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Leselupe.de > Kurzgeschichten
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Eingestellt am 06. 02. 2005 18:58


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AdamSmith
Festzeitungsschreiber
Registriert: Dec 2004

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Als ich sehr klein war starben meine Eltern bei einem Autounfall. Sie waren auf dem Weg in den Urlaub und hatten mich bei meinen Gro├čeltern gelassen. Ich wei├č noch genau, wie ich an jenem Tag das Wohnzimmer betrat und meine Gro├čmutter mit Tr├Ąnen in den Augen ans Regal gelehnt stand ÔÇô den Telefonh├Ârer hatte sie noch in der Hand.
Meine Gro├čeltern bekamen das Sorgerecht zugesprochen und so blieb ich bei Ihnen in ihrem kleinen Haus. Ich bekam mein eigenes Zimmer unterm Dach, ich ging hier zur Schule, ich fand hier Freunde und irgendwann war die Erinnerung, dass es einmal anders gewesen war verblasst, als h├Ątte es das Davor nie gegeben.
Meine Gro├čeltern waren stets f├╝r mich da und versuchten doch nicht die Rolle meiner Eltern einzunehmen. Jeden Morgen sa├č mein Gro├čvater bereits am Fr├╝hst├╝ckstisch wenn ich die Treppe herunterkam und las Zeitung. Es roch im ganzen Haus bereits nach Kaffee. Wenn ich die K├╝che betrat faltete mein Gro├čvater die Zeitung zusammen und legte sie beiseite. Dann sah er mich an mit seinen grauen Augen, die schon die ganze Welt gesehen hatten und fragte mich, wie mein Tag aussehen w├╝rde. Dann h├Ârte er mir zur, wie ich erz├Ąhlte und dabei auf meinem Brot herumkaute. Manchmal wand er sich um zu meiner Gro├čmutter, die am Herd stand und sagte zu ihr: ÔÇ×Bekomme ich noch etwas Kaffee mein M├Ądchen?ÔÇť
Dann sagte sie l├Ąchelnd: ÔÇ×Immer noch bin ich dein M├Ądchen?ÔÇť
Dann sagte er: ÔÇ×Und das wirst du mein Leben lang bleiben!ÔÇť
Und sie schenkte im Kaffe ein. Wenn ich heute nachdenke waren diese die gl├╝cklichsten Momente meiner Kindheit. Manchmal ging Gro├čvater abends, wenn er gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war, ins Wohnzimmer und eine Schalplatte auf und ging er in die K├╝che und tanzte mit meiner Gro├čmutter auf seine altmodische Art zu den Jazz-Kl├Ąngen die durch das ganze kleine Haus schwebten.
Wenn es warm war sa├čen wir oft abends im Garten und ich und Gro├čmutter lauschten Gro├čvater, wie er seine Geschichten erz├Ąhlte. Wir verbrachten ganze Sommer dort drau├čen, aber ich schw├Âre, dass er nie zweimal dieselbe Geschichte erz├Ąhlte. Gro├čmutter sa├č in ihrem Gartenstuhl und strickte furchtbare kratzende Socken f├╝r den Winter, die ich nie anzog und wenn ich einschlief trug Gro├čvater mich hoch in mein Zimmer. Dann legte er mich in mein Bett und fragte mich ob mein Tag sich wirklich so entwickelt hatte, wie ich es ihm am Morgen erz├Ąhlt hatte. Dann berichtete ich ihm alles was mir einfiel und er blieb bei mir sitzen, bis ich fertig war, dabei blickte er mich mit seinen grauen Augen und ich war mir niemals wieder so sicher, dass ich geliebt wurde. Manchmal w├╝nsche ich mir, dass mir mehr eingefallen w├Ąre, dass ich ihm h├Ątte erz├Ąhlen k├Ânnen. Wenn ich noch einmal die Chance h├Ątte w├╝rde ich ihm eine Geschichte erz├Ąhlen, die niemals endet.
Dann wurde Gro├čvater krank und starb kurz darauf. Ich kann mich nur noch undeutlich erinnern, was ich damals f├╝hlte. Die Leer in mir war endlos. Wir sa├čen auch danach noch an warmen Abenden im Garten und sie stand jeden Tag am Herd wenn ich fr├╝hst├╝ckte und ich erz├Ąhlte ihr meine Geschichten. Gro├čmutter war f├╝r mich da. Wie sie immer f├╝r mich da gewesen war. Sie ist der st├Ąrkste Mensch, den ich kenne. Wenn ich jedoch nachts an ihrem Zimmer vorbei ging, wenn sie dachte, dass ich schlief, konnte ich sie weinen h├Âren. Das alles ist viele Jahre her. Aber wenn ich heute Gro├čmutter besuche und ├╝ber Nacht bleibe kann ich sie manchmal immer noch weinen h├Âren.
Seid dem Tag, an dem Gro├čvater starb habe ich einen Wunsch. Ich w├╝nsche mir nichts fr mich, ich w├╝nsche mir etwas f├╝r meine Gro├čmutter. Ich wei├č, dass so etwas normalerweise nicht geschieht, ich w├╝nsche mir nichts so sehr wie, dass Gro├čvater zur├╝ckkommt und noch ein letztes Mal mit meiner Gro├čmutter in der K├╝che tanzt. Zu der Musik auf den alten Schallplatten. Diesen einen Gedanken werde ich jeden Tag meines Lebens haben.

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