.
Ich wollte ins Bad, blieb aber schon vor lauter Entsetzen in der T├╝rschwelle stehen und starrte auf die Dusche mir gegen├╝ber. Da sa├č sie, ganz still und friedlich. Eine gro├če, schwarze Spinne, und mich ergriff sofort ein tiefes Ekelgef├╝hl, wie es den meisten Menschen bei einem solchen Anblick ergeht. Ich stand immer noch in der T├╝r und r├╝hrte mich nicht. Ob sie wohl zucken, gar die Flucht ergreifen w├╝rde, wenn ich mich bewege? Mich schauderte. Aber dann ging ich doch auf sie zu, und es war nicht der Mut, der mich f├╝hrte, sondern die Gedanken des Mordes. Ich wollte sie vernichten, mit ihr das Ekelgef├╝hl austreiben.
Doch ich stand noch ein wenig an der Dusche, betrachtete mein Opfer, das da so friedlich und nichts ahnend im Duschbecken ruhte. Sie war nicht einmal dick, wie so viele eklige Spinnen. Ich w├╝rde sogar behaupten, f├╝r eine Spinne hatte sie eine richtig tolle Figur, sportlich und wohlgeformt und so... Die Beine ,passend zum K├Ârper, nicht zu dick und nicht zu lang, hielten den K├Ârper in ruhiger Schwebe und verliefen geschwungen bogenf├Ârmig zum Boden. Auf dem K├Ârper eines feines Muster, soweit ich das erkennen konnte (so lange betrachtete ich die Spinne nun auch wieder nicht). Aber augenblicklich waren meine Gedanken wieder bei meinem Plan, ich hatte den Duschkopf fest im Auge.
W├╝rde sie jetzt weglaufen? Wenn ich mich leicht ├╝ber sie beuge, um nach dem Duschkopf zu greifen? Schlie├člich stand ich verd├Ąchtig nahe am Duschbecken, sie w├Ąre im Nu bei mir, mit ihren kleinen, flinken, sportlichen Beinen.
Doch ich hoffte auf ihre Beinchen, dass sie sie nur weit genug an ihren K├Ârper ran ziehen konnten! Wie sollte sie sonst durch eines der L├Âcher im Abfluss passen, war sie doch selbst schon so gro├č wie der Abfluss?
Vorbei mit dem Denken, mein Ekel dr├Ąngte zur Tat, ich griff nach dem Duschkopf, zog den Griff der Wasserhahns hoch und zielte auf das schwarze Tier.
Sie reagierte, wie ich es erwartet hatte, und zog brav ihr Beinchen an. Wie klein sie auf einmal war.
Ich zielte mit dem Duschkopf, so dass der d├╝nne Wasserstrom im Duschbecken die Spinne zum Abfluss dr├Ąngte - und schwups! da lag sie drin. Aber in eines der L├Âcher passte sie noch nicht. Noch nicht. Ich lie├č das Wasser nun direkt in den Abfluss regnen, und schon im gleichen Augenblick
war das Tierchen v├Âllig mit Wasser bedeckt. Nur eine Frage der Zeit, bis es sie durch das kleine Loch dr├╝cken w├╝rde. Ha! Das war’s passiert, weg war sie! Ich schwenkte den Duschkopf ab, machte das Wasser aus. Aus dem Abfluss kamen Luftbl├Ąschen. Luftbl├Ąschen kamen doch sonst nie, dachte ich. War sie weg? Oje, mir wurde bang! Was sah ich da? Kleine schwarze Beinchen kamen zum Vorschein, tasteten aus dem Loch, krallten sich fest, wo eigentlich nichts zum Festhalten war. Und da war sie wieder. Aufgetaucht und nass gl├Ąnzend, die kleine Spinne mit ihrem unglaublichen Lebenswillen. Ein Schauer ergriff mich erneut, und mein Ekel schien einen neuen H├Âhepunkt zu st├╝rmen, wie sie da wieder aus dem Loch gekrochen kam.
Ich handelte schnell, bevor sie auf eine trockene Stelle im Duschbecken fl├╝chten konnte - Wasser an! Immer drauf halten, genau auf den Abfluss, genau auf das kleine Tier im Abflussloch. Und wieder zog sie sich blitzschnell zu einem kleinen, lebenden B├Ąllchen zusammen. Es dauerte nicht lange, da wurde sie wieder durch die Wassermassen hinab gedr├╝ckt. Und wieder stie├čen Luftblasen hinauf, und ich hielt den Wasserstrahl noch lange auf das Abflussloch, v├Âllig starr vor Angst, sie w├╝rde noch einmal auftauchen. Hei├čes Wasser musste es nun sein! Ich musste mir ja sicher gehen, ich musste meinen Plan sorgf├Ąltig und gewissenhaft ausf├╝hren, und das bedeutete: Weg mit der Spinne! Ob tot oder lebendig! Und w├Ąhrend ich mich bei diesen Gedanken erwischte, bei diesem Hoffen auf den Tod, bei diesem unmenschlichen Handeln einem Tier gegen├╝ber, dass doch nur um sein Leben gek├Ąmpft und fast gesiegt hatte, zog sich mein Innerstes tief in meiner Brust zusammen, ein bitterer Schmerz, ein unsagliches Schuldgef├╝hl und Wehleid ergriff mich.
Was hatte ich nur getan? Zu welchem schw├Ąchlichen Handeln hatte ich - Mensch - mich da hinrei├čen lassen? Und w├Ąhrend elendige Scham mich erdr├╝ckte, ich mich kr├╝mmte in meiner Trauer und Schuld, da riss mein Gewissen mich zu Boden, sog mich mit aller Kraft ins Abflussloch, dem unschuldigen Tierchen hinterher. Und immer noch hielt ich ihn krampfhaft fest, den Duschkopf, mit meiner blutigen M├Ârderhand.

