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Leselupe.de > Horror und Psycho
Ein delikates Rendezvous
Eingestellt am 22. 11. 2004 14:06


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chrissieanne
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„Achten sie auf ein Holzkreuz links an der Landstra├če. Etwa zweihundert Meter weiter geht ein Weg hinein in den Wald. Dort m├╝ssen sie abbiegen."
Professor Wilde hielt konzentriert Ausschau. Meine G├╝te, wie konnte man nur so abgelegen wohnen. Seit einer halben Stunde kam ihm kein einziger Wagen mehr entgegen. Nur sein BMW glitt leise ├╝ber die Landstra├če. Links und rechts dunkler Wald, hinter dem die fr├╝he Abendsonne verschwunden war. Geradezu unheimlich war diese Einsamkeit hier. Er schaute nerv├Âs auf die Uhr. Gerade mal sechs. Um acht war er verabredet.
Er hatte es nicht mehr ausgehalten. Er musste wissen, wo sie wohnt. Dann w├╝rde er einfach noch ein wenig herumfahren, bis es soweit war.
Immer wieder h├Ârte er diese rauchige, tiefe Stimme. Es war nicht sein erstes Treffen mit einer dieser Frauen, die sich im Internet anbieten. Aber noch nie war er so nerv├Âs. Wie gerne w├╝rde er jetzt Miles Davis h├Âren. Das er ausgerechnet ihn in sein CD-Regal zur├╝ck gelegt hatte. Seine Musik w├Ąre jetzt Balsam f├╝r sein Herz, dass beunruhigend schnell schlug.
Da - da ist das Kreuz. Jetzt hie├č es aufpassen. Und tats├Ąchlich war da links ein Waldweg. Er bremste. War es m├Âglich, hier mit dem Auto hineinzufahren? Dort im Wald konnte doch unm├Âglich jemand wohnen. Wenn sie ihn nun angeschmiert hatte? Intelligenz sch├╝tzt ja bekanntlich vor Torheit nicht. Auch ein Professor der Philosophie und Geschichte kann den Verstand verlieren, wenns um die Begierde geht. Egal, jetzt war er einmal hier und wollte es wissen. Es musste diese Frau geben. Es musste einfach. Er setzte, ├╝berfl├╝ssigerweise, den Blinker und fuhr hinein in den Wald. Im Schrittempo holperte er ├╝ber den Weg. ├äste kratzten an seinem Wagen. Die B├Ąume standen so dicht, dass das Abendlicht nicht durchkam. Es war dunkel und - er musste es sich eingestehen - gruselig. Er war kein ├Ąngstlicher Mensch, aber er fragte sich doch, was er hier zum Teufel eigentlich tat. Nach etwa zwanzig Minuten wurde es heller, er fuhr auf eine Lichtung zu. Er hielt an. Wenn es sie gab, sollte sie ihn nicht h├Âren. Er ├╝berpr├╝fte sein Gesicht im R├╝ckspiegel. Gut sah er aus, das wusste er. Und klug war er, das wusste er auch. Sie war ebenfalls klug, dies hatte er in dem kurzen Gespr├Ąch mit ihr sofort registriert. Wenn sie das einhielt, was ihre Stimme versprach, war sie eine Sch├Ânheit. Sch├Ânheit gepaart mit Intelligenz, das ist mehr als unwiderstehlich. Auch das wusste er.
Er stieg aus dem Wagen., die T├╝r schloss mit einem leisen „plopp". Totenstill war es. Nur der leichte Wind sang sacht in den Kronen, ab und zu knackte es in den Tiefen der Finsternis. Langsam schritt er den Weg entlang und wagte kaum zu atmen. Er erreichte die Lichtung. Nichts. Doch da, am Rande, schimmerte hinter den B├Ąumen Gem├Ąuer. Er ging quer ├╝ber die Lichtung, suchte nach einem Durchkommen, und sah, nach einiger Zeit, einen Pfad. Er folgte ihm - und stand mit einem Mal vor einem uraltem, mit Efeu bewachsenem H├Ąuschen, mit einem - er traute seinen Augen kaum - angebautem Stall, vor dem im abgez├Ąunten Bereich vier Schweine gierig grunzend am Trog fra├čen. Eine Frau, die mitten im Wald wohnte, Schweine hielt und sich im Internet anbot???
Das gabs doch gar nicht. Er sollte schleunigst wieder verschwinden. Doch diese Stimme. Sie hatte sich durch seine Geh├Ârg├Ąnge ins Hirn gefressen. Und seine Neugier war auf Speed.
Obwohl der Waldboden seine Schritte schluckte, schlich er auf Zehenspitzen um das Haus herum. Er bog zwei dichte B├╝sche leicht zur Seite, und was er sah, lie├č seinen Atem stocken. Sie war nicht sch├Ân. Sie war ├╝berirdisch.
Auf einer kleinen Terasse sa├č sie. Das lockige, schwarze Haar im Nacken zusammengebunden. Eine Str├Ąhne fiel ihr ins Gesicht, w├Ąhrend sie an etwas in ihrer Hand konzentriert arbeitete. Zu ihren F├╝├čen lag eine Katze.
Er starrte minutenlang auf dieses Bild. Dann ging er langsam zur├╝ck. Er musste diese Frau haben. Wenn auch nichts mehr sonst in diesem Leben. Eine Stunde noch.

