Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5661
Themen:   98016
Momentan online:
403 Gäste und 18 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Erzählungen
ESTA eine hündin erzählt
Eingestellt am 09. 05. 2019 16:29


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Lutz LEOPOLD
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Aug 2017

Werke: 13
Kommentare: 11
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Lutz LEOPOLD eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Gekauft
„Esta!“, das gilt mir.
In dem hölzernen Verschlag sind wir sechs Welpen, die unsere Mutter mehrmals täglich flüchtig aufsucht um uns genügend Milch zu geben. Die vier Rüden zappeln ständig vorne an den Latten herum, besonders als immer öfter Leute vorbeikommen um sich einen von uns auszusuchen.
„Esta komm doch vor!“ die Züchterin lockt unbeholfen. Neben ihr steht ein junger Mann mit einer älteren Frau.
„Der Hund ist aber nicht sehr lebhaft“, meint die Frau. „Such dir einen anderen aus.“
„Lass nur ich will ein Weiberl. Lebhaft bin ich selbst.“
„Da haben Sie recht“, bestätigt die Züchterin. „Eine Hündin ist auch anhänglicher. Sie werden zufrieden sein.“
Ich drücke mich noch mehr in die Ecke. Weg von hier? Wohin? Die andere Hündin und zwei Rüden sind schon weg. Von den verbliebenen zwei Brüdern hüpft einer wild verlangend am Zaun hoch und will unbedingt mit den Fremden mit.
„Verdammt, da muss ich eben hineinsteigen und den Welpen herausheben“, knurrt die Züchterin.
Sie kommt zu mir und schnappt mich, hebt mich hoch und reicht mich dem Mann. Der nimmt mich in seine Arme und grinst mir ins Gesicht. „Na, wir werden uns schon verstehen.“
Ich blicke ihm ängstlich und auch neugierig in die Augen und spüre seine Wärme wie ich so an seiner Brust liege. Mir wird wohl. -Ja wir werden uns verstehen-, möchte ich sagen wenn ich es könnte.
Ich werde von meinem Herrl in ein Auto getragen und dort auf den Rücksitz gelegt. Die Frau setzt sich zu mir. „Ich hätte mir einen Rüden genommen. Der eine war besonders süß und lebendig.“
Als ob ich Tod wäre.
Katzen
Ich bin in meinem neuen Heim angekommen. Zaghaft und vorsichtig sehe ich mich um. Es ist alles so weitläufig. In unserem gemütlichen Verschlag, bei der Züchterin, waren wir eng beieinander. Da sehe ich sie zwei schwarze kleine Wesen mit grünen Augen, die mich anstarren. Ich erhebe mich um mir diese zwei näher anzusehen. Langsam und geduckt nähere ich mich. -Werden die davonlaufen?- Der eine zieht sich etwas zurück, der andere aber reckt mir frech seinen Kopf entgegen. Ich beschnuppere ihn und er mich. –riecht eigen, aber ja wenn er mir nichts tut, tu ich ihm auch nichts.-
Wir haben uns aneinander gewöhnt. Der freche heißt Max, so ruft ihn unser Herrl, und der andere Moritz. Max springt einmal hoch auf den Tisch –darf er das?- und schiebt mit seiner Pfote ein Stück Kuchen über die Kante zu mir hinunter. –schlapp- ich schlucke es sofort. Seitdem weiß ich Max ist mein Freund.

Täglich geht mein Herrl mit mir eine Runde über die Felder durch ein Stück Wald. Lange sind wir nur zu zweit. Ich kenne die Strecke und laufe immer ein paar Schritte vor meinem Herrl her. Eines Tages bemerke ich wie hinter meinem Herrl zwei kleine schwarze Fellknäul herlaufen. Max vorne und dahinter Moritz haben sich uns angeschlossen. So bilden wir eine Linie ich vorne der den Weg weist, dazwischen mein Herrl und dahinter zwei Katzen. Was bin ich doch für ein stolzer Rudelführer.

Alleine
Eines Morgens bleibt mein Herrl, nachdem ich wie gewohnt auf den Rücksitz des Autos sprang, nach wenigen Metern beim Nachbartor stehen.
„Heute musst du bei Andrea bleiben. Ich fahre zu einer Konferenz.“ Ein kurzer Griff an mein Halsband und schon bin ich draußen.
Die Tür geht auf und Andrea kommt freudig auf mich zu um mich ins Haus zu nehmen. Ich folge ihr wie in Trance. Wieso darf ich nicht mit? Was soll ich hier? Das Mädchen, das ich sonst sehr gerne habe, da sie viel mit mir an der Leine spazieren geht, ist mir plötzlich zuwider. Obwohl sie mir sofort einen gut und lecker gefüllten Fressnapf hinstellt bin ich unglücklich.
„Komm Esta, heute ist für dich ein Festtag. Du bekommst das Feinste zu essen und wir werden hinaus über die Felder spazieren.“
Ich starre mit betrübten Augen auf den Napf. Begreift dieses Mädchen denn nicht dass ein Tag ohne mein Herrl für mich ein Horrortag ist. Ich lege mich neben den Fressnapf und warte.
„Aber Esta?“, jammert Andrea, „das magst du doch sonst so gerne. Iss doch! Gut lass uns hinausgehen.“
Andrea klickt die Leine an mein Halsband und wir gehen wie schon oft über den Feldweg zum Wald. Lustlos gehe ich neben ihr her.
„Ich lass dich jetzt los. Du läufst mir ja nicht davon.“
Wir gehen weiter ohne dass ich mich auch nur einen Schritt von ihr entferne.
„Eine Runde darfst du doch laufen. Das hast du immer dürfen und gerne gemacht.“ Andrea versteht nicht was mit mir los ist. Schließlich gehen wir wieder nach Hause.
Ich lege mich neben dem Napf hin und döse auf Hundeart. Kommt mein Herrl? Wann kommt er? Ich nähere mich der Verzweiflung. Was für ein elendes Hundeleben ich doch habe.

