Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂĽssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5510
Themen:   94062
Momentan online:
77 Gäste und 4 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Ein Ruck und einige Schreie
Eingestellt am 12. 06. 2017 18:48


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

Werke: 10
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um JcPosch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ein Ruck und einige Schreie. Wie benebelt erhasche ich nur Bruchteile der lauten Kulisse. Einer Atmosphäre, die ich zunächst weder wahrnehmen, noch einschätzen kann. Bis ich letztendlich ein Auge leicht öffne und der Schlaf an dessen Rand gespült wird. Eine Graue Atmosphäre, mit etwas gelb hier und da, würde ich sagen, aber ich warte lieber noch ein wenig, bevor ich mir eine vorschnelle Meinung bilde. Beim Öffnen des zweiten Auges wird die Sicht etwas besser und irgendwann bin ich dazu in der Lage, Umrisse dieser mit Sitzen geschmückten Landschaft zu erkennen. Nun gut, sie sind viel mehr Zweck als bloßer Schmuck, aber wen interessiert das schon? Graue, als zwölfter Buchstabe des Alphabets – leider in Schreibschrift – geformte Plastikstühle mit urhässlichen Überzügen finde ich in Reih und Glied vor mir. Fenster gibt es auch. Könnte ein Bus sein, denke ich.
Im Zuge der Ermattung empfinde ich plötzlich ein schweres Gefühl, weshalb ich die Arme und Beine von meinem Körper strecke und zum Glück scheint es zu funktionieren. Nun, als das Gebärden eines Mannes vor mir meine Aufmerksam auf sich zieht, scheinen sich auch langsam meine anderen Sinne wieder einzuschalten. Als ob ich bis jetzt nur einen zur selben Zeit benutzen könnte. Schließlich packt er mich; schreit mich an, während das Toben hinter mir ein völlig neues Ausmaß annimmt.
»Verdammt, gib mir ’ne Minute«, sage ich, »ich bin gerade erst aufgewacht.«
Dann drehe ich mich langsam um und erblicke eine Traube aus Menschen, die sich im vorderen Teil des Busses versammelt hat. Ohne mich auf dieses Szenario einstellen zu können – zu verstehen, was hier vor sich geht, nimmt mich der Mann am Kragen meines Leinenhemdes und zieht mich von meinem Sitz. Ich will noch irgendetwas sagen, aber mehr als ein wirrer Ton unkenntlicher Laute kommen nicht heraus. Dann stehe ich. Im Gang. Und werde zu all den anderen Menschen gedrückt, aber warum weiß ich auch nicht recht. Meine Hose rutscht ein Stück herunter und ich versuche sie zu halten, aber die Intervalle des Drückers hinter mir sind unregelmäßig und immer, wenn ich den Stoff am Bund greifen will, werde ich ein Stück nach vorne gedrückt.
»Hey«, sage ich dann, »die Tasche!«
Und hinter mir sagt jemand: »Geh weiter, jetzt!«
»Nein, hör mir doch zu. Ich brauche meine Tasche.«
Aber er drückt mich einfach weiter nach vorn, bis ich schließlich am Rand der Menge ankomme, bestehend aus vielleicht zwanzig Menschen – oder fünfzig, ich weiß nicht, ich bin unglaublich schwer im Schätzen – und zum Stillstand gezwungen werde.
»Was ist’n hier los?«, aber keiner hört mich zu.
»Sind das jetzt alle?«, brüllt jemand mit einem unangenehm brutalen Unterton vom Anfang des Wagens.
Irgendjemand bejaht.
»Nun gut. Wie Sie sich sicher denken können, wird dieser Bus gerade entführt. Aber bevor Sie jetzt alle hysterisch herumschreien und die ganze Sache hier unnötig in die Länge ziehen, lassen Sie mich Ihnen sagen: Sie sind jetzt schon alle tot. Finden Sie sich damit ab und lassen Sie mich meinen Job machen. Es ist Ihre eigene Schuld, genau diesen Bus betreten zu haben«, das hysterische Geschrei folgte bereits auf das Wort »tot«, aber ich wollte nicht so unhöflich sein und seine Rede unterbrechen. »Und falls Sie es noch nicht mitbekommen haben, ich entführe dieses Fahrzeug natürlich nicht unbewaffnet«, verkündet er, aber ich kann ihn nicht sehen, weshalb mir nichts anderes übrig bleibt, als ihm das erst einmal zu glauben, »Jeder, der versucht mich daran zu hindern, wird sofort erschossen. Haben das alle verstanden?«
