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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Ein Unglück kommt selten allein
Eingestellt am 02. 09. 2014 20:19


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Filjanka Seenonne
Hobbydichter
Registriert: Aug 2014

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In irgendeinem Sommer ist uns etwas wirklich Merkwürdiges passiert. Es war so komisch, dass wir es selbst erst glaubten, als alles schon wieder vorbei war. Es ist zu einer von den Geschichten geworden, die abends in einer Runde beim Kartenspielen und Gläserklingen erzählt werden und von denen nur höchstens die Hälfte wahr sein kann.
Angefangen hat es mit der Vorfreude auf eine lustige und entspannte Zeit. Manus Eltern waren eine Woche in den Urlaub gefahren. Wir hatten also sturmfrei und das ganze Haus für uns. Da versteht es sich von selbst, dass wir einige Abende in Gemeinschaft planten; schließlich hatten wir die Möglichkeit ungestört bis in die Nacht hinein zu feiern und das eine ganze Woche lang! Also luden wir unsere Freunde ein, um einen lustigen Abend zu verleben.
Bis unsere Gäste eintrafen, machten Manu und ich uns einen entspannten Sommertag mit lange ausschlafen und viel Nichtstun. Wobei es sich bei diesem, besonders von Erwachsenen sehr verpöntem Nichtstun nur um scheinbar sinnlosen Zeitvertreib handelt. Nur weil am Ende kein Ergebnis zu sehen ist, muss eine Sache noch lange nicht ohne Sinn gewesen sein. Der Kopf wird ja auch nicht größer, nur weil man nach dem Lernen (hoffentlich) mehr Wissen darin trägt.

