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Leselupe.de > Humor und Satire
Echo!
Eingestellt am 31. 08. 2019 12:03


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steyrer
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„Servus! Ich rufe an, weil unlĂ€ngst ein Landschaftsakustiker bei mir war – nein, nein, Akustiker und nicht Architekt. Ja, ich kenn auch nicht so einen Beruf, aber vielleicht hab ich mich auch verhört – von der Diskussion mit dem hab ich Ohrensausen. Der Name? Ja, der ist was Komisches, auf seiner Visitenkarte sind so viele Doktor- und Ehrentitel abgedruckt, dass Name und Beruf völlig verschĂŒtt gegangen sind 
 der heißt womöglich Kuckuckinger oder 
 wurscht, ich sitz grad beim HNO-Arzt und bevor ich da drankomme, erklĂ€re ich dir alles mal, bevor dieser Mensch dich auch noch heimsucht. Also, der wirkt wie’n durchgedrehter Erfinder oder verrĂŒckter Wissenschaftler. Was? Na, hör mal, du wirst doch solche Typen kennen: zerstörte Frisur, fanatischer Blick, irres Gekicher – richtig auffallend wurde das erst nach meinen konstruktiven VorschlĂ€gen, aber bei dem was heutzutage alles herumlĂ€uft, achte ich nicht immer auf jede Kleinigkeit. Er will jedenfalls die Verbesserung der Landschaft, aber nicht optisch, sondern akustisch, ich sag bloß: Echo!

Seine Kurzfassung lautet: ‚Wie hört sich das denn an bei euch, was sollen sich die kultivierten Menschen auf der ganzen Welt da denken?‘, und die lange Fassung: ‚Eigentlich ist euer Echo ja eine fröhliche, oder höchstens etwas alberne Sache: Man stellt sich irgendwo hin, ruft, jubelt, doziert oder singt, dann schallt völlig verkehrter Unfug zurĂŒck und gut ist’s. Ja, so wĂ€re es, wenn ihr ganz allein auf der Welt wĂ€rt, aber es gibt weltweit ziemlich viele Persönlichkeiten, die aus Prinzip niemals öffentlich Unfug reden: Mahner und Warner beispielsweise, das sind oft mehrfache Ehrendoktoren und -professoren und die meisten stammen auch nicht aus HinterwĂ€ldern und Schluchten, sondern aus hochzivilisierten Nationen. Wilde, unberechenbare Echos, wie eure, wirken auf diese Leute wie akustische Geisterbahnfahrten. Man stelle sich vor, so eine Persönlichkeit wird bei einer Schluchtwaldwanderung etwas lauter und ihr steht dann da als Land, in dem es so behĂ€mmert aus dem Schluchtwald schallt. Deshalb mĂŒsst ihr das Echo Ă€ndern, außer freilich, ihr wollt weltweit als Menschenfresser dastehen. Das nötige Roden der WĂ€lder und AusfrĂ€sen der Schluchten wĂ€re zwar teuer, aber machbar, wenn diese verfluchten NaturschĂŒtzer nicht so kleinkariert auf ihren natĂŒrlich-romantischen Urzustand bestĂŒnden und mit den DenkmalschĂŒtzern sieht es auch dĂŒster aus, denn die uralten GemĂ€uer von vor Columbus verursachen von innen und außen oft einen ziemlich mittelalterlichen Nachhall. Gerade dieses alte Zeug bekommt man leider kaum weggerissen. Es braucht endlich ein Bewusstsein, dass opportune Akustik stets die gesamte Umwelt umfasst und nicht nur ein paar Kirchenschiffe, Studios oder KonzertsĂ€le.‘ Tja, soweit der Experte.

Jetzt kommen meine konstruktiven VorschlĂ€ge: NatĂŒrlich mĂŒssen wir auf höfliche Echos achten, alleine schon wegen der ganzen reichen Investoren – es sind nicht immer nur die Mahner und die Warner. Allerdings können wir nicht mal sagen, was die in ein paar Jahren hören möchten und was nicht. Es ist möglich das Problem flexibler und vor allem kostengĂŒnstiger anzugehen, indem wir die paar nun wirklich wichtigen Persönlichkeiten bei der Einreise abfangen und in schalldichten Fahrzeugen zu Orten mit fix installierten Echo-Anlagen verbringen. In komplexen FĂ€llen echoten spezielle Echo-FachkrĂ€fte. Alte GemĂ€uer werden bei sehr hohem Besuch außen und innen mit Stoffbahnen verhĂŒllt, die den mittelalterlichen Nachhall abdĂ€mpfen; der Anblick von so was lĂ€sst sich dann sogar als Kunstwerk vermarkten. An die Touristen vergeben wir Headsets und zusammen mit einer Handy-App werden dann aus RĂŒlpsern und FlĂŒchen Oh-Yeahs und Tiroler Jodler.

Mensch, gab das ein Donnerwetter: Ich solle endlich begreifen, dass er keine SymptombekĂ€mpfung plane, sondern die kulturelle und zivilisatorische Höherentwicklung des Landes und dabei keinerlei Verunglimpfungen dulde. Mir sei trotzdem gedankt, denn er wisse nun, dass er auch die dĂŒmmlichen Eingeborenen mitzubehandeln habe. Er sagte tatsĂ€chlich ‚Eingeborene‘ und nicht ‚Einheimische‘, aber das passt ja besser zu den Schluchten und den Menschenfressern. Ich frage mich, woher er selber abstammen will, obwohl: Bekloppte sehen ĂŒberall gleich aus. Warum ich so laut werde? Ich hör mich selber kaum vor lauter Ohrensausen! Moment, da kommt die Arzthelferin. Wie? Telefonieren ist hier strengstens verboten? Ja, sagen Sie mir das doch bitteschön vorher. Tut mir leid, ich muss jetzt wirklich auflegen, aber denk dran: wenn dieser Typ bei dir auftaucht, dann lieber nicht zuhören, sondern sofort rausschmeißen und zwar hochkant. Servus!“

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