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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Einsam sterben ist tragisch
Eingestellt am 15. 03. 2016 21:48


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Betzebub
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2016

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Horst saß wie jeden Tag hinter dem Tresen seines kleinen Elektro-Ladens. Seine Augen fixierten den winzigen Bildschirm seines in die Jahre gekommenen Computers. Ab und an blickte er durch die schon speckige und stumpfe Glasscheibe, die sich „Schaufenster“ schimpfte. Viele Leute liefen an seinem Laden vorbei, manchmal blieb einer stehen, sah sich die spĂ€rlichen Auslagen an, und ging dann weiter.
Er hatte oft gedacht, er könnte den Laden mal sauber machen oder die Scheibe reinigen lassen. Selbst dazu fehlte ihm die Motivation. Und irgendwelche Rechnungen konnte er auch nicht bezahlen. Bei der Ladenmiete war er schon drei Monate im RĂŒckstand und die kleine FrĂŒhrente reichte gerade so fĂŒr die winzige Wohnung und das, was er fĂŒr Nebenkosten und Nahrung ausgab. FrĂŒher oder spĂ€ter mĂŒsste er die Wohnung kĂŒndigen und sein Bett in dem kleinen und ohnehin leeren Lager aufstellen und dort wohnen.
Fast schon automatisch griff er zu der kleinen Schublade im Tresen und zog sie heraus. Es war mal wieder soweit. Sein Körper verlangte nach dem, was er als „Muntermacher“ bezeichnete. Der Billigfusel aus dem Discounter schmeckte ihm gar nicht. Aber mehr ließ sein Geldbeutel nicht zu. Immer wieder schwor er sich, dass diese Flasche die letzte sein wird, die er anrĂŒhrte – seit drei Jahren.
Mit einem Klick auf „Senden“ schickte er nicht nur zwölf Reihen plus „Super 6“ und „Spiel 77“ ab. Auch die nĂ€chsten dreißig Euro fanden einen neuen Besitzer. Irgendeinen „GlĂŒcklichen“, der mit der Sucht anderer ein Heidengeld machte.
Horst wusste, dass er frĂŒher oder spĂ€ter „hopsgehen“ wird. Nur woran, konnte er nicht vorhersagen. Ihm war es im Grunde auch egal. Ob ihn jetzt sein dritter Herzinfarkt oder die Leber zugrunde richten wĂŒrde, spielte fĂŒr ihn keine Rolle mehr.
Irgendjemand hatte sich zu ihm an den Tresen geschlichen. Vorbei an dem Glöckchen ĂŒber der TĂŒr und vorbei an den Luftbefeuchtern, die mitten im Verkaufsraum wie eine Armee nebeneinander standen. „Ich bin gleich fĂŒr Sie da“, brummelte er. Sein Blick fand seit mehreren Stunden kaum etwas anderes als den Computermonitor.
„Wir mĂŒssen reden, Horst!“, sagte sein Vermieter mit ernster Stimme. „Du bist drei Mieten zurĂŒck, Horst. Und so, wie es hier aussieht, sind’s nĂ€chste Woche sogar vier. Ich mĂŒsste dich rausschmeißen. Das weißt du. Und das dĂŒrfte ich auch. Ich kenn dich schon lange, Horst. Ich hab dir den Laden sogar mietfrei gelassen als du im Krankenhaus lagst und nicht arbeiten konntest. Aber du musst mich auch verstehen. Ich bin auf die Miete angewiesen. Ich geb dir jetzt noch bis zum Ende des Monats, die Miete zu bezahlen. Ansonsten muss ich dich hier wirklich rauswerfen“, argumentierte sein Vermieter.
„Montag, Horst. Hörst du? Montag hab ich zumindest einen Teil der Miete auf der Theke hier liegen. Hast du das verstanden, Horst?“, fragte Dieter MĂŒller, wĂ€hrend er mit seinem Zeigefinger seiner Drohung Nachdruck verlieh.
„Ja, Dieter. Verstanden“, antwortete Horst.
„Wir sehen uns Montag wieder, Horst. TschĂŒss“, verabschiedete sich Dieter und verließ den Laden.
Er ließ sich nichts von dem stechenden Schmerz in der Brust anmerken. Dieser Schmerz, der immer öfter und immer heftiger seinen Körper durchzucken ließ. UnwillkĂŒrlich fasste er an seine Brust. So, als wĂŒrde er den Griff eines Dolches packen und versuchen, diesen Dolch aus dem Herzen zu ziehen, damit der Schmerz endlich aufhört.
Er versuchte, tief ein und aus zu atmen. Seine rechte Hand, zur Faust geballt, hĂ€mmerte auf seinen Brustkorb herum. Ein krĂ€chzendes, fast mechanisches Husten verließ seinen Mund. Er schloss seine Augen, in der Hoffnung, dass der Schmerz schwĂ€cher wird. Nach ein paar vorsichtigen, ruhigen AtemzĂŒgen öffnete er sie wieder. Mit zittrigen HĂ€nden tastete er seine Halsschlagader ab. Sein Herz raste. Das spĂŒrte er auch ohne, seinen Puls zu fĂŒhlen. Horst krallte sich mit den NĂ€geln an der Tischplatte fest. Der Bildschirm verschwamm immer mehr vor seinen Augen. Obwohl seine Heizung seit Wochen nicht mehr lĂ€uft, tritt ihm kalter, eisiger Schweiß auf die Stirn. Mit beiden HĂ€nden stemmte er sich mĂŒhsam auf der Holzplatte in die Höhe und taumelte wie ein Betrunkener in Richtung seines kleinen, leeren Lagers. WĂ€hrend er sich mit der linken Hand an der dreckigen Wand abstĂŒtzte, schraubte er angestrengt das Ventil des Wasserhahns auf.
Mit dem verkrusteten, seit Ewigkeiten nicht mehr gewaschenem, Handtuch fing er den Strahl auf und wischte sich mit dem kalten Tuch den Schweiß von seiner Stirn. Sein Oberkörper schmerzte und sein Brustkorb fĂŒhlte sich an, als wĂŒrde ihn jemand in ein Korsett schnĂŒren und brutal und rĂŒcksichtslos die SchnĂŒre zuziehen. Horst versuchte, zu atmen. Aber mit jedem Atemzug fiel es ihm schwerer, Luft in sich zu saugen. Die Kraft seiner rechten Hand ließ von einer Sekunde auf die nĂ€chste nach und der Stofflappen glitt aus seiner Hand. Keinen Wimpernschlag spĂ€ter verlor der linke Arm seine Halt und glitt nach unten. Alles um ihn herum schien sich in Zeitlupe zu bewegen. Einen festen Punkt zu fixieren wurde immer schwieriger. Letztendlich verloren beide Beine fast gleichzeitig ihre Kraft und Horst wurde auf die Knie gezwungen. Seine kraftlose Hand versuchte vergeblich, ein Loch in seinen Brustkorb zu reißen, um dem alten, geschundenen Herzen mehr Platz zum Arbeiten zu schaffen. Er spĂŒrte den sauren, fast schon giftigen Geschmack seiner MagensĂ€ure nicht mehr auf seiner Zunge. Nach einem letzten, anstrengenden Atemzug schloss Horst mit einem kaum erkennbaren LĂ€cheln die Augen.

