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Leselupe.de > Horror und Psycho
Die letzte Tür rechts
Eingestellt am 22. 10. 2012 11:44


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Heidi Hollmann
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Sep 2008

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Kommentare: 10
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Die letzte Tür rechts


Rudolf hatte die Lehre gerade beendet. Es war für ihn klar: „Hier bleibst du nicht!“

Mit seinem Lehrherrn verstand er sich schon lange nicht mehr. Schutzlos war ich diesem verdammten Kerl, drei volle Jahre lang, ausgeliefert. Wenn ihm was nicht passte, bekam er einen Tritt in den Allerwertesten, dass ihm Hören und Sehen verging.

Morgens um fünf mußten die Öfen angeheizt werden und wehe, die Backbleche waren nicht Tipp-Topp. Der Meister fuhr mit einem blütenweißen Läppchen darüber. Blieb es weiß, war alles in Butter, wurde das Tüchlein jedoch durch das geringste Fleckchen seiner Reinheit beraubt, schrie der Meister so fürchterlich, dass er um sein Hörvermögen bangte.
Sein donnerndes „Verflixt und zugenäht, kannst Du nicht sorgfältiger arbeiten?!“ wird Rudolf bis zu meinem Lebensende in den Ohren hängen bleiben. Apropos Lebensende.

Er ist von Geburt an herzkrank und beinahe hätte sein letztes Stündlein geschlagen, als er tatsächlich die Stelle wechselte. Er bewarb sich in einem Krankenhaus in einer Kleinstadt und wurde zu seiner Freude als frisch gebackener Bäckergeselle ohne weiteres eingestellt. Hier war die Arbeit seiner Meinung nach kalkulierbarer, mit weniger Hetze verbunden und er hoffte, man würde ihn besser behandeln.