„Es ist besser, wenn ich es roh als Salat esse. Gebraten oder gekocht verliert es bestimmt seine Wirkung. Das m├╝sste gehen, mit einem guten Dressing."
Kate tupfte mit einem Wattest├Ąbchen vorsichtig den Schleim ab.
Sie schaute kurz hoch auf den kleinen Wecker, den sie mit hinaus genommen hatte. Schon halb sieben. Um acht war ihre Verabredung. Ihre erste Ration. Sie l├Ąchelte. Der gestrige Abend war ja diesbez├╝glich ein Reinfall. Aber als ├ťbung doch ganz gut. Mit einem musste sie ja anfangen. Dieser hatte wohl, was seine berufliche T├Ątigkeit anging, ein wenig hochgestapelt. Journalist. Ha! Der war im besten Fall f├╝r die Fu├čballergebnisse der BILD zust├Ąndig. Ein phantastischer Liebhaber, aber dumm wie ein Stuhl. Und mit seltsamen Vorlieben. Sie musste mit einem aufgespannten Regenschirm auf ihm reiten und st├Âhnen: „Mach mich nass, mein weisser Regen, str├Âme, str├Âme." Sie musste jetzt noch lachen, wenn sie daran zur├╝ckdachte. M├Ąnner.
Sie hasste sie. Sie hasste die Menschen insgesamt. Alle. Wie dumm und einf├Ąltig sie waren. Wie berechenbar.So gefangen in ihren billigen Bed├╝rfnissen. Sie liebte gute Gespr├Ąche mit intelligenten Menschen, aber irgendwann langweilten sie sie zu Tode. Alle. Und immer.
Sie liebte die Literatur, die Philosophie, doch es kam immer der Punkt an dem sie erm├╝dete. Ja, angeekelt war. War doch alles von Menschen geschrieben und erdacht.
Das, was sie jedoch wirklich und best├Ąndig liebte war Sex. Daf├╝r brauchte sie M├Ąnner. Vielmehr gebrauchte sie. Eines Tages, als sie gelangweilt f├╝r ihr Juraexamen lernte, dachte sie: „Die M├Ąnner fliegen auf mich. Ich kann sie mir aussuchen - sie w├╝rden jeden Betrag zahlen. Warum nicht?" Seitdem verkaufte sie sich. Und es gefiel ihr. Sie machte ihr Examen, arbeitete jedoch nie in ihrem Beruf. Sie wollte niemals f├╝r niemanden irgendetwas tun. Als Prostituierte tat sie zwar auch etwas, aber in erster Linie f├╝r sich. Und beim Sex offenbarte sich die Primitivit├Ąt der Menschen wenigstens unverf├Ąlscht. Da sind sie wie die Tiere, zu denen sie sich hingezogen f├╝hlte.
Reich ist sie geworden auf diesem Weg, und konnte sich einen Traum erf├╝llen. Sie hat immer die Einsamkeit gesucht. In langen Autofahrten und Wanderungen. So hat sie dieses Haus entdeckt - und gewusst: das ist meines.
Seit drei Jahren lebte sie nun hier. Doch dieses v├Âllige Fehlen von Kommunikation l├Ąsst das Gehirn schrumpfen.
So kam es ihr vor. Sie bekam Angst. Ein ihr v├Âllig fremdes Gef├╝hl. Angst davor, zu verbl├Âden.
Eines Nachts kam ihr dann die Idee.
Die Generalprobe musste ja schieflaufen. Ist ein gutes Zeichen f├╝r das weitere Geschehen. Daf├╝r besass er unglaubliche Augen. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Dunkelgrau mit ewig langen Wimpern.
So ohne Wimpern und auf sich reduziert waren sie eher l├Ącherlich. Kate legte das Wattest├Ąbchen auf den Tisch und balancierte eine etwas unf├Ârmige Kugel auf der flachen Hand. „Ich glotz dir ins Auge, Kleiner," kicherte sie, „aber nun muss ich mich zurechtmachen f├╝r Professor Wilde." Sie legte die Kugel vorsichtig auf den Tisch, und stand „s m o t s c h" auf. Sie war in etwas hineingetreten. „Oha. Tja, auf dem Zweiten sieht man wohl gar nichts mehr." Angewidert schaute sie auf den glibberigen Matsch. Ihre Katze schnupperte und schleckte.
„Pfui, Bunte, das ist nichts f├╝r dich." Sie lief ins Badezimmer, um Klopapier zum aufwischen zu holen. Im Spiegel ├╝berpr├╝fte sie ihr Aussehen. Sie war unglaublich sch├Ân, das wusste sie. Und sie war klug, das wusste sie auch. Und der Professor war wirklich klug, das hat sie in dem kurzen Telefonat sofort registriert. Sch├Ânheit gepaart mit Intelligenz, das ist mehr als unwiderstehlich. Auch das wusste sie. Und f├╝r sie genau das, was sie brauchte. Es klingelte. Er war zu fr├╝h. Macht nichts. Sie hatte es nicht n├Âtig, sich sch├Âner zu machen, als sie war, und die Katze w├╝rde f├╝rs Auge sorgen.

