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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Die sagenhafte deutsche Hilfsbereitschaft!
Eingestellt am 19. 09. 2016 17:47


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Reinhard Dowe
Hobbydichter
Registriert: Oct 2000

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Das muss ich euch allen erzählen! Mit so etwas darf man nicht hinterm Berg halten!
Leider hatte das günstige Carsharing-Unternehmen die Insolvenz anmelden müssen. Deshalb entschloss ich mich jetzt, einen Gebrauchtwagen zu erstehen. Ich hatte Glück und fand einen älteren Nissan Primera, gut erhalten mit unter 47.000 km auf dem Tacho. Offensichtlich wohl ein Garagenfahrzeug, das die Winter in der Garage verbracht hatte. Auffallend gut im Lack und ich bin erst der dritte Besitzer. Donnerstag Abend gekauft, freitags zugelassen und am Samstag fuhr ich zum Einkaufen. Alles verlief bestens und erfreute mich der neuen Situation.
Nun war es Dienstag. Ach, dachte ich, fahr doch schnell mal zur Postbank und hole dir etwas Bargeld, ist doch nur 2 km entfernt. Ich steige in den Wagen und lasse mein Handy daheim, ist ja nur …...
Nach 1,5 km, kurz vor einer Ampel, gibt’s ein knallartiges Geräusch und der Wagen ruckelt erbärmlich. Ich biege noch rechts ab und fahre den nächsten Parkplatz an. Sofort schalte ich den Motor aus. Natürlich fehlt jetzt in dem Wagen die Parkscheibe. Ich verriegle den Wagen, gehe zur Post das Geld holen und kehre zurück zum Fahrzeug. Ach je, der Reifen vorne rechts war platt. Es ist Jahrzehnte her, dass ich eine Reifenpanne hatte, als noch kein Auto über eine Servolenkung verfügte. Ich hatte alles vermutet, nur nicht einen platten Reifen vorne rechts; denn der Wagen ließ sich wegen der Servolenkung völlig unbeirrt geradeaus weiterfahren.
Jetzt brauchte ich Hilfe; denn mit meiner Atemnot wird mir jede Anstrengung zu viel. Ich ging die Straße etwas zurück zu der auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindlichen Tankstelle. Diese war mit zwei Frauen besetzt – Hilfe war dort nicht zu erwarten. Ich verließ die Tankstelle und ging zum Straßenrand und sah dort jemand auf sein parkendes Auto zugehen. Ein etwas jüngerer Herr als ich schloss gerade sein Auto auf und ich fragte ihn, ob er mir helfen könne, jemand zu finden, der mir den rechten vorderen Reifen auswechseln könne. Etwas überrascht – vielleicht auch überrumpelt – schaute er mich an, überlegte einen Moment, schloss sein Fahrzeug wieder ab und fragte: „Wo steht das Fahrzeug?“ „Dort drüben auf der anderen Seite, der rote Nissan.“, sagte ich. Dann schloss der Herr die hintere Wagentür auf, nahm den hydraulischen Wagenheber und den Drehmomentschlüssel heraus und meinte: „Dann sehen wir uns das mal an.“ Wir gingen zu meinem Fahrzeug.
Dort angekommen, versuchte er seinen hydraulischen Wagenheber unter meinen Wagen zu schieben, aber das Auto lag zu tief. Dann versuchte er es mit meinem Wagenheber, doch leider vermisste ich jetzt das Kurbelgestänge. „Warten Sie einen Moment, ich hole meinen anderen Wagenheber von Zuhause. Bin in fünf Minuten zurück.“, stieg in seinen Wagen und fuhr los. Nach weniger als zehn Minuten war er zurück, schob den fahrbaren Hydraulikheber unter mein Fahrzeug und pumpte es hoch. Dann hielt er an und löste die Radmuttern, pumpte dann weiter und nahm den Plattfuß von der Achse. Nun holte er den Ersatzreifen aus dem Kofferraum, setzte ihn auf die Achse und schraubte die Radmuttern handfest. Dann senkte er den Wagenheber und siehe, dem Reifen fehlte die Luft. So kam dann eines zum anderen.
Er hob den Wagen wieder an, löste die Schrauben, nahm den Reifen von der Achse. „Moment, ich gehe zur Tankstelle und blase ihn auf.“, und schon überquerte er die Straße. Doch an der Tankstelle angekommen, sah ich, wie er sofort wieder umkehrte. Ach, dachte ich: „Das ging aber flott!“ Aber er kam nicht zu mir, sondern ging auf seinen Wagen zu und rief: „Am Pressluftschlauch fehlte der Ventilaufsatz. Ich fahre mal schnell zu der anderen Tankstelle hier weiter oben.“ Und schon fuhr er los.
Nach etwa zehn Minuten war er zurück, setzte das Rad an, drehte die Radmuttern an, ließ meinen Wagen herunter, zog die Schrauben fest, packte den platten Reifen, den Wagenheber und alles andere in meinen Kofferraum …. dann nahm er seinen fahrbaren Hydraulikheber, wünschte mir gute Fahrt und strebte strahlend lächelnd seinem Wagen zu. Ich rief ihm zu: „Was bin ich Ihnen schuldig?“ Er drehte sich um, winkte mit der freien Hand und rief: „Gar nichts! Ist schon gut! Gute Fahrt!“ Ich hatte ihn jetzt eingeholt und meinte: „So geht das nicht. Zumindest diesen Zwanzig-Euroschein müssen Sie annehmen.“ Ich sagte noch meinen Namen und meine Telefonnummer 7 und viermal die 2 – also 72222, die ja so leicht zu behalten ist. Mir schien es, als ob ich mit dem Geld sein Lächeln ein wenig eingetrübt hatte.
Dieses strahlende Gesicht, jemandem geholfen und eine gute Tat vollbracht zu haben, vergesse ich nicht – hoffentlich begegne ich ihm bald wieder.
Wenn ich jetzt zurückblicke in mein Leben, dann fällt mir auf, dass auch ich mich selbst schon oft so verhalten habe und dass dieses Verhalten früher weit verbreitet war. Vielleicht sollten wir uns heute wieder mehr darauf besinnen, dass anderen zu helfen, Freude bereitet. Ich denke, wir sollten wieder mehr unserem eigenen, natürlichen, humanen Bedürfnis mutig folgen.
Wer lächelt, gewinnt Freunde und Freundinnen und erschwert es anderen Personen, gram zu sein. Nicht nur auf Facebook haben wir Freundinnen und Freunde; sie gibt es auch auf der Straße, wie es mir soeben aufs das aller nachdrücklichste bewiesen wurde.
Ich werde jetzt alles daransetzen herauszufinden, wer dieser Herr war; denn ich möchte ihn für sein vorbildhaftes, selbstloses Handeln stellvertretend geehrt wissen für die vielen, vielen anderen, die alle so unbeirrt gleiches tun. Wir leben in einem so herrlichen Land mit in Wirklichkeit so netten Menschen und wissen es nicht, begreifen es nicht!
__________________
Reinhard Dowe