Erst als sich Dieter MĂŒller wunderte, dass um 22 Uhr abends noch das Licht in Horsts Laden brannte, betrat er den Laden vorsichtig.
„Horst! Wo bist du? Hallo?!“, rief er. Dieter lief durch den Laden und suchte in jedem der wenigen GĂ€nge nach seinem Freund. Erst im Lagerraum fand er Horst lĂ€chelnd auf dem Boden liegen.
Der Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

__________________
Wer ainen RĂ€chtschraifehla finded, darf iin behallten.

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Karn Hardt
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Betzebub,

du hast unverkennbar ein plastisches Vorstellungsvermögen oder - wie man so schön schreibt: Fantasie - und somit Talent zum Schreiben.
Deshalb bin ich deinem Plot gefolgt, der (fĂŒr mich) fast alle Bestandteile einer guten Geschichte beinhaltet: Mann in auswegloser Situation sucht Rettungsanker - und findet ihn im tagtĂ€glichen Billigsuff, bis Prot. begreift, dass das nicht die Lösung sein kann. Der Vermieter steht auf der Matte, eigentlich ein Freund, der aber die Miete braucht.
Dann kommt®s: Die Rettung ist ein finaler Infarkt, dem schon mehrere voraus gegangen sind 


Sorry, da hast du deine Geschichte zu sehr auf Abschluss getrimmt und dich vor einer glaubwĂŒrdigen Pointe gedrĂŒckt. Hier streike ich als Leser. Warum das ganze Muschibubu vorneweg? Der Leser bekommt Input, das schlussendlich verpufft!?!

Gehen wir doch mal tiefer hinein in deinen Plot.
Ideen = rot
Anmerkungen = blau


Horst saß wie jeden Tag hinter dem Tresen seines kleinen Elektro-Ladens. Seine Augen fixierten den winzigen Bildschirm seinesdas es seiner ist, ergibt sich aus dem Text des in die Jahre gekommenen Computers. Ab und an blickte er durch die schon speckige und stumpfe Glasscheibe, die sich „Schaufenster“ schimpfte. Viele Leute liefen an seinem Laden vorbei, manchmal blieb einer stehen, sah sich die spĂ€rlichen Auslagen an, und ging dann weiter.

Er hatte oft daran gedacht, er könnte den Laden mal sauber zu machen oder die Scheibe zu putzen reinigen lassen.

"Show, donÂŽt tell", schreie ich dir hier zu - und streiche FĂŒllwörter!


quote:
Selbst dazu fehlte ihm die Motivation. Und irgendwelche Rechnungen konnte er auch nicht bezahlen. Bei der Ladenmiete war er schon drei Monate im RĂŒckstand und die kleine FrĂŒhrente reichte gerade so fĂŒr die winzige Wohnung und das, was er fĂŒr Nebenkosten und Nahrung ausgab.

Diese Hinweise sind fĂŒr das CharakterverstĂ€ndnis wichtig, aber IMHO schlampig umgesetzt (sorry fĂŒr VulgĂ€rsprache, aber du musst mal richtig durchgeschĂŒttelt werden) :-)
"Selbst" benötigt eine ErlÀuterung, die es in deinem Text "noch" nicht gibt. Sie impliziert etwas, was du noch nicht beschrieben hast. Deshalb ist das "Selbst" hier unangebracht. Entweder du bringst mehr Pech des Prots in Spiel, womöglich Scheidung, Kinder wollen nichts mit ihm zu tun haben, er war schon mal im Knast - oder sonst was ...

... irgendwelche Rechnungen ... Ich bitte dich: Entweder sind Rechnungen da oder nicht. "Irgendwelche" ... gibt es nicht.


Idee:
Auf so einen Scheiß wie Saubermachen hatte er keinen Bock, genauso wenig wie auf die blöden Rechnungen, die sich vor ihm tĂŒrmten - und schon gar nicht auf die Ladenmiete. Drei Monate RĂŒckstand und das bei einem Freund! Es war zum Kotzen, aber seine Einnahmen reichten gerade mal fĂŒr seine Bude und notwendigstes Fressen.


An dieser Stelle höre ich erstmal auf, weil ich nicht weiß, ob dir derartiges Input genehm ist. Ich will weder in deinen Text eingreifen, noch dich irgendwohin lenken. Es sind auch lediglich Anmerkungen, wie ICH es als Leser empfinde und keine omniprĂ€senten Gesetze :-)

Soll ich hier weitermachen oder liege ich falsch?

GrĂŒĂŸe und - man liest sich ...

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Betzebub
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Danke fĂŒr euer Feedback!

Die Geschichte hatte ich zuvor mit einem anderen Ende geschrieben. Dabei wurde Horst von Dieter halbtot aber kurz vorm Sterben gefunden und ins Krankenhaus gebracht, um dort zu sterben. Der Tod von Horst stand also schon von vornherein fest.

Allerdings hat mir dieses Ende nicht gefallen. Auch wenns sich jetzt hart anhört, aber eine solche Person hat es einfach nicht verdient, im Krankenhaus zu sterben.
Ein einsamer und mitunter schmerzvoller Tod passte einfach besser. Er hatte ja quasi nur noch Dieter, den Alkohol und das Lotto-Spielen.
Daher "musste" Horst auf diese Art sterben.

Das LĂ€cheln auf Horsts Gesicht soll gerade makaber sein. Zum einen ist es das Letzte, an das man bei einem Toten denkt und zum anderen soll das die "Freude" von Horst darĂŒber sein, dass er es hinter sich hat.
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Nachtrag:


quote:
Idee:
Auf so einen Scheiß wie Saubermachen hatte er keinen Bock, genauso wenig wie auf die blöden Rechnungen, die sich vor ihm tĂŒrmten - und schon gar nicht auf die Ladenmiete. Drei Monate RĂŒckstand und das bei einem Freund! Es war zum Kotzen, aber seine Einnahmen reichten gerade mal fĂŒr seine Bude und notwendigstes Fressen.


Warum sollte ich eine gute Geschichte mit einem solchen vulgĂ€ren "Schreibdurchfall" fĂŒllen?

Die Figur des Horst wird plastisch dargestellt. Solch primitive und vulgÀre Aussagen beschreiben die Situation von Horst nicht annÀhernd so gut, wie der bestehende Text.
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