Schon einige Zeit vor dem glorreichen Abend, oder besser gesagt, der glorreichen Nacht, kamen David, Max und Kalle zu Manu nach Hause, was zwar eine kleine, aber garantiert keine unlustige Runde versprach. Sie hatten zuvor eingekauft und wollten für alle kochen. Neben den Zutaten hatten sie noch einen Kasten Bier, zwei Flaschen Wein und etliche harte Sachen mitgebracht, welche großzügig in der kleinen Küche in Szene gesetzt wurden. Bald darauf machten sich David und Kalle daran, ihr geplantes Menü zuzubereiten.
Während sie Reis kochten, Zwiebeln und Tomaten schnitten und die Küche kontinuierlich in ein matschiges, krümeliges Schlachtfeld verwandelten, machte Max sich auf den Weg, einen Platz für seine „Beck‘s-Flagge“ zu suchen. Die hatte er mitgebracht, um etwas Flair in die Umgebung zu bringen. Nachdem er die Küche als zu gefährlich für seine kostbare Flagge eingestuft hatte, versuchte er es an der Treppe im Flur. Auch dort schien nach einigen Versuchen kein geeigneter Platz zu sein. Ich beobachtete ihn eine Weile und ging dann wieder in die Küche, um zu helfen in der heimlichen Hoffnung, ich könnte das Chaos im Voraus eindämmen. Da die Jungs damit beschäftigt waren, den Aufstrich für die Brucetta zusammenzumanschen, widmete ich mich dem Reis, weil garantiert niemand darauf achtete ihn rechtzeitig vom Herd zu nehmen.
Plötzlich hörte ich ein gewaltiges Klirren. Ohje, was war denn nun passiert? Ich hatte den leisen Verdacht, dass ich es gar nicht wissen wollte, verließ jedoch trotzdem die Küche. Ich ging wieder in den Flur und sah Max, wie er - immer noch völlig überrascht - auf einen Holzrahmen glotzte, dessen Glasscheibe sich soeben in tausenden glitzernden Scherben auf den unteren Stufen der Treppe verteilt hatte. Ich blickte auf und konnte sehen, dass der Rahmen aus der Tür zwischen Vorzimmer und Flur stammte. Er war quer über einer Holzflügeltür angebracht gewesen. Anscheinend aber nicht besonders sorgfältig.
„Ich hab doch nur die Tür aufgemacht…“, sagte Max leise. Nun war auch Manu da.
„Na großartig…“, seufzte er und beäugte das Unglück.
„Scherben bring‘ Glück!“, sagte Max fröhlich, „ist nur die Frage, ob Glück für mich, weil ich’s kaputt gemacht hab‘ oder für dich, Manu, weil’s in dei’m Haus passiert ist.“
„Ach, das mach‘n wir schnell wieder weg. Die Scheibe hat eh niemand gebraucht“, sagte ich und begann zusammen mit Max die größeren Scherben in einen Eimer zu verfrachten. Dabei bemerkte ich, dass Manus Schuhe unter dem Scherbenhaufen vergraben waren.
„Da muss ´n Staubsauger her. Nachher zieht er se an und hat alles in‘ Füß‘n.“ Ich holte einen solchen und versuchte, so gut es mir möglich war, die Schuhe glassplitterfrei zu bekommen. Und wenn ich schon mal dabei war, saugte ich auch gleich die unteren Stufen und vor der Tür noch einmal, damit sich niemand eine Scherbe eintrat.
Als wir fertig waren, das Scherbenchaos zu beseitigen, hatte sich in der Küche ein Geschirr-Abfall-Krümel-Chaos ausgebreitet. Dafür war das Essen so gut wie fertig. Ich freute mich, denn ich hatte schon seit fast zwei Stunden Hunger. Allerdings hatte ich etwas bedenken, da David die Angewohnheit hatte, leckere Dinge in so gewöhnungsbedürftigen Konstellationen zusammenzurühren, dass die einzelnen sehr leckeren Zutaten zusammen ein eher … nun ja … fragwürdig klingt etwas hart, aber es waren doch schon sehr gewagte Kombinationen. Schnell deckten wir den Tisch draußen auf der Terrasse und setzten uns.
Als Vorspeise gab es die besagten Brucetta. Sie waren schön knusprig und der Aufstrich erfrischte an einem so warmen Sommerabend. Dazu goss David mehr als großzügig Rotwein in unsere Gläser. Sein eigenes leerte er mit einem einzigen Zug und schloss mit der anschließenden Erkenntnis:
„Hach, der ist gut!“
So ging es weiter über den Hauptgang, den eine Pfanne Reis mit allerlei Gemüse und Unmengen Käse darstellte, bis hin zum Nachtisch: eine kleine Auswahl Käse mit Brot und Zwiebelringen.
Als wir den Tisch abräumten, waren wir pappsatt und auch schon gut angeheitert, da David penibel darauf achtete, dass unsere Gläser nie länger als zwei Minuten leer waren. Besagte hatten wir stehen lassen, denn beim folgenden Spiel des Lebens sollte keine Kehle trocken bleiben. Ein kleiner Teller diente als Aschenbecherersatz, da David und Kalle mit Sicherheit rauchen würden. In letzter Zeit wurde dies mehr und mehr zu einer neuen, jedoch eher lästigen Angewohnheit von ihnen.
Nachdem wir uns in die Spielregeln gefunden hatten, war das Spiel eigentlich recht unterhaltsam. Die zweite Flasche Wein wurde geleert und eine neue Hochprozentiges angebrochen. Weil es zunehmend dunkler wurde, stellten wir einige Kerzen auf, um die kleine Schrift auf den Feldern noch entziffern zu können. Ganz einfach war es trotzdem nicht. Manu beugte sich über den Tisch, um besser sehen zu können. Dabei schob er das Spielbrett von sich weg, welches wiederum den kleinen Teller verschob. Allerdings nur bis zur gegenüberliegenden Tischkante, denn dort fiel er zu Boden und zerbrach. Nun ja, Scherben sollen ja Glück bringen, wie wir schon vor dem Essen gelernt hatten; also ließen wir ihn einfach liegen. Was sollte schon passieren? Später würde schließlich auch noch Zeit zum Wegfegen sein.
Als kurze Zeit später auch noch ein Glas in die Brüche ging, fragten wir uns dann doch allmählich, was heut nur los war, kümmerten uns aber nicht besonders darum, sondern holten ein weiteres Glas, stießen erneut an und begannen ein anders Spiel. Ich hatte wohl eine Pechsträhne, denn bald kam ich weder vor, noch zurück. Dies verdarb mir die ganze Lust daran und, weil ich die letzten Nächte eh nicht viel geschlafen hatte, verabschiedete ich mich von den Jungs und ging schlafen.

Ich schlief sehr unruhig. Das Fenster war sperrangelweit auf, um wenigstens etwas frische Luft hereinzulassen. Anfangs schlief ich zwar schnell ein, aber als sich die Jungs vorne ans Gartentor stellten und Kalle nicht mehr aufhören konnte zu lachen, war es vorbei mit dem Schlaf. Doch ich war zu müde, um aufzustehen. War auch gar nicht nötig, denn wenig später kamen sie zu mir nach oben. Ich war wohl doch noch einmal weggedämmert.
„Josi, willste dir mal was anguck‘n?“, gluckste Kalle und David hinter ihm kicherte fröhlich. Max` Lachen drang dumpf aus dem Flur:
„Das musste dir wirklich anguck‘n. Sowas haste noch nich geseh’n!“
„Verdammt, ich bin müde! Haut ab!“, muffelte ich und verkroch mich tiefer in die Bettwäsche. Wahrscheinlich hatten sie nur wieder einen Turm aus Stühlen gebaut oder so was in der Art. Nichts, was wirklich etwas Neues gewesen wäre. Erstaunlicher Weise gaben sie es daraufhin auf, mich überreden zu wollen und verkrümelten sich wieder auf die Terrasse.

