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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die Stadtwohnung
Eingestellt am 05. 03. 2018 10:25


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Weltenwandler
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Registriert: Feb 2018

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Hallo zusammen!
Ich habe hier eine bis jetzt 2 Kapitel ĂŒberspannende Geschichte, von der ich noch nicht so genau weiß, welche LĂ€nge angebracht wĂ€re und in welchen Ausmaß sich das Weiterschreiben lohnt. Deshalb freue ich mich auf Kritik in jeder Hinsicht! Hier das erste Kapitel:





Die Stadtwohnung

Und in China fiel ein Sack Reis zu Boden. „Eine Aussage, die so vieles bedeuten kann“, dachte er sich. „Das, was du erzĂ€hlst, interessiert mich nicht“, schien wohl das offensichtlichste zu sein. Und gleichzeitig heißt es „Ich halte von Chinesen nicht viel, weil die nur Reis essen“. Außerdem die direkte Bedeutung des Satzes, „Hey du, hast du schon gehört? In China ist ein Sack Reis umgefallen!“. Am besten war jedoch die Bedeutung mit dem Reissa
 beziehungsweise Schmetterlingseffekt: „In China fiel ein Sack Reis zu Boden, deshalb hast du dir gerade eine Kerze in die Nase gerammt“.

ZusammengekrĂŒmmt lag Dennis auf dem Boden und hielt sich seinen RĂŒssel, dessen linkes Loch nun doppelt so groß war wie das rechte. Er hatte gekocht. Als er in Ermangelung einer Salatschleuder die Fliesen befeuchtete, besaß er noch nicht den richtigen Riecher fĂŒr die Gefahr – eine Sache, die sich nun wohl geĂ€ndert hatte. Vor seinen trĂ€nenverschwommenen Augen entstand nach und nach das Bild einer langen Kerze, die direkt vor seinem Gesicht auf dem Fußboden lag. Am oberen Ende schimmerte sie feucht. „Sie ist rot. ZĂŒndet sie an!“ Dennis wusste, dass er heute dem dunklen Mittelalter Einzug in seine KĂŒche gewĂ€hren wĂŒrde, wenn er den roten Feuerteufel vor seiner Nase bei lebendigem Leibe verbrannte. Er war sich nicht sicher, was er fĂŒhlen sollte: Womöglich war er der erste Mensch, der so genau auf einer Kerze landete, dass sie ihm ins Nasenloch drang. WĂ€hrend der Zinken langsam immer schwĂ€cher pochte, kroch die KĂ€lte der Fliesen an Dennis hoch, deshalb rappelte er sich langsam auf die Knie.

Wie ein Metzger, der ein Lamm zur Schlachtbank trĂ€gt, hob Dennis die Kerze auf und steckte sie wieder in den halb mit Wachs gefĂŒllten Joghurtbecher, der auf seinem kleinen Esstisch stand. Wohlige WĂ€rme breitete sich wieder in seinem Körper aus, als er daran dachte, wie die Nasenschinderin vor seinen Augen einen qualvollen Tod sterben wĂŒrde. Ohnehin war es verwunderlich, dass sie nicht zerbrochen war. Aber absurder konnte die Situation ohnehin nicht werden.

Viele Male hatte er sich schon vorgenommen, endlich eine Salatschleuder zu kaufen, da er so gut wie jeden Tag eine SchĂŒssel voll Salat aß. „Wer nicht hören will, muss riechen“, dachte sich Dennis und verzog die Mundwinkel, da er seine Nase aus SicherheitsgrĂŒnden nicht rĂŒmpfen wollte. Er stand in der KĂŒche und wusste kurz nicht mehr weiter. „HĂ€tte ich Freunde zum Essen eingeladen, wĂ€re das wohl das lustigste Dinner aller Zeiten geworden. Andererseits wĂŒrde es dann keine waschechte Hexenverbrennung geben.“

Schulterzuckend wandte sich Dennis wieder seiner Kochplatte zu, auf der zwei Töpfe vor sich hinbrĂŒteten. Den Dunstabzug hatte Dennis auf der höchsten Stufe laufen. Nicht etwa, weil es nötig gewesen wĂ€re, sondern, weil ohne das laute Brummen die Musik der Disko, die sich auf der gegenĂŒberliegenden Straßenseite befand, nicht mehr zu hören war. Gekonnt öffnete er den Deckel des grĂ¶ĂŸeren Topfes und rĂŒhrte die Nudeln um. Zu allem Überdruss musste er feststellen, dass diese mittlerweile eher ein Nudelbrei als Spaghetti waren. Er goss sie schleunigst in ein Sieb und ließ anschließend kaltes Wasser auf die Pampe plĂ€tschern, in der Hoffnung, die Nudeln wĂŒrden wieder etwas an HĂ€rte dazugewinnen. „Ich muss eine Ewigkeit auf dem kalten Fußboden gelegen sein“, sinnierte er. Es war lange her, als er das letzte Mal seine Spaghetti verkochen ließ.