„S├╝├č-saures Dressing. So mach ich es. Einlegen, ziehen lassen. Es ist so stark, ich werds in kleinen Portionen nehmen. Den Rest einfrieren. Wer weiss, wann mich nochmal so eine Potenz besucht. Und zuviel ist bestimmt kontraproduktiv. Meine G├╝te, die neue Kost bringt meine S├╝├čen ja ganz sch├Ân auf Trab"
Die Sch├Âne lauschte l├Ąchelnd dem hysterischem Grunzen und Schreien der Schweine, w├Ąhrend sie das Hirn w├Ąsserte und von den Blutgerinnseln s├Ąuberte.







__________________
Das Buch soll die Axt sein f├╝r das gefrorene Meer in uns. (Franz Kafka)

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Rainer
???
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hallo chrissieanne,

zugegebenerma├čen ist es der erste text den ich von dir lese, und sicher bin ich auch nicht der hellste...
...der sinn des ganzen will sich mir nicht erschlie├čen.

die schweine fressen die ├╝berreste - okay.
was will sie dagegen mit dem einen auge als lecker salat? das gehirn, nun gut, bei vielen naturnah lebenden st├Ąmmen gilt ja das gehirn (bei anderen das herz) als ort aller kraft, und wenn ich das esse...
es ist f├╝r mich zwar interessant, dass du eben keine f├╝r mich klar erkennbaren ziele deiner prot aufzeigst, aber trotzdem bleibe ich unbefriedigt zur├╝ck.
sicher bin ich zu bl├Âd, aber der sinn der handwerklich guten geschichte will mir einfach nicht in den kopf - bitte kl├Ąre einen unbedarften dar├╝ber auf.

viele gr├╝├če

rainer

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chrissieanne
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hallo rainer,
einen wirklichen sinn hat die geschichte ja nun nicht. es ist eine geschichte ├╝ber eine irre attraktive, hyperintelligente, sexliebende misanthropin, die ihre leidenschaft zum beruf macht und dadurch reich wird. in dem haus im wald ├╝berkommt sie die angst zu verbl├Âden - und sie beschliesst, hirne von klugen m├Ąnnern zu verspeisen, um dem entgegenzuwirken.
ihr erster, geplanter kanditat war leider aber sehr dumm. t├Âten ├╝ben - deshalb hat sie ihn wohl trotzdem umgebracht und als souvenir die augen behalten. vielleicht wollte sie sie ins regal stellen - wer weiss?
w├Ąhrend sie die augen s├Ąubert, denkt sie schon ├╝ber die zubereitung des hirnsalats von dr. wilde nach.
nicht ├╝ber augensalat.

ist es jetzt klarer?
lg
chrissieanne

ps.: auweia. seh jetzt erst, dass ich rendezvous v├Âllig falsch geschrieben hab. gnmpf. kann das jemand ├Ąndern?
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Rainer
???
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hallo,

danke, jetzt sehe ich klarer .

zu deinem p.s. - du kannst in deinem originaltext (mit dem darunter befindlichen edit/delete-button) so lange herum├Ąndern und verbessern wie du m├Âchtest; die zeitbegrenzung von 15 min besteht nur bei kommentaren.

viele gr├╝├če

rainer
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chrissieanne
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das freut mich.

zu deinem hinweis: ich kann zwar den text ├Ąndern, nicht aber die ├╝berschrift.
lg
chrissieanne
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Rainer
???
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ohoh,

ich hoffe, das geht jetzt als textbezogenes geplauder durch...
da es ja schon verbessert ist (oder irre ich mich da?) - sowas k├Ânnen nur mods und admins.
aber jetzt wei├č ich wenigstens, warum ich beim nochmaligen ├╝berfliegen deines textes das unrichtig geschriebene "rendezvous" (jedenfalls streicht mir word diese version nicht an) nicht gerfunden habe - es stand in der ├╝berschrift, ich dussel.
da h├Ątte ich mir meine pseudo-weisheiten ja sparen k├Ânnen...

vg

rainer
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schwarzerpanther
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Hai nun

Hallo! Ich finde die Geschichte wirklich gut erz├Ąhlt und auch inhaltlich nicht ├╝bel. Mir war alles von Anfang an klar - obwohl es von ihr wohl ein Fehlgedanke ist, dass sie von Gehirnen anderer kl├╝ger wird. Hab richig Mitleid mit dem armen Professor! Eine Sache m├Âchte ich doch mal anmerken : Mir sind diese folgenden S├Ątze ein wenig zu lang. Zu viele Kommas und Gedankenstriche.. k├Ânnte man das nicht in mehrere S├Ątze aufteilen?

quote:
Er ging quer ├╝ber die Lichtung, suchte nach einem Durchkommen, und sah, nach einiger Zeit, einen Pfad. Er folgte ihm - und stand mit einem Mal vor einem uraltem, mit Efeu bewachsenem H├Ąuschen, mit einem - er traute seinen Augen kaum - angebautem Stall, vor dem im abgez├Ąunten Bereich vier Schweine gierig grunzend am Trog fra├čen.
Viele Gr├╝├če Erika
__________________
Streife ab des Lebens Sorgen

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