__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Pritt
Hobbydichter
Registriert: Oct 2003

Werke: 8
Kommentare: 26
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
na...kommentar...

Hallo Alpha!

Herrlich! Als gro├čer Insekten- und Spinnenliebhaber bin ich zwar bis ins Mark ersch├╝ttert, ├╝ber solch einen -vermutlich authentischen- Fall zu lesen, doch das Vergn├╝gen l├Ąsst mich Dir (oder dem 'anderen' M├Ârder) verzeihen.
Habe wirklich fast nix zu meckern. Du solltest lediglich zwei S├Ątze vertauschen, aus Verst├Ąndnisgr├╝nden:

"Doch ich hoffte auf ihre Beinchen, dass sie sie nur weit genug an ihren K├Ârper ran ziehen konnten! Wie sollte sie sonst durch eines der L├Âcher im Abfluss passen, war sie doch selbst schon so gro├č wie der Abfluss?"

Da Du vorher ├╝ber ihre Beine als flinkes Fortbewegungsmittel sprichst, klingt es verwirrend, wenn Du pl├Âtzlich auf sie hoffst. Erst der Folgesatz macht den Gedanken verst├Ąndlich. Vielleicht schreibst Du besser, dass Du 'auch' auf sie hoffst, eben weil sie so schlank und deshalb vielleicht 'gummiartig' oder 'dehnbar' aussehen,so dass sie danach durch den Ausguss passt? Das w├╝rde ich dann aber im selben Satz schreiben.

Ansonsten bin ich wirklich begeistert. Sehr sch├Ân auch die Verniedlichungsformen wie 'Beinchen' und 'B├Ąllchen'. H├Ątte ich nicht ohnehin schon Mitleid mit dem Tierchen, so sp├Ątestens an dieser Stelle.

Viel Spa├č in den Weiten des Ausgusses w├╝nscht ... Pritt

Bearbeiten/Löschen    


Alpha
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 168
Kommentare: 73
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Alpha eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


Ich danke dir f├╝r deine M├╝hen Werde den Text bei Gelegenheit ├╝berarbeiten.

Liebe Gr├╝├če, Alpha
__________________
"Widme dich dem Klang meiner Kehle, wenn sie bricht; Es soll das letzte sein, was ich zu sagen habe" aus Wolf

Bearbeiten/Löschen    


Holomino
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Feb 2004

Werke: 5
Kommentare: 15
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Holomino eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Halt drauf, verdammt, haaaaaaaaaaalt drauf!

Nee, wirklich, ich hab herzlich gelacht (das originellste fand ich mit der "tollen Figur"), vielen dank f├╝r die netten zehn Minuten!






Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!