Nachdem er seine selbstgemachte Tomatensoße, die Spaghetti und den schon fertigen Salat zu seinem romantischen Rendezvous auf den Tisch gestellt hatte, platzierte er behutsam eine Packung Streichhölzer an den Rand der Tischplatte und löschte das Licht. Er saß mit dem Gesicht zum Fenster, durch das, wie von einem ĂŒbergroßen Subwoofer, die schnellen BassschlĂ€ge der Disko zu ihm hindurchdrangen. Dennis holte tief Luft, schloss die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Er hatte Probleme damit, nicht unsicher aufzutreten, obwohl er groß gewachsen war, und so fĂŒhrte er diese Prozedur zur Beruhigung vor jedem Abendessen aus. FĂŒnfzehn Mal tief ein- und ausatmen, die OhrlĂ€ppchen mit Daumen und Zeigefinger massieren, kurz durch die Haare fahren und dann die Augen wieder öffnen. Als er beim dritten Atemzug angekommen war, begann sein aufgeschĂŒrftes Naseninnere zu pochen und er wechselte auf die Atmung mit dem Mund. „So schnell wandeln sich die festgefahrenen Bahnen des Lebens in luftleere Schorflandschaften.“

Vier.
FĂŒnf.
Jetzt meldete sich – zur Abwechslung – das rechte Nasenloch mit einer besorgten Rotzglocke, die im Mission-Impossible-Style seinen Nachbarn ausspĂ€hte.
Sieben.
Acht.
Durch das Fenster war zu hören, dass sich der Höhepunkt der Musik anbahnte. Dennis tanzten torkelnde Gestalten vor den Augen.
Neun.
Zehn.
„Ich kann mich nie wieder vor die HaustĂŒr wagen
 nicht mit dieser Koksnase.“
Elf.
Zwölf.
Die Musik war ĂŒberall. Sie kroch in seine Ohren, fraß sich durch das Trommelfell in sein Gehirn. Sie zerhackte den letzten Rest seiner Synapsen und bohrte sich durch seine SchĂ€deldecke, nur um sich durch das pochende Nasenloch wie Sandpapier wieder in seinen Kopf zu schmirgeln.
Dreizehn.
Sein Atem zitterte. Die Hand zuckte. In China fiel ein Sack Reis zu Boden.
Vierzehn.

Dennis stand auf – der Stuhl krachte zu Boden. Wildgeworden packte der nun keuchende Berserker den Topf mit den Nudeln und schleuderte den Inhalt Richtung SpĂŒlbecken. Die Pampe bedeckte die gesamkte KĂŒchenzeile. WĂ€hrend einzelne Spaghetti-Schleimklumpen an der Milchglasscheibe eines Vorratsschrankes hinunterglitten, dachte Dennis gar nicht mehr daran, seinen fĂŒnfzehnten Atemzug zu beenden und sich die OhrlĂ€ppchen zu kraulen. Er stampfte zur KĂŒchenzeile, in Richtung des Schlachtfeldes. Anstatt ein Tuch in die Hand zu nehmen, klatschte er mit der flachen Hand mit voller Wucht gegen einen besonders dicken Spaghettibrocken. Der Schleim spritzte von seiner Hand, als er die andere streckte, um eine Flasche Vodka vom Schrank zu holen. Mit einem Knall rammte er die Flasche auf den Tisch, daneben ein Schnapsglas. Er riss den Schraubverschluss förmlich vom Flaschenhals und schenkte ein. Und trank. Und schenkte ein. Und trank. Er schĂŒttelte sich. Seine Augen fixierten die Kerze. „Du kleines PissstĂŒck!“ Drei Schlucke direkt aus der Flasche folgten, wohl, um der Kerze Angst zu machen. Dennis packte sie am Hals und drĂŒckte zu. Wenn er es nicht bis fĂŒnfzehn schaffte, wĂŒrde es diese wĂ€chserne Witzfigur auch nicht. Er steckte sich das Objekt seines Leidens in die Hosentasche seiner Jeans und walzte durch die KĂŒche, aus der TĂŒr und die Treppe seiner Wohnung hinunter, bis man die HaustĂŒr zuschlagen hörte.
An der KĂŒchenzeile brannte noch das Licht. Schlieren von Schleim schillerten auf der Scheibe des Schrankes. Misshandelt und verlassen wartete die Wohnung auf ihren Besitzer, der erst in geraumer Zeit wiederkehren wĂŒrde.

--2: "Ne Kerze, SĂŒĂŸer?!"

Weitergehen wĂŒrde die Geschichte damit, dass Dennis nach dem nun folgenden Diskobesuch eine "heruntergekommene " Frau mit Drogenproblemen unfreiwillig kennenlernt und mit ihr einige Abenteuer erlebt, die ihn ĂŒber sein Leben nachdenken lassen.

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