Ich hätte vermutlich geantwortet, wenn nicht jeder Angehörige der Traube um sein Leben schreien würde und er es deshalb sowieso nicht verstünde. Also drehe ich mich um und gehe zurück zum anderen Ende des Busses, in dem ich gesessen hatte, stolpere über meine Hose und falle vorne über. Lande ziemlich hart auf dem Plastikboden. Ziehe mir langsam meine Hose wieder hoch und versuche aufzustehen, bis es ganz still wird und als ich aufgestanden bin, erklingt dieses »Hey!« in dem bekannt brutalen … Ton? Wie hatte ich das eben noch genannt? Nicht so wichtig.
»Hast du nicht verstanden, was ich dir gerade noch gesagt habe?«
Die Traube ist nun gespalten, sodass sich eine kleine Gasse geöffnet hat, die mir einen Blick auf den Mann gewährt, den ich mit dieser Stimme verbinde. Viel mehr scheint er sie jedoch geöffnet zu haben, um eben mich sehen zu können.
»Doch doch«, antworte ich, «das mit der Entführung und so. Schon klar.«
»Nein, was habe ich davor gesagt?«
Er ist ganz dunkel gekleidet, trägt einen weiten Pullover und hat die Kapuze auf. Eine Brille versteckt sein bleiches Gesicht und dessen Augen und die rechte Hand ist in seiner Tasche verschwunden, die zusammen mit einem länglichen Gegenstand, der wohl darin versteckt ist, in meine Richtung zeigt.
»Ich, ähm –«
»Ich habe gesagt, dass alle sich im vorderen Teil des Busses aufzuhalten haben und keiner auf dumme Gedanken kommt.«
»Oh, okay da – also da muss ich noch geschlafen haben. Aber dann weiß ich’s ja jetzt.«
»Dann mach, dass du verdammt noch mal deinen Arsch wieder nach vorne bewegst.«
»Also, das klingt für dich jetzt vielleicht nach ’ner blöden Idee, aber ich möchte wirklich nur meine Tasche holen, weil da –«
»Mach, dass du dich wieder nach vorne bewegst!«, unterbricht er mich, was meines Erachtens nach irgendwie unhöflich ist.
Mein Blick fällt noch einmal genau auf seine Tasche, bevor ich sage: »Ach, komm schon. Da ist doch bestimmt – na, du weißt schon, nur ein Stock drin oder ’ne Banane oder vielleicht ist es auch nur deine Hand. Also der Trick mit der Pistole in der Pullovertasche, weißt du der ist«, alle sehen mich an und mir wird unwohl, »also der ist –«
»Verarschst du mich gerade?«
»Puh, so würde ich das jetzt nicht sagen –«
Dann läuft er auf mich zu, durch die Gasse der von Menschen gebildeten Traube und zieht diese riesige Pistole aus seiner Tasche, bis er etwa einen Meter vor mir zum Stehen kommt und mir das Ding ins Gesicht hält.
»Sieht das so aus, als würde ich euch verarschen?«, brüllt er jetzt noch lauter und ich zucke ein wenig zusammen. Vor allem, weil ich gerade erst aufgewacht bin und ich laute Geräusche dann ohnehin nicht gut abkann. Zudem kommt mir dieser laute Knall von vorhin wieder ins Gedächtnis und das Loch in der Decke, die ja irgendwie auch nicht aus dem Nichts erschienen sind. Oder erklangen. Oder so.
»Wenn du noch einmal so aus der Reihe tanzt, bist du der erste, der heute draufgeht!«
»Ich weiß nicht, das wäre gerade ein echt ungünstiger Zeitpunkt, weil ich gerade auf dem Weg zu –«
»Ach, verdammt. Was soll’s«, sagt er noch, während irgendein Mann die Traube verlässt. Langsam kommt er uns immer näher, bis er schließlich dicht hinter dem Kapuzen-Brillen-Träger steht und kurz bevor mich das Aufblitzen der Schusswaffe erblinden lässt, erhasche ich noch die mit einem Notschlaghammer bewaffnete Hand des unbekannten Traubenanhängers, die wie ein Geschoss die Schläfe des vermummten Mannes mit der unsympathischen Stimme trifft. Nun sehe zwar nichts mehr und irgendwie geht auch alles relativ schnell, aber ich vermute, dass sich die Kugel durch mein Hirn bohrt und werde von der Wucht des Aufpralls zu Boden geworfen. Es stimmt, was man sagt; erst wird es kalt. Dann kommt ein Licht. Aber sobald man das Licht erreicht hat, wird es ganz, ganz dunkel und die Dunkelheit zieht sich durch den ganzen Körper bis sie schließlich alles eingenommen hat und dann ist es vorbei. Das war’s. Und ich bin tot. Schöne Scheiße.

Version vom 12. 06. 2017 18:48

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


FrankK
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Nov 2006

Werke: 22
Kommentare: 2573
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um FrankK eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Nun ja - so richtig gefallen, werter JcPosch, haben mir nur die letzten drei Sätze.

quote:
Das war’s. Und ich bin tot. Schöne Scheiße.
Alles andere wirkt etwas zu ausgewalzt, wie ein Pizza-Teig wird der Boden - und damit im Text die Spannung - zu dĂĽnn.

Der erste Abschnitt bis
quote:
»Hey«, sage ich dann, »die Tasche!«
könnte um einiges entrümpelt werden. Klar, Du möchtest die verwirrten Gedanken ds Ich-Prot nach dem aufwachen deutlich darstellen. Aber selbst für diese Situation ist das mit den
quote:
Graue, als zwölfter Buchstabe des Alphabets – leider in Schreibschrift – geformte Plastikstühle mit urhässlichen Überzügen finde ich in Reih und Glied vor mir.
deutlich zu kompliziert.

MerkwĂĽrdig wird es hier:
quote:
Eine Brille versteckt sein bleiches Gesicht und dessen Augen und die rechte Hand ist in seiner Tasche verschwunden, die zusammen mit einem länglichen Gegenstand, der wohl darin versteckt ist, in meine Richtung zeigt.
Warum sollte er die Waffe noch verstecken, wenn er doch gerade ein Loch in die Decke geschossen hatte? Klar, dient dem sprachlichen Schlagabtausch mit dem Ich-Prot, erscheint dadurch aber doch zu konstruiert. An der Stelle wĂĽrde ich vorschlagen, den SchuĂź in die Decke erst nach dem Schlagabtausch vorzunehmen.

Bei den Auslassungszeichen solltest Du dich mit Dir slbst auf einen Stil einigen ... entweder ein Strich oder drei Punkte. Ich wĂĽrde letzteres bevorzugen.


Aufmunternde GrĂĽĂźe
Frank
__________________
Leben und leben lassen.

Bearbeiten/Löschen    


Choricillo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2017

Werke: 1
Kommentare: 75
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Choricillo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

quote:
Eine Graue Kulisse, mit etwas gelb hier und da, wĂĽrde ich sagen

Etwas eklig, find's dennoch lustig.

quote:
Graue, als zwölfter Buchstabe des Alphabets – leider in Schreibschrift – geformte Plastikstühle

Hier muss ich kurz nachdenken... und komme zu dem Ergebnis, dass es nicht der MĂĽhe wert(Wert?) war. Warum willst du es dem Leser bei etwas eher Unbedeutsamen schwer machen? Du hast ja bereits gesagt, dass es StĂĽhle (oder eher Sitze?) sind.

quote:
(...)scheinen sich auch langsam meine anderen Sinne wieder einzuschalten(...)