So begann er gleich am nächsten Ersten mit seiner neuen Arbeit.
Der etwa fünfzigjährige Meister, ein stattlicher Mann mit sanften braunen Augen, wirkte gütig und väterlich auf ihn. Er schien von ruhiger, ausgeglichener Natur zu sein. Kein lautes Wort kam über seine Lippen. Er gab leise Anweisungen. Das war Rudolf nicht gewohnt. Er schien es gut angetroffen zu haben. Eine leise Freude keimte in ihm auf.
„Unser Mehlvorrat geht zur Neige, fahr doch bitte mit dem Aufzug in den Keller,“ bat er den Neuling. Er drückte ihm einen Schlüssel mit einem langen Bart in die Hand. Ein altmodisches Ding, erstaunlich blank, was Rudolf wunderte. Es wirkte wie neu im Gegensatz zu dem uralten Klinikgebäude.
„Wenn du vom Aufzug aus geradeaus gehst, liegt ein Gang von etwa zwanzig Metern Länge vor dir. Die letzte Tür auf der rechten Seite führt zu unserem Vorratskeller. Dort bewahren wir unser Mehl auf.“
Der Meister betrachtete seinen Gesellen wohlwollend von oben bis unten. „Scheinst kräftig zu sein,“ sagte er anerkennend und dem so Gelobten schwoll vor Stolz die Brust.
„Klar Chef“ und „gern“, sagte er und sah dem Gütigen voll ins Gesicht. Er wusste nicht, ob er sich täuschte. Es war ihm, als zwinkere der Mann mit einem Auge den beiden anderen Gesellen zu.
Er maß dem aber keine allzu große Bedeutung zu, klopfte sich das Mehl aus der Jacke und begab sich zu dem Lastenaufzug. Die Pause tat ihm gut und auch die Kühle im Flur. Wo gebacken wird ist es logischerweise immer recht warm.
Der Aufzug kam. Zwei Etagen fuhr das Ding erst mit ihm nach oben, dann ging es in Windeseile in den Keller. Seine Augen mussten sich erst an die Funzeln gewöhnen, die den Gang notdürftig beleuchteten.
Der Schlüssel verhedderte sich im Futter seiner karierten Bäckerhose. Er zerrte daran, wurde nervös. Keller verursachten ihm schon immer Unbehagen. Wie oft war er zu Hause dort eingesperrt worden.
„Reine Erziehungsmaßnahme,“ sagte sein Vater immer. Er wurde „erzogen“, weil er gewisse Speisen einfach nicht runter kriegte, bisweilen schlechte Schulnoten mit nach Hause brachte, oder sich mit anderen Jungen geprügelt hatte, wobei man ihm permanent die Schuld gab.
„Bist ein unverträglicher Geselle,“ hörte er seinen Vater noch heute sagen. Wie froh war der Mensch, als er ihn als Bäckerlehrling mit Kost und Logis untergebracht hatte. Sein Betteln:
„Lasst mich bitte bei euch bleiben,“ half nichts. Widerstand hatte keinen Zweck. Er musste mich fügen. Vater bestimmte: „Basta!“ und Mutter gab nach. So war das immer bei ihnen. Auf Unterstützung konnte er von keiner Seite rechnen.
Aber vor kurzem hatte er sein Leben selbst in die Hand genommen. Er mietete ein kleines möbliertes Zimmer mit Radio und Fernsehen. Ganz für sich allein. Drei Jahre lang hatte er einen winzigen Raum mit zwei Lehrlingen teilen müssen. Jetzt machte das Nachhausekommen wieder Spaß. Wenn es nur schon so weit wäre.
Er schaute im Halbdunkel des Kellerflures auf seine Armbanduhr. Erst zehn. Seit vier Uhr stand er auf den Beinen. Um zwölf war Feierabend. Nur noch zwei Stündchen. Die Vorfreude erhellte für einen Augenblick lang sein Gemüt.
Es roch muffig in dem Gang. Er riss noch einmal an dem Schlüssel und zerfetzte dabei das Futter der Hosentasche. Egal.
Ihm wurde beim Durchschreiten des dumpfen Gewölbes immer mulmiger. Er erreichte die letzte Tür auf der rechten Seite. Ihm fiel eine Filmszene ein, in der ein Mann von einem Verrückten im Halbdunkel eines Kellergewölbes, diesem nicht unähnlich, niedergestochen worden war. Sein Puls fing an zu jagen. Ihm wurde schwindelig, sein Darm blähte sich auf.
Er schob den Schlüssel ins Schloss. Warum ging das verdammte Ding nicht auf. Ihm ging die Luft aus. Ein diffuses Gefühl, als beobachte ihn jemand, machte ihm zu schaffen. Sein Mund wurde trocken. Er wagte nicht, sich umzudrehen, tat es dann doch, erschrak zutiefst.
„Jetzt bibberst du schon vor deinem eigenen Schatten!“ dachte er.
Sein Herzschlag verlangsamte sich gefährlich. „Bong, bong, bong“ vernahm er durch das Rauschen in seinen Ohren. Endlich, wie geschmiert, drehte sich der Schlüssel im Schloss. In dem dunklen Raum, suchte er nach einem Schalter. Das aufflackernde Licht blendete ihn. Schemenhaft sah er etwas Weißes vor sich und griff zu. Grob, wie ein Sack fühlte sich der Stoff nicht an, eher wie ein Bettlaken. Mit dem Öffnen der Tür war schon so viel Zeit vertan. Mit einem Ruck warf der sich den Mehlsack über die Schulter. Er war knochenhart wie ein prall gefüllter Sack Zement. Er fing an zu rutschen. Mit der Linken hielt er den Zipfel und mit seiner Rechten griff er zu, um ein Hinabrutschen zu verhindern. Beim Zupacken erschrak er fast zu Tode.
Das, was er umklammert hielt, war ein menschlicher Arm! Eiskalt und brettartig fühlte er sich an. Wie ein Blitz kam ihm die Erkenntnis:
„Du bist im Leichenkeller!“
Er warf den „Sack“ im hohen Bogen auf die Stellage zurück. Links und rechts standen Bahren, auf denen eingehüllte Körper lagen.
Er erschauerte, fühlte, wie seine Beine ihm den Dienst versagten. Er konnte keinen einzigen Schritt mehr tun, weder vorwärts noch rückwärts. Der Boden unter ihm schien sich wellenartig auf und ab zu bewegen. Noch niemals in seinem achtzehnjährigen Leben war er einem Toten begegnet. Ein erneuter Schwindel überfiel ihn heftig. Ihm schlotterten die Knie.
„Nur raus hier!“ Kalter Schweiß trat auf seine Stirn. Das Blut gefror in seinen Adern. Dennoch war ihm heiß. „Nur nicht tot umfallen, nicht in dieser Umgebung,“ war sein einziger Gedanke. Er gab seinen Beinen den Befehl, zu laufen. Irgendwie befand er sich wieder auf dem Gang.
„Lieber Gott, lass den Aufzug noch da sein,“ betete er und hetzte auf das kleine Lämpchen am Ende des nicht enden wollenden Ganges zu.
Mit allerletzter Kraft stieg er ein, schlug die Tür mit Karacho zu. Er begann zu zittern, traktierte den Aufzugknopf, schrie: „Nun mach schon!“ Ihm wurde schwarz vor Augen.
„Nur nicht ohnmächtig werden!“ Er kauerte sich auf den Boden, hielt den Kopf nach unten gebeugt. Seine Sehkraft kam langsam wieder. Mit einem Ruck setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung.
In der Backstube empfing ihn schallendes Gelächter. „Na, wo bleibt das Mehl?“, fragte dieser gemeine Kerl, den er so falsch eingeschätzt hatte.
Er schaute ihn nur verächtlich an. Danach packte er seine Siebensachen zusammen und begab sich stehenden Fußes zum Lohnbüro, wo er seine Papiere in Empfang nahm.

__________________
H.H.

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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2003

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Hi!


Also ich kann mich den Worten meines "Vorschreibers" nicht gänzlich anschließen. Freilich kann man mit dieser (deiner) Idee noch einiges mehr anstellen, denke ich - aber so schlecht ist dieser Text nun auch wieder nicht. Du hattest, wie gesagt, eine gute Idee und dein Schreibstil ist auch relativ okay. Brauchst nur noch ein bißchen mehr Pfeffer! Dann wirds schon...


LG
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jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

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andreasS
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Jul 2013

Werke: 2
Kommentare: 4
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Ja, es ist zu durchsichtig. Man erkennt zu früh wo es drauf hinaus läuft.

Du schreibst "liegt ein Gang von etwa zwanzig Metern Länge vor dir", ich würde die zwanzig Meter weg lassen. Einfach nur "liegt ein langer Gang vor dir". Ich persönlich mag so "technische" Angaben nicht, ist aber nur meine Meinung.

Gruß Andreas

__________________
K & A

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Norbert Söhl
Hobbydichter
Registriert: Oct 2015

Werke: 11
Kommentare: 80
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Also mir machen die kurzen Sätze etwas zu schaffen. Irgendwie wirkt das abgehackt auf mich, fast wie ein Telegramm. Die Idee finde ich amüsant, komme aber nicht dahinter, warum sich dort eine Leichenhalle befindet. Auch müsste unser Freund halbblind sein, um einen Mehlsack nicht von einem Leichensack unterscheiden zu können und auf grelles Licht führe ich das nicht zurück. Ich finde die Geschichte okay, meine aber, das da mehr drin ist.
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NS

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