Was so tolles geschehen war, erfuhr ich am nächsten Morgen kurz nach Sieben. Manu war zwar irgendwann ins Bett gekommen, doch lange war er nicht geblieben. Unruhig tigerte er durchs Haus. Das machte mich wahnsinnig. Erst haben sie mich abends nicht in Ruhe schlafen lassen und nun war es auch schon wieder unruhig.
Gerade, als ich mich entschlossen hatte, demnächst aufzustehen und zu fragen, was denn los sei, beugte sich Manu über mich:
„Duhu?“
„Hm…“
„Wir haben ´n großes Problem“, er schien nach Worten zu suchen, „Die beid‘n Pflaum‘bäume im Gart‘n sind letzte Nacht umgefall‘n.“
Im nächsten Moment war ich hellwach. Ich riss die Augen auf und glotzte Manu ungläubig an.
„Einfach so?“
„Ja, einfach so. Hab‘n das Haus nur knapp verfehlt. Man kommt den Weg nach hint‘n nich mehr `lang.“
„Ach du Scheiße…“
„Oh ja…“
Ich stand auf:
„Die müss‘n wir wegräum’! Kleinhack’n! So wie die Feuerwehr das nach Umwettern macht!“ Voller Tatendrang kletterte ich aus dem Bett. Richtig vorstellen konnte ich mir den Garten ohne die beiden Bäume allerdings nicht. Es kam mir mehr vor wie ein Traum und so müde wie ich war, konnte das durchaus hinkommen.
„Lass uns erstmal `was frühstück‘n“, versuchte Manu meine Hektik zu dämpfen, „die Andern schlaf‘n eh noch ihr‘n Rausch aus.“
„Wann ist das denn passiert?“
„Du warst noch nich‘ so lang weg. Max war noch mal mit‘m Rad unterwegs und wir saß‘n da halt ganz gemütlich. Auf einmal hat’s ganz laut geraschelt und wir dachten Max is’ in ´ne Hecke gerast.“ Bei dem Gedanken musste Manu lachen. „Na jedenfalls, haben wir dann doch mal nachgeguckt und da lagen sie dann.“
„Oh Mann…es ist grad ma’ Samstag. Deine Eltern sind seit gestern weg. Ich will nich’ wiss’n, wie das Haus am Ende der Woche aussieht…“
Ich konnte es immer noch nicht ganz glauben. Deshalb ging ich auf den Balkon, um mir die Sache mal von oben anzusehen und tatsächlich: da lagen die zwei riesigen Pflaumenbäume mitten auf dem Gartenweg. Es war ein fremder, unwirklicher Anblick. Doch lieber erstmal frühstücken. Nachdem wir eine Stulle heruntergewürgt hatten, kam Max in die Küche geschlurft.
„Guten Morgen“, sagte er etwas übernächtigt, aber sonst gutgelaunt. Essen wollte er nichts und so gingen wir hinaus, um die Blockade genauer in Augenschein zu nehmen. Es war wirklich kein Durchkommen mehr.
„Tja, dann mal ran an die Arbeit“, sagte Manu etwas matt. Es war fürchterlich heiß…ganz und gar kein deutscher Sommer . Wir konnten zwei kleine Äxte auftreiben, mit denen die beiden Jungs die Äste abhackten. Ich zerpflückte sie weiter und versuchte die Pflaumen einzusammeln, damit sie später nicht auf dem Weg lagen und zu Mußasphalt wurden. Allerdings wurde mir das schon nach kurzer Zeit zu mühselig.
Nach einigen Stunden hatten wir die Bäume dann soweit gestutzt, dass man wieder zum Eingang des Souterrains gelangen konnte. Max und Manu hatten Blasen an den Händen, wir alle hatten Rückenschmerzen und leichten Sonnenbrand im Nacken.Nur David und Kalle ratzten noch auf dem Wohn-zimmerteppich.
Nachdem das erledigt war, ging Max nach Hause, um sich auszuruhen. Auch Manu legte sich noch ein wenig hin. Ich widmete mich der Küche und brachte nach und nach wieder etwas Ordnung in die Bude, obwohl ich wusste, dass sie doch am kommenden Abend wieder im Chaos versinken würde. Blieb nur zu hoffen, dass die Woche sich nicht in der gleichen Weise fortsetzen würde.

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