Da, ich höre seine Schritte. Ich springe auf und warte dass sich die Türe öffnet. Er ist da! Erst springe ich an ihm freudig hoch dann zu Andrea um ihr zu danken und schließlich mache ich mich glücklich und zufrieden über den köstlich gefüllten Fressnapf her.
Ochsenschlepp
Ich höre Flaschenklirren. Aha, da geht es zum Weinbauern. Deshalb springe ich kaum das die Autotür offen auch schon hinein. Dass man mich ja nur nicht vergisst. Dort angekommen hüpfe ich genauso schnell aus dem Wagen in den Hof und begrüße Schwanzwedelnd die Bäuerin.
„Ja Esta, du bist aber dick geworden. Was ist das für ein dicker Hund. Ihr gebt ihm zu viel zu essen.“ Ich kenne das, es ist die übliche Begrüßung. Eigentlich beleidigend, doch ich weiß was nach der Begrüßung kommt.
Mein Herrl wird in das Presshaus eingeladen. Der Weinbauer lädt die leeren Flaschen aus und seine Frau bringt, ich kann’s nicht aufzählen da ich mich dabei zu sehr aufrege, auf den Tisch. Ich warte, endlos, mindestens einige Minuten, da endlich kommt eine Kleinigkeit für mich: Diesmal ein ganzer Ochsenschlepp. Rasch damit unter die Sitzbank dass mein Herrl nicht die Menge sieht und langsam beißen, zerteilen, kauen, schlucken.
Einmal höre ich das Tor, ein weiteres Auto kommt. Mir bleibt das Herz stehen, sollte mein kleiner Imbiss etwa für zwei sein? Wird ein weiterer Hund erwartet? Ach fein, Gott der Hunde sei Dank. Es sind nur Menschen gekommen. Ich kaue weiter. Ich mache mir Sorgen, denn schaffe ich es? Ich würge, ich schlucke, ich schnaufe.
„Wo ist Esta?“, höre ich mein Herrl fragen. Also rasch von unter der Bank nach vor schwanzwedeln, streicheln lassen und wieder zurück um im Verborgenen weiter zu kauen und schlucken.
Als die Gesellschaft am Tisch fertig gegessen hat, die vollen gerade gekauften Weinflaschen im Kofferraum verstaut sind, bin ich ebenfalls fertig geworden. Nur ein paar Knochensplitter sind noch unter der Bank. Ich kann kaum gehen geschweige springen als ich mich schwerfällig auf die Sitzbank des Autos hinaufquäle.
„Gebt dem Hund nicht so viel zu fressen, er ist viel zu dick“, verabschiedet uns die Bäuerin.
Ich bin glücklich. Gibt es was schöneres als zu dick zu sein? Was für ein herrliches Hundeleben ich doch habe.
Kothaufen
Mein Herrl ist viel unterwegs. Er besucht ständig Kunden. Manchmal muss ich im Auto bleiben, meistens darf ich mit zum Kunden hinein und wenn es ein ruhiger Platz ist darf ich neben dem Auto im Freien warten.
Diesmal darf ich auf einer Wiese am Dorfrand warten. Der Kunde lebt im letzten Haus des Ortes. Ich lege mich neben der offenen Wagentür ins Gras und warte. Da sticht mir ein wunderbarer Duft in die Nase. Ich gehe dem nach und finde nicht weit weg hinter einem Busch eine menschliche Hinterlassenschaft. Noch ziemlich frisch erregend und intensiv dampfend.
Damit erfreue ich mein Herrl, ich werde so richtig menschlich riechen. Also hinein und gewälzt. So gehe ich zum Auto zurück und will gerade hineinspringen da höre ich einen Schrei und wie mich mein Herrl am Halsband haltend daran hindert ins Auto zu springen.
„Du Sau, was ist dir da eingefallen!“
Ich bin starr. Wieso bemerkt er nicht wie gut ich rieche? Peng, da fällt die Autotür auch schon vor meiner Nase zu. Ich werde losgelassen.
„Komm, dass muss gewaschen werden.“
Was nun folgt ist entsetzlich. Mit einem Wasserschlauch werde ich abgespritzt. Brr, eiskaltes Wasser auch noch. Noch und noch sprüht mein verärgertes Herrl, dabei bin ich schon nass bis unter die Haut. Endlich ist Schluss.
Nass, jetzt mit nach Seife stinkendem Fell darf ich ins Auto auf die hintere Bank. Ich verstehe mein Herrl nicht, ich habe doch so schön menschlich gerochen. Wir fahren nach Hause.
Als ich aussteige schaue ich mich ängstlich um. -Hoffentlich ist keiner der Nachbarhunde hier und sieht mein Elend.- Ich habe Glück es merkt niemand. Was für eine elendes Hundeleben ich doch führe.