Da fehlte was!

quote:
(...) nimmt mich der Mann am Kragen meines Leinenhemdes(...)

In der Situation, aus Sicht des Erzählers, zuviel Information. Ich glaube, der hat andere Dinge im Kopf als der Stoff seines Hemdes.

Und ich finds nicht mehr, aber: Stillstand wird groĂź geschrieben

Dann gibts noch einige Dinge, die Frank bereits erwähnt hat.

Und das Fazit: Was hatte der Erzähler denn in seiner Tasche? Und wohin war er unterwegs?

Die Grundidee der Handlung gefällt mir, auch die etwas vertrottelt-lustige Art, in der die Hauptfigur erzählt. Allerdings stellenweise etwas übertrieben ausgeschmückt. Manchmal liegt eben in der Kürze auch die Würze.

Saludos
Choricillo Balmaceda















__________________
It always seems impossible until it's done (Nelson Mandela)

Bearbeiten/Löschen    


Choricillo
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2017

Werke: 1
Kommentare: 75
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Choricillo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Nachtrag

Leider kann ich meinen Beitag nicht mehr bearbeiten.

Mich würde aber ausser dem, was der Erzähler in der Tasche hat und wohin er unterwegs ist auch noch interessieren, warum ihm ständig die Hose herunterrutscht ,)


__________________
It always seems impossible until it's done (Nelson Mandela)

Bearbeiten/Löschen    


Vagant
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 25
Kommentare: 415
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vagant eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Jungs, dies ist doch hier alles recht vergeblich.
Dieser User ist nun schon seit 18 Monaten ein Teil dieser Gemeinde, und er hat auf einige seiner Veröffentlichungen ein paar Kritiken bekommen - durchaus brauchbar - aber es seit dem nicht für nötig gehalten, auch nur auf eine dieser Kritiken zu antworten (Kommentare: Null). Selbst Lob bringt den nicht aus der Ruhe.

Bearbeiten/Löschen    


JcPosch
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Jan 2016

Werke: 10
Kommentare: 2
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um JcPosch eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Moin zusammen,

ich verstehe zwar nicht ganz, warum es nicht im Sinne des Erfinders sein kann, wie ich mit Kommentaren umgehe, aber anscheinend juckt es hier einigen in den Fingern, also melde ich mich einfach mal zu Wort. Irgendwie scheint euch meine Geschichte ja zu beschäftigen, was ich jetzt egoistischer Weise einfach mal als gute Rezension in meinem Rezensionsordner abhefte. Auch wenn sie keine sonderlich guten Bewertungen bekommen hat und die Kommentare auch nur zum Teil positiv sind. Hilfreich sind sie allemal.
Bei der Sache mit der Knarre und den Löchern und dem Pullover (ihr wisst, was ich meine) muss ich gestehen, dass ich da etwas geschlampt habe.
Was die Sache mit den L-förmigen Stühlen angeht, sehe ich das etwas anders. Klar ist diese Ausdrucksweise viel zu kompliziert, aber das ist ja der Witz daran. Ob’s dann witzig ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich streiten, wahrscheinlich ist es nicht mal witzig, aber mir gefällt’s. Also lasse ich es stehen. Was in der Tasche ist und wohin der Protagonist fährt, mag vielleicht relevant erscheinen, aber ist es das wirklich? Der Typ stirbt und kommt sowieso nicht an seinem Ziel an. Und seine Tasche braucht er auch nicht mehr.
Eigentlich ist diese Kurzgeschichte der Prolog zu einem größeren Projekt und ich wollte ein paar unabhängige Eindrücke sammeln. Schätze, ich hab bekommen, was ich wollte.

Cheers,

Josh

Bearbeiten/Löschen    


7 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂĽr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂĽck zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.



Werbung