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Wipfel
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Servus Reinhard, ohne Frage, erzählen kannst du. Und dennoch musste ich unweigerlich an die hiesige Stadtzeitung und ihre Leserzuschriften denken - da könnte deine Geschichte auch stehen. Überflüssig ist der Zeigefinger mit dem du nochmals und nochmals versuchst klar zu machen, um was es dir geht. (die meisten) Leser sind mündig und brauchen solche Fingerzeige nicht.

GrĂĽĂźe von wipfel

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Reinhard Dowe
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Zeigefinger?

Hallo Wipfel, bei mir sind alle Leserinnen und Leser mündig – nicht nur die meisten. So möchte ich auch, dass sie sich alle von mir behandelt fühlen. Ich berichte doch nur von meinem Erlebten und von dem Wunsch, diesem Herrn erneut zu begegnen.
Wo siehst du denn dort einen Zeigefinger?
__________________
Reinhard Dowe

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DocSchneider
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Hallo Reinhard Dowe,

der Absatz


quote:
Dieses strahlende Gesicht, jemandem geholfen und eine gute Tat vollbracht zu haben, vergesse ich nicht – hoffentlich begegne ich ihm bald wieder.
Wenn ich jetzt zurückblicke in mein Leben, dann fällt mir auf, dass auch ich mich selbst schon oft so verhalten habe und dass dieses Verhalten früher weit verbreitet war. Vielleicht sollten wir uns heute wieder mehr darauf besinnen, dass anderen zu helfen, Freude bereitet. Ich denke, wir sollten wieder mehr unserem eigenen, natürlichen, humanen Bedürfnis mutig folgen.
Wer lächelt, gewinnt Freunde und Freundinnen und erschwert es anderen Personen, gram zu sein. Nicht nur auf Facebook haben wir Freundinnen und Freunde; sie gibt es auch auf der Straße, wie es mir soeben aufs das aller nachdrücklichste bewiesen wurde.
Ich werde jetzt alles daransetzen herauszufinden, wer dieser Herr war; denn ich möchte ihn für sein vorbildhaftes, selbstloses Handeln stellvertretend geehrt wissen für die vielen, vielen anderen, die alle so unbeirrt gleiches tun. Wir leben in einem so herrlichen Land mit in Wirklichkeit so netten Menschen und wissen es nicht, begreifen es nicht!

ist wirklich überflüssig und schmälert die Geschichte. Mir hätte sie ja wesentlich besser gefallen, wenn dem Protagonisten die beiden Frauen in der Tankstelle geholfen hätte. Das wäre mal eine Widerlegung eines Klischees gewesen.


VG,
DS
__________________
Manchmal denke ich, der Himmel besteht aus ununterbrochenem, niemals ermĂĽdendem Lesen. (Virgina Woolf)

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