Freilaufen
Wir gehen viel, mein Herrl ist ein fleißiger Spaziergeher. Ich darf meist frei laufen. Das Privileg habe ich mir erworben, denn bis auf ein paar Runden bleibe ich bei Fuß. Sogar als einmal ein Hase unseren Weg kreuzte habe ich ihn nicht einmal ignoriert. Dafür bekam ich auch sofort ein Leckerli. Als wir, mein Herrl und ich, uns noch nicht so gut kannten, bin ich einmal über eine Wiese Runde für Runde im Kreis gelaufen. Wild bellend lief ich immer schneller und weiter.
„Esta komm zurück!“ Ich lief weiter es war ein so schöner Tag.
„Esta komm her!“
„Jap, jap“, ach lass mich doch noch.
„Verdammt, dann hau halt ab. Ich gehe.“ Mein Herrl drehte sich um und ging in die andere Richtung.
Ich stoppte und blieb stehen. –Das kann doch nicht wahr sein- mein Herrl geht und lässt mich zurück? Gott sei Dank bin ich schneller. Nach ein paar seiner Schritte war ich bei ihm und ging knapp neben ihm weiter. Seither lass ich mein Herrl nicht mehr aus den Augen damit er nicht davonläuft. Der verirrt sich doch im Wald und verhungert mir. Ich führe ein verantwortliches Hundeleben.
Schoss
Manchmal besuchte uns eine Frau mit ihrem Dackel. Eine fürchterlich arrogante Hündin. Hält sich für was Besseres kommt aus der Stadt. Kaum kommt das Biest über die Schwelle stürzt sie auch schon zu meinem Napf und schleckt wie verrückt, selbst wenn er schon leer ist. Einmal wollte sie mich besonders ärgern. Als Herrl und Frauerl in bequemen Fauteuil sitzen, springt die Gute ihrem Frauerl auf den Schoss und ringelt sich ein, nicht ohne mich hämisch anzugrinsen. Ich sehe rot. Sonst springe ich nicht auf die Möbel, aber jetzt nichts wie rauf und dann… Erst lege ich meinen Kopf auf Herrls Schoss, dann schiebe ich mich weiter, endlich bin ich mit meinem Körper so halb am Schoss, da rutsche ich bereits mit meinen Vorderpfoten über dem Schenkels runter. Frau Dackel quittiert es mit einem höhnischen Quietscher. Ich strample weiter und schiebe mich mehr zur Brust hinauf. Ja so geht es. Schließlich bin ich mit meinem Kopf oben an Herrls Brust, fast am Kinn angekommen und kann die Hinterpfoten auf seine Schenkel bringen. Zufrieden drehe ich meinen Kopf zur Rivalin und knurre leicht.
„So jetzt reicht es aber. Du bist mir einfach zu schwer.“ Damit war ich wieder am Teppich. Die Dackelin bellte kurz fröhlich auf. Ich bin eben ein armer unglücklicher Hund.
Kühe
Bei einem der Nachbarn werden noch Kühe auf der Weide gehalten. Ich sehe sie hinter der niederen Absperrung wild durcheinander grasen. Es stört mich. Warum weiß ich nicht. Hektisch beginne ich bellend am Wiesenrand auf und ab zu rennen.
„Esta was ist den los?“, schreit mein Herrl.
„Der Hund ist keine Kühe gewohnt. Er weiß nicht was das für Tiere sind“, lacht der Bauer.
Und ob ich weiß was das für Tiere sind. Und ich weiß auch dass ich ihnen Manieren beibringen muss. Ich renne weiter hin und her, hin und her. Endlich begreifen die Rindvicher und kommen nach vor zur Absperrung und stellen sich nebeneinander auf. Mein Werk ist getan.
„Das gibt’s nicht“, staunt der Bauer.
„Komisch, ich habe gehört dass Sennehunde die Kühe zusammentreiben“, wundert sich auch mein Herrl, „aber Esta hat ja keine Ausbildung.“
Als ob ich eine Ausbildung brauche. Warum kennt Herrl nicht meine Qualitäten? Ich bin ein hervorragender Hund.
Bankerl
Ich bin alt geworden. Fast blind, dick und schwerfällig. Auf den Rücksitz springen geht nicht mehr. Anfangs hat mein Herrl mir mit der Hand geholfen und mich beim Hinaufklettern unterstützt. Dann bekam ich ein Bankerl. Das wurde im Auto mitgeführt und wenn ich ein- oder aussteige stellt es mein Herrl vor die Autotür auf die Straße. Tja, ich bin jetzt ein alter Hund.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


1 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Erzählungen Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung