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Leselupe.de > Horror und Psycho
Eine amerikanische Schauergeschichte
Eingestellt am 09. 10. 2011 20:43


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maik-maier
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Eine amerikanische Schauergeschichte


Es dauerte eine ganze Weile, bis Anna schlie├člich die T├╝r zur K├╝che gefunden hatte. Das Haus der Walkers war ein gewaltiger Bau, voll wei├č get├╝nchter Zimmer und voller Staub. In einem so gro├čen Haus wirklich zu leben, konnte Anna sich nicht vorstellen. Herr Walker selbst hatte ihr stolz die Anekdote erz├Ąhlt, dass er vor einigen Wochen hier einen Ball mit hunderten G├Ąsten veranstaltet hatte: ÔÇ×Am sp├Ąten Abend traf ich im Haus dann auf Leute, die ich gar nicht kannte, in Zimmern, die ich vorher nie betreten hatte.ÔÇť Zu Herrn Walker h├Ątte Anna aber nie etwas Schlechtes ├╝ber sein Haus gesagt, nicht mal ├╝ber den allgegenw├Ąrtigen Staub, der Ecken und Winkel und manchmal ganze Zimmer in dicken Schichten ├╝berzog.
Die K├╝che, in der Anna nun stand, war im Vergleich zum Rest des Hauses l├Ącherlich klein und in den Ecken ebenfalls dick mit Staub ├╝berzogen. Es war wohl nur eine Art ÔÇ×Nebenk├╝cheÔÇť, wo man Geschirr abstellen und Kaffee kochen konnte. Ein ganzer Turm von Tabletts stapelte sich auf einem Tischchen neben der T├╝r. Sie mussten ein ├ťberrest des Balls sein oder von anderen Festen. Zwischen den Tabletts kroch an einigen Stellen weicher, flaumiger Schimmel hervor. Ansonsten schien diese K├╝che leer. In den Schr├Ąnken fand Anna nur noch die zerkr├╝melten Reste eines abgepackten Kuchens. Sie hob die Schachtel an und las das merkw├╝rdige Etikett: ÔÇ×This cake is no lie! ItÔÇśs so delicious and moistÔÇť Die Kinder w├╝rden wohl mit einer hei├čen Tasse Tee vorlieb nehmen m├╝ssen. Zum Gl├╝ck hatten sie ihr Supper schon vor der Herfahrt gehabt. Anna warf die Schachtel in einen der leeren M├╝lleimer. Dann suchte sie aus den f├╝r sie viel zu hohen Schr├Ąnken Tassen heraus und kochte Tee aus von ihr mitgebrachten Teebeuteln. Eines der Tabletts reinigte sie so gut es ging von Staub und Schmutz und stellte darauf drei dampfende Tassen. Lindsey und Marc w├╝rde das hei├če Getr├Ąnk beruhigen, hoffte Anna, die zwei Kleinen mochten Tee. Das Tablett vorsichtig vor sich her balancierend, suchte sie sich dann den langen Weg zur├╝ck zum Schlafzimmer der Kinder.
Mit Caretaking hatte sich Anna Geld dazu verdient, seit sie 13 Jahre alt war. Sie mochte es, auf Kinder aufzupassen und es war ihr auch nie schwer gefallen, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Lindsey und Marc kannten sie als Babysitter schon fast genauso lange. Die Walkers hatten ein Apartement in der Stadt, dort hatte Anna die Kleinen oft betreut, wenn Herr und Frau Walker abends zu Konzerten, Filmen oder festlichen Dinners ausgegangen waren. Vor einer Woche hatte Herr Walker dann gesagt, dass sie nun im neuen Haus auf die Kinder aufpassen m├╝sste. Er sagte es auf eine Art, die nach einer sehr bedeutenden Aufgabe klang. Doch Herr Walker sprach meistens so. Er berichtete Anna ausf├╝hrlich ├╝ber das Haus auf dem Lande. Sie erfuhr ├╝ber das Haus selbst aber eigentlich nur, dass es ÔÇ×zur Zeit noch etwas zu gro├č f├╝r die FamilieÔÇť war. Herr Walker sprach vor allem ├╝ber zuk├╝nftige Pl├Ąne, denn zu dem Haus sollte noch ein gro├čer Reitstall, ein Haus f├╝r Bedienstete, Sportanlagen mit Pool und eine freistehende Garage kommen. Er wollte den ganzen abgelegenen Landstrich entwickeln, aus den Feldern und Wiesen sollte eine pulsierende Sommerfrische werden. Wenn er alles so wie geplant umgesetzt hatte, so sagte er, w├╝rde er das Haus vielleicht noch einmal vergr├Â├čern oder ganz neu bauen m├╝ssen. Aber das schreckte ihn nicht, im Gegenteil, einige Pl├Ąne daf├╝r h├Ątte er schon gemacht. F├╝r den Augenblick aber, sollten nur Lindsey und Marc im Haus ├╝bernachten und am n├Ąchsten Morgen w├╝rden sie mit Anna ein Picknick am nahen See veranstalten.
Als Anna mit dem Tablett in ihrer Hand zur├╝ck lief, h├Ârte sie den kleinen Marc schon von weitem weinen. Seine hohe, erstaunlich starke Stimme schallte ihr durch die vielen angelehnten T├╝ren entgegen. Alle T├╝ren in dem gro├čen Haus waren nicht ganz geschlossen, sondern nur angelehnt. Herr Walker hatte auch darauf bestanden, dass Anna dies nicht ├Ąndern durfte und ihr dazu in schwerwiegenden Worten erkl├Ąrt, was stockende Feuchtigkeit in einem so gro├čen und wenig genutzten Haus anrichten konnte. Marcs ├Ąngstliches Schluchzen konnte so ungehindert in alle R├Ąume eindringen und zwischen den Ecken und Winkeln der Zimmer umher hallen. Kaum h├Ątte Anna noch sagen k├Ânnen, aus welcher Richtung es zu ihr drang. In dem gro├čen, hell erleuchteten Kinderzimmer sa├čen Lindsey und ihr kleiner Bruder Marc dann auf ihren zwei freistehenden Betten. Marcs Gesicht war rot vom Weinen. In kurzen, kr├Ąftigen Z├╝gen sog er die Luft ein, um sie dann mit einem lauten Heulen wieder auszusto├čen. Lindsey blieb stumm, sie blickte auf ihren Bruder, dann auf den dunklen Abend vor dem Fenster, dann auf Anna. Diese dr├╝ckte den Beiden rasch eine Tasse Tee in die Hand, strich ihnen ├╝ber die K├Âpfe und setzte sich in einen Sessel, den sie schon vorher in die weite freie Fl├Ąche zwischen den Kinderbetten gezogen hatte.
Sie wartete bis Marc sich beruhigte. ÔÇ×Was war denn los?ÔÇť fragte Anna dann und blickte von einem zum anderen.
Marc schwieg, wie er es oft tat. Er blies vorsichtig in den hei├čen Dampf seiner Tasse und nahm einen kleinen Schluck. Lindsey sah ihrem Bruder dabei zu, dann blickte sie zu Anna: ÔÇ×Er hat wieder etwas geh├Ârt.ÔÇť
ÔÇ×Du hast bestimmt nur mich geh├Ârt, Marc, wie ich in der K├╝che L├Ąrm gemacht habe!ÔÇť
Doch darauf sch├╝ttelte Marc energisch seinen Kopf, Teetropfen flogen ├╝ber seine Bettdecke und den wei├čen Teppich darunter.
ÔÇ×Hast du etwas geh├Ârt Lindsey?ÔÇť
Das kleine M├Ądchen schien einen Moment zu ├╝berlegen bevor es sagte: ÔÇ×Ich glaube, ich habe dich geh├Ârt Anna.ÔÇť Sie schwiegen nun, tranken von ihrem Tee und lauschten in die Stille des gro├čen Hauses.
Alle zuckten zusammen, als die Stille nun wirklich zerrissen wurde und ein lautes, mechanisches Klingeln durch die Zimmer des Hauses schallte. Das gro├če Kinderzimmer, das au├čer zwei Betten, dem Sessel und etwas verstreutem Spielzeug kaum etwas enthielt, schien ganz von dem Ger├Ąusch ausgef├╝llt zu werden. Marc begann von neuem zu weinen. Anna stand auf. Das Klingeln erklang von neuem, es war das Telefon des Hauses. Kurz z├Âgerte Anna, blickte von Marc und Lindsey zur T├╝r und zur├╝ck. Dann f├╝llte der mechanische Klang ein drittes Mal den Raum und sie sprang schlie├člich mit schnellen Schritten aus dem Zimmer hinaus und auf den Flur. Vor mehreren T├╝ren stoppte sie, bet├Ątigte den Lichtschalter und trat erst dann n├Ąher, um zu lauschen ob das Klingeln von dort kam, erst die f├╝nfte oder sechste T├╝r war die richtige. Hinter ihr lag ein fensterloser Raum mit mehreren Wandschirmen und einem kleinen Beistelltisch. Er schien keinen anderen Zweck zu haben, als das Telefon auf dem Tischchen zu tragen. Noch ein weiteres Mal ert├Ânte das Klingeln, dann nahm Anna den H├Ârer ab: ÔÇ×Bei Familie Walker?ÔÇť
Am anderen Ende der Leitung war Herr Walker. Er w├╝nschte Anna einen guten Abend und fragte ob Lindsey und Marc auch keinen ├ärger machten. Dann berichtete er ausf├╝hrlich, aber wenig konkret ├╝ber die Reise, die er und Frau Walker gerade unternahmen. Im Hintergrund h├Ârte Anna Stra├čenl├Ąrm und vielstimmiges Lachen. Sie stellte sich dabei eine der gro├čen St├Ądte an der Ostk├╝ste vor. Zum Schluss senkte Herr Walker noch einmal seine Stimme und gab einige direkte Anordnungen an Anna. Sie sollte darauf achten, dass die Kinder fr├╝h schliefen. Dann konnte sie im Salonzimmer den neuen Fernseher benutzen, sollte aber nicht durch die vielen anderen Zimmer des Hauses streunen und dort ÔÇ×alles in Unordnung bringenÔÇť. Er w├╝nschte Anna einen sch├Ânen Abend und auf seiner Seite der Leitung erhob sich ein Stimmengewirr, das dann j├Ąh vom Auflegen des H├Ârers abgeschnitten wurde. Im Telefonraum blieb Anna allein. Gern h├Ątte sie sich f├╝r einen Augenblick gesetzt, doch das schmale Tischchen blieb das einzige M├Âbelst├╝ck im Raum.
Sie ging dann zur├╝ck, beruhigte Marc mit einigen Worten, r├Ąumte Tassen und Tablett zur Seite und begann den Kindern zum Einschlafen aus einem Buch vorzulesen: ÔÇ×Dorothy lived in the midst of the great Kansas prairiesÔÇŽÔÇť Lindsey schlief als erste ein, etwas sp├Ąter dann auch Marc. Anna beobachtete fasziniert, wie seine kleinen F├Ąustchen sich langsam entspannten und schlie├člich die offenen H├Ąnde vertrauensvoll auf der Decke ruhten. Vorsichtig schlich sie sich aus dem Zimmer und l├Âschte das Licht. Nun, da sie sich bem├╝hte, kein Ger├Ąusch zu machen, kamen die eigenen Schritte auf dem Parkett ihr laut und schallend vor. Jede der T├╝ren, an denen sie vorbei kam, ├Âffnete sich den gleichen schmalen Spalt breit in die Dunkelheit des dahinter liegenden Raumes. Sie dr├╝ckte behutsam die Lichtschalter und probierte mehrere Zimmer, bis sie schlie├člich in dem gro├čen und erstaunlich hohen Salon stand, dessen eine Ecke ein breiter Farbfernseher zierte. Anna zog sich einen Sessel in bequemen Sichtabstand. Dann hielt sie inne und sah sich in dem Salon um. Im Vergleich zu den anderen Zimmern kam ihr dieses hier fast ├╝berf├╝llt mit M├Âbeln vor. Vor allem St├╝hle, Sessel und Sofas gab es in allen Variationen. Diese waren aber nicht zu Sitzgruppen oder Kreisen zusammengestellt, sondern verteilten sich wie zuf├Ąllig verstreut im Raum. Einige waren auch auf die Seite gelegt und bildeten im hinteren Teil des Raumes fast eine Barrikade. Der einzige andere Einrichtungsgegenstand, der ihr ins Auge fiel, war eine Art Skulptur oder Mannequin-Puppe. In zusammengekauerter Haltung lehnte die Figur an einer Wand. An den Beinen hatte man eine fleckige Anzughose befestigt, ├╝ber die zusammengezogenen Schultern hing eine von Frau Walkers grellbunten Blazerjacken und ├╝ber den Kopf war eine Baseballkappe der Yankees gezogen. Es war ein wirklich h├Ąsslicher Gegenstand und Anna erinnerte sich, dass sie ├Âfters ironische Kommentare ├╝ber den Geschmack der Walkers geh├Ârt hatte. Sollte sie dieses Ding vielleicht mit einer der Decken verh├Ąngen? Doch Herr Walker hatte ihr recht deutlich gesagt, dass sie nichts anfassen sollte, sie drehte also einfach ihren Sessel etwas zur Seite. Dann ging sie in die Ecke zum Fernseher und schaltete ihn ein. Sofort ert├Ânte aus den Stereolautsprechern des Ger├Ątes ein lautes Keuchen. Als sich nach einigen Sekunden auch das Bild aufgebaut hatte, h├Ątte Anna vor ├ťberraschung fast etwas gerufen. Offensichtlich hatte Herr Walker einen der besonders teuren Kabelkan├Ąle abonniert. Hatte er das letzte Mal vergessen, vor dem Abschalten noch das Programm zu wechseln? Anna spitzte die Lippen und schaltete den Fernseher dann schnell wieder aus. Hoffentlich hatte sie die Kinder nicht geweckt, sie drehte sich um und lauschte. Aber alles blieb ruhig, in dem ganzen gro├čen Haus war kein Laut zu h├Âren. Der Salon lag still und unbewegt wie ein Ausstellungsraum. Trotzdem begann Annas Puls auf einmal zu h├Ąmmern. Sie unterdr├╝ckte einen Schrei und presste ihre H├Ąnde zu F├Ąusten zusammen. Der Salon um sie herum lag dabei weiter in perfekter Ruhe, alle M├Âbel standen weiter an ihrer Stelle. Nur die groteske Puppe war verschwunden. Ihr Platz an der Wand war nun leer. Lediglich einige Staubflocken schwirrten noch in der Luft umher.
Anna k├Ąmpfte mit ihrem Schreck. Was war nun das Richtige zu tun? Sie versuchte ihren Verstand darauf zu konzentrieren. ÔÇ×Das TelefonÔÇť, war ihr erster Gedanke. Sofort lief sie mit schnellen Schritten hinaus und zum Telefonzimmer. Sie wusste aber nicht, wo sie die Walkers erreichen konnte. Ihre eigenen Eltern hatten kein Telefon. Die Polizei? Im Laufen ├╝berlegte sie schon, wie sie ihre Lage beschreiben konnte. Sie war ├╝ber Nacht allein im Haus zum Babysitting, nun war offensichtlich ein Fremder eingedrungen, nein, er war nicht im Obergeschoss, aberÔÇŽ Ein klirrendes Ger├Ąusch lie├č sie auf dem Flur still stehen. Es klang wie zerschlagenes Geschirr. Kam es aus der K├╝che? Die K├╝che lag zwischen ihr und dem Kinderzimmer! Wieder rannte sie los, doch jetzt in eine andere Richtung. Lindsey und Marc! Das Blut rauschte in Annas Schl├Ąfen. Die dunklen T├╝rspalten schienen ihr nun wie schwarze Abgr├╝nde, die sie mit jedem Schritt ├╝berspringen musste. Wieder h├Ârte sie etwas klirren. Sie lief um eine Ecke und vor ihr, direkt unter einer grellen Deckenlampe, stand nun die absto├čende Puppengestalt. Der Frauenblazer war halb von den Schultern gerutscht und entbl├Â├čte ein dreckstarrendes Herrenunterhemd, ein Gesicht war unter dem schlaff herabh├Ąngenden M├╝tzenschild nicht zu erkennen. Die Figur machte einen Schritt auf Anna zu. Sie hatte die Arme bedrohlich nach oben gerissen und die Finger wie Krallen abgespreizt. Babbelnde, speicheltriefende Laute quollen unverst├Ąndlich unter dem Schirm der M├╝tze hervor. Dieses Etwas kam immer n├Ąher. Anna schloss kurz die Augen, hob ihre Arme zur Abwehr und dr├╝ckte sich dann mit all ihrer schwachen Kraft gegen das Wesen. Die kurze Ber├╝hrung brachte es sofort zum straucheln. Es prallte schlaff gegen eine Klinke, brachte noch einen schmerzvollen Grunzlaut hervor und sackte dann durch eine sich langsam ├Âffnende T├╝r in den dunkel dahinter liegenden Raum. Schwer atmend blickte Anna hinab auf das j├Ąmmerlich zusammen gekr├╝mmte Wesen. Aus dem Kinderzimmer war nun das w├╝tende Weinen Marcs zu h├Âren.

Die Walkers hatten ihr davon abgeraten, trotzdem besuchte Anna die schlecht ausgestattete Innenstadtklinik. Eine der katholischen Schwestern, die sie fragte, f├╝hrte sie zu einem engen Zimmer mit Krankenbett, Medizinschr├Ąnkchen und schmutzig wei├čen W├Ąnden. In diesem Bett lag ein Mann, ihr Angreifer aus dem Haus. Die mageren Arme waren von mehreren Infusionen durchstochen und breite Lederriemen fesselten sie an die Umfassung des Bettes. ÔÇ×Wir m├╝ssen noch warten, bis er verlegungsf├Ąhig ist f├╝r die geschlossene PsychiatrieÔÇť, sagte die Schwester und ging. Der Mann im Bett schwieg. Er schien Anna gar nicht zu bemerken und seine umherirrenden Augen boten einen absto├čenden Anblick. Unwillk├╝rlich schluckte sie.
Warum dieser Mensch wohl in die Wohnung eingebrochen war, dachte Anna. Gefunden hatte er sicher nichts von Wert. Sie blickte auf den verwahrlosten Mann nieder und ihr wurde klar, dass ein Einbrecher doch Gewalt angewendet h├Ątte, um zu entkommen. Dieser Mann aber hatte die Unantastbarkeit der teuer geschliffenen Glasfenster des Hauses respektiert, er wusste, welcher Respekt den Walkers zustand. Anna fiel der Ball ein. Ein Haus voller G├Ąste, einer davon vielleicht besonders ersch├Âpft oder total betrunken und ein stilles Zimmer hatte ihn zum Einschlafen verf├╝hrt. Nach dem Ende des Balls waren alle Alarmanlagen wieder eingeschaltet worden und bei einem Eindringling h├Ątte man sicher die Polizei gerufen, die Walkers hatten einen strengen Ruf.
Anna begann sich vorzustellen, wie der Mann in dem gro├čen Haus versteckt gelebt hatte. In den K├╝chen konnte er kaum etwas zu Essen finden, in den Zimmern vielleicht T├╝ten mit alten Kartoffelchips oder Salzstangen. Er wandert durch all die leeren Zimmer, er ├Âffnet die angelehnten T├╝ren und schlie├čt sie ├Ąngstlich wieder im genau gleichem Winkel. Alle R├Ąume sind wei├č gestrichen, alle Ecken voller Staub. Allein im Haus musste ein Tag endlos sein.
Aus seinem Bett heraus blickte der Mann w├╝tend im Zimmer umher und Anna liefen nun Tr├Ąnen ├╝ber die Wangen. Es ├╝bermannte sie panische Angst vor diesem Haus.


nachdem ich mich schon vor jahren bei der leselupe angemeldet hatte, jetzt auch mal ein posting von mir :-)
bei dem ende der geschichte bin ich mir nicht ganz sicher, wie es mit dem hauptteil harmoniert. was denkt Ihr?

der maik

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lapismont
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Hallo maik-maier,

willkommen zur├╝ck oder so.



Zu Deiner Frage.

Tats├Ąchlich gibt es einen Bruch, durch den das Ende etwas angeflanscht wirkt. Es wird nicht klar, worin diese besondere Beziehung zwischen Anna und dem Fremden liegt.
Vielleicht l├Ąsst Du sie die Gedanken des sich Verlierens in dem gro├čen Haus bereits verher haben. Vielleicht, wenn sie das Kinderzimmer mit dem Tee sucht. Da streift sie durch das staubige Haus, versucht das Weinen zu orten, erkennt, wie endlos es wirkt.

Auch wird nicht klar, warum sich der Fremde nicht vorher meldet. Vielleicht ├Âffnet Anna eine versehentlich geschlosse T├╝r zu einer weiteren Zimmerflucht, in der der Partygast gefangen war und nun ersch├Âpft und wahnsinnig in den bewohnten Teil des Hauses tappt.

Ich finde die Geschichte aber bereits in der jetzigen Fassung toll erz├Ąhlt.

cu
lap
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Krom
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Hallo Maik,

insgesamt hat mir Deine Geschichte gefallen, aber (das Wort, das kein Autor h├Âren will) der Schluss bereit mir Probleme.

Das Ende wirkt auf mich merkw├╝rdig unentschieden. Ich will gar nicht sagen, dass Du unbedingt ein Geheimnis aufkl├Ąren musst. Nur irgendeinen Hinweis, bei dem klar werden k├Ânnte, was sich in dem Haus m├Âglicherweise ereignet hat, h├Ątte ich mir gew├╝nscht.

So endet die Geschichte damit, dass Anna sich vor dem Haus f├╝rchtet. Sch├Ân und gut, nur was folgt daraus?

Viele Gr├╝├če,
Krom (Daniel)

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maik-maier
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Hallo, etwas sp├Ąt von mir, aber auf jeden fall danke f├╝r euere antworten! ich denk auch, dass das angeh├Ąngte ende die schwachstelle des textes ist. Ich wollte damit erkl├Ąren, dass das monster sozusagen auch nur ein gast des hauses war. Aber so viel zum verst├Ąndnis scheint der nachgeschobene text auch nicht beizutragen. Vielleicht kann man ihn sogar ganz weglassen, der kampf mit dem monster ist ja sozusagen das nat├╝rliche ende des textes. Was haltet ihr von diesen k├╝rzeren ende? Reicht dem leser das als erkl├Ąrung f├╝r die herkunft des ÔÇ×monstersÔÇť?

der maik

Ins unreine geschrieben das k├╝rzere ende:


.......Schwer atmend blickte Anna hinab auf das j├Ąmmerlich zusammen gekr├╝mmte Wesen. Aus dessem zusammengest├╝ckelten Kost├╝m war ein aufwendig bedrucktes K├Ąrtchen gerutscht. ÔÇ×F├╝r Oberrichter J.F. CraterÔÇť, lass Anna die zerknitterten Buchstaben, ÔÇ×Sie sind zum Ball im Hause der Familie Walker herzlich eingeladen.ÔÇť Aus dem Kinderzimmer drang das w├╝tende Weinen Marcs.

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Krom
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Hallo Maik,

das k├╝rzere Ende l├Âst das R├Ątsel meiner Meinung nach deutlich besser auf (wobei dies nicht unbedingt n├Âtig sein muss), au├čerdem macht es den Text pointierter.

Insofern ist k├╝rzer hier wirklich besser.


Viele Gr├╝├če,

Krom (Daniel)

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